Gesunde ErnährungDie Staatsdiät

Die Deutschen werden immer dicker. Manche fordern daher, der Staat solle die Bürger vor ungesundem Essen schützen, etwa durch Steuern oder Erziehung. Was würde das bringen? von Claudia Wüstenhagen

Wenn es um das Wohl der Bevölkerung geht, greift Thomas Danne schon mal im Nadelstreif zur Schubkarre. Gleich zwei Karren stehen an diesem Vormittag auf einem Schulhof in Berlin-Wedding, die Ladung glitzert im Sonnenlicht: Zuckerwürfel, bergeweise. Danne will sie auf dem Boden auskippen – wie Mist auf einem Haufen. Journalisten sind gekommen, das Fernsehen ist da, gleich wird Renate Künast eintreffen. Sie soll mit anfassen.

Thomas Danne ist Kinderarzt und Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – dem Verein Deutsche Diabetes-Hilfe. Mit der Aktion will er gegen den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken an Schulen protestieren. "Ein Sechsjähriger nimmt allein über Limonade fünf Kilogramm Zucker im Jahr zu sich, ein Jugendlicher sogar 30 Kilo", sagt Danne. Damit sich das jeder vorstellen kann, stehen eine kleine und eine große Schubkarre mit dieser Ladung auf dem Schulhof. Zusammen enthalten sie mehr als 11.600 Würfel. Einige Schüler posieren um die Karren und halten lächelnd Wasserflaschen in die Kameras.

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So sieht es aus, wenn Gesundheitsexperten PR für bessere Ernährung machen. Es ist eine gut gemeinte Aktion, doch nahezu lächerlich, verglichen mit dem gigantischen Marketing und den immer neuen Produkten der Lebensmittelbranche, die über Jahrzehnte eine Welt der ständigen Verführung geschaffen hat. Deutschland ist zum Schlaraffenland geworden. Und seine Bewohner werden immer dicker .

Einige Experten sehen Pommes, Cola und Co. inzwischen in einer Reihe mit Tabak und Alkohol, sie fordern ein entschlossenes Eingreifen des Staates. Er solle seine Bürger vor ungesundem Essen schützen und gesunde Entscheidungen erleichtern: etwa Steuern auf Fettiges oder Süßes erheben, Verkauf und Werbung regulieren, eine flächendeckende Gesundheitserziehung einführen. New York ist diesen Schritt schon gegangen : Vor Kurzem hat die Stadt beschlossen, dass Restaurants ab März Softdrinks nur noch in Bechern bis maximal 0,47 Liter verkaufen dürfen.

ZEIT Wissen 6/2012

Ob der Staat den Menschen ins Essen reinreden sollte, ist eine moralische Frage – die Meinungen gehen auseinander. Ob das überhaupt funktionieren kann, ist eine andere. So versuchen Mediziner, Ökonomen und Public-Health-Forscher zu ergründen, was Politik überhaupt ausrichten kann – ob und mit welchen Mitteln sie Menschen dazu bringen könnte, sich gesünder zu ernähren. Eines ist klar: Einzelne Maßnahmen werden kaum etwas ändern.

Dabei ist das Problem nicht mehr kleinzureden. Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen haben hierzulande Übergewicht, jeder Fünfte ist gar adipös – gefährlich für die Bevölkerungsgesundheit. "Starkes Übergewicht fördert Wohlstandskrankheiten, von Diabetes über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs bis hin zu Alzheimer ", sagt der Ernährungsmediziner Hans Hauner von der TU München.

Eine Lösung, die naheliegt und für Staaten naturgemäß attraktiv ist: Steuern erheben. Dänemark hat vor einem Jahr eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren eingeführt, Ungarn besteuert Junkfood und Frankreich seit Kurzem Softdrinks. Auch David Cameron und Barack Obama haben schon eine Steuer auf Ungesundes erwogen, und der UN-Sonderbotschafter für Ernährung, Olivier de Schutter , empfiehlt sie als wichtigen Beitrag zur Bevölkerungsgesundheit.

Die ökonomische Theorie dahinter ist simpel: Steigt der Preis, sinkt die Nachfrage. Bei Zigaretten funktioniert das. Befürworter einer Fett- oder Zuckersteuer hoffen, dass Konsumenten gesündere Lebensmittel wählen und Hersteller ihre Rezepturen ändern. Versuche, Letzteres auf direktem Weg zu erreichen, scheitern meist an der Lobby der Produzenten.

Ob eine Fett- oder Zuckersteuer dazu führt, dass Menschen sich gesünder ernähren und weniger dick werden, ist jedoch ungewiss. Es gibt kaum langfristige Erfahrungen und daher wenige empirische Belege. Wo solche Steuern existieren, sind sie oft zu niedrig, um überhaupt eine Wirkung zu entfalten. Das legt eine aktuelle Übersichtsstudie von Ökonomen im British Medical Journal (BMJ) nahe. Modellrechnungen ergeben, dass eine Steuer den Preis um mindestens 20 Prozent erhöhen müsste, damit die Nachfrage sinkt. Ein solcher Aufschlag bei Softdrinks könnte etwa in den USA die Energiezufuhr pro Kopf um bis zu 200 Kilojoule pro Tag senken und die Zahl der Übergewichtigen um 3,5 Prozent reduzieren.

Allerdings verhalten sich Menschen im realen Leben nicht immer so wie in Modellrechnungen. Beispiel Dänemark: Berichten zufolge fahren manche Dänen jetzt nach Deutschland, um sich mit Butter und Fleisch einzudecken. Die Produzenten im eigenen Land toben, und schon erwägt die dänische Regierung, die Steuer wieder abzuschaffen.

