WissenschaftsförderungPromis für die Wissenschaft

Stars und Unternehmer stiften der Forschung ein Vermögen. Doch es mangelt oft an der Koordination mit den staatlichen Geldgebern. von Lennart Pyritz und Caroline Ritgen

Für Sergey Brin ist es Pech, für die Forschung ein Segen. Brin könnte eines Tages an Parkinson erkranken. Zumindest hat er eine Genmutation, welche die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht. Und weil er einst Google erfunden hat und heute ziemlich reich ist, stiftete er prompt 50 Millionen Dollar für die Parkinson-Forschung.

Spenden wie diese sind in keinem staatlichen Forschungsbudget eingeplant, aber ohne sie wären Tausende Wissenschaftler in aller Welt arbeitslos. Wenn reiche Unternehmer, Prominente oder Erben Gutes tun wollen, können sie Kunst fördern, soziale Projekte – oder eben die Wissenschaft. Wofür sie ihr Geld ausgeben, hängt oft mit der eigenen Lebensgeschichte zusammen.

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Der SAP-Gründer Hasso Plattner spendierte seiner Heimatstadt Potsdam ein Informatik-Institut, weil er mit der Ausbildung der Informatik-Studenten in Deutschland unzufrieden war. Mica Ertegün, die Witwe des Plattenproduzenten Ahmed Ertegün, fördert Geisteswissenschaftler, weil ihr Mann einst Philosophie studiert hatte. Und der Schauspieler Michael J. Fox unterstützt die Parkinson-Forschung, weil er selber an der Krankheit leidet.

In Zukunft wird noch mehr Geld fließen. Bill Gates und der Investor Warren Buffett haben die Initiative The Giving Pledge gestartet. Ihre Mitglieder – allesamt Milliardäre, darunter Facebook-Chef Mark Zuckerberg – geloben, einen Teil ihres Vermögens für philanthropische Projekte zu spenden.

Schön für die Forscher. Aber was bedeutet es, wenn Prominente plötzlich nach Gutdünken Forschungsprogramme lenken? Bill Gates etwa fördert nicht nur die Entwicklung von Aids-Impfstoffen, sondern auch umstrittene Feldversuche zum Geo-Engineering, also der Manipulation der Erde mit Großtechnik. Und ist jeder Euro aus Privatvermögen automatisch sinnvoll investiert?

ZEIT Wissen 6/2012
ZEIT Wissen 6/2012

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

So willkommen die privaten Gelder den Forschern auch sind – es mangelt häufig an der Abstimmung mit den Universitäten. »Um zu funktionieren, muss eine Forschungseinrichtung an zwei Fronten erfolgreich sein«, sagt der Soziologe Helmut Anheier von der Hertie School of Governance, »beim Einwerben von öffentlichen Mitteln für die Grundausstattung und von privaten Stiftungsgeldern für Projekte.« Doch viele deutsche Hochschulen tun sich schwer, eine ausgewogene und aufeinander abgestimmte Finanzierung aus beiden Quellen zu sichern. Wenn eine Stiftung eine neue Professur fünf Jahre lang finanziert, sollte die Universität anschließend einspringen – oder die Stiftungsprofessur von vornherein nicht einrichten.

»Zu leicht stoßen Stiftungen etwas an, ohne sich über langfristige Aspekte Gedanken zu machen. Sie haben die vage Hoffnung, dass die öffentliche Hand zu gegebener Zeit einspringen wird«, sagt Anheier. »Andererseits vertrauen staatliche Stellen allzu gern auf die Möglichkeit, dass irgendwelche anderen Stiftungen die Sache schon weiter fördern werden.«

In den USA tritt dieses Problem seltener auf, weil Stifter dort eher bereit sind, auch die Grundausstattung der Universitäten über viele Jahre hinweg aufzustocken. »Die Gesellschaft ist in den USA viel mehr auf gegenseitige Unterstützung ausgerichtet als in Deutschland, wo man zunächst einmal staatliche Leistungen erwartet«, sagt Georg von Schnurbein, Professor am Centrum für Philanthropie und Stiftungswesen der Universität Basel. »In den USA wurden die ersten Universitäten von privaten Philanthropen gegründet.«

Die Kehrseite dieser Tradition: In den USA zieht sich der Staat heute stärker aus der direkten Forschungsförderung zurück. In den Naturwissenschaften und der Medizin, sagt Helmut Anheier, seien »die erforderlichen Summen so hoch, dass weder staatliche noch stifterische Mittel allein ausreichen würden«.

