Gesunde Ernährung : Die Staatsdiät
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Lebensmittelwerbung für Kinder verbieten?

Vielleicht kommen ein paar Stunden Unterricht nicht an gegen die Verführungen der Lebensmittelindustrie und die Verwirrung, die sie mit ihrem Marketing stiftet. Welchen Aufwand sie betreibt, um ihre Produkte in ein gutes Licht zu rücken, war zuletzt bei den Olympischen Spielen in London zu sehen, wo ausgerechnet Coca-Cola, McDonald’s und der Schokoladenhersteller Cadbury als Hauptsponsoren auftraten. Hendrik Jürges ist noch immer fassungslos. "Man könnte meinen, Cola und Burger seien Sportlernahrung." Seiner Ansicht nach haben Staaten die Pflicht, Werbung dieser Art zu regulieren.

Eigentlich hatte die europäische Lebensmittelindustrie vor einigen Jahren eingewilligt, zumindest Werbung einzuschränken, die sich an Kinder richtet. Doch die Selbstverpflichtung blieb in Deutschland ohne Folgen. Das hat der Wirtschaftsrechtler Tobias Effertz von der Universität Hamburg in einer Studie über Fernsehwerbung nachgewiesen. Effertz hält es daher für nötig, Lebensmittelwerbung für Kinder zu verbieten. "Eine Vielzahl an Studien belegt die ungünstige Werbewirkung auf Kinder", sagt er. "Kinder hinterfragen das Produkt nicht kritisch, sondern lassen sich durch die emotionale Ansprache der Werbung begeistern und zum Kauf bringen."

Selbst wenn Kinder wissen, was gut für sie ist und was nicht – was nützt das schon, wenn die Umwelt es ihnen so schwer macht, entsprechend zu handeln? Wenn sie sogar am Schulkiosk zum Naschen angestiftet werden? Der Ernährungsmediziner Hans Hauner hat sich auf Schulhöfen umgesehen und war entsetzt über den "Schrott", der dort verkauft wird: Minipizzen und Zuckerwasser. "Oft liegen nicht mal Äpfel aus", beklagt Hauner.

Zwar hat die EU ein groß angelegtes Schulobstprogramm initiiert, das Schülern kostenlos Früchte bereitstellt, doch hierzulande nehmen nur sieben Bundesländer daran teil. "Ich würde mir wünschen, dass es festgelegte Standards für alle gibt", sagt Hauner. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat längst Empfehlungen für die Schulverpflegung erarbeitet, sie sind aber nicht verbindlich. Für Thomas Danne von diabetesDE ist das nicht nachvollziehbar. "Es ist nicht akzeptabel, dass die Politik es zulässt, dass an Schulen die Gesundheit Hunderter Kinder zugunsten der finanziellen Interessen eines Caterers aufs Spiel gesetzt wird." Danne schlägt vor, alle Schulen mit Wasserspendern auszurüsten, um gesunde Alternativen zur süßen Limo zu schaffen.

Studien aus den USA belegen, dass eine strengere Regulierung des Lebensmittelangebots an Schulen sich günstig auf den Konsum und das Gewicht der Schüler auswirkt. Natürlich lässt sich einwenden, dass die Kinder ihre Cola auch auf dem Schulweg besorgen oder von zu Hause mitbringen können. Nicht zu unterschätzen sind zudem die Trotzreaktionen, die eine gut gemeinte Initiative hervorrufen kann. Als Starkoch Jamie Oliver britische Schulen auf gesundes Essen umstellte , waren manche Eltern so empört, dass sie ihren Sprösslingen in der Pause Fish and Chips durch den Schulzaun zusteckten. "Das kann aber kein Argument dafür sein, ungesundes Zeug direkt auf dem Schulhof zu verkaufen", sagt Danne. Er ist dafür, ein Verkaufsverbot pädagogisch zu begleiten und die Eltern einzubeziehen, um Trotzreaktionen vorzubeugen.

