Ob denn schon einmal ein verdächtiger Biohacker gemeldet worden sei, wird Nathan Head in der anschließenden Diskussion gefragt. »Nein«, räumt der FBI-Mann ein, bislang nicht. Aber sollte irgendwann jemand mit einem Krankheitserreger wie Anthrax, Ebola oder Tularämie arbeiten wollen, sei »der Punkt erreicht, an dem man uns anrufen sollte«, erklärt Heads Kollege Donahue den versammelten Biohackern eindringlich. Sicherheitshalber verteilen die Beamten noch ein paar Infokärtchen. Aufgemacht wie ein Skatspiel, zeigen sie Bilder und Informationen zu Anthrax- und Pestbakterien sowie Pocken- und Ebolaviren. Einige Biohacker sind belustigt, andere eher verwirrt. Denn für den Umgang mit derart gefährlichen Erregern sind Amateurlabors gar nicht ausgerüstet.

Am Abend nach der Tagung ziehen die europäischen Biohacker in eine der Bars von Walnut Creek und sind sich bei Bier und kalifornischem Wein schnell einig: Das Modell des FBI passt nicht nach Europa. Es gebe keinen Grund, mit Interpol, BND oder Polizeibehörden zusammenzuarbeiten, sagt Trojok: »Biohacking ist eine zivile Angelegenheit und keine Sache für Geheimdienste.« Solange die Hacker die Sicherheitsregeln einhielten, sei das Forschen »ohne Einmischung der Polizei« möglich.

In den sehr komplexen deutschen Sicherheitsrichtlinien, die auf Firmen und Universitäten zugeschnitten sind, sieht Trojok allerdings ein Problem. Weil die für gentechnische Arbeiten nötigen Werkzeuge und Zutaten inzwischen so günstig zu haben sind, könnte manch einer versucht sein, die Sicherheitsauflagen zu Hause zu umgehen. Er schlägt deshalb öffentliche, nach allen Sicherheitsstandards ausgestattete und zugelassene Gemeinschaftslabors vor, in denen die Biohacker basteln können. So ließen sich auch Unfälle kontrollieren, wie sie immer passieren könnten. Das erste solche Labor eröffnete die Non-Profit-Organisation Genspace 2010 in New York. Deren Präsidentin Ellen Jorgensen sagt: »Wir bieten so viele coole Ressourcen an, dass die Leute lieber hier als allein zu Hause arbeiten.«

Trojok ist inzwischen nach Kopenhagen umgezogen, wo er seine Diplomarbeit beendet und sich BiologiGaragen angeschlossen hat. Der Biohacker-Space hat mit dem Medizinmuseum der Universität Kopenhagen eine Ausstellung über Do-it-yourself-Biologie entwickelt. Dafür baute Trojok ein Gen-Gewehr, mit dem man fremde DNA in Zellen schießen kann. Ob das Gerät unbedingt wie eine Waffe aussehen muss, darüber kann man streiten. Trojok war das Augenzwinkern wichtig, mit dem Biohacker ihren Spaß an Gentechnik vermitteln.

Doch eigentlich nimmt die Community ihre Sache sehr ernst. »Wir haben schon darüber nachgedacht, den Chaos Biologie Club zu gründen«, sagt Trojok – in Anlehnung an den Chaos Computer Club, in dem Computerhacker Regierungen und Konzernen auf die Finger schauen. Biohacker seien das Pendant in der Biotechnik, so Trojok. Nicht nur Experten oder Firmen sollten bestimmen, was man von Gentechnik zu halten habe. »Die Leute müssen selbst erfahren, wie es geht«, betont Trojok. Denn erst dann könne man die realen Risiken verstehen – »und auch, warum Gentechnik so cool ist«.