Und selbst wenn Verbraucher von den unerwünschten Lebensmitteln lassen, heißt das nicht, dass sie sich gesünder ernähren. "Es kommt darauf an, was sie stattdessen essen", sagt der Gesundheitsökonom Hendrik Jürges von der Universität Wuppertal. Weichen sie von fettigen Snacks nur auf salzige aus oder von Cola auf gezuckerte Säfte, ist nicht viel gewonnen. "Solche Ausweichreaktionen sind im Vorfeld aber schwer abzuschätzen", sagt Jürges. Trotzdem ist er für eine Probe aufs Exempel. Wenn am Ende herauskomme, dass sich die Nachfrage nur verlagere, müsse die Politik nachjustieren und weitere Produkte besteuern. "Das sieht vielleicht nach Versuch und Irrtum aus, ist aber der einzige Weg, herauszufinden, was eine Steuer wirklich bringt."

Doch worauf sollte sie erhoben werden? Fast nirgendwo sind wissenschaftliche Erkenntnisse von so kurzer Gültigkeit wie beim Thema gesunde Ernährung. Ob wirklich gesättigte Fettsäuren etwa in Butter, Wurst und Käse schuld an allem Übel sind, wie die dänische Steuerpolitik suggeriert, ist fraglich.

Die meisten Wissenschaftler haben vor allem eine Produktgruppe ins Auge gefasst: "Wir sollten zuckerhaltige Getränke besteuern", sagt Oliver Mytton , Public-Health-Forscher an der University of Oxford und Verfasser der Metastudie im BMJ . "Es gibt Belege dafür, dass ein regelmäßiger Konsum zu Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen führt." Schon ein kleiner Rückgang könne sehr wirkungsvoll sein. Im Gegenzug, schlagen viele Experten vor, sollte der Staat gesunde Lebensmittel subventionieren. "Er könnte etwa die Mehrwertsteuer bei Obst und Gemüse auf null senken", sagt Hendrik Jürges.

Allerdings hält keiner der Experten eine Steuer für das Allheilmittel. Sie könne lediglich ein Baustein der Ernährungspolitik sein. Eine ganze Bevölkerung wird sich mit einem so groben Instrument nicht lenken lassen. Zudem sind nicht einzelne Lebensmittel schuld an den wachsenden Fettpolstern. Übergewicht ist ein komplexes, gesellschaftliches Problem mit vielen Ursachen. Wer etwas erreichen will, so die Erkenntnis der Forscher, muss an verschiedenen Stellschrauben drehen. Und vor allem: bei den Kindern anfangen. Denn Ernährungsgewohnheiten entstehen früh. Wenn Menschen von klein auf eine Vorliebe für Gesundes entwickeln, muss der Staat später nicht verfestigte Konsummuster korrigieren. Allerdings werden heute auch die Jüngsten immer dicker.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, sechs Prozent adipös – 50 Prozent mehr als in den neunziger Jahren. Das ist beunruhigend, denn Übergewicht ist hartnäckig. "80 Prozent der Kinder, die mit zehn Jahren dick sind, werden es auch als Erwachsene sein", sagt der Adipositas-Experte Manfred Müller , Leiter des Instituts für Humanernährung und Lebensmittelkunde der Universität Kiel.

Die Bundesregierung setzt auf Aufklärung, um das Problem in den Griff zu bekommen. Sie fördert beispielsweise den Ernährungsführerschein , ein Unterrichtsprogramm vom aid Infodienst Ernährung für Schüler in der dritten Klasse. In mehreren Einheiten lernen sie die Ernährungspyramide kennen, belegen Brote mit Gesichtern aus Gemüse, kochen Kartoffeln und richten sogar ein kaltes Buffet an. Nach einer Abschlussprüfung erhält jedes Kind einen Ausweis mit Passfoto und Stempel. Den Schülern bereite das großen Spaß, sagt eine Dozentin, manche würden dabei zum ersten Mal überhaupt Gemüse schneiden.

Den Sinn einer solchen Bildungsinitiative bezweifelt niemand. Fraglich ist aber, ob sich so Übergewicht verhindern lässt. Zum einen ist das Programm nicht flächendeckend etabliert. Zum anderen zeigen Studien, dass Aufklärung und Erziehung allein wenig bringen. Manfred Müller hat in Kiel über viele Jahre ein Aufklärungsprojekt für Grundschüler wissenschaftlich begleitet. Sein Fazit: "Gerade diejenigen, die es am nötigsten haben, profitieren von solchen Kursen oft nicht." Bei Kindern aus ärmeren Familien und mit übergewichtigen Müttern konnte die Schulintervention das Übergewicht nicht verhindern.

Vielleicht kommen ein paar Stunden Unterricht nicht an gegen die Verführungen der Lebensmittelindustrie und die Verwirrung, die sie mit ihrem Marketing stiftet. Welchen Aufwand sie betreibt, um ihre Produkte in ein gutes Licht zu rücken, war zuletzt bei den Olympischen Spielen in London zu sehen, wo ausgerechnet Coca-Cola, McDonald’s und der Schokoladenhersteller Cadbury als Hauptsponsoren auftraten. Hendrik Jürges ist noch immer fassungslos. "Man könnte meinen, Cola und Burger seien Sportlernahrung." Seiner Ansicht nach haben Staaten die Pflicht, Werbung dieser Art zu regulieren.