Widerstand regt sich immer, wenn es um Eingriffe ins Private geht, und die sind bei Bemühungen um die Bevölkerungsgesundheit manchmal nötig. "Als die Anschnallpflicht im Auto eingeführt wurde, haben die Leute getobt, aber heute zieht niemand mehr den Nutzen in Zweifel", sagt Anja Kroke . Die Professorin für Public Health Nutrition von der Hochschule Fulda ärgert sich über die Schieflage der Prioritäten. "Im Hygienebereich wird so viel reguliert, dass kleine Betriebe an den Auflagen zugrunde gehen", sagt Kroke. "Wenn man aber gegen Lebensmittel vorgehen will, die auf Dauer und in großer Menge ganz klar schlecht für uns sind, dann ist der Ärger groß."

Die Bundesregierung hat sich dafür entschieden, keinen Ärger zu provozieren. "Eine politische Steuerung des Konsums und Bevormundung der Verbraucher durch Werbeverbote und Strafsteuern lehnen wir ab", heißt es im Koalitionsvertrag. Es ist ein Dilemma für Politiker: Schränken sie die Freiheit der Verbraucher ein, machen sie sich unbeliebt. Und wenn sie nicht konsequent genug handeln, werden sie womöglich nicht viel bewegen.

Thomas Danne hat für die Zurückhaltung der Politiker dennoch kein Verständnis. "Ich bin darüber schlicht entsetzt", sagt er. Es sei höchste Zeit für eine umfassende Präventionspolitik – für eine konzertierte Aktion statt halbherziger Einzelprojekte.

Fest steht, dass es nicht damit getan sein wird, nur beim Essen anzusetzen. Der gesamte Lebensstil eines Menschen hat Einfluss auf Körperfülle und Gesundheit. Bei Kindern und Jugendlichen etwa ist Studien zufolge der größte Risikofaktor für Übergewicht ein hoher Fernsehkonsum. "Wir leben in einer Welt, die Übergewicht fördert", sagt Anja Kroke. Das zu ändern erfordere ein grundlegendes Umdenken in allen Politikbereichen. Solange Radfahrer sich auf den Straßen in Lebensgefahr begeben, Schwimmbäder aus Kostengründen schließen und die Innenstädte mit Imbissen zugepflastert sind, wird das Problem nicht zu lösen sein. Wissenschaftler fordern daher eine kohärentere Politik. "Ich frage mich etwa, ob wir Agrarsubventionen für die Fleischerzeugung brauchen, wo doch Mediziner vor zu hohem Fleischkonsum warnen", sagt Kroke. Bei politischen Entscheidungen sollten sich die Ressorts untereinander abstimmen und stets die Konsequenzen für die Gesundheit der Bevölkerung bedenken.

Bis sich diese Sicht durchgesetzt hat, wird Thomas Danne wohl noch viele Schubkarren auskippen müssen. Eines hat er gelernt: Es ist nicht einfach, hinterher Abnehmer für die Zuckerwürfel zu finden. Der Zoo wollte sie nicht haben, auch ein Pferdehof lehnte ab. Begründung: Die Tiere sollten so etwas Ungesundes nicht fressen.

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Kommentare

234 Kommentare Seite 1 von 29 Kommentieren

Stimmt schon

Aber es hängt nicht allein damit zusammen. Ich selbst achte zwar auch auf die Ernährung, aber ich esse auch gern mal beim McDonalds. Ab und auch mal eine Tüte Chips darf auch sein.

Der wichtigste Grundsatz lautet halt einfach: Weniger Kalorien aufnehmen als man verbraucht. Es ist wirklich ironisch, dass Diätratgeber mit zu den meistgekauften Büchern gehörden, dabei kann doch jeder problemlos abnehmen, wenn er einfach abends mal zwei Löffel weniger isst als normal, Sükram weglässt und kurze Strecken zu Fuß bewältigt. Mehr ist gar nicht notwendig.

Aber es ist wahr, dass die Leute lieber 500 Meter mit dem Auto fahren, als sich mal aufs Rad zu schwingen. Das heißt aber auch, dass der Sprit noch nicht teuer genug ist.

