NachhaltigkeitRecycling, aber richtig

Kreisläufe wie in der Natur sind Vorbild für eine Welt ohne Müll. Doch können hochwertige Produkte zu 100 Prozent wiederverwertet werden?

Für Michael Braungart hat die Rettung der Welt schon begonnen: in Form von Sportschuhen, Stühlen, Teppichen oder Klopapierrollen, die sich überall in seinem Hamburger Büro finden. »Diesen Stoff können Sie sogar essen«, sagt er und zeigt auf einen Stapel Textilproben. Er will mit den Stoffquadraten nicht den Welthunger beseitigen – sie sind nur Beispiele für Cradle-to-Cradle-Produkte. Und das ist für Braungart »die nächste industrielle Revolution«.

Cradle to Cradle bedeutet »von der Wiege bis zur Wiege«, also Kreislaufwirtschaft. Die Produkte werden aus recycelten Materialien hergestellt und bilden, wenn sie nicht mehr genutzt werden, ihrerseits den Rohstoff für neue Produkte. Braungart spricht lieber von »Nährstoffen« – wie bei einem Kirschbaum. Der produziere verschwenderisch Blüten, die nach einigen Tagen auf den Boden fallen und andere Organismen ernähren. In der Natur gebe es keinen Abfall. »Abfall ist Nahrung« lautet Braungarts Credo, nach dem er die Wirtschaft umbauen will. In der deutschen Ökoszene kommt dieser Ton nicht immer gut an.

Der Chemiker Braungart hat das Konzept gemeinsam mit dem US-Architekten Bill McDonough Anfang der neunziger Jahre entwickelt. Damals war längst offensichtlich, dass unser heutiges Wirtschaftssystem verschwenderisch mit Rohstoffen umgeht und gewaltige Müllberge produziert. Während die Umweltbewegung sich dafür starkmachte, Abfall zu vermeiden, überlegten Braungart und McDonough, wie man die Dinge des täglichen Bedarfs – bis hin zu ganzen Häusern – in Anlehnung an die Kreisläufe der Natur konstruieren könnte. Echtes Recycling also, kein Downcycling, bei dem aus gebrauchtem Papier schadstoffhaltiges Altpapier wird, aus gebrauchtem Kunststoff graues Plastik. Ihre Idee war, alle Materialien grob in zwei Klassen zu unterteilen: in »biologische« und »technische Nährstoffe«.

Biologische Nährstoffe sind organische Verbindungen wie Polymere oder Textilfasern, die am Ende auf dem Kompost wieder in die Biosphäre zurückkehren, so wie die Blüten des Kirschbaums zu Humus werden. Voraussetzung: Die Materialien dürfen keine Giftstoffe enthalten, die Organismen schädigen. Technische Nährstoffe hingegen kehren wieder in die »Technosphäre« zurück, wie Braungart die Welt der Geräte und Maschinen nennt. Metalle etwa können sortenrein zurückgewonnen werden, um eingeschmolzen wieder als Rohstoff zu dienen. Technische Kunststoffe werden in ihrer chemischen Struktur ebenfalls so designt, dass sie ohne Qualitätsverlust wieder als Ausgangsmaterial formbar sind. Auch hier ist wichtig: Das Plastik darf keine Rückstände von Schwermetallen enthalten, die etwa in vielen PET-Trinkflaschen stecken, zum Beispiel Spuren des Katalysators Antimon, mit dem der Kunststoff in der chemischen Industrie hergestellt wird.

Wenn es gelänge, alle Produkte als biologische oder technische Nährstoffe anzulegen und sie mithilfe erneuerbarer Energie herzustellen, müsste man sich nicht einmal mehr über CO₂-Bilanzen Gedanken machen. Braungart und McDonough gründeten zwei Unternehmen, mit denen sie andere beim Produktdesign nach der Cradle-to-Cradle-Philosophie (C2C) beraten und Produkte zertifizieren. Über 500 haben bereits ein C2C-Label erhalten.

ZEIT Wissen 1/2013
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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Nach C2C-Prinzipien zu produzieren ist eine Herausforderung für Unternehmen, die jahrzehntelang daran gewöhnt waren, möglichst günstige Rohstoffe zu verwenden. Diese Erfahrung musste auch Peter Kämpf machen, Entwicklungschef beim fränkischen Stifthersteller Stabilo. Nachdem die Unternehmensleitung beschlossen hatte, ein C2C-Produkt auf den Markt zu bringen, machte sich sein Team unter Leitung von Ivan Horvat auf die Suche nach geeigneten Materialien für einen Filzschreiber.

