Gesunde Ernährung : Die Staatsdiät
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Übergewicht ist hartnäckig

Die ökonomische Theorie dahinter ist simpel: Steigt der Preis, sinkt die Nachfrage. Bei Zigaretten funktioniert das. Befürworter einer Fett- oder Zuckersteuer hoffen, dass Konsumenten gesündere Lebensmittel wählen und Hersteller ihre Rezepturen ändern. Versuche, Letzteres auf direktem Weg zu erreichen, scheitern meist an der Lobby der Produzenten.

Ob eine Fett- oder Zuckersteuer dazu führt, dass Menschen sich gesünder ernähren und weniger dick werden, ist jedoch ungewiss. Es gibt kaum langfristige Erfahrungen und daher wenige empirische Belege. Wo solche Steuern existieren, sind sie oft zu niedrig, um überhaupt eine Wirkung zu entfalten. Das legt eine aktuelle Übersichtsstudie von Ökonomen im British Medical Journal (BMJ) nahe. Modellrechnungen ergeben, dass eine Steuer den Preis um mindestens 20 Prozent erhöhen müsste, damit die Nachfrage sinkt. Ein solcher Aufschlag bei Softdrinks könnte etwa in den USA die Energiezufuhr pro Kopf um bis zu 200 Kilojoule pro Tag senken und die Zahl der Übergewichtigen um 3,5 Prozent reduzieren.

Allerdings verhalten sich Menschen im realen Leben nicht immer so wie in Modellrechnungen. Beispiel Dänemark: Berichten zufolge fahren manche Dänen jetzt nach Deutschland, um sich mit Butter und Fleisch einzudecken. Die Produzenten im eigenen Land toben, und schon erwägt die dänische Regierung, die Steuer wieder abzuschaffen.

Und selbst wenn Verbraucher von den unerwünschten Lebensmitteln lassen, heißt das nicht, dass sie sich gesünder ernähren. "Es kommt darauf an, was sie stattdessen essen", sagt der Gesundheitsökonom Hendrik Jürges von der Universität Wuppertal. Weichen sie von fettigen Snacks nur auf salzige aus oder von Cola auf gezuckerte Säfte, ist nicht viel gewonnen. "Solche Ausweichreaktionen sind im Vorfeld aber schwer abzuschätzen", sagt Jürges. Trotzdem ist er für eine Probe aufs Exempel. Wenn am Ende herauskomme, dass sich die Nachfrage nur verlagere, müsse die Politik nachjustieren und weitere Produkte besteuern. "Das sieht vielleicht nach Versuch und Irrtum aus, ist aber der einzige Weg, herauszufinden, was eine Steuer wirklich bringt."

Doch worauf sollte sie erhoben werden? Fast nirgendwo sind wissenschaftliche Erkenntnisse von so kurzer Gültigkeit wie beim Thema gesunde Ernährung. Ob wirklich gesättigte Fettsäuren etwa in Butter, Wurst und Käse schuld an allem Übel sind, wie die dänische Steuerpolitik suggeriert, ist fraglich.

Die meisten Wissenschaftler haben vor allem eine Produktgruppe ins Auge gefasst: "Wir sollten zuckerhaltige Getränke besteuern", sagt Oliver Mytton , Public-Health-Forscher an der University of Oxford und Verfasser der Metastudie im BMJ . "Es gibt Belege dafür, dass ein regelmäßiger Konsum zu Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen führt." Schon ein kleiner Rückgang könne sehr wirkungsvoll sein. Im Gegenzug, schlagen viele Experten vor, sollte der Staat gesunde Lebensmittel subventionieren. "Er könnte etwa die Mehrwertsteuer bei Obst und Gemüse auf null senken", sagt Hendrik Jürges.

