Gesunde ErnährungDie Staatsdiät

Die Deutschen werden immer dicker. Manche fordern daher, der Staat solle die Bürger vor ungesundem Essen schützen, etwa durch Steuern oder Erziehung. Was würde das bringen?

Wenn es um das Wohl der Bevölkerung geht, greift Thomas Danne schon mal im Nadelstreif zur Schubkarre. Gleich zwei Karren stehen an diesem Vormittag auf einem Schulhof in Berlin-Wedding, die Ladung glitzert im Sonnenlicht: Zuckerwürfel, bergeweise. Danne will sie auf dem Boden auskippen – wie Mist auf einem Haufen. Journalisten sind gekommen, das Fernsehen ist da, gleich wird Renate Künast eintreffen. Sie soll mit anfassen.

Thomas Danne ist Kinderarzt und Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – dem Verein Deutsche Diabetes-Hilfe. Mit der Aktion will er gegen den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken an Schulen protestieren. »Ein Sechsjähriger nimmt allein über Limonade fünf Kilogramm Zucker im Jahr zu sich, ein Jugendlicher sogar 30 Kilo«, sagt Danne. Damit sich das jeder vorstellen kann, stehen eine kleine und eine große Schubkarre mit dieser Ladung auf dem Schulhof. Zusammen enthalten sie mehr als 11.600 Würfel. Einige Schüler posieren um die Karren und halten lächelnd Wasserflaschen in die Kameras.

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So sieht es aus, wenn Gesundheitsexperten PR für bessere Ernährung machen. Es ist eine gut gemeinte Aktion, doch nahezu lächerlich, verglichen mit dem gigantischen Marketing und den immer neuen Produkten der Lebensmittelbranche, die über Jahrzehnte eine Welt der ständigen Verführung geschaffen hat. Deutschland ist zum Schlaraffenland geworden. Und seine Bewohner werden immer dicker.

Einige Experten sehen Pommes, Cola und Co. inzwischen in einer Reihe mit Tabak und Alkohol, sie fordern ein entschlossenes Eingreifen des Staates. Er solle seine Bürger vor ungesundem Essen schützen und gesunde Entscheidungen erleichtern: etwa Steuern auf Fettiges oder Süßes erheben, Verkauf und Werbung regulieren, eine flächendeckende Gesundheitserziehung einführen. New York ist diesen Schritt schon gegangen: Vor Kurzem hat die Stadt beschlossen, dass Restaurants ab März Softdrinks nur noch in Bechern bis maximal 0,47 Liter verkaufen dürfen.

ZEIT Wissen 6/2012
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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Ob der Staat den Menschen ins Essen reinreden sollte, ist eine moralische Frage – die Meinungen gehen auseinander. Ob das überhaupt funktionieren kann, ist eine andere. So versuchen Mediziner, Ökonomen und Public-Health-Forscher zu ergründen, was Politik überhaupt ausrichten kann – ob und mit welchen Mitteln sie Menschen dazu bringen könnte, sich gesünder zu ernähren. Eines ist klar: Einzelne Maßnahmen werden kaum etwas ändern.

Dabei ist das Problem nicht mehr kleinzureden. Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen haben hierzulande Übergewicht, jeder Fünfte ist gar adipös – gefährlich für die Bevölkerungsgesundheit. »Starkes Übergewicht fördert Wohlstandskrankheiten, von Diabetes über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs bis hin zu Alzheimer«, sagt der Ernährungsmediziner Hans Hauner von der TU München.

Eine Lösung, die naheliegt und für Staaten naturgemäß attraktiv ist: Steuern erheben. Dänemark hat vor einem Jahr eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren eingeführt, Ungarn besteuert Junkfood und Frankreich seit Kurzem Softdrinks. Auch David Cameron und Barack Obama haben schon eine Steuer auf Ungesundes erwogen, und der UN-Sonderbotschafter für Ernährung, Olivier de Schutter, empfiehlt sie als wichtigen Beitrag zur Bevölkerungsgesundheit.

Leserkommentare
  1. Wüstenhagens ideologische Vorbilder angestrebt haben. Auch damals ging es schon um Volksgesundheit, um eine Lebensweisen, die die Untertanen zäh wie Leder, flink wie die Wiesel und hart wie Kruppstahl macht.
    Deshalb vielen Dank, Frau Wüstenhagen, dass Sie und Ihre Genossinnen es gar nicht mehr für nötig halten ihre ideologischen Wurzeln zu vertuschen.

  2. 210. oha ...

    Wenn am Ende herauskomme, dass sich die Nachfrage nur verlagere, müsse die Politik nachjustieren und weitere Produkte besteuern. »Das sieht vielleicht nach Versuch und Irrtum aus, ist aber der einzige Weg, herauszufinden, was eine Steuer wirklich bringt.«

    Also, "[..] der einzige Weg [..] weitere Produkte besteuern", a la "Learning by doing" hilft gegen Dick sein.

    Ich denke, das Wort "Gesundheitsökonom" ist ein Paradoxon.

    Ich empfehle folgendes Experiment:

    Bitte zeichnen sie von 5:00 Uhr bis 22:00 Uhr einen gängigen Radiosender auf.
    Anschliessend schneiden sie, bis auf die Werbesendungen, alles heraus.
    Zum Abschluß hören sie sich die übrigbleibende Aufzeichnung in einem Stück an.

    Wenn sie danach noch klar denken können, dann wissen Sie definitiv, was dick macht.