Eigentlich hatte die europäische Lebensmittelindustrie vor einigen Jahren eingewilligt, zumindest Werbung einzuschränken, die sich an Kinder richtet. Doch die Selbstverpflichtung blieb in Deutschland ohne Folgen. Das hat der Wirtschaftsrechtler Tobias Effertz von der Universität Hamburg in einer Studie über Fernsehwerbung nachgewiesen. Effertz hält es daher für nötig, Lebensmittelwerbung für Kinder zu verbieten. "Eine Vielzahl an Studien belegt die ungünstige Werbewirkung auf Kinder", sagt er. "Kinder hinterfragen das Produkt nicht kritisch, sondern lassen sich durch die emotionale Ansprache der Werbung begeistern und zum Kauf bringen."

Selbst wenn Kinder wissen, was gut für sie ist und was nicht – was nützt das schon, wenn die Umwelt es ihnen so schwer macht, entsprechend zu handeln? Wenn sie sogar am Schulkiosk zum Naschen angestiftet werden? Der Ernährungsmediziner Hans Hauner hat sich auf Schulhöfen umgesehen und war entsetzt über den "Schrott", der dort verkauft wird: Minipizzen und Zuckerwasser. "Oft liegen nicht mal Äpfel aus", beklagt Hauner.

Zwar hat die EU ein groß angelegtes Schulobstprogramm initiiert, das Schülern kostenlos Früchte bereitstellt, doch hierzulande nehmen nur sieben Bundesländer daran teil. "Ich würde mir wünschen, dass es festgelegte Standards für alle gibt", sagt Hauner. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat längst Empfehlungen für die Schulverpflegung erarbeitet, sie sind aber nicht verbindlich. Für Thomas Danne von diabetesDE ist das nicht nachvollziehbar. "Es ist nicht akzeptabel, dass die Politik es zulässt, dass an Schulen die Gesundheit Hunderter Kinder zugunsten der finanziellen Interessen eines Caterers aufs Spiel gesetzt wird." Danne schlägt vor, alle Schulen mit Wasserspendern auszurüsten, um gesunde Alternativen zur süßen Limo zu schaffen.

Studien aus den USA belegen, dass eine strengere Regulierung des Lebensmittelangebots an Schulen sich günstig auf den Konsum und das Gewicht der Schüler auswirkt. Natürlich lässt sich einwenden, dass die Kinder ihre Cola auch auf dem Schulweg besorgen oder von zu Hause mitbringen können. Nicht zu unterschätzen sind zudem die Trotzreaktionen, die eine gut gemeinte Initiative hervorrufen kann. Als Starkoch Jamie Oliver britische Schulen auf gesundes Essen umstellte , waren manche Eltern so empört, dass sie ihren Sprösslingen in der Pause Fish and Chips durch den Schulzaun zusteckten. "Das kann aber kein Argument dafür sein, ungesundes Zeug direkt auf dem Schulhof zu verkaufen", sagt Danne. Er ist dafür, ein Verkaufsverbot pädagogisch zu begleiten und die Eltern einzubeziehen, um Trotzreaktionen vorzubeugen.

Widerstand regt sich immer, wenn es um Eingriffe ins Private geht, und die sind bei Bemühungen um die Bevölkerungsgesundheit manchmal nötig. "Als die Anschnallpflicht im Auto eingeführt wurde, haben die Leute getobt, aber heute zieht niemand mehr den Nutzen in Zweifel", sagt Anja Kroke . Die Professorin für Public Health Nutrition von der Hochschule Fulda ärgert sich über die Schieflage der Prioritäten. "Im Hygienebereich wird so viel reguliert, dass kleine Betriebe an den Auflagen zugrunde gehen", sagt Kroke. "Wenn man aber gegen Lebensmittel vorgehen will, die auf Dauer und in großer Menge ganz klar schlecht für uns sind, dann ist der Ärger groß."

Die Bundesregierung hat sich dafür entschieden, keinen Ärger zu provozieren. "Eine politische Steuerung des Konsums und Bevormundung der Verbraucher durch Werbeverbote und Strafsteuern lehnen wir ab", heißt es im Koalitionsvertrag. Es ist ein Dilemma für Politiker: Schränken sie die Freiheit der Verbraucher ein, machen sie sich unbeliebt. Und wenn sie nicht konsequent genug handeln, werden sie womöglich nicht viel bewegen.

Thomas Danne hat für die Zurückhaltung der Politiker dennoch kein Verständnis. "Ich bin darüber schlicht entsetzt", sagt er. Es sei höchste Zeit für eine umfassende Präventionspolitik – für eine konzertierte Aktion statt halbherziger Einzelprojekte.

Fest steht, dass es nicht damit getan sein wird, nur beim Essen anzusetzen. Der gesamte Lebensstil eines Menschen hat Einfluss auf Körperfülle und Gesundheit. Bei Kindern und Jugendlichen etwa ist Studien zufolge der größte Risikofaktor für Übergewicht ein hoher Fernsehkonsum. "Wir leben in einer Welt, die Übergewicht fördert", sagt Anja Kroke. Das zu ändern erfordere ein grundlegendes Umdenken in allen Politikbereichen. Solange Radfahrer sich auf den Straßen in Lebensgefahr begeben, Schwimmbäder aus Kostengründen schließen und die Innenstädte mit Imbissen zugepflastert sind, wird das Problem nicht zu lösen sein. Wissenschaftler fordern daher eine kohärentere Politik. "Ich frage mich etwa, ob wir Agrarsubventionen für die Fleischerzeugung brauchen, wo doch Mediziner vor zu hohem Fleischkonsum warnen", sagt Kroke. Bei politischen Entscheidungen sollten sich die Ressorts untereinander abstimmen und stets die Konsequenzen für die Gesundheit der Bevölkerung bedenken.

