ReligionWarum wir glauben müssen

Religion geht uns immer weniger an, trotzdem werden wir religiöser. Und das ist auch gut so, schreibt Christian Schüle. von Christian Schüle

Unbefleckte Empfängnis? Da lacht doch heute jeder. Wundertaten eines Heiligen? Nette Märchengeschichte. Wiederauferstehung? Ist höchstens einmal passiert, also unglaubwürdig. Leben nach dem Tod? Schöne Idee, aber völlig unbewiesen. Kirchenschiffe leeren, Kirchenaustritte häufen sich. Von Seelsorge ist nicht mehr viel zu sehen, skateboardfahrende Pfarrer sind irgendwie lächerlich, und der Papst hat seine Kirche auf lebensferne »Entweltlichung« programmiert. Kurzum: Der Zeitgenosse hat andere Probleme und ist auf andere Problemlösungsstrategien angewiesen.

Ist er – wie zunehmend mehr Menschen – Atheist, glaubt er womöglich an Technologie und Bionahrung, an sozialen Frieden und Nachbarschaftshilfe. Oder konkreter: Ist er zum Beispiel Lehrer, glaubt er vielleicht an die Kraft der Poesie und humanistische Bildung; ist er Analyst an den Dax und die Börse. Der CEO glaubt an Kapitalakkumulation und Höhlenmeditation, der Unternehmer an ewigen Fortschritt und Reiki, der Chemiker an das Reich des Kohlenstoffs und die digitale Second World; der Astrophysiker an ferne Galaxien; der Psychoanalytiker ans Unbewusste; die Esoterikerin an spirituelle Energien; die Linke an die Revolution, die Rechte an die Kernfamilie, der Liberale an die Freiheit.

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Fällt bei alldem nicht etwas ins Auge?

An irgendetwas glauben alle. Das persönliche Wohlergehen, die Definition eines gelingenden Lebens, so scheint es trotz aller Diesseitigkeit, kommt ohne Glauben nicht aus. Man muss nicht an Gott glauben, um zu glauben. Man muss nicht Katholik sein, um anzubeten. Man muss sich nicht zum Protestantismus bekennen, um seinen Nächsten zu lieben. Wer aber glaubt, der Mensch komme ohne Glauben aus, der glaubt somit erstens selbst und macht zweitens die Rechnung ohne die Spezies Mensch. Das heißt: Der Mensch glaubt, weil er gar nicht anders kann, als zu glauben. Der Mensch ist von Natur aus religiös, und auch der Atheist ist ein homo naturaliter religiosus. Gibt es Beweise für eine solche These? Gibt es. Ausgerechnet durch die Wissenschaft.

Psychophysikalisch gesprochen, entspricht kaum etwas dem ausgeprägten Individualismus unserer Tage so sehr wie die Mystik der spirituellen Auffahrt. Der nach Prinzipien der Kausalität und Rationalität erzogene Atheist etwa lebt in einer total vermittelten Medienwelt: Für jedes Gefühl gibt es ein Medium, für jeden Erdwinkel ein Bild, für jede Frage eine Wikipedia-Antwort. Als ganzer Mensch aber hungert er nach Unmittelbarkeit. Er will spüren, sich und das Sein. Er will mitgerissen werden, in eine andere Dimension geraten. Er will erleben und auffahren. Und im mystischen Erlebnis der Verschmelzung mit diesem diffusen »Irgendwohin« seiner Auffahrt ist er selbst das Medium – Körper und Geist, Leib und Seele schließen sich kurz. Der Dualismus von Ich und Korpus, Außen und Innen ist aufgehoben. Und danach? Vielleicht ist der Atheist in der Wahrnehmung seiner selbst verändert, jedenfalls aber fühlt er sich für einen wie lange auch immer währenden Moment nicht mehr überflüssig und zufällig, sondern aufgehoben, geborgen und gewollt.

Rationales Denken

Ein Ball und ein Schläger kosten zusammen elf Dollar. Der Schläger kostet zehn Dollar mehr als der Ball – was kostet der Ball? Wer hier »einen Dollar« antwortet, ist mit höherer Wahrscheinlichkeit gläubiger als jemand, der die richtige Lösung, 50 Cent, nennt. Zu diesem Schluss kamen Forscher in einer Studie im April. Sie folgern, dass rationales Denken und Glauben sich gegenseitig behindern.