Für die Hülle des Stifts experimentierten die Entwickler zunächst mit Biopolymeren. Doch diese waren wasserdurchlässig und hätten Tinte durchgelassen. Fündig wurde Kämpf bei einem Folienverarbeiter. Der hatte Produktionsabfälle aus Polypropylen, das sich gut recyceln lässt.

Als schwieriger erwiesen sich die Polyesterfasern für die Schreibspitze und den Tintenspeicher. Stabilo hatte bis dahin Rohmaterial aus Japan gekauft. Könnte man auch recyceltes Polyethylen nehmen? »Die Japaner sagten erst einmal, das gehe nicht«, erinnert sich Kämpf. Schließlich fanden sie doch eine Lösung. »Heute zeigen sie ihre Recyclingfasern stolz auf Messen.« Auch für den Clip am Ende des Stifts sowie den schwarzen Kegel, in dem die Schreibspitze steckt, konnte Kämpf recyceltes Material finden.

Blieb noch die Tinte. Biologisch unbedenklich ist sie nur dann, wenn Mikroorganismen sie verdauen können. Dafür durfte sie keinen Konservierungs- stoff enthalten. Den mischte der Farbstofflieferant aber bei, um die Tinte in flüssiger Form auszuliefern. »Die Lösung war, die Farbstoffe in Pulverform zu schicken und erst bei uns im Werk mit Wasser zu verflüssigen«, sagt Kämpf, der von Braungarts Environmental Protection Encouragement Agency beraten wurde. Bis auf das Phenolharz, das die Fasern der Schreibspitze verklebt, und die Farbpigmente für die Hülle besteht der Stift jetzt komplett aus recycelten Materialien. Quote: 98 Prozent. »Greenpoint« nennt Stabilo den Stift.

Die richtigen Materialien zu finden ist eine der größten Hürden für Produktentwickler. Mehr als eine Million Chemikalien gibt es weltweit. Welche davon eignen sich als biologische oder technische Nährstoffe? Das untersucht Braungart gemeinsam mit Material Connexion, einer internationalen Beratungsfirma für nachhaltige Produktentwicklung. »Wir haben jetzt 40 C2C-zertifizierte Materialien in unserer Bibliothek«, sagt Karsten Bleymehl, Direktor für Materialforschung in Köln. Das ist nicht viel. »Es muss noch sehr viel von Grund auf neu entwickelt werden.«

Zwar gibt es inzwischen rund 140 Unternehmen, die Produkte nach dem Cradle-to-Cradle- Konzept auf den Markt gebracht haben. Aber anders als Braungarts Kirschbaum, der seine Inhaltsstoffe freizügig der Natur überlässt, betrachten die meisten Firmen ihre C2C-Materialien als Geschäftsgeheimnis. Die Entwicklung geeigneter Stoffe koste viel Zeit und Geld, sagt Bleymehl. »Da wird beispielsweise der Trikothersteller Trigema einem Mitbewerber kaum offenlegen, welche biologisch abbaubaren Textilfarben er verwendet.«

Besser bekannt ist, welche Stoffe Produktentwickler nicht verwenden sollten. Zum Beispiel PVC wegen der darin enthaltenen Weichmacher oder Brom als Flammhemmer in den Plastikgehäusen von Elektronikgeräten. Elektronik ist in der Liste der C2C-designten Produkte bislang Mangelware zwischen Textilien, Verpackungen, Büromöbeln und Teppichen. Allerdings hat sich inzwischen auch ein großer Elektronikhersteller an die Philosophie von Braungart und McDonough gewagt: Philips. 2010 brachte der niederländische Konzern den Flachbildfernseher Econova auf den Markt.

Das Gehäuse besteht aus recyceltem Aluminium, die Kabelummantelungen im Inneren sind nicht mehr aus PVC. Überhaupt hat Philips, soweit es ging, Kunststoffe aus dem Gerät verbannt. 2011 folgte die Kaffeemaschine Senseo Viva Eco. Viele Teile sind aus recyceltem Plastik oder Stahl hergestellt, die zum Teil aus alten Haushaltsgeräten von Philips gewonnen wurden. Die LED-Lämpchen der Anzeige sind nicht verschraubt oder verlötet, sondern gesteckt, um sie später weiterverwenden zu können. Oft heißt es, auf Nachhaltigkeit angelegte Technik sei zu teuer. Stimmt nicht: »Im Senseo-Projekt haben wir gelernt, dass ein C2C-Design am Ende nicht mehr kosten muss«, sagt Philips-Entwickler Mark-Olof Dirksen.