Bis sich diese Sicht durchgesetzt hat, wird Thomas Danne wohl noch viele Schubkarren auskippen müssen. Eines hat er gelernt: Es ist nicht einfach, hinterher Abnehmer für die Zuckerwürfel zu finden. Der Zoo wollte sie nicht haben, auch ein Pferdehof lehnte ab. Begründung: Die Tiere sollten so etwas Ungesundes nicht fressen.

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Leserkommentare
  1. Fernsehen macht dick? Den biologischen Zusammenhang will ich mal sehen.

    Nein, das Auto macht dick! Weil Kinder bis vors Schultor chauffiert werden. Gegen die Bewegungsmangel-Gesellschaft sind Kinder machtlos. Wir haben kein Auto, mein 4-Jähriger Sohn läuft 2 Kilometer am Stück. So viel Burger könnte der gar nicht essen, um Fett anzusetzen.

    Aber das Auto ist hierzulande heilig; lieber verbieten wir alles andere, als uns diese Lebenslüge einzugestehen.

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    Aber es hängt nicht allein damit zusammen. Ich selbst achte zwar auch auf die Ernährung, aber ich esse auch gern mal beim McDonalds. Ab und auch mal eine Tüte Chips darf auch sein.

    Der wichtigste Grundsatz lautet halt einfach: Weniger Kalorien aufnehmen als man verbraucht. Es ist wirklich ironisch, dass Diätratgeber mit zu den meistgekauften Büchern gehörden, dabei kann doch jeder problemlos abnehmen, wenn er einfach abends mal zwei Löffel weniger isst als normal, Sükram weglässt und kurze Strecken zu Fuß bewältigt. Mehr ist gar nicht notwendig.

    Aber es ist wahr, dass die Leute lieber 500 Meter mit dem Auto fahren, als sich mal aufs Rad zu schwingen. Das heißt aber auch, dass der Sprit noch nicht teuer genug ist.

    Sie liegen falsch. So viele Burger kann ihr Sohn gar nicht fressen? Klar kann er das! Um die Kalorien eines Burgers zu verbrennen, müsste er 10 Stunden lang joggen - ein weiter Schulweg. Rechnen Sie's nach.

    Selten habe ich so einen Unsinn gelesen. Was ist denn mit Bus-und Bahnfahrern? Nur weil Sie kein Auto haben, muss das Auto doch nicht für den Bewegungsmangel der Menschen herhalten.
    Wussten Sie übrigens, dass es eine Korrelation gibt zwischen Haiattacken und verkauftem Eis am Strand? Trotz dessen haben beide Sachen nichts miteinder zu tun. Genau so sieht es bei Ihrem Vergleich aus.
    Jedoch stimme ich Ihnen in soweit zu, dass die meisten Menschen einem Bewegungsmangel unterliegen und zuviel an Nahrungsmittel konsumieren.
    Jeder der ein Auto hat, kann trotzdem joggen, inline-skaten oder sonstige Aktivitäten der Bewegung ausüben. Niemand wird daran gehindert. Man muss es nur wollen und umsetzen.

    Grundsätzlich macht das Fernsehen natürlich nicht dick. Allerdings gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Bewegungsmangel und dem TV-Konsum. In vielen Haushalten läuft mittlerweile der TV permanent wenn jemand zu Hause ist. Durch die Verknüpfung von verschiedenen Inhalten wie dem TV-Programm, Online-Videotheken und dem Internet ist es heutzutage viel leichter den ganzen Tag auf dem Sofa zu sitzen ohne sich zu langweilen. In diesem Zusammenhang ist die Aussage "Fernsehen macht dick" nicht falsch.

    Bei richtiger und bewusster Ernährung führt ein Bewegungsmangel auch nicht zwangsläufig zu Übergewicht. Hier könnte man ebenso argumentieren: "Bewegungsmangel macht dick? Nein!"

    Dennoch hat der nicht unerheblich Schuld an dem Problem.

    Der Staat soll unsere Freiheiten nicht noch weiter einschränken, so tönt es hier vielfach. Schön.

    Die Einschränkung von Freiheiten ist auf unseren Straßen aber bereits bis zur Perfektion fortgeschritten, indem praktisch die gesamte Verkehrsinfrastruktur auf das Auto ausgerichtet wurde.

    Zuerst wurden Fußgänger und Radfahrer auf Seitenstreifen verbannt - zu ihrer eigenen Sicherheit natürlich - und dann wurden auch diese Reservate zu Abstellflächen für Autos umfunktioniert, auf denen Autos, Dreck jeder Art, Glassplitter oder weggeschaufelter Schnee liegen.

    Übrig bleiben segmentierte, gefährliche Rüttelpisten, "verbunden" durch ständige Bordsteinauf- und abfahrten.
    Die allenorts geparkten Autos stellen gerade für Kinder eine große Gefahrenquelle dar, da sie nicht mehr gesehen werden wenn sie eine Straße überqueren wollen und auch selbst schlecht herannahenden "Verkehr" sehen können. Und mit Hilfe der SUVs trifft es heute zunehmend auch Erwachsene unter 2 Metern Körpergröße.

    Es ist kein Wunder, dass heute niemand mehr seine Kinder "raus auf die Straße" lässt. Und die Schäden bestehen nicht nur in der Fettleibigkeit, sondern auch in vermindertem Sozialverhalten.

