Synthetische Biologie : Warum Ölkonzerne in Bierhefe investieren
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"Wir brauchen bessere Grundorganismen"

Doch der Weg vom Labor-Organismus zum wettbewerbsfähigen Produkt ist weit. »Wir können einiges zusammenfügen, aber es zum Funktionieren zu bringen ist für Firmen wie Amyris und LS9 eine enorme Aufgabe«, sagt Jay Keasling. Ein Problem ist, die Einzeller auch in großen Bioreaktoren arbeiten zu lassen. Deshalb ist der Mikrobensprit von Amyris derzeit schlicht nicht konkurrenzfähig. Die Produktionskosten liegen bei 7,70 Dollar pro Liter – weshalb Amyris sich nun erst einmal auf chemische Grundstoffe konzentriert. In einer 600.000 Liter fassenden Anlage in Brasilien wollen die Kalifornier gemeinsam mit dem Bioethanol-Hersteller Cosan den Stoff Squalen herstellen. Diese organische Verbindung wird in der Kosmetikindustrie zu Salben verarbeitet.

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Die Schwierigkeiten rühren auch daher, dass die Synthetische Biologie noch längst nicht die exakte Ingenieurwissenschaft ist, die sie werden soll. »Die biologischen Werkzeuge sind immer noch zu primitiv«, sagt Keasling. »Wir brauchen bessere Verfahren, wir brauchen bessere Grundorganismen.«

Diese zu entwickeln scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein. In der 2003 gegründeten Registry of Standard Biological Parts sind inzwischen 7.000 DNA-Bausteine verzeichnet, also die jeweilige genetische Funktion sowie die Abfolge der genetischen Buchstaben A, C, G und T, aus denen sie bestehen. Die Bausteine können bei DNA-Synthese-Firmen wie Geneart oder Blue Heron Biotechnology bestellt werden. Ein genetischer Buchstabe kostet heute etwa 40 US-Cent, ein Bruchteil dessen, was noch in den neunziger Jahren zu bezahlen war. Dem Gentechnik-Unternehmer Craig Venter, Gründer von Synthetic Genomics, gelang es bereits, ein komplettes synthetisch hergestelltes Bakteriengenom in einen anderen Einzeller zu transplantieren. Dieser lebte nach der Zellteilung mit dem neuen Genom weiter.

Dank neuer Hochleistungsrechner lassen sich die hochkomplexen Wechselwirkungen zwischen Genen, Enzymen und anderen Zellbausteinen nun auch analysieren, bevor die Organismen im Labor nachgebaut werden. So konnten Forscher der Stanford University kürzlich den gesamten Stoffwechsel von Mycoplasma genitalium simulieren. Das Bakterium besitzt allerdings das kleinste Genom aller bekannten Lebewesen, ganze 525 Gene stecken darin. Ingenieure von BBN Technologies und dem MIT entwickeln zudem eine biologische Programmiersprache namens Proto. Damit sollen Biologen Genschaltkreise am Rechner so einfach entwerfen und simulieren können, wie Computerprogrammierer neue Software schreiben.

»Der Code des Lebens ist total willkürlich. Wir können die fundamentalen Aspekte des Lebens manipulieren«, frohlockt der US-Genetiker Frederick Blattner angesichts der Fortschritte der Synthetischen Biologie. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Euphorie vermessen oder visionär ist.

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Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Stein der Weisen.....

Daß Mikroben in der chemischen Synthese ein eleganter Weg sein können um von A nach B zu kommen, steht außer Frage.

Wie das aber bei der Bereitstellung chemisch gebundener Energie "aus nichts" werden könnte - schauen wir mal.
Dieses "nichts" besteht ja immerhin zumindest aus Kohlendioxid, Wasser und Fläche.
Die Effizienz könnte ggf. besser sein als bei einem Getreidefeld (?). Aber ob das auch billiger wird?
Ich laß mich überraschen.

Waste to oil

Kohlenwasserstoffhaltige Rest- und Wertstoffe sind Basis für die Herstellung von Ersatzbrennstoffen (Öl und Gas) für BHKW, der bei der thermokatalytischen Verölung anfallende Kohlenstoff ist zusammen mit dem verwendeten Katalysator ein hervorragender Bodenverbesserer.
Klärschlämme, Spuckstoffe, Gärreste aus Biogasanlagen, Hausmüll, Produktionsabfälle der Lebensmittelindustrie... all dies sind "nachwachsende Rohstoffe"!

Es gibt diese Technologie, sie ist auch verfügbar...