Entspricht nicht der Beobachtung

Kalorien miteinander verrechnen um sich zu sagen "wenn ich jetzt 10 km jogge, darf ich einen Burger essen" (oder andersherum) mag zwar in der Theorie funktionieren, aber nicht in der Praxis. Die Beobachtung zeigt, dass dort viele Faktoren zusammenspielen die nicht unbedingt in ihrer Gesamtheit verstanden werden. Ich versuche es mal ein bisschen zu verdeutlichen:

Im Normalfall wird Bewegung unterbewertet, und Kalorieneinschränkung durch verringerte Nahrungsaufnahme überbewertet.

Das hat viele Gründe. Denn Bewegung ist nicht nur der reine Energieverbrauch bei der Bewegung selbst. Wer sich viel bewegt, hat z.B. mehr Muskelmasse. Mehr Muskelmasser erhöht den Grundumsatz, d.h. man verbraucht mehr Energie auch wenn man sich nicht bewegt. Wenn man sich "intensiv" bewegt also richtigen Sport macht, kommt außerdem zum tragen, dass man seine Muskeln temporär schädigt / zerstört, und diese nach der Belastung wieder repariert werden müssen (nichts anderes ist sportliches Training). Diese Reparaturmechanismen verbrauchen auch ziemlich viel Energie. Weiterhin führt Bewegung zu Veränderungen in der Hormonhomöostase, diese hormonellen Verschiebungen tragen ebenfalls dazu bei, übermäßigen Fettaufbau zu unterbinden.

Es bleibt also festzuhalten: Es ist egal, wie viel Kalorien der Burger hat und wieviel Kalorien bestimmte sportliche Aktivität rein rechnerisch verbraucht. Probieren Sie es einfach aus! Wenn sie sich viel bewegen, können sie de facto essen was sie wollen, ohne dick zu werden.

Das Auto ist schuld?

Selten habe ich so einen Unsinn gelesen. Was ist denn mit Bus-und Bahnfahrern? Nur weil Sie kein Auto haben, muss das Auto doch nicht für den Bewegungsmangel der Menschen herhalten.
Wussten Sie übrigens, dass es eine Korrelation gibt zwischen Haiattacken und verkauftem Eis am Strand? Trotz dessen haben beide Sachen nichts miteinder zu tun. Genau so sieht es bei Ihrem Vergleich aus.
Jedoch stimme ich Ihnen in soweit zu, dass die meisten Menschen einem Bewegungsmangel unterliegen und zuviel an Nahrungsmittel konsumieren.
Jeder der ein Auto hat, kann trotzdem joggen, inline-skaten oder sonstige Aktivitäten der Bewegung ausüben. Niemand wird daran gehindert. Man muss es nur wollen und umsetzen.

Fernsehen macht dick!

Grundsätzlich macht das Fernsehen natürlich nicht dick. Allerdings gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Bewegungsmangel und dem TV-Konsum. In vielen Haushalten läuft mittlerweile der TV permanent wenn jemand zu Hause ist. Durch die Verknüpfung von verschiedenen Inhalten wie dem TV-Programm, Online-Videotheken und dem Internet ist es heutzutage viel leichter den ganzen Tag auf dem Sofa zu sitzen ohne sich zu langweilen. In diesem Zusammenhang ist die Aussage "Fernsehen macht dick" nicht falsch.

Bei richtiger und bewusster Ernährung führt ein Bewegungsmangel auch nicht zwangsläufig zu Übergewicht. Hier könnte man ebenso argumentieren: "Bewegungsmangel macht dick? Nein!"

Dennoch hat der nicht unerheblich Schuld an dem Problem.

Einschränkung der Freiheit

Der Staat soll unsere Freiheiten nicht noch weiter einschränken, so tönt es hier vielfach. Schön.

Die Einschränkung von Freiheiten ist auf unseren Straßen aber bereits bis zur Perfektion fortgeschritten, indem praktisch die gesamte Verkehrsinfrastruktur auf das Auto ausgerichtet wurde.