Allerdings hält keiner der Experten eine Steuer für das Allheilmittel. Sie könne lediglich ein Baustein der Ernährungspolitik sein. Eine ganze Bevölkerung wird sich mit einem so groben Instrument nicht lenken lassen. Zudem sind nicht einzelne Lebensmittel schuld an den wachsenden Fettpolstern. Übergewicht ist ein komplexes, gesellschaftliches Problem mit vielen Ursachen. Wer etwas erreichen will, so die Erkenntnis der Forscher, muss an verschiedenen Stellschrauben drehen. Und vor allem: bei den Kindern anfangen. Denn Ernährungsgewohnheiten entstehen früh. Wenn Menschen von klein auf eine Vorliebe für Gesundes entwickeln, muss der Staat später nicht verfestigte Konsummuster korrigieren. Allerdings werden heute auch die Jüngsten immer dicker.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, sechs Prozent adipös – 50 Prozent mehr als in den neunziger Jahren. Das ist beunruhigend, denn Übergewicht ist hartnäckig. "80 Prozent der Kinder, die mit zehn Jahren dick sind, werden es auch als Erwachsene sein", sagt der Adipositas-Experte Manfred Müller , Leiter des Instituts für Humanernährung und Lebensmittelkunde der Universität Kiel.

Die Bundesregierung setzt auf Aufklärung, um das Problem in den Griff zu bekommen. Sie fördert beispielsweise den Ernährungsführerschein , ein Unterrichtsprogramm vom aid Infodienst Ernährung für Schüler in der dritten Klasse. In mehreren Einheiten lernen sie die Ernährungspyramide kennen, belegen Brote mit Gesichtern aus Gemüse, kochen Kartoffeln und richten sogar ein kaltes Buffet an. Nach einer Abschlussprüfung erhält jedes Kind einen Ausweis mit Passfoto und Stempel. Den Schülern bereite das großen Spaß, sagt eine Dozentin, manche würden dabei zum ersten Mal überhaupt Gemüse schneiden.

Den Sinn einer solchen Bildungsinitiative bezweifelt niemand. Fraglich ist aber, ob sich so Übergewicht verhindern lässt. Zum einen ist das Programm nicht flächendeckend etabliert. Zum anderen zeigen Studien, dass Aufklärung und Erziehung allein wenig bringen. Manfred Müller hat in Kiel über viele Jahre ein Aufklärungsprojekt für Grundschüler wissenschaftlich begleitet. Sein Fazit: "Gerade diejenigen, die es am nötigsten haben, profitieren von solchen Kursen oft nicht." Bei Kindern aus ärmeren Familien und mit übergewichtigen Müttern konnte die Schulintervention das Übergewicht nicht verhindern.

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Kommentare

234 Kommentare Seite 1 von 29 Kommentieren

Stimmt schon

Aber es hängt nicht allein damit zusammen. Ich selbst achte zwar auch auf die Ernährung, aber ich esse auch gern mal beim McDonalds. Ab und auch mal eine Tüte Chips darf auch sein.

Der wichtigste Grundsatz lautet halt einfach: Weniger Kalorien aufnehmen als man verbraucht. Es ist wirklich ironisch, dass Diätratgeber mit zu den meistgekauften Büchern gehörden, dabei kann doch jeder problemlos abnehmen, wenn er einfach abends mal zwei Löffel weniger isst als normal, Sükram weglässt und kurze Strecken zu Fuß bewältigt. Mehr ist gar nicht notwendig.

Aber es ist wahr, dass die Leute lieber 500 Meter mit dem Auto fahren, als sich mal aufs Rad zu schwingen. Das heißt aber auch, dass der Sprit noch nicht teuer genug ist.

Entspricht nicht der Beobachtung

Kalorien miteinander verrechnen um sich zu sagen "wenn ich jetzt 10 km jogge, darf ich einen Burger essen" (oder andersherum) mag zwar in der Theorie funktionieren, aber nicht in der Praxis. Die Beobachtung zeigt, dass dort viele Faktoren zusammenspielen die nicht unbedingt in ihrer Gesamtheit verstanden werden. Ich versuche es mal ein bisschen zu verdeutlichen:

Im Normalfall wird Bewegung unterbewertet, und Kalorieneinschränkung durch verringerte Nahrungsaufnahme überbewertet.