Rassismus

Allein das Denken an Religion kann rassistische Ressentiments verstärken. In einer Studie wurden US-Studenten unbewusst mit religiösen Begriffen konfrontiert, danach ihre Vorurteile mit Fragebögen ermittelt. Probanden, die Wörter wie Kirche und Jesus zu sehen bekamen, wurden als rassistischer gegenüber Schwarzen eingestuft als solche, die neutrale Wörter wie Butter und Hemd lasen.

Aberglaube

Aberglaube kann einen Teil der Moral stiftenden Funktion von Religion übernehmen. Das legt eine Studie von 2005 nahe: Hier betrogen Erwachsene seltener bei einem Computertest, wenn ihnen gesagt wurde, dass ein Geist im Raum sei. Bei abergläubischen Kindern wirkte die angebliche Anwesenheit einer unsichtbaren Prinzessin sogar so stark wie die Präsenz eines echten Erwachsenen.

So gut wie alle Riten und Zeremonien, die in älteren Kulturen mit dem Numinosen und Geheimnisvollen verbunden waren – Geistbeschwörungen etwa, Sonnenwendfeiern, Opferkulte –, sind im Zuge einer unterkühlten Zweck-Mittel-Rationalisierung des technischen Fortschritts entzaubert und entwertet worden.

Doch die helle Ratio, die Axt der Vernunft allein, so scheint es immer mehr, schlägt keine Bresche mehr zum Glück. Weil das Individuum ans Übersinnliche andocken will, gehen Grafikerinnen auf schamanische Reisen nach Hawaii, pilgern Bankangestellte zu den Urmenschen im peruanischen Regenwald und besuchen nachweislich gebildete Frauen immer und immer wieder Wochenendseminare oder spirituelle Sommerakademien, um sich bei einem Fest der Sinne in Meditationen, Kontemplationen, Tanz und Shiatsu an ihre Quelle, ihren Ursprung zu wagen. Es ist die Sehnsucht nach Übersetzung des kleinen Ich ins große Ganze. Der Blick geht dabei immer nach oben, dorthin, wo es offen und unbestimmt ist, weil unten doch alles determiniert scheint.

Fast immer beginnt diese Sehnsucht nach dem Oben, wenn sich der auspubertierte Mensch den großen Sinnfragen zuwendet: Ist das, was ich wahrnehme, wirklich? Gibt es einen Plan, der hinter allem steht? Wird mein Leben gelenkt? Das, sagen Religionspsychologen, sei jene Zeit, in der der Mensch bewusst erfährt, dass Glauben ein geistiges Vermögen ist. Auch der Atheist hat die Fähigkeit zu glauben, weil er die Fähigkeit hat, das Andere zu denken. Weil er sich hineindenken kann in das Gegenteil von Sein: in das Nichts. Und gerade weil der menschliche Geist zu dieser Entgrenzungserfahrung in der Lage ist, braucht er Sicherheit und Begrenzung – eine transzendente Heimat, ein metaphysisches Obdach, eine sinnreiche Antwort.

Einer der evolutionsbiologischen Vorteile des Glaubens, lehrt die Religionspsychologie, ist »Coping« (Alltagsbewältigung). Will heißen: Als Bewohner einer transzendenten Heimat (egal, welcher) wird der Mensch mit den Zumutungen und Bedrohungen des Alltags besser fertig. Im Glauben hat der oft beziehungslose Einzelne die Möglichkeit, sich selbst zu relativieren, weil Glaube immer eine Beziehung vermittelt. Evolutionspsychologisch betrachtet, ist Religiosität die einzig funktionierende Gemeinschaftsform, die den Egoismus zu reduzieren in der Lage ist.

Leserkommentare
  1. sind zwei unterschiedliche Veranstaltungen!

    Genau deswegen treten die Menschen aus der Kirche aus!
    Sie möchten glauben, ohne von einer Religion bevormundet zu werden an was genau und auf welche Weise sie gefälligst zu glauben haben...