Zuerst wurden Fußgänger und Radfahrer auf Seitenstreifen verbannt - zu ihrer eigenen Sicherheit natürlich - und dann wurden auch diese Reservate zu Abstellflächen für Autos umfunktioniert, auf denen Autos, Dreck jeder Art, Glassplitter oder weggeschaufelter Schnee liegen.

Übrig bleiben segmentierte, gefährliche Rüttelpisten, "verbunden" durch ständige Bordsteinauf- und abfahrten.
Die allenorts geparkten Autos stellen gerade für Kinder eine große Gefahrenquelle dar, da sie nicht mehr gesehen werden wenn sie eine Straße überqueren wollen und auch selbst schlecht herannahenden "Verkehr" sehen können. Und mit Hilfe der SUVs trifft es heute zunehmend auch Erwachsene unter 2 Metern Körpergröße.

Es ist kein Wunder, dass heute niemand mehr seine Kinder "raus auf die Straße" lässt. Und die Schäden bestehen nicht nur in der Fettleibigkeit, sondern auch in vermindertem Sozialverhalten.

Also lieber Staat: stelle doch bitte diese Freiheiten wieder her. Beschränke das automobile Faustrecht auf unseren Straßen, sorge dafür, dass Straßen wieder wirklich öffentliche Plätze für alle Menschen werden. Im Interesse unserer Nachkommen.

*weniger Kalorien aufnehmen, als man verbraucht*

Sie schreiben: "Der wichtigste Grundsatz lautet halt einfach: Weniger Kalorien aufnehmen als man verbraucht."

Das gilt für die Zeit einer Diät. Wenn Sie das ständig machen, verhungern Sie.
Vorher greift ihr Körper auf *sich selbst zurück*, es *geht an die substanz* und damit sind keine Fettreserven gemeint, die sind schon vorher weg....

ich denke, SO haben Sie es nicht gemeint. Wobei ich bei dauerhaft 1800kcal und Sport!, wie Sie weiter hinten schrieben, nicht ganz sicher bin...

Schwachsinniger Zusammenhang

Vor meinem Fernseher steht ein Ruderergometer und den benutze ich jeden Abend für eine halbe Stunde. Seit wann macht das dick?

Autofahren, Fernsehen etc. macht nicht dick. Mehr Treibstoff reinkippen als verbraucht wird macht dick. Ich guck locker 5 Stunden fern am Tag und fahr mim Auto in die Uni, wieg aber 80kg bei 1,90m Körpergröße.

Also bitte keine Pauschalisierungen

welch feindselige äußerungen

kurzstrecke kostet auch eher kurz.
treibstoffe sind durch den über 100% tigen steueraufschlag im vergleich zu anderen produkten, wie z.B. speiseöl eindeutig überteuert.
für mich sind fahrradfaschisten menschen ohne sinn für das angenehme, leute mit (unbewußten) masochistischen tendenzen. ich marschiere auch mal gerne strecken zu fuß, aber radfahren mit all dem dazugehörigen gefummel der sicherung und des gepäcktransports finde ich äußerst enervierend und will ich im alltag nicht (mehr) haben.
gesundheitshitler muessen mal begreifen, daß es alte genetische dispositionen zur vorratsbildung in form von fett gibt. meine vorfahren waren schweinebauern, ewiges rumgehetze war in deren körperprogramm nicht vorgesehen. dicke kriegen nur dann herzinfarkte, wenn sie gehetzt und unter streß (auch psychischen) gesetzt werden.
außerdem ist ein lohas lebensstil auf finanziellem h4 oder minijob niveau nicht darstellbar. wenn man also energiereiche
nahrung mit schlechterem physiologischen wert mit strafabgaben belegt, wird seezunge deswegen ja nicht billiger. früher habe ich bei penny immer tiefkühllachs mit rieslingsauce gekauft, wurde ausgelistet. jetzt gibt es nur noch tiefkühlfisch ohne sauce - den mag ich aber nicht, also esse ich gar keinen fisch mehr.
Unter Napoleon dem Dritten wurden für die Bevölkerung Frankreichs Atlantiklachse im Elsaß als günstiges Nahrungsmittel gezüchtet. Heute sind die Ökos nur an der Auswilderung ohne Zucht interessiert, Fischzucht gilt als bäbä.