Das hat viele Gründe. Denn Bewegung ist nicht nur der reine Energieverbrauch bei der Bewegung selbst. Wer sich viel bewegt, hat z.B. mehr Muskelmasse. Mehr Muskelmasser erhöht den Grundumsatz, d.h. man verbraucht mehr Energie auch wenn man sich nicht bewegt. Wenn man sich "intensiv" bewegt also richtigen Sport macht, kommt außerdem zum tragen, dass man seine Muskeln temporär schädigt / zerstört, und diese nach der Belastung wieder repariert werden müssen (nichts anderes ist sportliches Training). Diese Reparaturmechanismen verbrauchen auch ziemlich viel Energie. Weiterhin führt Bewegung zu Veränderungen in der Hormonhomöostase, diese hormonellen Verschiebungen tragen ebenfalls dazu bei, übermäßigen Fettaufbau zu unterbinden.

Es bleibt also festzuhalten: Es ist egal, wie viel Kalorien der Burger hat und wieviel Kalorien bestimmte sportliche Aktivität rein rechnerisch verbraucht. Probieren Sie es einfach aus! Wenn sie sich viel bewegen, können sie de facto essen was sie wollen, ohne dick zu werden.

Das Auto ist schuld?

Selten habe ich so einen Unsinn gelesen. Was ist denn mit Bus-und Bahnfahrern? Nur weil Sie kein Auto haben, muss das Auto doch nicht für den Bewegungsmangel der Menschen herhalten.
Wussten Sie übrigens, dass es eine Korrelation gibt zwischen Haiattacken und verkauftem Eis am Strand? Trotz dessen haben beide Sachen nichts miteinder zu tun. Genau so sieht es bei Ihrem Vergleich aus.
Jedoch stimme ich Ihnen in soweit zu, dass die meisten Menschen einem Bewegungsmangel unterliegen und zuviel an Nahrungsmittel konsumieren.
Jeder der ein Auto hat, kann trotzdem joggen, inline-skaten oder sonstige Aktivitäten der Bewegung ausüben. Niemand wird daran gehindert. Man muss es nur wollen und umsetzen.

Fernsehen macht dick!

Grundsätzlich macht das Fernsehen natürlich nicht dick. Allerdings gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Bewegungsmangel und dem TV-Konsum. In vielen Haushalten läuft mittlerweile der TV permanent wenn jemand zu Hause ist. Durch die Verknüpfung von verschiedenen Inhalten wie dem TV-Programm, Online-Videotheken und dem Internet ist es heutzutage viel leichter den ganzen Tag auf dem Sofa zu sitzen ohne sich zu langweilen. In diesem Zusammenhang ist die Aussage "Fernsehen macht dick" nicht falsch.

Bei richtiger und bewusster Ernährung führt ein Bewegungsmangel auch nicht zwangsläufig zu Übergewicht. Hier könnte man ebenso argumentieren: "Bewegungsmangel macht dick? Nein!"

Dennoch hat der nicht unerheblich Schuld an dem Problem.

Einschränkung der Freiheit

Der Staat soll unsere Freiheiten nicht noch weiter einschränken, so tönt es hier vielfach. Schön.

Die Einschränkung von Freiheiten ist auf unseren Straßen aber bereits bis zur Perfektion fortgeschritten, indem praktisch die gesamte Verkehrsinfrastruktur auf das Auto ausgerichtet wurde.

Zuerst wurden Fußgänger und Radfahrer auf Seitenstreifen verbannt - zu ihrer eigenen Sicherheit natürlich - und dann wurden auch diese Reservate zu Abstellflächen für Autos umfunktioniert, auf denen Autos, Dreck jeder Art, Glassplitter oder weggeschaufelter Schnee liegen.