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    Von den Dogmen der Kirche zu den Dogmen der Massenmedien. Kirchenkritik ist heute irrelevant. Wenn Sie doch bei ZEIT-Artikeln immer genauso kritisch wären..

    Behauptung ab, ich würde ZEIT-Artikel bedingungslos glauben?

    • olaf85
    • 21. Dezember 2012 14:06 Uhr

    Und warum sollte Religionskritik irrelevant sein?
    Kirchendogmen und Massenmediendogmen sind doch auch 2-Paar Schuhe. Und beides ist absolut kritisierbar.
    Verstehe ich nicht...

  2. sind auch zwei unterschiedliche Veranstaltungen

    Eine Leserempfehlung
  3. Vielen Dank für diesen guten Artikel. Allerdings wird jetzt wahrscheinlich der Shitstorm losbrechen, denn der moderne Atheist und Agnostiker kann nichts weniger ab, als den Vorwurf, im Grunde seines Herzens wäre er gläubig. Seinem Selbstbild nach ist er 100% reine Ratio. Auch ein (Irr-)Glaube.

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    • GDH
    • 19. Dezember 2012 17:11 Uhr

    Sie meinen
    "[...] denn der moderne Atheist und Agnostiker kann nichts weniger ab, als den Vorwurf, im Grunde seines Herzens wäre er gläubig. Seinem Selbstbild nach ist er 100% reine Ratio. Auch ein (Irr-)Glaube."

    Dass Menschen sich nicht immer rational verhalten, lässt sich ganz rational erklären. In so fern haben wohl die meisten Atheisten kein Problem, das anzuerkennen.

    Die Existenz und Verbreitung von Religion lässt sich sehr gut nicht-religiös erklären (und sogar befürworten).

    Ein Unterschied besteht bloß darin, ob man daraus auf tiefere Wahrheiten über unsere Welt schließen will oder einfach auf Eigenheiten unserer Biologie (die sich wiederum mit unserer Entwicklungsgeschichte erklären lässt).

    Der moderne Atheist oder Agnostiker (Was soll daran modern sein?, Die Leute gibt es schon seit mehreren Tausend Jahren) kann es tatsächlich nicht ab, wenn man ihm vorwirft an Gott zu glauben, denn das tut er nicht und es wird von religiöser Seite häufig als Argument verwendet um den Nichtglauben mit dem Glauben auf eine Stufe zu stellen. Da entstehen halt Reflexe, wenn man es das tausendste Mal von sich weisen muss.

    Klar glauben Agnostiker und Atheisten an allerlei Unfug. Der Unterschied ist halt, dass theoretisch (nicht alle Atheisten und Agnostiker sind Skeptiker und rationale Naturalisten) seinen Unfug einsieht, wenn man Argumente oder Evidenz vorbringt. Das ist dann schon ein Unterschied zum Gläubigen, der nie von seiner Meinung abweichen würde.

    Es ist halt ein Unterschied, ob man daran glaubt, dass im inneren unserer Galaxie ein schwarzes Loch existiert und sich das dann als falsch heraus stellt, oder ob man glaubt, dass ein allmächtiger Papa im Himmel nur darauf wartet deine Seele nach deinem Tod aufnehmen zu können.

    Nichtfalsifizierbare Aussagen und so.

    na, das glaube ich aber auch nicht.

    • FMA
    • 20. Dezember 2012 11:34 Uhr

    "...der moderne Atheist und Agnostiker kann nichts weniger ab, als den Vorwurf, im Grunde seines Herzens wäre er gläubig."
    Das ist auch ärgerlich, weil man da von jemandem umarmt wird, mit dem man nix zu schaffen haben will. Und Vorwurf? Ja, Sie haben es verstanden: Glauben kann man vorwerfen. Glauben heißt, wie Nietzsche es schön zusammengefasst hat, nicht wissen wollen, was wahr ist.

    "... Seinem Selbstbild nach ist er 100% reine Ratio." Nö, gar nicht. Die 95% der klügeren Atheisten wissen, dass sie öfter irrational sind. Aber sie versuchen es abzustellen, nicht noch zu kultivieren. - Übrigens die 95% sind geschätzt angesichts der Tatsache, dass mit dem Bildungsgrad die Frömmigkeit schwindet.

