Für Sergey Brin ist es Pech, für die Forschung ein Segen. Brin könnte eines Tages an Parkinson erkranken. Zumindest hat er eine Genmutation, welche die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht. Und weil er einst Google erfunden hat und heute ziemlich reich ist, stiftete er prompt 50 Millionen Dollar für die Parkinson-Forschung.

Spenden wie diese sind in keinem staatlichen Forschungsbudget eingeplant, aber ohne sie wären Tausende Wissenschaftler in aller Welt arbeitslos. Wenn reiche Unternehmer, Prominente oder Erben Gutes tun wollen, können sie Kunst fördern, soziale Projekte – oder eben die Wissenschaft. Wofür sie ihr Geld ausgeben, hängt oft mit der eigenen Lebensgeschichte zusammen.

Der SAP-Gründer Hasso Plattner spendierte seiner Heimatstadt Potsdam ein Informatik-Institut, weil er mit der Ausbildung der Informatik-Studenten in Deutschland unzufrieden war. Mica Ertegün, die Witwe des Plattenproduzenten Ahmed Ertegün, fördert Geisteswissenschaftler, weil ihr Mann einst Philosophie studiert hatte. Und der Schauspieler Michael J. Fox unterstützt die Parkinson-Forschung, weil er selber an der Krankheit leidet.

In Zukunft wird noch mehr Geld fließen. Bill Gates und der Investor Warren Buffett haben die Initiative The Giving Pledge gestartet. Ihre Mitglieder – allesamt Milliardäre, darunter Facebook-Chef Mark Zuckerberg – geloben, einen Teil ihres Vermögens für philanthropische Projekte zu spenden.

Schön für die Forscher. Aber was bedeutet es, wenn Prominente plötzlich nach Gutdünken Forschungsprogramme lenken? Bill Gates etwa fördert nicht nur die Entwicklung von Aids-Impfstoffen, sondern auch umstrittene Feldversuche zum Geo-Engineering, also der Manipulation der Erde mit Großtechnik. Und ist jeder Euro aus Privatvermögen automatisch sinnvoll investiert?

So willkommen die privaten Gelder den Forschern auch sind – es mangelt häufig an der Abstimmung mit den Universitäten. »Um zu funktionieren, muss eine Forschungseinrichtung an zwei Fronten erfolgreich sein«, sagt der Soziologe Helmut Anheier von der Hertie School of Governance, »beim Einwerben von öffentlichen Mitteln für die Grundausstattung und von privaten Stiftungsgeldern für Projekte.« Doch viele deutsche Hochschulen tun sich schwer, eine ausgewogene und aufeinander abgestimmte Finanzierung aus beiden Quellen zu sichern. Wenn eine Stiftung eine neue Professur fünf Jahre lang finanziert, sollte die Universität anschließend einspringen – oder die Stiftungsprofessur von vornherein nicht einrichten.

»Zu leicht stoßen Stiftungen etwas an, ohne sich über langfristige Aspekte Gedanken zu machen. Sie haben die vage Hoffnung, dass die öffentliche Hand zu gegebener Zeit einspringen wird«, sagt Anheier. »Andererseits vertrauen staatliche Stellen allzu gern auf die Möglichkeit, dass irgendwelche anderen Stiftungen die Sache schon weiter fördern werden.«

In den USA tritt dieses Problem seltener auf, weil Stifter dort eher bereit sind, auch die Grundausstattung der Universitäten über viele Jahre hinweg aufzustocken. »Die Gesellschaft ist in den USA viel mehr auf gegenseitige Unterstützung ausgerichtet als in Deutschland, wo man zunächst einmal staatliche Leistungen erwartet«, sagt Georg von Schnurbein, Professor am Centrum für Philanthropie und Stiftungswesen der Universität Basel. »In den USA wurden die ersten Universitäten von privaten Philanthropen gegründet.«

Die Kehrseite dieser Tradition: In den USA zieht sich der Staat heute stärker aus der direkten Forschungsförderung zurück. In den Naturwissenschaften und der Medizin, sagt Helmut Anheier, seien »die erforderlichen Summen so hoch, dass weder staatliche noch stifterische Mittel allein ausreichen würden«.

Richard Branson und Hasso Plattner

Richard Branson poses for a portrait in support of his new book, "Screw Business As Usual" at the Virgin Offices in New York, December 1, 2011. REUTERS/Andrew Burton (UNITED STATES - Tags: PROFILE BUSINESS TRANSPORT) © Andrew Burton/Reuters

Richard Branson: Krieg dem Kohlendioxid

Seine Mutter war eine der ersten Stewardessen Großbritanniens, später besaß Richard Branson seine eigenen Fluglinien, heute gehören ihm Dutzende Unternehmen der Virgin Group. Branson ist der viertreichste Brite.

Jetzt unterstützt er ausgerechnet den Kampf gegen den Klimawandel: Die Gewinne aus seinen Bahn-, Reise- und Flugunternehmen will er dafür ausgeben, neue Techniken zur Vermeidung von CO₂-Emissionen zu erforschen, insgesamt drei Milliarden Dollar.

Carbon War Room heißt diese Initiative, die sich unter anderem für effizientere Schiffe und Gebäude starkmacht. Außerdem hat Branson 25 Millionen Dollar Preisgeld für Unternehmen ausgelobt, die Wege zur Wiederverwertung von CO₂ finden.

