Mobilität in der Stadt Modernes Leben

Der frühere Trend zum Wohnen am Ortsrand war ein Fehler. Nur in einer dicht besiedelten Stadt ist zeitgemäße Mobilität möglich.

Das Französische Viertel in Tübingen: Autos sind dort nicht erlaubt.

Das Französische Viertel in Tübingen: Autos sind dort nicht erlaubt.

Die Häuser sind bunt und umweltfreundlich. In den begrünten Innenhöfen spielen Kinder. Büros, Arztpraxen und Kneipen finden sich gleich um die Ecke. Autos hingegen sieht man im Französischen Viertel von Tübingen so gut wie keine. Die müssen draußen bleiben. Stellplätze gibt es nur am Rand des Quartiers, in kostenpflichtigen Parkhäusern.

Das »Viertel«, wie die Tübinger ihren neuen Stadtteil nennen, gönnt sich diesen Luxus. Bewusst entschied sich der Stadtrat gegen den Autoverkehr, als er Anfang der neunziger Jahre begann, das frei werdende Kasernengelände zu bebauen. Damals war das eine gewagte Strategie. Heute gilt das Französische Viertel als städtebauliches Vorzeigeobjekt. Es beweist, wie urbanes Leben aussehen kann, bei dem der Verkehr nicht im Mittelpunkt steht. Und dennoch ist es nur ein Mosaikstein bei dem Versuch, die Städte fit für die Mobilität von morgen zu machen.

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Als »Stadt mit Eigenschaften« und »Stadt der kurzen Wege« preist Tübingen sein neues Viertel. Das Quartier soll, so der Wille der Städteplaner, alles andere sein als eine reine Schlafstadt: Gewerbebetriebe, Werkstätten und Läden mischen sich unter die drei- bis fünfgeschossigen Wohngebäude. Etwa 700 Arbeitsplätze haben die 150 neu angesiedelten Unternehmen in den vergangenen Jahren geschaffen. Knapp 2.500 Menschen leben heute auf dem zehn Hektar großen Areal.

Das Französische Viertel ist der bewusste Gegenentwurf zur Stadt des vergangenen Jahrhunderts. Damals, vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren, setzten Stadtväter alles daran, ihre Metropolen dem Auto untertan zu machen. Getrieben vom Wunsch nach Freiheit und angestachelt von einer starken Automobillobby, entstanden breite Straßen, Parkplätze, innerstädtische Autobahnen. Wer konnte, zog zum Wohnen an den Stadtrand – und erzeugte damit noch mehr Verkehr.

Neue Ideen für den Stadtverkehr

1. Künftig könnte der öffentliche Verkehr – Carsharing, Stadtrad, Bus, Bahn – über eine virtuelle Mobilitätskarte per Smartphone gebucht und abgerechnet werden.

2. Eine aufeinander abgestimmte Taktung von Ampeln und öffentlichen Verkehrsmitteln sorgt für ein reibungsloses Fortkommen von Bussen und Straßenbahnen.

3. Der in China konzipierte »Straddling Bus« ist ein riesiger Schienenbus, unter dem Autos hindurchfahren können. Er könnte Staus in Millionenstädten lindern.

4. Mit kleinen, autonom fahrenden Kabinen bietet das in Paderborn entwickelte Railcab-Konzept eine Art Schienentaxi, das individuelle Fahrten im öffentlichen Nahverkehr ermöglicht.

5. Das niederländische Konzept des Shared Space verzichtet auf Ampeln und Verkehrsschilder und macht Fußgänger, Rad- und Autofahrer zu gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern.

Heute ist klar, dass dies ein Fehler war. Die städtischen Straßen sind voll. Die Busse und Bahnen, die sie entlasten sollen, sind es ebenfalls. »Die autogerechte Stadt ist ein Modell der Vergangenheit«, sagt Vittorio Magnago Lampugnani, Professor für die Geschichte des Städtebaus an der ETH Zürich. »Wir müssen anfangen, die Städte wieder zu verdichten. Nur in einer dichten Stadt ist Mobilität auch ohne Auto möglich.« Nur dort, so Lampugnani, gehen Menschen gern zu Fuß, nur dort setzen sie sich bedenkenlos aufs Fahrrad, nur dort sind öffentliche Verkehrsmittel einigermaßen rentabel.