    • GDH
    • 19. Dezember 2012 17:04 Uhr

    Im Aritkel geht einiges durcheinander.

    Insbesondere verwendet der Autor den Begriff Religion ständig unterschiedlich anstatt erstmal eine Definition zu liefern, worüber er schreiben will.

    Soll es jetzt um Thesen wie "ich glaube, dass es ein höheres Wesen gibt, das das Universum erschaffen hat, sinnvollerweise als Person beschrieben werden kann und eine Meinung über mein Privatleben hat" gehen? Das wäre dann Religion im engeren Sinne. Die scheint tatsächlich auf dem Rückzug. Da führt der Autor auch nix gegenteiliges aus.

    Wenn es hingegen eher um allgemeine Spiritualität geht, passen die Bezüge zu religionsmedizinischen Studien wieder nicht.

    Was die neurologischen und psychologischen Grundlagen von Religion jetzt genau zur Sache tun, ist auch unklar. Sind alle sozialen Konstruktionen, die davon Gebrauch machen, Religion im Sinne des Artikels? Dann müssen darunter auch Online-Spiele-Communities, Drogenkonsum und Freizeitparks fallen...
    Irgendwie wäre das Wort dann falsch gewählt (es hat nämlich im allgemeinen Sprachgebrauch schon eine konkretere Bedeutung).

    Insgesamt fehlt es dem Artikel an einem roten Faden und einer klaren Argumentation (wofür auch immer).

    2 Leserempfehlungen
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    • Otto2
    • 20. Dezember 2012 21:38 Uhr

    "Man muss nicht an Gott glauben, um zu glauben."
    Das Wort GLAUBE meint doch etwas ganz anderes als das, was wir ausdrücken wollen, wenn wir z. B. sagen: "Ich glaube, wir müssen diesen Weg gehen."
    Wenn man diese beiden Bedeutungen des Wortes "G(g)lauben" als sinnesähnliche Bedeutung in einen Topf wirft, sind das semantische Spielereien.
    Der Autor versucht auf diese Weise sozusagen eine Art Vorfeld oder Vorhof der "Echtgläubigen" zu schaffen. Man hofft, ein diffuses Bild vom Glaube und glauben könnte den Religionen und Kirchen helfen, noch Einfluss auf die große Zahl der Nicht-mehr-gläubigen auszuüben.

    • Jalos
    • 21. Dezember 2012 13:58 Uhr

    In deinem Kommentar kommt der Begriff öfters vor als in dem ganzen Artikel.

  4. Atheist: "Der freilich glaubt, dass es Gott nicht gibt. Daran aber glaubt er."

    Nein. Dieser fundamentale Satz ist schlicht falsch und zeigt, dass der Autor schon prinzipiell nicht begriffen hat, wovon er redet. Seine gesamte Argumentation basiert auf seinem persönlichem Glauben.

    In einem allerdings hat er recht: Wer glaubt, ist im Schnitt glücklicher. Es kann sogar praktisch sein, sich zum Glauben zu zwingen.

    Die Anfangsargumentation basiert auf der simplen Mehrfachverwendung des Begriffs "glauben". In Sprachen, in denen sie nicht vorkommt, funkioniert sie schon nicht.

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    "Atheist: "Der freilich glaubt, dass es Gott nicht gibt. Daran aber glaubt er."

    der atheist glaubt garnichts, auch wenn ihnen das nicht gefällt. es geht darum das es menschen gibt die für alles was sie nicht erklären können einen platzhalter brauchen, einen götzen, da sie die unsicherheit sonst nicht ertragen, was widerum dazu führt das ihr ganzes leben auf einer illusion aufbaut und sich wahre sicherheit nicht entfalten kann, was dann im endeffekt dazu führt das menschen die an diesem auf wackeligen beinen stehenden glaubenskonstrukt rütteln als gefahr angesehen werden und teilweise dann ihr leben lassen müssen. was der religiöse wiederum weniger schlimm findet da er ja an ein leben nach dem tod glaubt da auch der gedanke seine ach so wichtige person könnte einfach nur eins werden mit dem morast auch nicht behagt.

    es ist ein teufelskreis wenn sie mich fragen aus dme es gilt auszubrechen.