Was treibt diesen Mann? »Ich will die Welt retten und Gewinne machen«, sagt Branson. Er werde sich gut fühlen, wenn Flugzeuge eines Tages mit Biosprit betankt werden können: Das spare Steuern.

Hasso Plattner: Nachhilfe für Informatiker

Hasso Plattner hat den Software-Konzern SAP mitgegründet und damit ein Vermögen verdient. Er ist heute einer der reichsten Deutschen.

In Südafrika – dort besitzt Plattner ein Golfhotel – fördert er die Grundlagenforschung zur Aids-Bekämpfung an zwei Universitäten. In Potsdam hat er mit mehr als 200 Millionen Euro ein ganzes Universitätsinstitut für Informatik aufgebaut. Es gebe hierzulande zu viele Software-Tüftler und zu wenige Software-Architekten, klagte er einmal.

Laut Hochschulranking bietet Potsdam einen der besten Informatik-Studiengänge an. Studenten entwickeln dort unter anderem Software für die Tumor-Dokumentation. Seit September gibt es Informatik-Kurse für jedermann bei: Professor Plattner.

Sergey Brin und Bill und Melinda Gates

Sergey Brin: Mit Google gegen Parkinson

Sergey Brin, der Mitgründer von Google, musste nicht weit gehen, um sein Erbgut entziffern zu lassen. Seine Frau besitzt ein Unternehmen, das Gentests für jedermann anbietet. Ergebnis: Sergey Brin trägt eine Genvariante, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Parkinson zu erkranken.

Brin, dessen Vermögen auf 18,7 Milliarden Dollar geschätzt wird, spendete 50 Millionen Dollar für die Parkinson-Forschung. Er hofft, dass Wissenschaftler Biomarker finden, mit denen der Ausbruch der Krankheit erkannt wird, bevor die ersten Symptome auftreten. Dann könnten Medikamente früher verschrieben werden.

Zudem will er eine neue Technik vorantreiben, die riesige Datenmengen durchforstet, um nach Gemeinsamkeiten von Parkinson-Kranken zu suchen – das Google-Prinzip.

Bill und Melinda Gates: Kämpfer gegen Aids und Malaria

Niemand hat der Wissenschaft so viel Geld gespendet wie Bill und Melinda Gates. Mit ihrer 1994 gegründeten Stiftung haben sie inzwischen 25 Milliarden Dollar für medizinische Forschung, Entwicklungshilfe und Bildung ausgegeben.

Vor allem die Entwicklungsländer sollen vom Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria profitieren. Anfang 2011 musste Bill Gates jedoch feststellen, dass sich hitzebeständige Impfstoffe gegen Malaria nicht so schnell entwickeln lassen wie neue Software bei Microsoft. »Ich dachte, einige der geförderten Ideen würden schon jetzt Leben retten«, sagte er.

Aber es gibt Hoffnung: Ein neuer Impfstoff verringerte das Risiko von Säuglingen um 56 Prozent, an Malaria zu erkranken. Bevor flächendeckend geimpft wird, muss der Impfstoff aber noch wirksamer sein.

Mica Ertegün und Michael J. Fox

Mica Ertegün: Stipendien für Philosophen

Einige Geisteswissenschaftler verdanken ihr Studium an der Oxford University der legendären Band Led Zeppelin – und dem Mann, der sie groß rausbrachte: Ahmed Ertegün, Gründer der Plattenfirma Atlantic Records. Nach seinem Tod gab die Band ein Benefizkonzert.

Weil ihr Mann Philosophie studiert hatte, stiftete die Witwe Mica Ertegün die Überschüsse für die ersten zwei Stipendiaten der Geisteswissenschaften an der Oxford University.

Diese Fächer haben es bitter nötig: Die staatlichen Zuschüsse für die Abteilungen Arts and Humanities wurden drastisch gekürzt, die Studiengebühren im Gegenzug angehoben.

Mica Ertegün hat das Stipendienbudget – diesmal ohne Led Zeppelin – um 32 Millionen Euro erweitert. Von dem Geld sollen bald dauerhaft 35 Stipendiaten leben.

Michael J. Fox: Für eine Zukunft ohne Zittern

Shaky Daddy nannten ihn seine Kinder und fragten oft: »Wann hörst du endlich auf zu zittern?«

1990 wachte Michael J. Fox mit einem Zittern im Zeigefinger auf, Symptome einer Parkinson-Erkrankung. Von da an plagte ihn die Frage, ob er als Schauspieler eine Zukunft habe.

2000 beendete er seine Kinokarriere und gründete die Michael-J.-Fox-Stiftung, um die Erforschung von Therapien gegen Parkinson zu fördern. Rund 300 Millionen Dollar hat die Stiftung bis heute eingenommen.

»Ich bin fest davon überzeugt, dass Parkinson noch zu meinen Lebzeiten heilbar sein wird«, sagt er, »dafür zu kämpfen ist jetzt meine Berufung.«

Mit Medikamenten hat er seine Symptome inzwischen einigermaßen unter Kontrolle, sodass er wieder vor der Kamera auftreten will – in einer Comedy-Serie.