@3 Weißzuckerunverträglichkeit?

Ich stimme Ihnen schon zu in Bezug darauf, daß die meisten (Fertig-)Speisen (und Süßigkeiten sowieso) einen unverhältnismäßig hohen Anteil an raffierten Zucker enthalten und daher einer gesunden Ernährung abträglich sind - um es vorsichtig zu formulieren.
Aber was bitte soll eine Weißzuckerunverträglichkeit sein? Weißer (raffinierter) Zucker ist chemisch gesehen Saccharose, also ein Dimer aus je einem Molekül α-D-Glucose (Pyranoseform) und β-D-Fructose.
Dies sind Schlüsselstoffe des menschlichen Stoffwechsels (schon mal von Brenztraubensäure gehört: Citronensärezyclus!). Wenn diese für Sie unverträglich wäre, dann wären Sie mangels Zellatmung bedauerlicherweise längst verstorben.

MercifulSister

es liegt auch im argen wenn die eltern solches vorleben.

gestern im warteraum im krankenhaus sah ich einen pummligen papa und eine adipöse mama, wie sie ihre beiden 2 und 3 jahre alten zwerge mit onion rings gefüttern haben.

umgekehrt ziehen viele im bekanntenkreis gerne darüber her, wenn eltern auf das essen ihrer kleinen achten, von wegen sie wären so pingelig, nur weil sie nicht möchten, dass der zwerg mit schokolade oder fleischwurst gemästet wird, nach dem motto, wir sind ja auch groß geworden.

schmeckt auch widerlich

Wenn man seinem Gaumen endlich die seit Kindheit anverdorbene Zuckerkonditionierung abgewöhnt hat, dann merkt man erst, wie wirklich wi-der-lich süß alles mögliche schmeckt - auch solches, was gar keine Süßigkeit ist, sondern "pikant" sein soll. Unglaublich!
Und ich bin nicht mal gegen Süßes. Ich esse gern mal ein Stück Schokolade, wenn mir danach ist. Wenn ich dagegen Tomatensuppe möchte, soll sie nach Tomate und nicht nach Zucker schmecken.

Aber auch bei vielen Süßwaren wird wohl dank Zucker an anderen Zutaten gespart.
Was hierzulande in Supermärkten sich "Gebäck" nennt, ist meist nur zusammengepappter Zucker mit Mehl. Fertigkuchen kann ich gar nicht mehr essen. Da zieht einem der Zucker das Maul zusammen, als wär's eine Zitrone! Diese unglaubliche Zuckerkonzentration treibt dem Entwöhnten die Tränen in die Augen.
Da bleibt dann nur der Griff zum Ökokeks oder, jetzt zu Weihnachten, zum Selbstgebackenen.

Aber... ceterum censeo... Nein, ich will weiterhin nicht, dass die EU oder irgendwelche selbsternannten Supernannys uns in die Rezepte pfuschen! Nicht noch mehr Dirigismus!
Auch gibt es Menschen, die durchaus gern und bewußt fett + süß essen (und vielleicht sogar zu dünn sind!).
Aber eine ordentliche Beschriftung der Waren mit Prozentangaben, die auch ohne Lupe und Lesebrille zu entziffern ist, ist überfällig. Das würde dann bei manchem Produkt einfach blöd aussehen...

Abbilden, was drin ist!

Und noch eine Maßnahme: Auf Verpackungen abbilden, was wirklich drinnen ist.

Warum darf z.B. "Caprisonne" ungestraft Obst abbilden, obwohl es nur Zuckerplärre ist? Machen wir ein neues Gesetz: Es müssen so viel Zuckerwürfel abgebildet werden, wie drin sind, und nur klein in der Ecke ein Stückchen Obst (meist nur 4%!). Und bei Yogurette darf nur so viel Erdbeer drauf sein, wie enthalten ist, nämlich nur ein Krümelchen.