Viele der neuen Stadtviertel, die derzeit auf ehemaligen Kasernengeländen, auf verlassenen Industrieflächen oder aufgegebenen Güterbahnhöfen entstehen, orientieren sich bereits an diesem Ideal – zumindest im Westen Deutschlands. In ostdeutschen Städten sind kühne Entwürfe dagegen kein Thema. Dort gibt es zu viele Wohnungen. Deshalb geht es vor allem darum, die vorhandenen Überkapazitäten zurückzubauen und frühere Großsiedlungen in eine lebensfreundliche Umgebung zu verwandeln.

ZEIT Wissen 6/2012
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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Doch auch in der alten Bundesrepublik können die neuen Quartiere den Status quo nur punktuell verbessern; sie verändern nicht den Rest der Stadt. Das sei aber auch nicht nötig, meint Lampugnani: »Wir brauchen keinen kompletten Umbau unserer Innenstädte, wir brauchen keine exaltierten, futuristischen Projekte. Gerade in den gewachsenen Städten reichen behutsame Korrekturen der einzelnen Quartiere.« Fahrbahnen, die weniger Raum einnehmen, gehören für den Italiener dazu. Genau wie neue, vier- bis fünfgeschossige Gebäude mit grünen Höfen. Etwa 300 bis 400 Einwohner pro Hektar gibt Lampugnani als Ziel vor – und damit eine noch dichtere Bebauung als im Französischen Viertel. Zum Vergleich: Die Berliner Innenstadt kommt heute nur noch auf etwa 100 Einwohner pro Hektar, Anfang des 20. Jahrhunderts waren es noch mehr als 300. »Solch ein Wert wäre ein gutes Maß für eine Stadt, in der Urbanität entstehen kann, die aber auch Privatheit, Parkanlagen und überhaupt genügend öffentlichen Raum bietet«, sagt Lampugnani.

Handlungsbedarf sieht der Städteforscher dagegen an der Peripherie. Zwei Drittel der europäischen Bevölkerung leben heute am Stadtrand – weit weg von Arbeitsplätzen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Das hat Folgen: Zwölf bis 14 Stunden pro Monat sitzt jeder Pendler durchschnittlich im Auto. »Die Zersiedlung ist eine misslungene Verbindung von Stadt und Landschaft, die mit viel Zwangsmobilität erkauft wird«, schimpft Lampugnani. Ginge es nach ihm, dürfte es schlichtweg keine Peripherie mehr geben. Nur noch eine dichte Stadt. »Und zwar eine Stadt, in der man durchaus Auto fahren kann, im Alltag aber nicht auf das Auto angewiesen ist.«

Gezielt autofreie Stadtteile haben nämlich ihre ganz eigenen Probleme: Sie ziehen eine besondere Klientel an. »In solchen Quartieren finden wir eine bildungsbürgerliche, postmaterialistisch orientierte Mittelschicht, die sehr stark unter sich bleibt«, sagt der Mobilitätsforscher Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Der Freiburger Stadtteil Vauban, der wie das Französische Viertel in Tübingen auf einem ehemaligen Kasernengelände entstanden ist, zeigt das deutlich. Hier müssen die Autos nicht nur draußen bleiben, die meisten Bewohner haben sich sogar verpflichtet, kein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Bei Wahlen erreichen die Grünen 75 Prozent der Stimmen, das Haushaltseinkommen ist doppelt so hoch wie im Freiburger Durchschnitt. »So etwas widerspricht dem städtebaulichen Prinzip der sozialen Mischung«, sagt Canzler.