Übrig bleiben segmentierte, gefährliche Rüttelpisten, "verbunden" durch ständige Bordsteinauf- und abfahrten.
Die allenorts geparkten Autos stellen gerade für Kinder eine große Gefahrenquelle dar, da sie nicht mehr gesehen werden wenn sie eine Straße überqueren wollen und auch selbst schlecht herannahenden "Verkehr" sehen können. Und mit Hilfe der SUVs trifft es heute zunehmend auch Erwachsene unter 2 Metern Körpergröße.

Es ist kein Wunder, dass heute niemand mehr seine Kinder "raus auf die Straße" lässt. Und die Schäden bestehen nicht nur in der Fettleibigkeit, sondern auch in vermindertem Sozialverhalten.

Also lieber Staat: stelle doch bitte diese Freiheiten wieder her. Beschränke das automobile Faustrecht auf unseren Straßen, sorge dafür, dass Straßen wieder wirklich öffentliche Plätze für alle Menschen werden. Im Interesse unserer Nachkommen.

*weniger Kalorien aufnehmen, als man verbraucht*

Sie schreiben: "Der wichtigste Grundsatz lautet halt einfach: Weniger Kalorien aufnehmen als man verbraucht."

Das gilt für die Zeit einer Diät. Wenn Sie das ständig machen, verhungern Sie.
Vorher greift ihr Körper auf *sich selbst zurück*, es *geht an die substanz* und damit sind keine Fettreserven gemeint, die sind schon vorher weg....

ich denke, SO haben Sie es nicht gemeint. Wobei ich bei dauerhaft 1800kcal und Sport!, wie Sie weiter hinten schrieben, nicht ganz sicher bin...

Schwachsinniger Zusammenhang

Vor meinem Fernseher steht ein Ruderergometer und den benutze ich jeden Abend für eine halbe Stunde. Seit wann macht das dick?

Autofahren, Fernsehen etc. macht nicht dick. Mehr Treibstoff reinkippen als verbraucht wird macht dick. Ich guck locker 5 Stunden fern am Tag und fahr mim Auto in die Uni, wieg aber 80kg bei 1,90m Körpergröße.

Also bitte keine Pauschalisierungen

welch feindselige äußerungen

kurzstrecke kostet auch eher kurz.
treibstoffe sind durch den über 100% tigen steueraufschlag im vergleich zu anderen produkten, wie z.B. speiseöl eindeutig überteuert.
für mich sind fahrradfaschisten menschen ohne sinn für das angenehme, leute mit (unbewußten) masochistischen tendenzen. ich marschiere auch mal gerne strecken zu fuß, aber radfahren mit all dem dazugehörigen gefummel der sicherung und des gepäcktransports finde ich äußerst enervierend und will ich im alltag nicht (mehr) haben.
gesundheitshitler muessen mal begreifen, daß es alte genetische dispositionen zur vorratsbildung in form von fett gibt. meine vorfahren waren schweinebauern, ewiges rumgehetze war in deren körperprogramm nicht vorgesehen. dicke kriegen nur dann herzinfarkte, wenn sie gehetzt und unter streß (auch psychischen) gesetzt werden.
außerdem ist ein lohas lebensstil auf finanziellem h4 oder minijob niveau nicht darstellbar. wenn man also energiereiche
nahrung mit schlechterem physiologischen wert mit strafabgaben belegt, wird seezunge deswegen ja nicht billiger. früher habe ich bei penny immer tiefkühllachs mit rieslingsauce gekauft, wurde ausgelistet. jetzt gibt es nur noch tiefkühlfisch ohne sauce - den mag ich aber nicht, also esse ich gar keinen fisch mehr.
Unter Napoleon dem Dritten wurden für die Bevölkerung Frankreichs Atlantiklachse im Elsaß als günstiges Nahrungsmittel gezüchtet. Heute sind die Ökos nur an der Auswilderung ohne Zucht interessiert, Fischzucht gilt als bäbä.

@3 Weißzuckerunverträglichkeit?