    Also lieber Staat: stelle doch bitte diese Freiheiten wieder her. Beschränke das automobile Faustrecht auf unseren Straßen, sorge dafür, dass Straßen wieder wirklich öffentliche Plätze für alle Menschen werden. Im Interesse unserer Nachkommen.

    Vor meinem Fernseher steht ein Ruderergometer und den benutze ich jeden Abend für eine halbe Stunde. Seit wann macht das dick?

    Autofahren, Fernsehen etc. macht nicht dick. Mehr Treibstoff reinkippen als verbraucht wird macht dick. Ich guck locker 5 Stunden fern am Tag und fahr mim Auto in die Uni, wieg aber 80kg bei 1,90m Körpergröße.

    Also bitte keine Pauschalisierungen

    • hairy
    • 02. November 2012 11:21 Uhr

    mal den Zusatz von raffiniertem Zucker in Lebensmitteln massiv einzuschränken, würde viel helfen. Ich habe eine Weißzuckerunverträglichkeit, und kenne daher das Kleingedruckte auf sehr vielen Supermarktprodukten recht gut: es ist einfach Wahnsinn, wie oft da Zucker drin ist.

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    Ich stimme Ihnen schon zu in Bezug darauf, daß die meisten (Fertig-)Speisen (und Süßigkeiten sowieso) einen unverhältnismäßig hohen Anteil an raffierten Zucker enthalten und daher einer gesunden Ernährung abträglich sind - um es vorsichtig zu formulieren.
    Aber was bitte soll eine Weißzuckerunverträglichkeit sein? Weißer (raffinierter) Zucker ist chemisch gesehen Saccharose, also ein Dimer aus je einem Molekül α-D-Glucose (Pyranoseform) und β-D-Fructose.
    Dies sind Schlüsselstoffe des menschlichen Stoffwechsels (schon mal von Brenztraubensäure gehört: Citronensärezyclus!). Wenn diese für Sie unverträglich wäre, dann wären Sie mangels Zellatmung bedauerlicherweise längst verstorben.

    MercifulSister

    gestern im warteraum im krankenhaus sah ich einen pummligen papa und eine adipöse mama, wie sie ihre beiden 2 und 3 jahre alten zwerge mit onion rings gefüttern haben.

    umgekehrt ziehen viele im bekanntenkreis gerne darüber her, wenn eltern auf das essen ihrer kleinen achten, von wegen sie wären so pingelig, nur weil sie nicht möchten, dass der zwerg mit schokolade oder fleischwurst gemästet wird, nach dem motto, wir sind ja auch groß geworden.

    Wenn man seinem Gaumen endlich die seit Kindheit anverdorbene Zuckerkonditionierung abgewöhnt hat, dann merkt man erst, wie wirklich wi-der-lich süß alles mögliche schmeckt - auch solches, was gar keine Süßigkeit ist, sondern "pikant" sein soll. Unglaublich!
    Und ich bin nicht mal gegen Süßes. Ich esse gern mal ein Stück Schokolade, wenn mir danach ist. Wenn ich dagegen Tomatensuppe möchte, soll sie nach Tomate und nicht nach Zucker schmecken.

    Aber auch bei vielen Süßwaren wird wohl dank Zucker an anderen Zutaten gespart.
    Was hierzulande in Supermärkten sich "Gebäck" nennt, ist meist nur zusammengepappter Zucker mit Mehl. Fertigkuchen kann ich gar nicht mehr essen. Da zieht einem der Zucker das Maul zusammen, als wär's eine Zitrone! Diese unglaubliche Zuckerkonzentration treibt dem Entwöhnten die Tränen in die Augen.
    Da bleibt dann nur der Griff zum Ökokeks oder, jetzt zu Weihnachten, zum Selbstgebackenen.

    Aber... ceterum censeo... Nein, ich will weiterhin nicht, dass die EU oder irgendwelche selbsternannten Supernannys uns in die Rezepte pfuschen! Nicht noch mehr Dirigismus!
    Auch gibt es Menschen, die durchaus gern und bewußt fett + süß essen (und vielleicht sogar zu dünn sind!).
    Aber eine ordentliche Beschriftung der Waren mit Prozentangaben, die auch ohne Lupe und Lesebrille zu entziffern ist, ist überfällig. Das würde dann bei manchem Produkt einfach blöd aussehen...

  2. Aber es hängt nicht allein damit zusammen. Ich selbst achte zwar auch auf die Ernährung, aber ich esse auch gern mal beim McDonalds. Ab und auch mal eine Tüte Chips darf auch sein.

    Der wichtigste Grundsatz lautet halt einfach: Weniger Kalorien aufnehmen als man verbraucht. Es ist wirklich ironisch, dass Diätratgeber mit zu den meistgekauften Büchern gehörden, dabei kann doch jeder problemlos abnehmen, wenn er einfach abends mal zwei Löffel weniger isst als normal, Sükram weglässt und kurze Strecken zu Fuß bewältigt. Mehr ist gar nicht notwendig.

    Aber es ist wahr, dass die Leute lieber 500 Meter mit dem Auto fahren, als sich mal aufs Rad zu schwingen. Das heißt aber auch, dass der Sprit noch nicht teuer genug ist.

    Antwort auf "Auto macht dick!"
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    • Peugeot
    • 02. November 2012 18:01 Uhr

    Sie schreiben: "Der wichtigste Grundsatz lautet halt einfach: Weniger Kalorien aufnehmen als man verbraucht."