Leserkommentare
  1. "Spenden wie diese sind in keinem staatlichen Forschungsbudget eingeplant, aber ohne sie wären Tausende Wissenschaftler in aller Welt arbeitslos."

    Diese Gelder könnten auch der Allgemeinheit und somit der Bildung und Forschung zur Verfügung stehen, wenn diese über Steuereinnahmen nach dem Prinzip der Leistungfähigkeit erhoben würden.
    Der Staat sind wir alle, wenn wir das Feld nicht nur den Berufspolitikern überlassen.

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    [Diese Gelder könnten auch der Allgemeinheit und somit der Bildung und Forschung zur Verfügung stehen, wenn diese über Steuereinnahmen nach dem Prinzip der Leistungfähigkeit erhoben würden.]

    Klar, nur werden die Gelder dann für höhere Renten, Sozialtransfer und anderen Konsum ausgegeben. Denn mit mehr Geld für Forschung gewinnt meine keine Wahlen. Mit breit verteilten Geschenken schon eher.

    Ich jedenfalls mit froh, dass Private sich engagieren und so für eine vielfältigere Forschungslandschaft sorgen und ihr Knowhow einbringen.

    • cb81
    • 28. Oktober 2012 10:02 Uhr

    Sergey Brin hofft, dass ein frühes erkennen von Biomarkern das frühe verschreiben von Medikamenten bringt, bevor die ersten Symptome auftreten. Nur existieren bisher alleine Medikamente, die rein symptomlindernd sind und nichts, was die Progression des Untergangs der dopaminergen Nervenbahn im nigrostriatalen System aufhalten könnte. Kein normaler Neurologe würde ihm Medikamente verschreiben, nur weil Er eine Genvariante trägt, die die Wahrscheinlichkeit an Parkinson zu erkranken erhöht.
    Die Gates Stiftung ist zwar ein toller Ansatz, aber wie schwierig die Bekämpfung der drei größten Seuchen AIDS, Tbc und Malaria ist, und dass Geld alleine auch nicht die Lösung ist, musste auch Bill Gates einsehen. Ich kann aber beim besten Willen nicht verstehen, dass dieser uralte Impfstoff RTS,S, der wahrhaftig keinen effektiven Schutz gegen Malaria zu erkranken bietet, immer wieder als große Hoffnung präsentiert wird. Aber egal, Phase III Ergebnisse Ende 2013 werden schon offenbaren, was es hiermit wirklich auf sich hat.

    • ludna
    • 28. Oktober 2012 10:29 Uhr

    wir in D wären froh, wenn wir solche Summen erhalten würden.

    Ein wenig seltsam, diese Spendenpraxis zu kritisieren, in einem Land, in dem die Reichen faktisch Null für Wissenschaft spenden (wenige Aussnahmen) und alles dem bösen Staat überlassen, über den sie sich dann beschweren und ihre Vermögen lieber in der Schweiz verstecken.

    "Spenden wie diese sind in keinem staatlichen Forschungsbudget eingeplant, aber ohne sie wären Tausende Wissenschaftler in aller Welt arbeitslos."

    In aller Welt ? In D sind sie arbeitslos.

    3 Leserempfehlungen
    • hairy
    • 28. Oktober 2012 11:40 Uhr

    Viele solcher Spenden sind nur ein kleiner Teil von betr. Stiftungsvermoegen, und diese Stiftungsvermoegen dienen sehr oft als Steuersparmodell fuer grosse Firmen und Individuen. Es gab gestern glaube ich auf dradio eine Sendung darueber, welche absurden Formen sowas inbes. in D angenommen hat, weil das Stiftungsrecht ueber weite STrecken ein recht loechriger Kase ist.

    2 Leserempfehlungen
  2. Kriterien richtet sich Forschungsfoerderung auch innerhald der 'regulaeren' Institutionen nicht immer und immer seltener. It's politics.

    2 Leserempfehlungen
  3. [Diese Gelder könnten auch der Allgemeinheit und somit der Bildung und Forschung zur Verfügung stehen, wenn diese über Steuereinnahmen nach dem Prinzip der Leistungfähigkeit erhoben würden.]