Haben Kaffeemaschinen, Computer oder Stereoanlagen ausgedient, können Kunststoff- und Metallteile wieder zurück in den Rohstoffkreislauf gebracht werden. Auch aus den Elektronikbauteilen lassen sich inzwischen viele der darin enthaltenen Metalle herauslösen.

Die aus den Geräten entfernten Leiterplatten aus Epoxidharz werden dafür einem Spezialrecycler wie dem belgischen Unternehmen Umicore in Hoboken bei Antwerpen übergeben. Dort analysiert ein Team täglich die neuen Lieferungen – neben Elektronik auch Autokatalysatoren und andere Industrierückstände – auf die vorhandenen Elemente. Dann entscheidet die »Küchenabteilung«, wie das Team in der Firma genannt wird, in welcher Mischung der Elektronikabfall in den Hochofen kommt. Während das Epoxidharz beim Erhitzen als Energielieferant dient, schmelzen die metallischen Bestandteile der elektronischen Bauteile. In der heißen Suppe bilden sich zwei Schichten: oben Schlacke, unten eine Mischung aus Kupfer, Gold, Silber und anderen wertvollen Metallen. Die Metallschmelze wird aus dem Ofen in ein Wasserbad geleitet, wo sie ein Granulat bildet, das noch einmal gemahlen wird. Aus dem können in weiteren chemischen Verfahren 17 Metalle in hochreiner Form herausgelöst werden.

Mit der Vorstellung des Cradle-to-Cradle- Designs, bei dem alles einfach zerlegbar ist, hat dieses Verfahren nicht viel gemein. Bislang gibt es noch keine C2C-gemäßen Leiterplatten, auch wenn einige Firmen an Klebeverbindungen für die Elektronikbauteile arbeiten, die sich mithilfe von Enzymen lösen lassen. »Ein C2C-Design ist wichtig, um an die relevanten Bauteile zu gelangen, aber aus komplexen Baugruppen lassen sich die einzelnen Metalle dann nur metallurgisch abtrennen«, sagt Christian Hagelüken, Recyclingexperte bei Umicore. Er hält es für wichtiger, die Elektronik nicht an unzugänglichen Stellen zu verbauen. In Autos etwa befinden sich viele Leiterplatten irgendwo in der Karosserie. »Da kommen Sie kaum ran«, sagt Hagelüken. Folge: Die Elektronik wird mit der Karosserie geschreddert, und wertvolle Metalle gehen verloren.

Nötig ist nicht nur ein besseres Design, um Geräte einfach und gründlich zu zerlegen. Es hapert auch an effizienten Sammelsystemen. Vom Elektronikschrott in Europa erreichen nur 30 Prozent die Recyclinganlagen. »Es müsste viel mehr Anstrengungen geben, um zu verhindern, dass das gesammelte Material in dubiose Kanäle abfließt«, sagt Hagelüken. Elektroschrott wird oft illegal nach Afrika oder Asien verschifft.

Einige C2C-Unternehmen wie der nieder- ländische Teppichhersteller Desso bauen inzwischen eigene Systeme auf, um die Kreisläufe zu schließen. Desso will 2015 zurückgenommene Auslegeware in eigenen Anlagen recyceln. 75 Prozent der neu produzierten Teppiche sollen dann aus alten Teppichen bestehen. Das mag hier funktionieren, stößt aber bei anderen Produkten wie dem Filzschreiber von Stabilo an Grenzen. Die Firma hatte bereits im vergangenen Jahr mit dem Entsorgungsunternehmen Interseroh einen Test gestartet: Sechs Monate lang konnten Verbraucher an 400 Sammelstellen alte Stabilo-Stifte zurückgeben. Das Ergebnis war laut Peter Kämpf »ein Desaster«. Nur ein paar Hundert Stifte waren an Interseroh zurückgeflossen – einige davon waren vom Konkurrenten Edding.

Kritiker monieren, Michael Braungart propagiere verschwenderischen Konsum, indem er Abfall zu Nährstoffen etikettiere und nicht zu Müll, den es zu vermeiden gelte. Braungart ent- gegnet, der Umgang der Deutschen mit Nachhaltigkeit und Abfall sei von einem Schuldkomplex geprägt. Deutschland setze im großen Stil Müllverbrennungsanlagen ein, um »die bösen Müllgeister« zu vernichten.