    Das gilt für die Zeit einer Diät. Wenn Sie das ständig machen, verhungern Sie.
    Vorher greift ihr Körper auf *sich selbst zurück*, es *geht an die substanz* und damit sind keine Fettreserven gemeint, die sind schon vorher weg....

    ich denke, SO haben Sie es nicht gemeint. Wobei ich bei dauerhaft 1800kcal und Sport!, wie Sie weiter hinten schrieben, nicht ganz sicher bin...

    kurzstrecke kostet auch eher kurz.
    treibstoffe sind durch den über 100% tigen steueraufschlag im vergleich zu anderen produkten, wie z.B. speiseöl eindeutig überteuert.
    für mich sind fahrradfaschisten menschen ohne sinn für das angenehme, leute mit (unbewußten) masochistischen tendenzen. ich marschiere auch mal gerne strecken zu fuß, aber radfahren mit all dem dazugehörigen gefummel der sicherung und des gepäcktransports finde ich äußerst enervierend und will ich im alltag nicht (mehr) haben.
    gesundheitshitler muessen mal begreifen, daß es alte genetische dispositionen zur vorratsbildung in form von fett gibt. meine vorfahren waren schweinebauern, ewiges rumgehetze war in deren körperprogramm nicht vorgesehen. dicke kriegen nur dann herzinfarkte, wenn sie gehetzt und unter streß (auch psychischen) gesetzt werden.
    außerdem ist ein lohas lebensstil auf finanziellem h4 oder minijob niveau nicht darstellbar. wenn man also energiereiche
    nahrung mit schlechterem physiologischen wert mit strafabgaben belegt, wird seezunge deswegen ja nicht billiger. früher habe ich bei penny immer tiefkühllachs mit rieslingsauce gekauft, wurde ausgelistet. jetzt gibt es nur noch tiefkühlfisch ohne sauce - den mag ich aber nicht, also esse ich gar keinen fisch mehr.
    Unter Napoleon dem Dritten wurden für die Bevölkerung Frankreichs Atlantiklachse im Elsaß als günstiges Nahrungsmittel gezüchtet. Heute sind die Ökos nur an der Auswilderung ohne Zucht interessiert, Fischzucht gilt als bäbä.

  3. Und noch eine Maßnahme: Auf Verpackungen abbilden, was wirklich drinnen ist.

    Warum darf z.B. "Caprisonne" ungestraft Obst abbilden, obwohl es nur Zuckerplärre ist? Machen wir ein neues Gesetz: Es müssen so viel Zuckerwürfel abgebildet werden, wie drin sind, und nur klein in der Ecke ein Stückchen Obst (meist nur 4%!). Und bei Yogurette darf nur so viel Erdbeer drauf sein, wie enthalten ist, nämlich nur ein Krümelchen.

    Ansonsten empfehle ich, immer nach Zutaten-Liste einzukaufen: Man ahnt nämlich gar nicht, wo überall Zucker versteckt ist. Sobald auf Getränken irgendwas von Süßstoffen oder Zucker steht, stell ich sie einfach wieder ins Regal.

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    Meine Freundin und ich trinken generell nur Wasser. Nicht nur, weil es uns einfach besser schmeckt. Es ist auch so, dass man pro Flasche Fanta locker mal 500 Kcal aufnimmt, also ein Viertel dessen, was man überhaupt aufnehmen sollte. Limo trinke ich nur im Restaurant, also da, wo man es sich mal als Luxus erlauben kann.

    Generell finde ich aber 2000 kcal als Empfehlung als viel zu hoch angesetzt. Obwohl ich mich körperlich durch Joggen und Fitnessstudio stark auslaste, nehme ich nie mehr als 1800 kcal zu mir. 2000 kcal für einen Bürojob, wie die meisten Menschen ihn haben, sind viel zu viel.
    Morgens zwei Scheiben Brot mit Honig oder Käse (300 kcal), Mittags einen Apfel und ein Brot (200 kcal), Abends EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak (700-1000 kcal). Schon haben wir maximal 1500 kcal. Wenn man dann noch durch Spaziergänge 150 kcal einspart, purzeln schnell die Pfunde. Aber die Menschen sind es ja gewohnt, sich vollzustopfen. Da suggeriert der Körper Hunger, obwohl er gar keinen hat.

    • Trypsin
    • 02. November 2012 11:37 Uhr

    Stimmt, das könnte etwas bewirken, wenn man auf den Verpackungen die Zucker und Fettmenge, z.B. mit den Einheiten Würfel oder Butterstücke angibt. Wenn dort 10 Würfel Zucker oder 3 Stück Butter abgebildet werden, ist das vielleicht auch schon abschreckend.

    Dann fangen sie mal bei reinem Orangensaft oder purem Apfelsaft an. Soviel Zuckerwürfel bekämen sie gar nicht auf das Etikett.

    Gute Idee, aber eine erster anschaulicher Versuch wurde unter anderem von Ilse Aigner, offiziell unsere " Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.", als EU-weite Verpflichtung vereitelt.

    Danke, dass sie sich so gut um unsere Ernaehung und unseren Schutz vor schaedlichem Konsum kuemmert!

    • Juge
    • 02. November 2012 11:27 Uhr

    Steuern? Subventionen? Klar, anders können wir (der Staat) nicht denken. Es muss immer ums Geld gehen. Am Ende wird eine Fettsteuer nichts bringen, außer dass die monatliche Portion Pommes das doppelte kosten wird.

    Das Problem ist doch ein ganz, ganz anderes:

    http://philosophers-stone...