Eines konnten die Stadtplaner den Bewohnern jedoch nahebringen, sowohl in Freiburg als auch im wesentlich toleranteren Französischen Viertel: Die Menschen sind viel zu Fuß unterwegs. Wer nicht mit dem Aufzug in die hauseigene Tiefgarage fahren kann, sondern mehrere Hundert Meter bis zum Auto gehen muss, geht auch weiter – in die Stadt oder zumindest bis zur nächsten Bushaltestelle.

Menschen vor die Tür zu bringen kann aber nur der erste Schritt sein. »Die Leute müssen sich auf den Straßen wohlfühlen«, sagt der Zürcher Verkehrsplaner Ruedi Ott. Nur wer gern im öffentlichen Raum unterwegs ist, flüchtet nicht bei nächster Gelegenheit wieder in die heimelige Umgebung des eigenen Autos.

Auf dem Novartis-Campus, einem neuen Quartier in Basel, hat Lampugnani die Straßen daher so schmal wie möglich gemacht; es dringt gerade noch genügend Licht für die Räume im Erdgeschoss durch die Häuserfluchten. In Zürich, wo sich 57 Prozent der Bewohner »sehr zufrieden« mit dem Fußgängerverkehr zeigen, setzt Ott auf einladende Plätze und Fassaden, auf Bäume, auf Sitzgelegenheiten, auf Gehwege, die breit genug sind, dass die Menschen auch einmal stehen bleiben können, ohne gleich angerempelt zu werden.

»Ganz wichtig ist auch, keine Umwege einzubauen«, sagt Ott. Denn so etwas verärgert die Menschen nur: Jahrelang hat der Wiener Verkehrsplaner Hermann Knoflacher verglichen, wie Architekten Wege anlegen und wie die Leute tatsächlich gehen. Dabei fiel ihm auf, dass nicht die technisch sinnvolle oder ästhetisch ansprechende Wegführung die Massen anlockt. Es ist vielmehr jene, bei der die Passanten das Gefühl haben, den kürzesten Weg zurückzulegen. »Das gibt den Menschen eine Befriedigung und verleitet sie, zu Fuß zu gehen«, sagt Canzler. Im Idealfall sind dann irgendwann so viele Fußgänger auf den Straßen unterwegs, dass sich auch notorische Autofahrer aus ihren Blechkisten trauen. Soziologen sprechen von einem selbstverstärkenden Effekt.

Letztlich profitiert davon auch der öffentliche Nahverkehr. »Ohne Fußgänger haben wir keine Passagiere«, sagt Ruedi Ott. Der Verkehrsplaner ist sicher, dass Bussen und Bahnen künftig eine noch stärkere Bedeutung zukommen wird. Nur sie können den Verkehr zwischen den einzelnen Stadtvierteln auf eine unschlagbar effiziente Art bündeln. Unklar ist allerdings, wie ihr Ausbau aussehen kann. Die Fußgänger müssen mehr Raum bekommen, die Radfahrer wollen eine eigene Spur, die Autos sollen nicht komplett aus der Stadt verbannt werden. Da bleibt kein Platz für weitere Gleise und Bustrassen.

In Zürich gibt es daher Pläne, die Trams unter die Straße zu verlegen. »Das sieht auf dem Papier zwar relativ gut aus, kostet aber ein Heidengeld – wahrscheinlich zu viel«, sagt Ott. Einfacher könnte es werden, den öffentlichen Verkehr auf Stelzen zu stellen. Ideen existieren zuhauf: Seilbahnen, Einschienenbahnen oder schwebende Kabinenbahnen, die ohne Zwischenstopp bis zum Zielbahnhof durchrauschen.

Das US-Unternehmen SkyTran entwickelt zum Beispiel zweisitzige Gondeln, die wie eine Miniseilbahn unter einer dünnen Betonschiene hängen. Die Halterung der Gondeln schwebt auf einem Magnetfeld, das die Gefährte auf bis zu 250 Kilometern pro Stunde beschleunigen kann. Fahrpläne, Wartezeiten und überfüllte Waggons sollen, so das Versprechen, der Vergangenheit angehören: Wollen die Passagiere an einer Haltestelle aussteigen, biegen sie auf Knopfdruck in eine tiefer gelegene Entschleunigungsspur ab. Alle anderen Gondeln brausen auf der Hauptspur vorbei – und eliminieren so einen der größten Zeitfresser des derzeitigen Nahverkehrs: das ständige Stop and Go an jeder Haltestelle.