Ansonsten empfehle ich, immer nach Zutaten-Liste einzukaufen: Man ahnt nämlich gar nicht, wo überall Zucker versteckt ist. Sobald auf Getränken irgendwas von Süßstoffen oder Zucker steht, stell ich sie einfach wieder ins Regal.

Getränke

Meine Freundin und ich trinken generell nur Wasser. Nicht nur, weil es uns einfach besser schmeckt. Es ist auch so, dass man pro Flasche Fanta locker mal 500 Kcal aufnimmt, also ein Viertel dessen, was man überhaupt aufnehmen sollte. Limo trinke ich nur im Restaurant, also da, wo man es sich mal als Luxus erlauben kann.

Generell finde ich aber 2000 kcal als Empfehlung als viel zu hoch angesetzt. Obwohl ich mich körperlich durch Joggen und Fitnessstudio stark auslaste, nehme ich nie mehr als 1800 kcal zu mir. 2000 kcal für einen Bürojob, wie die meisten Menschen ihn haben, sind viel zu viel.
Morgens zwei Scheiben Brot mit Honig oder Käse (300 kcal), Mittags einen Apfel und ein Brot (200 kcal), Abends EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak (700-1000 kcal). Schon haben wir maximal 1500 kcal. Wenn man dann noch durch Spaziergänge 150 kcal einspart, purzeln schnell die Pfunde. Aber die Menschen sind es ja gewohnt, sich vollzustopfen. Da suggeriert der Körper Hunger, obwohl er gar keinen hat.

Askese, Entsagung und Selbstkasteiung

Die Lektüre von Inhaltsstoffangaben und die Gewissenserforschung anhand von Kalorientabellen. Bußübungen mit Schrittzähler und Pulsfrequenzmesser. Und über allem wacht der Papa Staat der per GKV- Anschreiben den Sündern das Verderben ankündigt, wenn das jüngste Gericht mal zu fettig war. Bei Ihnen war die Mission "Du sollst den Volkskörper nicht schädigen" bereits sehr erfolgreich.
Zugegeben, ich habe keine Ahnung, wie viele Kalorien ich täglich zu mir nehme. Es sollte auch niemanden etwas angehen, wenn es mir schon egal ist. Es ist mein Leben, mein Körper, meine Gesundheit. Frau Künast un Co können sich ihre totalitären, volkspädagogischen Tendenzen gerne mal mit viel Analogkäse überbacken.
Auf dem Papier ist man heute so frei, wie es die Vorfahren niemals waren. Praktisch haben die Volkserzieher und Sozialingenieure eine allumfassende Macht, erwachsenen Privatleuten bis in die Betten und Kühlschränke hineinzuregieren, und den auf Kleinkindniveau zurechtgestutzten das Ganze per zwangsabbonierten Partei-und Verbandsfunk als Wohltat zu verkaufen.
Was war LouisXIV doch nur für ein lächerliches, machtloses Bürchschen dagegen. Allein der Versuch, derart umfassend Steuern zu erheben, hätte ihn noch jahrzehnte vor seinen Enkeln vermutlich den Kopf gekostet. Unsere Selbstbegnadeten kennen in ihrem Machtrausch keine Grenzen mehr.

Sie greifen die falschen an

Wissen Sie wer die wahren Volkserzieher sind? Marketingabteilungen, die verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, um uns zum Kaufen zu verführen, uns Bedürfnisse einreden, die wir gar nicht haben und uns vorgaukeln, wir müssten erfolgreich, schön und jung sein, um glücklich sein zu können. Unser Unterbewusstsein wird direkt angesprochen und wir können uns der Wirkung schwer entziehen. Letzlich werden sogar Bereiche wie Berufswahl, Parnterwahl und Freundeskreis davon beeinflusst. Kurzum: wir werden manipuliert, ohne dass wir es so deutlich merken. Wenn unser Selbstwertgefühl dann leidet weil wir eben keine idealtypischen Übermenschen sind, die ein perfektes Leben führen, sondern schlicht und ergreifend Menschen, dann haben die Unternehmen die passenden Produkte parat um uns für einen kleinen Moment glücklich zu machen. Aber die Wirkung hält nicht lange vor und so brauchen wir immer mehr von dem Stoff, der uns in süßen Träumen wiegt, während wir das wahre Lehen, nämlich uns selbst verpassen. Das nenne ich die Unfreiheit.