    Es sind weniger als zehn Unternehmen, die im Grunde alles steuern, was wir konsumieren. Wir haben im Grunde überhaupt keine Wahl, auch wenn wir das aufgrund der zahlreichen "Handelsmarken" nicht merken. Und diese wenigen Unternehmen, die haben nur ein Interesse: Maximaler Profit. Bedeutet: Verkaufen wir den billigsten Scheiß zu maximalen Preisen. Im Grunde konsumieren wir toll bebilderte und mit Blümchen und Bauernhöfen beworbene Industrrieabfälle aus Zucker und Ballaststoffen. Viele Produkte unterscheiden sich doch nur in Nuancen von Baumaterial ....

    Hier müssen wir ansetzen! Keine Fantasiebilder mehr auf Packungen. Keine Werbung, die falsche Botrschaften vermittelt. Wir müssen einfach Gesetze gegen Lug und Betrug einführen, mit harten Strafen - multimilliarden Unternehmen müssen Angst haben, ertappt zu werden.

    Nur wenn die Zuckerbomben nicht mehr als "Apfeltraum vom Lande" oder gepresste Getreideflocken im Zuckermantel als "Vitale Frühstücksflocken" verkauft werden, nur dann hat der gemeine Bürger eine Chance, halbwegs vernünftig zu Essen.

    Guten Tag.

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    In den Köpfen der Menschen (=Konsumenten) muss etwas passieren, alles andere ist bestenfalls Kosmetik, meistens komplett nutzlos.

    Was Verbote nützen, zeigt ein Blick auf die Prohibitionszeit in Amerika, auch die Tatsache, daß der Marihuanakonsum in den Niederlanden nicht höher ist als anderswo spricht Bände...

    Steuern steuern kein Verhalten, Steuern freuen Herr Schäuble!

    So lange die Menschen sich nicht vernünftig (Man kann durchaus darüber diskutieren, was darunter zu verstehen ist!) ernähren WOLLEN, so lange ist das alles verschwendete Mühe.

    96% der deutschen Bevölkerung kann lesen. Auch die Zutatenlisten. Alle Informationen die ich benötige finde ich dort. Wie viel % lesen sie bevor sie eine Kaufentscheidung treffen?

    • irridae
    • 02. November 2012 13:15 Uhr

    Man kann selbst bestimmen, was drin ist, wenn man selbst alles frisch zubereitet. Selten haben wir aber die Muße dazu.

    Die Armen sind besonders betroffen: Wer drei Jobs machen muss, um gerade über die Runden zu kommen, kann nicht für sich und mit seinem Kind und für die Familie kochen. Die Lebensumstände, die uns aufgezwungen werden, spielen auch eine große Rolle.

    • Juge
    • 02. November 2012 13:59 Uhr

    Der gemeine Mensch kann eben NICHT bestimmen, was er isst, da die Produkte einfach mit Lügen beworben werden. Ich rede nicht von dem belesenen Apotheker oder dem gebildeten Sonstwas, sondern von Lieschen Müller und Kevin Meier.

    SO lange auf Verpackungen und in der Werbung die verrücktesten Lügen aufgetischt werden können, wird sich kaum etwas ändern. Wenn aber nur noch mit tatsächlichen Inhaltsstoffen und tatsächlichen Produktionsmedchanismen geworben werden darf, dann sehe ich große Chancen auf einen Veränderungserfolg!

    Sie haben Recht. Im Moment starten diese Konzerne wieder mal millionenschwere Werbekampagnen gegen die Kennzeichnungspflicht z.B bei Gentechnik in Lebensmitteln, unter anderem Bayer, Nestlé, Coca Cola, Monsanto, Pepsi.

    http://www.gesundheitlich...

    Diese Konzerne sind der Auffassung, der Konsument habe kein Recht zu erfahren, was sich in seinem Essen und dem seiner Kinder so alles befindet.

    Es wäre Aufklärung von Nöten. Aber die Politik will sich mit denen wohl nicht anlegen.

    Meine Kinder und ich haben keine Probleme mit dem Gewicht. Ich habe immer Wert darauf gelegt, alles frisch zuzubereiten und keine Fertiggerichte zu verwenden, von denen ich nicht weiß, was da alles drin ist. "Produktionshilfsstoffe" wie z.B. Schweinegelatine zur Klärung von Säften müssen ohnehin nicht deklariert zu werden.

    Gegen solche Brotaufstriche wie Nuss-Nougat-Creme, die aus Unmengen von Zucker und Palmöl bestehen, für das Regenwälder abgeholzt werden, haben wie einen natürlichen Widerstand. Ich finde die ekelig.

    Vor einigen Tagen habe ich mal - da ich allein zu Hause war - so ein Fertiggericht gekauft, das man im Wasserbad erwärmen muss. Rouladen mit Rotkohl und Kartoffelpurree.

    Danach wurde mir übel. Ein Blick auf die Zutatenliste ließ mich erschüttern. Ca. 20 Chemikalien, von denen ich keine Ahnung habe, wie und was sie bewirken. Ein richtiger Chemiebaukasten.

    Da muss gesetzlich viel geändert werden.

    • Floak
    • 02. November 2012 15:18 Uhr

    Ich esse fast nichts von irgendeinem der aufgeführten Konzerne. Weder Süßspeisen, noch Drinks, noch sonstwas. Ich trinke nur Mineralwasser, Kaffee und ab und an mal ein Bierchen. Alles - natürlich bis auf die Kaffeeböhnchen - aus regionalen Quellen. Fleisch, Gemüse, Eier, Mehl... ebenfalls fast alles regional oder zumindest nicht als Fertiggericht. Ich koche alles komplett selber und sehe absolut keinen Grund dafür, dass man so Industriemurks futtern müsste.