Weert Canzler ist allerdings skeptisch. »Das sind eher Nischengeschichten«, sagt der Verkehrssoziologe. »Ich glaube, dass der öffentliche Verkehr künftig ähnlich aussehen wird wie heute – nur leiser, sauberer und vor allem flexibler.« So könnten Schnellbuslinien in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Dank ihres Elektroantriebs wären die Busse emissionsfrei, in der Rushhour könnten sie direkt hintereinander fahren, und sie brauchten dabei nicht einmal eine eigene Trasse: Durch geschickte Ampelschaltungen wären die Busse stets vor anderen Fahrzeugen unterwegs.

Und das Auto? Motorisierten Individualverkehr wird es auch weiterhin geben, alles andere wäre realitätsfremd. Seine Bedeutung wird sich aber grundlegend ändern. »Wir erleben gerade eine Entzauberung des Automobils. Es verliert langsam seine Bedeutung als Symbol des demonstrativen Konsums«, sagt Canzler. Wer heutzutage angeben will, kauft sich lieber ein Smartphone statt ein Auto. Das einstige Statussymbol schrumpft zu einem alltäglichen Gegenstand, mit dem man pragmatisch umgeht. Für viele Menschen wird es sogar verzichtbar.

So besitzen in Berlin knapp die Hälfte der Haushalte keinen eigenen Pkw mehr. Nur noch drei Viertel der Deutschen im Alter zwischen 18 und 26 Jahren machen den Führerschein, 45 Prozent davon geben an, kaum Auto zu fahren. Das wirkt sich auch auf die Stimmung in den Städten aus: Als Verkehrspolitiker in den achtziger und neunziger Jahren versuchten, das Auto zurückzudrängen, war der Aufschrei groß. »Heute sagen die Menschen: Wir verteufeln das Auto nicht, aber es soll nicht mehr alles dominieren«, sagt Canzler.

Der Wandel zeigt sich auch im Erfolg der neuen Carsharing-Angebote. Ein Auto, das nicht ständig vor der eigenen Tür steht und noch dazu mit anderen Menschen geteilt werden muss, war für die meisten Deutschen bislang undenkbar. Inzwischen greifen viele Stadtbewohner ganz selbstverständlich auf Angebote wie Car2Go zurück, bei denen sie den nächstbesten Mietwagen nehmen und am Ziel auf jedem freien Parkplatz abstellen können. Die Idee ist so erfolgreich, dass in manchen Städten bereits mehrere Anbieter um Kunden buhlen. »Der Trend geht dahin, ein Auto nicht mehr besitzen zu müssen, es aber jederzeit benutzen zu können«, sagt Ruedi Ott.

Es sind viele Puzzlestücke, die ineinandergreifen und das Bild der modernen, urbanen Mobilität ergeben: eine dichte Stadt mit kurzen Wegen, die Fußgängern und Radfahrern entgegenkommt und die einen flexiblen öffentlichen Verkehr bietet, der nur durch gelegentliche Autofahrten ergänzt wird.

Innovative Technik soll diese Puzzleteile zusammenfügen. Schon heute verraten Smartphones, wann der nächste Bus an der Haltestelle ankommt und wo das nächste Mietfahrrad steht. Künftig werden die Geräte, hofft Canzler, zum privaten Mobilitätsmanager: Smartphones verraten den schnellsten, günstigsten und umweltschonendsten Weg von A nach B – basierend auf individuellen Vorlieben und mit einem bunten Gemisch der unterschiedlichen Verkehrsmittel. Sie werden zur Fahrkarte für den Bus, sie schalten den Mietwagen an der Straßenecke frei, sie rechnen alle Fahrten ab. »Das ist einfach, bequem und effizient«, sagt Canzler. »Und es hat vor allem einen Vorteil: Man muss nicht mehr groß über die Wahl des Verkehrsmittels nachdenken.«

 
Leser-Kommentare
  1. aus der Stadt, der öffentliche Nahverkehr sollte ausreichend ausgebaut sein dafür.