    K Nr. 5: "Atheist: "Der freilich glaubt, dass es Gott nicht gibt. Daran aber glaubt er." Nein. Dieser fundamentale Satz ist schlicht falsch".

    Warum ist die Aussage, ein Atheist glaubt, dass es einen Gott nicht gibt, falsch? Weiß denn ein Atheist, dass es einen Gott nicht gibt? Kann er das wissen? Kann er es beweisen? Glaubt er nicht lediglich zu wissen, dass es einen Gott nicht gibt?

    Menschen, die an einen Gott glauben, wissen nicht, ob es einen Gott gibt, sie glauben es, sind sich dessen gewiss, empfinden es als Tatsache, ohne es (in naturwissenschaftlichem Sinne / beweisbar) zu wissen. In gleicher Weise glauben Atheisten das Gegenteil. Diese glauben nicht an einen Gott, obwohl sie die Nicht-Existenz eines Gottes nicht beweisen können. Ich weiß, hier wird gerne eingewandt, die Nicht-Existenz von etwas kann man nicht beweisen. Doch das ist kein Argument für, sondern gegen die Meinung der dies Einwendenden. Gerade weil man die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen kann, können Atheisten nicht wissen, dass es einen Gott nicht gibt. Da sie es nicht wissen (können), sich ihrer Sicht aber gewiss sind, handelt es sich bei ihrer Gewissheit um einen Glauben.

    Ich denke, nicht allen Kommentatoren ist der Unterschied zwischen "Glaube" und "Glaube" klar, auf den "langeland" hier abhebt.
    Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich sage: "ich glaube an Einhörner" oder "ich glaube, wenn ich jetzt nicht losgehe, komme ich nicht mehr pünktlich zu meiner Verabredung".

    Im ersten Fall geht es um den Glauben an ein empirisch nicht nachweisbares Wesen (bei welchem es sich um den einen oder anderen Gott, um Einhörner oder den Weihnachtsmann handeln kann), im zweiten Fall um eine (zumeist auf Erfahrung basierende, durchaus widerlegbare) Vermutung.

    "Langeland" betont, dass ersterer "Glaube" mit letzterem nicht vergleichbar ist, da es sich um einen Kategorienfehler handelt.

    • GDH
    • 19. Dezember 2012 17:11 Uhr

    Sie meinen
    "[...] denn der moderne Atheist und Agnostiker kann nichts weniger ab, als den Vorwurf, im Grunde seines Herzens wäre er gläubig. Seinem Selbstbild nach ist er 100% reine Ratio. Auch ein (Irr-)Glaube."

    Dass Menschen sich nicht immer rational verhalten, lässt sich ganz rational erklären. In so fern haben wohl die meisten Atheisten kein Problem, das anzuerkennen.

    Die Existenz und Verbreitung von Religion lässt sich sehr gut nicht-religiös erklären (und sogar befürworten).

    Ein Unterschied besteht bloß darin, ob man daraus auf tiefere Wahrheiten über unsere Welt schließen will oder einfach auf Eigenheiten unserer Biologie (die sich wiederum mit unserer Entwicklungsgeschichte erklären lässt).

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    Antwort auf "Gottes Kinder"
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    "Die Existenz und Verbreitung von Religion lässt sich sehr gut nicht-religiös erklären (und sogar befürworten)."

    Nicht für die Religionen.
    Sie gehen bereits von jenem wissenschaftsgläubigen Absolutismus aus, nach dem die soziologische, psychologische oder meinetwegen neurologische Beschreibung von Religion eine Erklärung für den betreffenden Inhalt sei.
    Das kann sie ebensowenig, wie man mit psychologischen Beschreibungen den Grund und die Motive Ihres Kommentars erfassen kann.
    Ihr inhaltliches Interesse, Ihre Beziehung zu Sache, zum Leser Ihrer Kommentare usw. können darin nicht erfasst werden.
    Sie wissen insofern, dass es zb in einer Debatte unredlich ist, sein Gegenüber zu psychologisieren.