Ich stimme Ihnen schon zu in Bezug darauf, daß die meisten (Fertig-)Speisen (und Süßigkeiten sowieso) einen unverhältnismäßig hohen Anteil an raffierten Zucker enthalten und daher einer gesunden Ernährung abträglich sind - um es vorsichtig zu formulieren.
Aber was bitte soll eine Weißzuckerunverträglichkeit sein? Weißer (raffinierter) Zucker ist chemisch gesehen Saccharose, also ein Dimer aus je einem Molekül α-D-Glucose (Pyranoseform) und β-D-Fructose.
Dies sind Schlüsselstoffe des menschlichen Stoffwechsels (schon mal von Brenztraubensäure gehört: Citronensärezyclus!). Wenn diese für Sie unverträglich wäre, dann wären Sie mangels Zellatmung bedauerlicherweise längst verstorben.

MercifulSister

es liegt auch im argen wenn die eltern solches vorleben.

gestern im warteraum im krankenhaus sah ich einen pummligen papa und eine adipöse mama, wie sie ihre beiden 2 und 3 jahre alten zwerge mit onion rings gefüttern haben.

umgekehrt ziehen viele im bekanntenkreis gerne darüber her, wenn eltern auf das essen ihrer kleinen achten, von wegen sie wären so pingelig, nur weil sie nicht möchten, dass der zwerg mit schokolade oder fleischwurst gemästet wird, nach dem motto, wir sind ja auch groß geworden.

schmeckt auch widerlich

Wenn man seinem Gaumen endlich die seit Kindheit anverdorbene Zuckerkonditionierung abgewöhnt hat, dann merkt man erst, wie wirklich wi-der-lich süß alles mögliche schmeckt - auch solches, was gar keine Süßigkeit ist, sondern "pikant" sein soll. Unglaublich!
Und ich bin nicht mal gegen Süßes. Ich esse gern mal ein Stück Schokolade, wenn mir danach ist. Wenn ich dagegen Tomatensuppe möchte, soll sie nach Tomate und nicht nach Zucker schmecken.

Aber auch bei vielen Süßwaren wird wohl dank Zucker an anderen Zutaten gespart.
Was hierzulande in Supermärkten sich "Gebäck" nennt, ist meist nur zusammengepappter Zucker mit Mehl. Fertigkuchen kann ich gar nicht mehr essen. Da zieht einem der Zucker das Maul zusammen, als wär's eine Zitrone! Diese unglaubliche Zuckerkonzentration treibt dem Entwöhnten die Tränen in die Augen.
Da bleibt dann nur der Griff zum Ökokeks oder, jetzt zu Weihnachten, zum Selbstgebackenen.

Aber... ceterum censeo... Nein, ich will weiterhin nicht, dass die EU oder irgendwelche selbsternannten Supernannys uns in die Rezepte pfuschen! Nicht noch mehr Dirigismus!
Auch gibt es Menschen, die durchaus gern und bewußt fett + süß essen (und vielleicht sogar zu dünn sind!).
Aber eine ordentliche Beschriftung der Waren mit Prozentangaben, die auch ohne Lupe und Lesebrille zu entziffern ist, ist überfällig. Das würde dann bei manchem Produkt einfach blöd aussehen...

Abbilden, was drin ist!

Und noch eine Maßnahme: Auf Verpackungen abbilden, was wirklich drinnen ist.

Warum darf z.B. "Caprisonne" ungestraft Obst abbilden, obwohl es nur Zuckerplärre ist? Machen wir ein neues Gesetz: Es müssen so viel Zuckerwürfel abgebildet werden, wie drin sind, und nur klein in der Ecke ein Stückchen Obst (meist nur 4%!). Und bei Yogurette darf nur so viel Erdbeer drauf sein, wie enthalten ist, nämlich nur ein Krümelchen.

Ansonsten empfehle ich, immer nach Zutaten-Liste einzukaufen: Man ahnt nämlich gar nicht, wo überall Zucker versteckt ist. Sobald auf Getränken irgendwas von Süßstoffen oder Zucker steht, stell ich sie einfach wieder ins Regal.