Tatsächlich geht es ihm um mehr als nur darum, Kreisläufe zu schließen. Er will mit besseren Zutaten auch die Qualität der Produkte und damit die Lebensqualität erhöhen. Eines seiner Lieblingsbeispiele sind die Teppiche von Desso. Die dünsten im Gegensatz zu herkömmlicher Auslegeware keine giftigen Moleküle aus. Mehr noch, sie sollen sogar die Raumluft reinigen, indem sie Schwebeteilchen binden.

In anderen Ländern, allen voran den Niederlanden, fühlt sich Braungart besser verstanden. Sogar in China ist man auf das Cradle-to-Cradle-Konzept aufmerksam geworden: Der Spielzeughersteller Goodbaby fertigt seine Produkte inzwischen nach C2C-Prinzipien. »Wir müssen China und Indien Blaupausen liefern, die sie kopieren können«, sagt Braungart. Die Boomländer Asiens können mit der hiesigen Vorstellung, auf Konsum zu verzichten, um die Welt besser zu machen, ohnehin nichts anfangen. Vielleicht gelangt die Kirschbaum-Ökonomie dort als Erstes zu voller Blüte.

 
Leser-Kommentare
  1. "Doch können hochwertige Produkte zu 100 Prozent wiederverwertet werden?"

    Nein, können sie natürlich nicht. Der Entropie entkommen wir niemals, also wird es nicht ohne Umwandlungsverluste abgehen ;-)
    Trotzdem ist das cradle-to-cradle-Prinzip natürlich begrüßenswert und übrigens auch nicht ganz neu.
    Man sollte das politisch überall vorantreiben, wo es nur geht, die Rohstoffe werden nämlich nicht mehr.

    2 Leser-Empfehlungen
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    • msknow
    • 10.01.2013 um 0:02 Uhr

    wenn wir es schaffen, die gewaltige Ressource Sonne nutzbar zu machen, wäre die Entropie für das System Erde durchaus zu verringern...

    • msknow
    • 10.01.2013 um 0:02 Uhr

    wenn wir es schaffen, die gewaltige Ressource Sonne nutzbar zu machen, wäre die Entropie für das System Erde durchaus zu verringern...

  2. Handhabung bei Verpackungen und eine kritische Verbrauchermeinung dazu hatten wir bereits einmal, das wäre ein guter Start in die weniger Verschwendung von Rohstoffen.

    Neue Systeme kosten auch immer wider neues Geld das der Verbrauchr dann bezahlen muss.

    Eine Ersparniss kann ich mir dabei nicht vorstellen.

    Solange wir unsere Rohstoffe zum Beispiel in Geländewagen im Stadtverkehr einfach nur in Mengen verbrauchen ist der Rest der Einsparungsbemühungen nicht gerade glaubwürdig.

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    • msknow
    • 10.01.2013 um 0:11 Uhr

    Sprache generiert die Art unseres Denkens. Deshalb ist eine ganze Schar von kreativen Leuten mit nichts anderes beschäftigt, als die richtigen Worte für die falschen Sachen zu (er)finden.
    Und Verbraucher, noch dazu der "mündige" Verbraucher, sind eine überflüssige Klassifizierung, die uns weiter vom eigenen Handeln ablenken - Es geht schlicht um Menschen, also auch um uns und die immanente Eigenschaft des Menschen, wie aller anderen Lebewesen, ist der Verbrauch.
    "DER VERBRAUCHER" ist Industriesprache, die man tunlichst vermeiden sollte, wenn es um gesellschaftspolitische Zusammenhänge geht.

    • msknow
    • 10.01.2013 um 0:11 Uhr

    Sprache generiert die Art unseres Denkens. Deshalb ist eine ganze Schar von kreativen Leuten mit nichts anderes beschäftigt, als die richtigen Worte für die falschen Sachen zu (er)finden.
    Und Verbraucher, noch dazu der "mündige" Verbraucher, sind eine überflüssige Klassifizierung, die uns weiter vom eigenen Handeln ablenken - Es geht schlicht um Menschen, also auch um uns und die immanente Eigenschaft des Menschen, wie aller anderen Lebewesen, ist der Verbrauch.
    "DER VERBRAUCHER" ist Industriesprache, die man tunlichst vermeiden sollte, wenn es um gesellschaftspolitische Zusammenhänge geht.