    Klar, nur werden die Gelder dann für höhere Renten, Sozialtransfer und anderen Konsum ausgegeben. Denn mit mehr Geld für Forschung gewinnt meine keine Wahlen. Mit breit verteilten Geschenken schon eher.

    Ich jedenfalls mit froh, dass Private sich engagieren und so für eine vielfältigere Forschungslandschaft sorgen und ihr Knowhow einbringen.

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    Kapitalistischer Monopolismus und Staatsmonopolismus oder Oligopolismus führen zu Unfreiheit - wohlbemerkt beides!
    Für Wissenschaftler ist es immer schlecht, wenn sie von einer Geldquelle abhängig sind, die nach Belieben versiegen kann. Ich habe viel Respekt für "Kleinspender", die von ihrem sauer verdienten Geld etwas an andere abgeben. Großspenden und Firmenstiftungen sehe ich aber sehr kritisch - auch ich habe den Beitrag auf dradio gehört. Auch wenn einige Spender sehr vernünftig und anständig handeln - die Abhängigkeit von Gönnern öffnet Tür und Tor für Druck, der die Objektivität der Forschenden aufhebt. Das ist undemokratisch. Außerdem kann jemand Außenstehendes überhaupt nicht einschätzen, was wissenschaftlich wirklich interessant sein könnte, und wird sich im Zweifelsfall an der Mode orientieren. Da bleibt viel außen vor.
    Wer ehrlich spenden möchte, muss das Geld wirklich aus der eigenen Kontrolle geben.
    Ich denke, dass Wissenschaftler Budgets am besten selbst in einem demokratischen Prozess verteilen könnten - ohne Druck vom Staat und ohne Druck von Sponsoren. Jemand, der sich in die Materie eingearbeitet hat, hat immer noch die besten Chancen, einzuschätzen, welche Ansätze erfolgversprechend sind. Der Staat und die Spender haben ein Recht darauf, dass über die Mittelverwendung Rechenschaft abgelegt wird, und auf frei zugängliche Ergebnisse. Aber sie bekämen bessere, wenn sie den Forschern zutrauen würden, dass sie wissen, was sie tun - ohne Kontrollwahn!

  4. Kapitalistischer Monopolismus und Staatsmonopolismus oder Oligopolismus führen zu Unfreiheit - wohlbemerkt beides!
    Für Wissenschaftler ist es immer schlecht, wenn sie von einer Geldquelle abhängig sind, die nach Belieben versiegen kann. Ich habe viel Respekt für "Kleinspender", die von ihrem sauer verdienten Geld etwas an andere abgeben. Großspenden und Firmenstiftungen sehe ich aber sehr kritisch - auch ich habe den Beitrag auf dradio gehört. Auch wenn einige Spender sehr vernünftig und anständig handeln - die Abhängigkeit von Gönnern öffnet Tür und Tor für Druck, der die Objektivität der Forschenden aufhebt. Das ist undemokratisch. Außerdem kann jemand Außenstehendes überhaupt nicht einschätzen, was wissenschaftlich wirklich interessant sein könnte, und wird sich im Zweifelsfall an der Mode orientieren. Da bleibt viel außen vor.
    Wer ehrlich spenden möchte, muss das Geld wirklich aus der eigenen Kontrolle geben.
    Ich denke, dass Wissenschaftler Budgets am besten selbst in einem demokratischen Prozess verteilen könnten - ohne Druck vom Staat und ohne Druck von Sponsoren. Jemand, der sich in die Materie eingearbeitet hat, hat immer noch die besten Chancen, einzuschätzen, welche Ansätze erfolgversprechend sind. Der Staat und die Spender haben ein Recht darauf, dass über die Mittelverwendung Rechenschaft abgelegt wird, und auf frei zugängliche Ergebnisse. Aber sie bekämen bessere, wenn sie den Forschern zutrauen würden, dass sie wissen, was sie tun - ohne Kontrollwahn!

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  5. Superreichen etwas Gutes tun wollen, dann sollen sie einfach mehr Steuern zahlen.

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    Als wenn mehr Steuereinnahmen zu steigenden Forschungsausgaben führen würden. Außerdem werden staatliche Forschungsgelder auch nicht immer zielführend ausgegeben.

    Einfach deshalb, weil die jeweils herrschenden Parteien das Mehr-Geld dort ausgeben werden, wo es die meisten Wählerstimmen holt. Deshalb können in einem solchen Fall auch > 50% der Gelder als zum Fenster rausgeworfen bezeichnet werden.

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