Getränke

Meine Freundin und ich trinken generell nur Wasser. Nicht nur, weil es uns einfach besser schmeckt. Es ist auch so, dass man pro Flasche Fanta locker mal 500 Kcal aufnimmt, also ein Viertel dessen, was man überhaupt aufnehmen sollte. Limo trinke ich nur im Restaurant, also da, wo man es sich mal als Luxus erlauben kann.

Generell finde ich aber 2000 kcal als Empfehlung als viel zu hoch angesetzt. Obwohl ich mich körperlich durch Joggen und Fitnessstudio stark auslaste, nehme ich nie mehr als 1800 kcal zu mir. 2000 kcal für einen Bürojob, wie die meisten Menschen ihn haben, sind viel zu viel.
Morgens zwei Scheiben Brot mit Honig oder Käse (300 kcal), Mittags einen Apfel und ein Brot (200 kcal), Abends EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak (700-1000 kcal). Schon haben wir maximal 1500 kcal. Wenn man dann noch durch Spaziergänge 150 kcal einspart, purzeln schnell die Pfunde. Aber die Menschen sind es ja gewohnt, sich vollzustopfen. Da suggeriert der Körper Hunger, obwohl er gar keinen hat.

Askese, Entsagung und Selbstkasteiung

Die Lektüre von Inhaltsstoffangaben und die Gewissenserforschung anhand von Kalorientabellen. Bußübungen mit Schrittzähler und Pulsfrequenzmesser. Und über allem wacht der Papa Staat der per GKV- Anschreiben den Sündern das Verderben ankündigt, wenn das jüngste Gericht mal zu fettig war. Bei Ihnen war die Mission "Du sollst den Volkskörper nicht schädigen" bereits sehr erfolgreich.
Zugegeben, ich habe keine Ahnung, wie viele Kalorien ich täglich zu mir nehme. Es sollte auch niemanden etwas angehen, wenn es mir schon egal ist. Es ist mein Leben, mein Körper, meine Gesundheit. Frau Künast un Co können sich ihre totalitären, volkspädagogischen Tendenzen gerne mal mit viel Analogkäse überbacken.
Auf dem Papier ist man heute so frei, wie es die Vorfahren niemals waren. Praktisch haben die Volkserzieher und Sozialingenieure eine allumfassende Macht, erwachsenen Privatleuten bis in die Betten und Kühlschränke hineinzuregieren, und den auf Kleinkindniveau zurechtgestutzten das Ganze per zwangsabbonierten Partei-und Verbandsfunk als Wohltat zu verkaufen.
Was war LouisXIV doch nur für ein lächerliches, machtloses Bürchschen dagegen. Allein der Versuch, derart umfassend Steuern zu erheben, hätte ihn noch jahrzehnte vor seinen Enkeln vermutlich den Kopf gekostet. Unsere Selbstbegnadeten kennen in ihrem Machtrausch keine Grenzen mehr.

Sie greifen die falschen an

Wissen Sie wer die wahren Volkserzieher sind? Marketingabteilungen, die verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, um uns zum Kaufen zu verführen, uns Bedürfnisse einreden, die wir gar nicht haben und uns vorgaukeln, wir müssten erfolgreich, schön und jung sein, um glücklich sein zu können. Unser Unterbewusstsein wird direkt angesprochen und wir können uns der Wirkung schwer entziehen. Letzlich werden sogar Bereiche wie Berufswahl, Parnterwahl und Freundeskreis davon beeinflusst. Kurzum: wir werden manipuliert, ohne dass wir es so deutlich merken. Wenn unser Selbstwertgefühl dann leidet weil wir eben keine idealtypischen Übermenschen sind, die ein perfektes Leben führen, sondern schlicht und ergreifend Menschen, dann haben die Unternehmen die passenden Produkte parat um uns für einen kleinen Moment glücklich zu machen. Aber die Wirkung hält nicht lange vor und so brauchen wir immer mehr von dem Stoff, der uns in süßen Träumen wiegt, während wir das wahre Lehen, nämlich uns selbst verpassen. Das nenne ich die Unfreiheit.