    Dick war ich übrigens dennoch. :D Wieso auch nicht? Ich sehe absolut keinen grund wieso ich mit hausgemachter Küche keine Riesenportionen verschlingen sollte, wenn ich Lust drauf habe.

    Vielleicht ist man etwas ein etwas gesünderer Dicker, wenn man nicht mit Tonnen von Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärker, unmengen an Salz und Zucker, sowie diversen Umweltgiften vollgestopft wird. Aber ich vermute, dass dieses Problem ebenso die "Dünnen" betrifft, welche sich nur mit Schrott ernähren. :D

    • Juge
    • 02. November 2012 15:28 Uhr

    @Floak:

    Wenn Sie nur "aus regionalem Anbau" einkaufen und "fast nichts" von irgendeinem "Großkonzern" essen, dann sind Sie schlicht nicht mit "gemeiner Mensch" gemeint.

    Alles klar?

    Wieso bringen wir es auch unseren Kindern nicht mehr bei? Mag keiner erzählen, dass es aus Zeitmangel geschieht! Wer das sagt, zeigt schon, dass er nichts von Kochen versteht.
    Ich bin geplättet, wenn ich sehe, was es mittlerweile schon als Fertigprodukt gibt: Nicht nur Suppen und Hauptgänge, sondern auch allereinfachste Sachen wie Pizza, Burger (!!!) oder sogar Salatsaucen (!!!). Wie lange, bitte schön, braucht man für eine Salatsauce?!
    Natürlich wird man fett, wenn einen nicht mehr interessiert, was man gerade zu sich nimmt, und wenn man einverstanden damit ist, sich von dieser "Lebensmittel"-Industrie abhängig zu machen! Vor kurzem hat doch im Hamburg eine dieser Herstellungssätten gebrannt. Es hat mich gefreut, dass tatsächlich in den Nachrichten von einer Chemiefabrik gesprochen wurde. So ist es! und dieselben Leute, die sich so ungesund von irgendeinem ihnen vorgemischten Dreck ernähren, gehen auf die Straße, wenn es um Genmais oder ähnliches geht. Das nenn ich konsequent!
    Aber zum Thema Übergewicht noch Folgendes: Es ist nicht nur die schlechte "Ernährung", es ist auch die steigende Tendenz, Kindern (beim Einkaufen dieses Mülls im Supermarkt zum Beispiel) mit Süßigkeiten oder fetthaltigem Essen ruhigzustellen, sich nicht die Zeit für eine Geschmackserziehung zu nehmen, die - richtig - bedeuten würde, dass man selbst kochen muss. Und es ist die Tendenz unserer Zeit, dass wir uns immer weniger bewegen. Noch nicht einmal zum Einkaufen wovon auch immer muss man vor die Tür!

    Die Leute essen das nicht, weil sie meinen, dass es gesund ist, sondern weil es ihnen schmeckt und/oder weil sie süchtig danach sind.

    Wer glaubt auch schon, dass in einer Tafel Schokolade irrsinnig viel gutes Obst sei, weil eine Erdbeere auf der Packung abgebildet ist? Die Erdbeere symbolisiert die Geschmacksrichtung, nicht mehr oder weniger. Ähnlich verhält es sich mit den Joghurts.

    Also wer inzwischen nicht weiß, dass in Joghurts und Limonaden jede Menge Zucker ist, dem ist nicht zu helfen. Seit 30 Jahren wird das immer wieder mahnend ins Gedächtnis gerufen.

    Die Leute wollen das trinken und essen und deshalb wird eine Umetikettierung genau so viel bringen wie der Aufdruck "Rauch kan tödlich sein" auf Zigarettenpackungen.

  4. Es ist sicherlich ähnlich wie bei Zigaretten und Alkopops.

    Sobald der Preis steigt, sinkt (wie im Artikel schon angemerkt) die Lust, zu kaufen.

    Der Ansatz stimmt, wenns durchgesetzt werden sollte.

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    gesunde Produkte steuerlich begünstigen. zB. Sojamilch, die unverschämterweise immer noch mit 19% statt mit 7% belastet wird.

    • gkh
    • 03. November 2012 7:58 Uhr

    Abgaben sind zweckgebunden, sie gehen nicht in den Staatshaushalt.
    Wenn man Abgaben auf ungesunde Nahrungsmittel erhebt, dann könnte man die dem Gesundheitsfonds zuführen und im Gegenzug die Krankenkassenbeiträge senken.

    Und fair wäre das durchaus, denn wer sich ungesund ernährt und dadurch krank wird, der erhöht die Kosten für die Krankenkassen und damit für alle Versicherten.

    Und damit hätten wir auch ein Kriterium für die Höhe der Abgaben: sie sollten die Kosten der Folgeerkrankungen zu 3/4 abdecken.

    • Trypsin
    • 02. November 2012 11:32 Uhr

    ...Sklaverei getrieben werden. Ein-Euro-Jobs, Raucherverbote, Organspende, Vorschriften zur Nahrungsaufnahme.
    Demnächst führt der Staat noch für Menschen mit geringerem IQ, Blinde oder Arbeitslose Steuern ein!?
    -Langsam wird es in unserer Gesellschaft gruselig!!!
    Ich schließe mich den Vorrednern an: Man sollte die Werbung verbieten und mehr auf Bewegung achten.

    Eine Leserempfehlung
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    • Socke9
    • 03. November 2012 17:37 Uhr

    Sklaverei der Konsumenten aufheben und Sklaverei der Werbenden starten?
    Schwachsinnsidee...

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