Freiwilligkeit und Zwang

Ja, das ist so die Heiligenlegende, die die Marketingabteilungen der betreffenden Parteien uns erzählen: böse finstere Mächte, die mit neoliberaler schwarzer Magie Industriezucker in meinen Einkaufskorb hineinsuggerieren.
Tatsache aber ist, dass ich den Schund nicht kaufen muss- daher sind überhaupt erst diese Marketingabteilungen nötig. Aber kaufen muss ich es trotzdem nicht.
Volkspädagogische Strafsteuern hingegen muss ich bezahlen. Man will mir eben keine Wahl mehr lassen. Schlimmer noch: man interstellt mir, nicht mündig genug zu sein, wählen zu können. Sprich: Freiheit ist schlecht für mich. Ich brauche eine Frau Künast, die mir den Einkaufszettel diktiert. Warum diese Leute, die uns offensichtlich für idiotische Gören halten, überhaupt noch Wahlzettel verteilen, ist hier die Frage. Wahrscheinlich eine Marketingidee: die Leute sollen halt denken, sie wären freie Bürger.

Vorbildlich

Meine Freundin und ich trinken generell nur Wasser.
-> Vorbildlich!

Limo trinke ich nur im Restaurant, also da, wo man es sich mal als Luxus erlauben kann.
-> Brav!

Abends EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak (700-1000 kcal). Schon haben wir maximal 1500 kcal.
-> Herrlich! Besonders der "EINE Teller Nudeln" und das krankenschwesterhafte "wir", gefällt mir sehr. Ihr Lebensinhalt scheint die Selbstkontrolle zu sein. Sie haben sicher viel Spaß im Leben: "Schatz, heute habe ich 50 kcal mehr als gestern zu mir genommen, ich fühle mich so schmutzig." Sind Sie Lehrer?

Die wahren Produktkosten sind höher als der Verkaufspreis

Sie tragen die höheren Kosten sowieso, wenn Sie das Lebensmittel kaufen. Falls es Sie nämlich krank macht, müssen Sie die Kosten dafür tragen. Einmal in Form von Gesundheitskosten, zum anderen büßen Sie an Lebensqualität ein und im schlimmsten Falle bezahlen Sie mit Ihrem Leben. Da es Ihr Leben und Ihre Gesundheit ist müssen Sie auch frei darüber entscheiden dürfen. Um sich aber frei entscheiden zu können brauchen Sie Informationen. Preise sind eine wichtige Informationskomponente. Eine Steuer würde den Preis erhöhen und Ihnen damit signalisieren, dass die tatsächlichen Produktkosten höher sind, weil noch Folgekosten dazukommen (können). Man sollte die Steuer daher benutzen, um im Gegenzug die Krankenversicherungsbeiträge zu senken. Sie können eine solche Steuer auch als Versicherungsprämie verstehen: je mehr Sie konsumieren, desto höher ist das Erkrankungsrisiko und desto höher die Prämie bzw. Steuer.

Der zweite Punkt ist der: wie frei ist Ihre Entscheidung, wenn Ihr Vertragsparnter - also die Lebensmittelindustrie - erstens über Informationsvorsprünge bzgl. der Inhaltsstoffe, etc. verfügt und zweitens verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse benutzt, um Ihre rationale Urteilsfindung zu torpedieren?

Und Mineralwasser ? Wird auch aus Brunnen gefördert...!

Insofern können Sie beruhigt "Wasser" trinken, weil da geaunso wenig ein Fisch reingepinkelt hat, es sei denn Sie leben in hygenieschen Verhältnissen wie in Bangla Desh und müssten Flußwasser trinken...was ich eher bezweifle...