    • Gibbon
    • 09.01.2013 um 16:19 Uhr

    Sicher ist es lohnenswert Materialkreisläufe zu schaffen, um Ressourcen zu sparen. Recycling braucht jedoch üblicherweise auch Energie. Vielleicht werden die Mikroorganismen umsonst arbeiten, aber die Abfälle werden nicht selbst in die Recyclinganlage wandern, die Geräte sich nicht selbst auseinanderbauen und die neuen Materialien nicht von selbst ihre gewünschte Form annehmen. All das braucht Energie und würde in eine CO2-Bilanz eingehen.
    Wir werden nicht drumherum kommen uns auch über die Notwendigkeit und den Luxus von manchem Konsum Gedanken zu machen.

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    Recycling braucht Energie, die Herstellung und der Transport weitere. Sie haben natürlich vllig Recht! C2C ist nur Augenwischerei, wenn sich nicht grundsätzlich etwas am Konsumverhalten ändert, welches ja nur die andere Seite der Medaille ist (der systemimmanente Zwang, sein Produkt, und möglichst immer mehr davon in immer kürzeren Durchläufen, zu verkaufen, in Konkurrenz (über den Preis) mit verschiedenen Mitbewerbern.) Da liefert green-washing a la "Unsere Platiktüte verrottet natürlich" (...unter optimalen Bedingungen in 100 Jahren) allemal ein Verkaufsargument, mehr jedoch auch nicht. Langlebige und reparable Produkte, gern auch recycled und recyclebar sind einfach systembedingt nicht "erwünscht", Stichwort geplante Obsoleszenz (http://www.youtube.com/wa...) Schnell kaufen, noch schneller wegwerfen, ob auf die Müllhalde oder "den Kompost", ändert nichts am grundlegenden Problem!

    Recycling braucht Energie, die Herstellung und der Transport weitere. Sie haben natürlich vllig Recht! C2C ist nur Augenwischerei, wenn sich nicht grundsätzlich etwas am Konsumverhalten ändert, welches ja nur die andere Seite der Medaille ist (der systemimmanente Zwang, sein Produkt, und möglichst immer mehr davon in immer kürzeren Durchläufen, zu verkaufen, in Konkurrenz (über den Preis) mit verschiedenen Mitbewerbern.) Da liefert green-washing a la "Unsere Platiktüte verrottet natürlich" (...unter optimalen Bedingungen in 100 Jahren) allemal ein Verkaufsargument, mehr jedoch auch nicht. Langlebige und reparable Produkte, gern auch recycled und recyclebar sind einfach systembedingt nicht "erwünscht", Stichwort geplante Obsoleszenz (http://www.youtube.com/wa...) Schnell kaufen, noch schneller wegwerfen, ob auf die Müllhalde oder "den Kompost", ändert nichts am grundlegenden Problem!

  3. Muss ja nicht entweder/oder bedeuten.

    Rohstoffe, Verpackungen, bedenkenloses Wegwerfen, und überflüssigen Konsum zu reduzieren kann man sich doch angewöhnen, das ist in vielerlei Hinsicht gut. Wird es gut organisiert, ist es auch kein großer Akt.

    Aber das was dann trotzdem im Müll landet, oder im Container, oder was schon auf der Halde liegt, geschickt zu zerlegen und wieder zu verwerten, und Materialien von vornherein so herzustellen, dass das geht, ohne Schadstoffe, das ist wirklich ein toller Schritt in die richtige Richtung. Potentiell eine technische Revolution auf die ich schon ein Weilchen gewartet habe. Also: ganz herzlichen Glückwunsch und weiter so! 98% ist ein Anfang, der sich sehen lassen kann...

  4. Wenns denn so revolutionär und sogar gewinnbringend wäre, warum recycelt Braungart nicht selbst, "sondern berät und zertifiziert"? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt... Irgendwann haben wir nur noch Zertifizierer -und keinen mehr, der sich dieses antun will -und kann.

    Recycling kommt IMMER erst NACH Vermeidung. Und die Vermeidung könnte immens sein allein durch langlebigere Produkte, vor allem in der Elektronik, Bürotechnik wird ein Schrott produziert, das gibt es nicht...

    Jeder Technologe lernte früher Konstruktionsprinzipien, die einerseits die Funktion für ein Produkt sicherstellte und andererseits die Reparaturfähigkeit gewährleistete. Heute scheint das anders zu sein.