  5. Der moderne Atheist oder Agnostiker (Was soll daran modern sein?, Die Leute gibt es schon seit mehreren Tausend Jahren) kann es tatsächlich nicht ab, wenn man ihm vorwirft an Gott zu glauben, denn das tut er nicht und es wird von religiöser Seite häufig als Argument verwendet um den Nichtglauben mit dem Glauben auf eine Stufe zu stellen. Da entstehen halt Reflexe, wenn man es das tausendste Mal von sich weisen muss.

    Klar glauben Agnostiker und Atheisten an allerlei Unfug. Der Unterschied ist halt, dass theoretisch (nicht alle Atheisten und Agnostiker sind Skeptiker und rationale Naturalisten) seinen Unfug einsieht, wenn man Argumente oder Evidenz vorbringt. Das ist dann schon ein Unterschied zum Gläubigen, der nie von seiner Meinung abweichen würde.

    Es ist halt ein Unterschied, ob man daran glaubt, dass im inneren unserer Galaxie ein schwarzes Loch existiert und sich das dann als falsch heraus stellt, oder ob man glaubt, dass ein allmächtiger Papa im Himmel nur darauf wartet deine Seele nach deinem Tod aufnehmen zu können.

    Nichtfalsifizierbare Aussagen und so.

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    Antwort auf "Gottes Kinder"
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    dazu ein paar Links für die Gläubigen unter den Lesern und Autoren:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus
    https://de.wikipedia.org/wiki/Russells_Teekanne

    "An irgendetwas glauben alle."
    achja, der übliche Schrott in der 'Argumentation'

    dazu, frei übersetzt, Dan Barker:

    >>
    Die Wahrheit verlangt nicht nach Galuben

    Wissenschaftler singen nicht jeden Sonntag, Hand in Hand:

    "Ja, ist die Schwerkraft real!
    Ich werde Glauben!
    Ich werde stark sein!
    Ich glaube, in meinem Herzen:
    Das, was nach oben, oben, oben geht;
    kommt auch wieder runter, runter, runter.

    Amen!"

    Wenn sie das täten, würden wir denken, sie wären ziemlich unsicher darüber.
    <<

    "Es ist halt ein Unterschied, ob man daran glaubt, dass im inneren unserer Galaxie ein schwarzes Loch existiert und sich das dann als falsch heraus stellt, oder ob man glaubt, dass ein allmächtiger Papa im Himmel nur darauf wartet deine Seele nach deinem Tod aufnehmen zu können."

    Nun, es wurde auch einmal lange Zeit geglaubt, dass die Erde eine Scheibe sei. Die Falsifizierung dieser Aussage hat auf die Religiosität von Menschen aber keinerlei Einfluss gehabt.

    Der christliche Glaube, auf den sie hier anspielen, ist im übrigen ja nur eine von unzähligen Facetten von Religiosität.

    • R_IP
    • 19. Dezember 2012 21:12 Uhr

    Wie schön, dass Sie auf den Falisfikationismus verweisen.

    Ich hoffe Sie wissen, dass:

    a.) Konzepte von Wissenschaftlichkeit, Theorien über Wahrheit usw. dem Wandel unterliegen.

    b.) Der Falsifikationismus nicht der Wahrheit letzter Schluss ist. Sie und viele andere argumentieren mit diesem wie mit einer Glaubensregel. Er ist in erster Linie aber eine erkenntniswissenschaftliche Methode, mit Stärken und Schwächen, wie alle anderen auch, und damit kritisier- und hinterfragbar. Wir werden nicht bis in alle Ewigkeit an diesem Konzept festhalten, einige tun dies schon heute nicht.

    c.) Der Falsifikationismus ist auch in praktischer Hinsicht nicht der Wahrheit letzter Schluss. Transzendente Entitäten wie Gott, Ideen usw. können nicht falsifiziert werden, eine Aussage über Religion ist also durch ihn nicht möglich.

  6. >> Um den Rausch der spirituellen Erfahrung. <<

    Irritierend, dass man sich als sogenannter "Atheist" regelmäßig von Leuten, die das Hohelied der Religiosität singen, über sich selbst belehren lassen muss. Liebe Gläubige, wir sollten uns auf eines einigen: Glaubt, was Ihr wollt, aber lasst andere damit in Ruhe. Möglich, dass wir Euch nicht verstehen. Ihr versteht uns aber genauso wenig.