Freiwilligkeit und Zwang

Ja, das ist so die Heiligenlegende, die die Marketingabteilungen der betreffenden Parteien uns erzählen: böse finstere Mächte, die mit neoliberaler schwarzer Magie Industriezucker in meinen Einkaufskorb hineinsuggerieren.
Tatsache aber ist, dass ich den Schund nicht kaufen muss- daher sind überhaupt erst diese Marketingabteilungen nötig. Aber kaufen muss ich es trotzdem nicht.
Volkspädagogische Strafsteuern hingegen muss ich bezahlen. Man will mir eben keine Wahl mehr lassen. Schlimmer noch: man interstellt mir, nicht mündig genug zu sein, wählen zu können. Sprich: Freiheit ist schlecht für mich. Ich brauche eine Frau Künast, die mir den Einkaufszettel diktiert. Warum diese Leute, die uns offensichtlich für idiotische Gören halten, überhaupt noch Wahlzettel verteilen, ist hier die Frage. Wahrscheinlich eine Marketingidee: die Leute sollen halt denken, sie wären freie Bürger.

Vorbildlich

Meine Freundin und ich trinken generell nur Wasser.
-> Vorbildlich!

Limo trinke ich nur im Restaurant, also da, wo man es sich mal als Luxus erlauben kann.
-> Brav!

Abends EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak (700-1000 kcal). Schon haben wir maximal 1500 kcal.
-> Herrlich! Besonders der "EINE Teller Nudeln" und das krankenschwesterhafte "wir", gefällt mir sehr. Ihr Lebensinhalt scheint die Selbstkontrolle zu sein. Sie haben sicher viel Spaß im Leben: "Schatz, heute habe ich 50 kcal mehr als gestern zu mir genommen, ich fühle mich so schmutzig." Sind Sie Lehrer?

Die wahren Produktkosten sind höher als der Verkaufspreis

Sie tragen die höheren Kosten sowieso, wenn Sie das Lebensmittel kaufen. Falls es Sie nämlich krank macht, müssen Sie die Kosten dafür tragen. Einmal in Form von Gesundheitskosten, zum anderen büßen Sie an Lebensqualität ein und im schlimmsten Falle bezahlen Sie mit Ihrem Leben. Da es Ihr Leben und Ihre Gesundheit ist müssen Sie auch frei darüber entscheiden dürfen. Um sich aber frei entscheiden zu können brauchen Sie Informationen. Preise sind eine wichtige Informationskomponente. Eine Steuer würde den Preis erhöhen und Ihnen damit signalisieren, dass die tatsächlichen Produktkosten höher sind, weil noch Folgekosten dazukommen (können). Man sollte die Steuer daher benutzen, um im Gegenzug die Krankenversicherungsbeiträge zu senken. Sie können eine solche Steuer auch als Versicherungsprämie verstehen: je mehr Sie konsumieren, desto höher ist das Erkrankungsrisiko und desto höher die Prämie bzw. Steuer.

Der zweite Punkt ist der: wie frei ist Ihre Entscheidung, wenn Ihr Vertragsparnter - also die Lebensmittelindustrie - erstens über Informationsvorsprünge bzgl. der Inhaltsstoffe, etc. verfügt und zweitens verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse benutzt, um Ihre rationale Urteilsfindung zu torpedieren?

Und Mineralwasser ? Wird auch aus Brunnen gefördert...!

Insofern können Sie beruhigt "Wasser" trinken, weil da geaunso wenig ein Fisch reingepinkelt hat, es sei denn Sie leben in hygenieschen Verhältnissen wie in Bangla Desh und müssten Flußwasser trinken...was ich eher bezweifle...