    Ich habe erst neulich eine elektr. Schreibmasch. fast verschrotten müssen, weil ein beanspruchtes Bauteil an zwei Plastiknasen aufgehängt war, die natürlich brechen MUSSTEN. Ein Blechle und zwei Schräuble hätten diesem Bauteil das ewige Leben gegeben, zu vllt. 0,15€ mehr Kosten. Digitalkamera ähnlicher Unsinn, es brach der Verschluss für das Akku- Fach, dass man naturgemäß oft betätigen MUSS.

    geplante Obsoleszenz auf der einen Seite und C2C auf der anderen. Am Ende bezahlen WIR doppelt.

    2 Leser-Empfehlungen
  5. ob man das überhaupt wirklich will, in der eine breite Phalanx aus Wirtschaft und Politik, die ihr ganzes Sinnen und Trachten, sowie einige Milliarden Euro, in die Infrastruktur der Müllverbrennung kanalisiert hat. Und die muss sich schließlich zuerst einmal ordentlich amortisieren und steuermindernd abgeschrieben werden, damit die Rechnung richtig aufgeht und der Profit stimmt.

    Recycling wie die Natur es betreibt, ist nicht nur ein schöner Gedanke, sondern vor allen Dingen der Königsweg zur künftigen Minimierung der planetaren Ausbeutung von Rohstoffen und Versiffung unserer aller Lebensraums!

    Leider denken Politik und Wirtschaft aber (noch) nicht in ökologischen Dimensionen, sondern immer nur im engen Rahmen von optimierter Kosteneffizienz und maximalem Reibach.
    Dabei bleiben so gute und zukunftsweisende Ideen, wie ein der Natur entlehntes Recycling leider auf der Strecke, denn im krassen Gegensatz zur Natur ist 'Homo oeconomicus' nun mal einzig und allein am pekuniären Gewinn orientiert!
    Dahinter muss leider immer noch alles andere zurückstehen und sei es noch so sinnvoll, sprich dem Menschen und der Welt in der wir leben zuträglich!

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    • tobmat
    • 10.01.2013 um 11:01 Uhr

    "denn im krassen Gegensatz zur Natur ist 'Homo oeconomicus' nun mal einzig und allein am pekuniären Gewinn orientiert!"

    Wie kommen sie darauf das das in der Natur anders ist?
    Jedes Lebewesen arbeitet dafür seine Lebensumstände und die seiner Nachkommen und direkten Gruppenmitglieder so gut wie möglich zu gestalten und das ganze so effizient wie möglich zu machen. Nichts anderes macht der Mensch.
    Was dabei alles so zu Bruch geht interessiert die Natur überhaupt nicht.

    • tobmat
    • 10.01.2013 um 11:01 Uhr

    "denn im krassen Gegensatz zur Natur ist 'Homo oeconomicus' nun mal einzig und allein am pekuniären Gewinn orientiert!"

    Wie kommen sie darauf das das in der Natur anders ist?
    Jedes Lebewesen arbeitet dafür seine Lebensumstände und die seiner Nachkommen und direkten Gruppenmitglieder so gut wie möglich zu gestalten und das ganze so effizient wie möglich zu machen. Nichts anderes macht der Mensch.
    Was dabei alles so zu Bruch geht interessiert die Natur überhaupt nicht.

    • F.K.
    • 09.01.2013 um 17:52 Uhr

    Würden wir einen Teil der in die sogenannte Energiewende gestopften Milliarden in Technologien für ein gesamt-gesellschaftliches Recycling-Konzept und seine Umsetzung stecken, würden wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:
    1. Substantieller Beitrag zum Umweltschutz
    2. In einigen Jahren technologische Führerschaft auf einem relevanten wirtschaftlichen Gebiet.

  6. So schön C2C auch sein mag - aber in der Realität jetzt oder in ein paar Jahren wird nix draus.

    100% Bio-C2C-Zeuchs wird im Gelben Sack/Gelbe Tonne landen. Die Sammelstelle hat ein Sortierband, 3 HiWis, welche nun den Inhalt sortieren. Das Band hat eine megageschwindigkeit.

    Bei solchen Bandgeschwindigkeiten ist nicht viel mit Sortierung, das muss jedem Praktiker klar sein. C2C landet im Überlauf. Überlauf = thermische Verwertung.

    Nicht praxistauglich auf absehbarer Zeit bei heutiger und zukünftiger Technologie. Sorry, ist so. Bliebe also: Hier muss noch verstärkt dran gearbeitet werden, gerne flankierend durch z.B. steuerliche Aspekte.

    Nur so am Rande, nebenbei

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