    Das beginnt schon bei der Begrifflichkeit. Ich definiere mich nicht über irgendein Defizit, das andere an mir ausmachen wollen, nicht über eine Abweichung von der Norm anderer Leute. Ich bin kein Askifahrer, kein Apauschaltourist und eben auch kein Atheist.

    Zugegeben, hin und wieder glaube ich auch mal was. Zum Beispiel glaube ich bei vorliegendem Artikel, dass es hakt.

    2 Leserempfehlungen
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    • FreeLeo
    • 19. Dezember 2012 17:46 Uhr

    ser letzte Satz!! Danke!!

    • Bommel
    • 19. Dezember 2012 18:17 Uhr

    habe selber überlegt, wie ich es schreiben soll, aber Ihre Formulierung ist treffend, es hakt, aber gewaltig!

    wieso regen sie sich auf? wo steht denn darin, dass sie ein de facto defizit haben? ich bin auch atheist/agnostiker und finde solche artikel interessant, genauso wie themen über linke, rechte, islamisten etc interessant sind.

    aber davon fühle ich micht nicht angegriffen.

    sie fühlen sich anscheinend angegriffen? wieso? es ist ja kein imperativ im artikel. wovor haben sie angst?

    • Fiesko
    • 19. Dezember 2012 18:31 Uhr

    Sie haben so recht! Volle Zustimmung zu jedem Satz.

    wird wo gelehrt?
    Ist dieser Artikel möglicherweise ein Ende-der-Welt-Scherz (Maya) von Zeit-Online?

    aber Alice sind. Wer sind die Lice?

    danke für den Beitrag, und das Zitat.

    ich bin mal so frech einzustreuen:
    Der Atheist besorgt sich den Rausch der spirituellen Erfahrung beim Spirituosenhändler seines Vertrauens.

    weiteres schönes Zitat aus dem Artikel:
    "Könnte das Leben, könnte die Gesellschaft, könnte die Welt ohne Glauben funktionieren?"

    Ohne Gauben und Vertrauen an und in die Mitmenschen sicher nicht.
    Ohne die Krücke Relligion mit Sicherheit besser:
    Die grossen Religionen werden ja leider nicht müde ihren Anhängern zu predigen was für elendige, unwürdige, böse Würmer (AKA. Sünder) sie doch sind.

    Natürlich in besserer PR verpackt als gerade heraus.

    "Irritierend, dass man sich als sogenannter "Atheist" regelmäßig von Leuten, die das Hohelied der Religiosität singen, über sich selbst belehren lassen muss."

    Irritierend, dass jemand, der hier schreibt und sich als Atheist outet, nicht darüber diskutieren will...

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

    • Jule111
    • 20. Dezember 2012 11:14 Uhr

    Erstens hat sich die Autorin nicht als Atheistin geoutet, sondern genau das Gegenteil, sie hat recht genau erklärt, warum sie KEINE Atheistin ist.

    Und mit welchem Recht erwarten, ja verlangen Sie sogar, dass man über seine Meinung diskutieren wollen MUSS? Ich teile die hier dargelegten Ansichten der Autorin voll und ganz, und ebenso wie die Autorin möchte ich einfach nur mit der Gesamtthematik "Glauben und Religion" in Ruhe gelassen werden.

    Das wurde doch klipp und klar in dem Beitrag zum Ausdruck gebracht.

    • AllEin
    • 20. Dezember 2012 16:07 Uhr

    Oft frage ich mich, wer hat Interesse an der Religion des Volkes?
    Warum möchte man ein religiöseres Volk?
    So uneigennützig wird das schon nicht sein.

    ... m.E. an den Verstand.Der Verstand ist das, was alles erklären kann und mit dem die Wahrheit erfasst wird. Dies ist ein nicht beweisbares Paradigma der modernen Wissenschaft (und dort auch sinnvoll), das leider heute Allgemeingültigkeit beansprucht, wie einstweilen die katholische Kirche.

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