    Eine Leserempfehlung
  3. Die Argumente bezüglich der Gesundheit sind ja zum Großteil zutreffend. Doch die Bevormundung des Bürgers nervt. Das Hauptargument ist tatsächlich nicht die Gesundheit, sondern der Profit der Krankenversicherer.
    Auch habe ich die zunehmende Entmündigung des Bürgers einfach satt. Dieser faschistoide Gesundheits und Schönheitswahn sollte verboten werden, doch das nicht möglich.

    4 Leserempfehlungen
    • Plan B
    • 04.11.2012 um 7:25 Uhr

    ...noch alles unter Kontrolle bringen? Ich schlage vor, dass eine Höchstgrenze an Klopapiergebrauch eingeführt wird. Dies gilt natürlich nicht für die Politiker.

    3 Leserempfehlungen
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    Ich schlage vor, dass eine Höchstgrenze an Klopapiergebrauch eingeführt wird.

    Ihr durchaus konstrukitver Vorschlag könnte an einer gut verschleierten Klopapier-Resource scheitern:
    Die Blöd-Zeitung.
    Da ein konvenionelles Blatt Klopapier ca. 13.8 cm x 9.8 cm mißt, stellt eine handelsübliche Seite der Blöd-Zeitung immerhin das gönnende Format von 2.68 x 2.0 Blatt Klopapier dar, multipliziert mit der Anzahl an Seiten der jeweils aktuellen Tagesausgabe.

    Der Verzehr von Schokolade (ein weiterer Dickmacher) könnte zudem dafür sorgen, dass jenes Klopapier, aufgrund von Verstopfungen, gar gehortet werden kann.

    Doch hat ihr konstruktiver Vorschlag widerwillig einen anderen, sogar besseren Lösungsansatz:
    Das Heraufsetzen der Höchstgrenze von Klopapier, könnte die "Medienlandschaft" säubern.

    Satire off

    Ich schlage vor, dass eine Höchstgrenze an Klopapiergebrauch eingeführt wird.

    Ihr durchaus konstrukitver Vorschlag könnte an einer gut verschleierten Klopapier-Resource scheitern:
    Die Blöd-Zeitung.
    Da ein konvenionelles Blatt Klopapier ca. 13.8 cm x 9.8 cm mißt, stellt eine handelsübliche Seite der Blöd-Zeitung immerhin das gönnende Format von 2.68 x 2.0 Blatt Klopapier dar, multipliziert mit der Anzahl an Seiten der jeweils aktuellen Tagesausgabe.

    Der Verzehr von Schokolade (ein weiterer Dickmacher) könnte zudem dafür sorgen, dass jenes Klopapier, aufgrund von Verstopfungen, gar gehortet werden kann.

    Doch hat ihr konstruktiver Vorschlag widerwillig einen anderen, sogar besseren Lösungsansatz:
    Das Heraufsetzen der Höchstgrenze von Klopapier, könnte die "Medienlandschaft" säubern.

    Satire off

  4. Habe mal irgendwo gehört, dass Sport gegen fett werden helfen soll. Könnte nun jeder bei sich zu Hause einen Heimtrainer hinstellen, der Strom erzeugt, Strom, den der Erzeuger nachher selber nutzen könnte, dann würden sehr viele Leute mehr Sport treiben. Es könnte so einfach sein.

    Eine Leserempfehlung
    • bonner
    • 04.11.2012 um 10:19 Uhr

    soll was tun...
    Da kann ich nur lachen. Die übersichtlichen Ampeln auf der Lebensmittelverpackung, die in England üblich sind, wurden auch für Deutschland vorgeschlagen...und wer hat das torpediert? Frau Aigner!!!
    Uns was sagt mir das? Unser Staat will Dicke haben oder?
    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jp

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    • AllEin
    • 04.11.2012 um 10:26 Uhr

    Der Teil des Kommentars, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/jp

    • AllEin
    • 04.11.2012 um 10:26 Uhr

    Der Teil des Kommentars, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/jp

    • AllEin
    • 04.11.2012 um 10:26 Uhr
    215. [...]

    Der Teil des Kommentars, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "Der Staat..."
  5. 216. Satire

    Ich schlage vor, dass eine Höchstgrenze an Klopapiergebrauch eingeführt wird.

    Ihr durchaus konstrukitver Vorschlag könnte an einer gut verschleierten Klopapier-Resource scheitern:
    Die Blöd-Zeitung.
    Da ein konvenionelles Blatt Klopapier ca. 13.8 cm x 9.8 cm mißt, stellt eine handelsübliche Seite der Blöd-Zeitung immerhin das gönnende Format von 2.68 x 2.0 Blatt Klopapier dar, multipliziert mit der Anzahl an Seiten der jeweils aktuellen Tagesausgabe.

    Der Verzehr von Schokolade (ein weiterer Dickmacher) könnte zudem dafür sorgen, dass jenes Klopapier, aufgrund von Verstopfungen, gar gehortet werden kann.

    Doch hat ihr konstruktiver Vorschlag widerwillig einen anderen, sogar besseren Lösungsansatz:
    Das Heraufsetzen der Höchstgrenze von Klopapier, könnte die "Medienlandschaft" säubern.

    Satire off

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    es sollte heißen:

    Das Heraufsetzen der Höchstgrenze von Klopapier, könnte die "Medienlandschaft" austrocknen.

    es sollte heißen:

    Das Heraufsetzen der Höchstgrenze von Klopapier, könnte die "Medienlandschaft" austrocknen.

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