Sie wollten offensichtlich mit fadenscheinigen Argumenten das trinken von Wasser diskreditieren ist aber misslungen. Wasser ist nachweislich das gesündeste und effektivste Getränk um Durst zu löschen.

im Gegensatz zu Cola, Apfelsaft etc. mit hohem Zuckerranteil ob nun zugesetzt oder natürlicher Fruchtzucker. Diese Getränke machen letztlich noch mehr Durst, zur Freude der Hersteller...

Und Sie machen sehr schnell Dick, eben wegen dem hohen Zucker- und Kalorienanteil pro Liter im Gegensatz zu Wasser...

Ungesunde Ernährung

"Morgens zwei Scheiben Brot mit Honig oder Käse (300 kcal), Mittags einen Apfel und ein Brot (200 kcal), Abends EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak (700-1000 kcal). Schon haben wir maximal 1500 kcal."

Und DAS posten Sie als Kommentar zum Thema gesunde Ernährung? Ihre Ernährung ist einseitig, enthält auf Dauer NICHT alle notwendigen Nährstoffe, enthält viel zu viele Kohlehydrate, viel zu wenig bzw. gar kein Gemüse. Und wenn es stimmt, dass sie regelmäßig Sport treiben, obendrein zu wenig Kalorien.

Sie halten Ihren Körper also im permanenten, latenten Hungermodus bei unausgewogener Ernährung. Und das dann auch noch völlig genuss- und spassbefreit. Das ist alles andere als vorbildlich. Wenn man Kindern DAS vorlebt, landen sie genauso in der Klinik für Essstörung wie nach Dauerkonsum von Cola und Pommes.

Lustig...

... wie sich manche hinterher versuchen rauszureden, anstatt zu dem zu stehen, was sie schreiben.

1800 kcal sind von Ihnen ausdrücklich als Maß angeben worden, 2000 kcal als "generell viel zu hoch". (Die Wörtchen "generell" und "einmalig" widersprechen sich. Oder sind Sie bereits so unterzuckert, dass Sie das nicht merken) Mit 1800 kcal läuft ein Körper, der regelmäßig Sport treibt, im Hungermodus. 1800 kcal entsprechen bei einem Durchschnittsgroßen Mann und Normalgewicht gerade mal dem Grundumsatz.

Die Formulierungen "Abends" "Mittags" "Morgens" und "EINEN Teller Nudeln, Reis oder meinetwegen auch ein Steak" stehen eindeutig auch nicht für eine einmalige Aktion.

Ich wiederhole mich gerne: Beide Phänomene stehen für Essstörungen, dafür spricht auch Ihre Kalorienzählerei. Immanent übrigens auch, dass man das Problem lange erst einmal leugnet.

Illusion der Autonomie

" ... Mächte, die mit neoliberaler schwarzer Magie Industriezucker in meinen Einkaufskorb hineinsuggerieren.
Tatsache aber ist, dass ich den Schund nicht kaufen muss .."

Meiner Ansicht nach unterliegen Sie einer Illusion, was das Ausmaß der Autonomie Ihrer Kaufentscheidungen angeht. Der Manipulation durch Werbung kann sich niemand entziehen, sobald er sich ihr aussetzt. Und es wird immer schwieriger, ohne Werbebotschaften durch den Tag zu kommen, da sämtliche Kanäle genutzt werden.

Es geht nicht darum, Menschen zu etwas zu zwingen, jeder darf sich die 2-Liter-Flasche Cola reinkippen, es geht darum, zu regulieren und so Einfluß zu nehmen, dass die Menschen nicht zum immer mehr (fr)essen animiert werden. Ein Beispiel: Ich finde, dass es eine gesetzliche Regelung geben sollte, die Läden verpflichtet, von jeder angebotenen Süßigkeit auch Kleinpackungen im Sortiment zu führen, und nicht nur den 8-er Schokoriegel. Oder die 0,5L Cola-Flasche.

Ich finde, die Gesellschaft sollte Esssüchtige nicht allein lassen, mir ist das nicht gleichgültig, wenn immer mehr Leute durch ihre Fettleibigkeit behindert sind, früh sterben und durch ihre Krankheiten auch hohe Kosten verursachen.