    Viele Großstädte ersticken am Verkehr doch die Autos fahren weiter, ganz besonders gerne in Stauzeiten in Staus.

    Zumeist eine Person im Fahrzeug zu sehen die zum zehnten Mal bei uns um den Block fährt und keinen Parkplatz findet und wenn für 1 Euro die halbe Stunde.

    Addiert wäre ein Taxi günstiger gewesen.

    Diese Taxis sollten auch nur noch mit Wasserstoff oder Strom fahren, dann hätten wir bessere Luft und weniger Lärm.

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  2. Hört, hört!
    Jahrzehntelanges Aussterben der Innenstädte und Subventionierung einer Plastikversion des 'Landlebens im Grünen' per Pendlerpauschale, forciertem Autobahnbau etcpepe war ein Fehler, den wir jetzt wieder rückgängig machen müssen?

    Na, wenn das der Verkehrsminister hört, dem die Koalition gerade 150 Millionen extra für den Straßenbau zugeschanzt hat, wird er aber gar nicht erfreut sein.
    Und die Kanzlerin schon gar nicht, immerhin ist ihre Politk doch alternativlos.

    Es ist seit mindestens einem Jahrzehnt klar, wohin die Reise gehen muß in einer Welt mit abnehmender Energiemenge pro Kopf. 'Walkable societies', wie man so schön sagt.
    Wäre gut, wenn diese Gedanken auch mal bei unseren Regierenden Fuß fassten. Normale Menschen können sich nämlich derzeit die Mieten in einer Innenstadt keinsesfalls leisten, vom Wohnraummangel mal ganz zu schweigen. Und bei uns geht's sogar noch, die Amis sind da viel schlimmer dran.

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    "Welt mit abnehmender Energiemenge pro Kopf"

    Wird aber ziemlich teuer.

    Besonders in der städtischen Steinwüste, wo man ziemlich viel alte Bausubstanz zeitgemäß sanieren muss, damit die Energiemenge pro Kopf abnehmen kann. Mal sehen, wer die umgelegten Kosten auf die Miete zahlen kann bzw. welche Eigentümergemeinschaft die finanzielle Substanz hat, dass zu stemmen? Dagegen sind die 150 Millionen für den Verkehrsminister ein Taschengeld - nein - ein Witz.

    Und, nein, wir müssen uns nicht über den Ausbau von Autobahnen für Pendler unterhalten. Das ist Politik von gestern.

    "Welt mit abnehmender Energiemenge pro Kopf"

    Wird aber ziemlich teuer.

    Besonders in der städtischen Steinwüste, wo man ziemlich viel alte Bausubstanz zeitgemäß sanieren muss, damit die Energiemenge pro Kopf abnehmen kann. Mal sehen, wer die umgelegten Kosten auf die Miete zahlen kann bzw. welche Eigentümergemeinschaft die finanzielle Substanz hat, dass zu stemmen? Dagegen sind die 150 Millionen für den Verkehrsminister ein Taschengeld - nein - ein Witz.

    Und, nein, wir müssen uns nicht über den Ausbau von Autobahnen für Pendler unterhalten. Das ist Politik von gestern.

    • Atan
    • 06.11.2012 um 15:50 Uhr

    bleiben: die Attraktivität eines Wohnortes formuliert sich auch über den Preis, und dass das Haushaltseinkommen in Vauban dem Doppelten des Durchschnitts entspricht, sagt eigentlich schon alles. Ein Großteil derjenigen, die also durch ihre Arbeit zu Komfort, Sicherheit und Sauberheit in den lukrativen Innenstädten sorgen werden, können sich dort selbst keinen Wohnraum leisten. Dies ist eigentlich bisher eine Grundregel urbanen Lebens, und daraufhin wird auch der öffentliche Verkehr ausgerichtet sein müssen.