Sie wollten offensichtlich mit fadenscheinigen Argumenten das trinken von Wasser diskreditieren ist aber misslungen. Wasser ist nachweislich das gesündeste und effektivste Getränk um Durst zu löschen.

im Gegensatz zu Cola, Apfelsaft etc. mit hohem Zuckerranteil ob nun zugesetzt oder natürlicher Fruchtzucker. Diese Getränke machen letztlich noch mehr Durst, zur Freude der Hersteller...

Und Sie machen sehr schnell Dick, eben wegen dem hohen Zucker- und Kalorienanteil pro Liter im Gegensatz zu Wasser...

Ungesunde Ernährung

"Morgens zwei Scheiben Brot mit Honig oder Käse (300 kcal), Mittags einen Apfel und ein Brot (200 kcal), Abends EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak (700-1000 kcal). Schon haben wir maximal 1500 kcal."

Und DAS posten Sie als Kommentar zum Thema gesunde Ernährung? Ihre Ernährung ist einseitig, enthält auf Dauer NICHT alle notwendigen Nährstoffe, enthält viel zu viele Kohlehydrate, viel zu wenig bzw. gar kein Gemüse. Und wenn es stimmt, dass sie regelmäßig Sport treiben, obendrein zu wenig Kalorien.

Sie halten Ihren Körper also im permanenten, latenten Hungermodus bei unausgewogener Ernährung. Und das dann auch noch völlig genuss- und spassbefreit. Das ist alles andere als vorbildlich. Wenn man Kindern DAS vorlebt, landen sie genauso in der Klinik für Essstörung wie nach Dauerkonsum von Cola und Pommes.

Lustig...

... wie sich manche hinterher versuchen rauszureden, anstatt zu dem zu stehen, was sie schreiben.

1800 kcal sind von Ihnen ausdrücklich als Maß angeben worden, 2000 kcal als "generell viel zu hoch". (Die Wörtchen "generell" und "einmalig" widersprechen sich. Oder sind Sie bereits so unterzuckert, dass Sie das nicht merken) Mit 1800 kcal läuft ein Körper, der regelmäßig Sport treibt, im Hungermodus. 1800 kcal entsprechen bei einem Durchschnittsgroßen Mann und Normalgewicht gerade mal dem Grundumsatz.

Die Formulierungen "Abends" "Mittags" "Morgens" und "EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak" stehen eindeutig auch nicht für eine einmalige Aktion.

Ich wiederhole mich gerne: Beide Phänomene stehen für Essstörungen, dafür spricht auch Ihre Kalorienzählerei. Immanent übrigens auch, dass man das Problem lange erst einmal leugnet.

Illusion der Autonomie

" ... Mächte, die mit neoliberaler schwarzer Magie Industriezucker in meinen Einkaufskorb hineinsuggerieren.
Tatsache aber ist, dass ich den Schund nicht kaufen muss .."

Meiner Ansicht nach unterliegen Sie einer Illusion, was das Ausmaß der Autonomie Ihrer Kaufentscheidungen angeht. Der Manipulation durch Werbung kann sich niemand entziehen, sobald er sich ihr aussetzt. Und es wird immer schwieriger, ohne Werbebotschaften durch den Tag zu kommen, da sämtliche Kanäle genutzt werden.

Es geht nicht darum, Menschen zu etwas zu zwingen, jeder darf sich die 2-Liter-Flasche Cola reinkippen, es geht darum, zu regulieren und so Einfluß zu nehmen, dass die Menschen nicht zum immer mehr (fr)essen animiert werden. Ein Beispiel: Ich finde, dass es eine gesetzliche Regelung geben sollte, die Läden verpflichtet, von jeder angebotenen Süßigkeit auch Kleinpackungen im Sortiment zu führen, und nicht nur den 8-er Schokoriegel. Oder die 0,5L Cola-Flasche.

Ich finde, die Gesellschaft sollte Esssüchtige nicht allein lassen, mir ist das nicht gleichgültig, wenn immer mehr Leute durch ihre Fettleibigkeit behindert sind, früh sterben und durch ihre Krankheiten auch hohe Kosten verursachen.