    4 Leser-Empfehlungen
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    ...kommt es aber darauf an, ob man tatsaechlich ganz auf ein Auto verzichtet oder ob man nicht insgeheim doch mit dem Auto kalkuliert. Eine Stadtwohnung ist in der Regel nicht teurer, als die Kosten einer Hauses oder einer Wohnung auf dem Land PLUS den Kosten (Anschaffung, Unterhalt, Parken) fuer ein Auto. Fuer mich laeuft es finanziell auf dasselbe hinaus. Eine Wohnung in 10 Munten Fussweg zur Arbeit (und in Fussentfernung zu Schulen, Einkaufsmoeglichkeiten etc.) kostet 1000 Euro, 3 Monatstickets fuer den oeffentlichen Nahverkehr 162 Euro. eine vergleichbare Wohnung auf dem Land wuerde ca. 700 Euro kosten - dazu kaemen dann aber mindestens Kosten von 600 Euro im Monat (mit umgelegten anschaffungskosten oder Leasingrate)fuer ein Auto. Mir bleiben also noch 140 Euro im Monat fuer Taxifahrten (die ich brauche, wenn ich Freunde besuche, die ungeunstig zum oeffentlichen Nahverkehr wohnen).

    ...kommt es aber darauf an, ob man tatsaechlich ganz auf ein Auto verzichtet oder ob man nicht insgeheim doch mit dem Auto kalkuliert. Eine Stadtwohnung ist in der Regel nicht teurer, als die Kosten einer Hauses oder einer Wohnung auf dem Land PLUS den Kosten (Anschaffung, Unterhalt, Parken) fuer ein Auto. Fuer mich laeuft es finanziell auf dasselbe hinaus. Eine Wohnung in 10 Munten Fussweg zur Arbeit (und in Fussentfernung zu Schulen, Einkaufsmoeglichkeiten etc.) kostet 1000 Euro, 3 Monatstickets fuer den oeffentlichen Nahverkehr 162 Euro. eine vergleichbare Wohnung auf dem Land wuerde ca. 700 Euro kosten - dazu kaemen dann aber mindestens Kosten von 600 Euro im Monat (mit umgelegten anschaffungskosten oder Leasingrate)fuer ein Auto. Mir bleiben also noch 140 Euro im Monat fuer Taxifahrten (die ich brauche, wenn ich Freunde besuche, die ungeunstig zum oeffentlichen Nahverkehr wohnen).

  3. Das ist nicht wirklich die Fragestellung, sondern zentral/dezentral und mobil/schlecht mobil.

    Unter diesen Punkten kann man vieles Unterordnen. Arbeiten, Einkaufen, Leben und überhaupt hinkommen, wo man hinkommen will (oder muss).

    - muss ich zu einem zentralen Ort, um meiner Arbeit nach zu gehen oder kann ich das von zuhause?

    - muss ich weite Wege gehen/fahren für meinen Einkauf, weil die Märkte zentralisert irgendwo sind oder liegt alles in der Nähe und ist zudem bezahlbar?

    - bieten die Märkte kostenlose und günstige Lieferservices an?

    - bietet mir die nähere Umgebung Lebensinhalte für mich an oder braucht es ein Transportmittel, dass entweder individuell greifbar oder zumindest oft und planbar nutzbar ist?

    Mobilität definiert sich durch vieles. Wer es nur auf den eigenen PKW oder als Gegenmodell den ÖPNV reduziert, hat nicht alles im Blick.

    Konkretes Beispiel aus der näheren Umgebung. Ein kleines Einkaufsgebiet zog um. Innerhalb des selben kleinen Ortes von der Tallage einen Hügel hinauf. Entfernung ca 2 bis 3 km. Keine ÖPNV Anbindung - lohnt nicht.

    Konsequenz: die ältere Bevölkerung ohne PKW und ohnehin schon schlecht mobil weiß nicht mehr wie sie ihren Einkauf gereglt bekommt. An der einen Hand die Tüten und in der anderen den Gehstock. Ist nicht zwingend angenehm. Man mag schmunzeln - aber die lokale Politik sucht ebenso ernsthaft wie händeringend nach Lösungen und findet keine. Wer baut/betreibt schon einen Markt für ältere Personen mit kleinem Einkauf?

    8 Leser-Empfehlungen
  4. ..."Die Häuser sind bunt und umweltfreundlich. In den begrünten Innenhöfen spielen Kinder. Büros, Arztpraxen und Kneipen finden sich gleich um die Ecke. Autos hingegen sieht man im Französischen Viertel von Tübingen so gut wie keine. Die müssen draußen bleiben. Stellplätze gibt es nur am Rand des Quartiers, in kostenpflichtigen Parkhäusern." steht oben.

    ...mich vor Hühnerställen, Häuser mit knapp 5 Meter Breite, wenig Grün, freie Sicht auf Nachbars Gartenliege, den Geräuschpegel von Innenhöfen, und den Inhalt der Gespräche in den Innenhöfen oder Zwischenräumen.

    6 Leser-Empfehlungen
  5. ... sondern der Bürger die Stadtplaner, jedenfalls war es im Freiburger Vauban so, wo übrigens die Grünen gar nicht soooo gut in den Wahlen abschneiden, wie hier dargestellt. Der Grüne-OB ist z.B. nicht besonders beliebt dort: http://www.badische-zeitu...

  6. Es ist höchste Zeit, mit dem massenhaften Pendlerautochaos aufzuhören. dEnn oft werden nur Wege zwischen 10 und 20 km pro Fahrt zurückgelegt. Dazu braucht es bim innerstädtischen Raum keineswegs ein Auto.

    Ich mach das seit mittlerweile einem Jahr größtenteils mit dem Rad, einfach Fahrt ca. 10 km, da mein Büro im Innenstadtbereich liegt. Ich vermisse nichts dabei, im Gegenteil es ist wesentlich entspannter und fördert zudem noch die körperliche Fitness. Bei zu schlechtem Wetter gibr es den ÖNVP und natürlich muss ich je nach beruflichen Anforderungen auch mal das Auto benutzen, aber nur sehr gezielt.

    Die Dominanz des Autos muss gebrochen werden. Aktuell ist nicht nur in meiner Stadt alles den Bedürnissen des Autos untergeordnet worden, während Zweiradfahrer speziell Radfahrer und auch Fußgänger auf immer weniger Platz zusammengepfercht wurden. Denn der ruhende Verkehr frisst enorm viel Raum, alles ist bzw. wird zum Teil rücksichtlos zugeparkt, gerne auch Gehwege, Radwege etc..

    Diesen Satz des Artikels kann ich deshalb unterschreiben:
    " Als Verkehrspolitiker in den achtziger und neunziger Jahren versuchten, das Auto zurückzudrängen, war der Aufschrei groß. »Heute sagen die Menschen: Wir verteufeln das Auto nicht, aber es soll nicht mehr alles dominieren«, sagt Canzler."

    Nur so werden wir auch innerstädtisch wieder ein lebenswertes Wohnumfeld schaffen, ohne gesundheitsschädliche Feinstaubbelastung etc. und total zugeparkte Strassenzüge.

    7 Leser-Empfehlungen
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    • bayert
    • 07.11.2012 um 10:37 Uhr

    wenn kein Holz und keine Kohle mehr verfeuert werden.

    • bayert
    • 07.11.2012 um 10:37 Uhr

    wenn kein Holz und keine Kohle mehr verfeuert werden.

  7. "Welt mit abnehmender Energiemenge pro Kopf"

    Wird aber ziemlich teuer.

    Besonders in der städtischen Steinwüste, wo man ziemlich viel alte Bausubstanz zeitgemäß sanieren muss, damit die Energiemenge pro Kopf abnehmen kann. Mal sehen, wer die umgelegten Kosten auf die Miete zahlen kann bzw. welche Eigentümergemeinschaft die finanzielle Substanz hat, dass zu stemmen? Dagegen sind die 150 Millionen für den Verkehrsminister ein Taschengeld - nein - ein Witz.

    Und, nein, wir müssen uns nicht über den Ausbau von Autobahnen für Pendler unterhalten. Das ist Politik von gestern.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "The end of suburbia"
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    Lawine auf uns Zurollt.

    seit 1965 gehen die Jährlich gefundenen Rohölreserven zurück, finden wir weniger und weniger.. inzwischen nur ein drittel dessen was wir verbrauchen.

    Doch wir verweigern Tapfer die Konsequenzen.

    So wie den Menschen im Mittelalter eingeflößt wurde, die Erde sei im Mittelpunkt des Universums, glauben wir unverdrossen, irgendwer werde irgendwo schon irgendeine Erfindung machen.. War es nicht immer so ?

    In Wahrheit aber haben wir nur einmal gefunden.. und nicht mal erfunden.. die in Kohle Gas und Öl gespeicherte Sonnenenergie von 200 Millionen Jahren.. und davon ist die Hälfte in einem Jahrhundert bereits verbrannt worden..

    Was nun folgt ist die schwere anspruchsvollere Hälfte des Energierausches.. Ein Energiekater und wenn wir nicht aufpassen mit dramatischen Entzugswirkungen...

    10 Kalorien Fossiler Energie pro Nahrungsmittelkalorie... das energetische Äquivalent zu 90 Sklaven Pro Person inclusive Säuglingen und Greisen...

    Das hat uns dorthin gebracht wo wir sind, und wenn uns das verlässt wirds Konsequenzen haben..

    Ein Preisanstieg ?

    Ja... Es wird nicht darum gehen, wie viel Benzin oder Heizöl oder Ipads wir für welchen preis bekommen...

    Die Frage wird sein, ob wir überhaupt noch etwas bekommen.

    Ansonsten sind derartige Bemühungen endlich endlich und hoffentlich nicht zu spät , die richtige Mosaike im Bild der zukunft.

    Lawine auf uns Zurollt.

    seit 1965 gehen die Jährlich gefundenen Rohölreserven zurück, finden wir weniger und weniger.. inzwischen nur ein drittel dessen was wir verbrauchen.

    Doch wir verweigern Tapfer die Konsequenzen.

    So wie den Menschen im Mittelalter eingeflößt wurde, die Erde sei im Mittelpunkt des Universums, glauben wir unverdrossen, irgendwer werde irgendwo schon irgendeine Erfindung machen.. War es nicht immer so ?

    In Wahrheit aber haben wir nur einmal gefunden.. und nicht mal erfunden.. die in Kohle Gas und Öl gespeicherte Sonnenenergie von 200 Millionen Jahren.. und davon ist die Hälfte in einem Jahrhundert bereits verbrannt worden..

    Was nun folgt ist die schwere anspruchsvollere Hälfte des Energierausches.. Ein Energiekater und wenn wir nicht aufpassen mit dramatischen Entzugswirkungen...

    10 Kalorien Fossiler Energie pro Nahrungsmittelkalorie... das energetische Äquivalent zu 90 Sklaven Pro Person inclusive Säuglingen und Greisen...

    Das hat uns dorthin gebracht wo wir sind, und wenn uns das verlässt wirds Konsequenzen haben..

    Ein Preisanstieg ?

    Ja... Es wird nicht darum gehen, wie viel Benzin oder Heizöl oder Ipads wir für welchen preis bekommen...

    Die Frage wird sein, ob wir überhaupt noch etwas bekommen.

    Ansonsten sind derartige Bemühungen endlich endlich und hoffentlich nicht zu spät , die richtige Mosaike im Bild der zukunft.

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