DNA-Entschlüsselung: "Zum Glück bin ich gesund"
Als erste Frau ließ die Genetikerin Marjolein Kriek ihr komplettes Erbgut entziffern. Und sie musste darauf gefasst sein, dass auch gefährliche Mutationen in ihren Genen entdeckt würden. Sie würde es immer wieder tun, aber nicht jedem empfehlen.
© Jerry Lampen / reuters

Genetikerin Marjolein Kriek
ZEIT Wissen: Frau Doktor Kriek, Ihnen wurde bereits ein Denkmal gesetzt...
Marjolein Kriek: Dabei bin ich noch nicht einmal tot. Ich habe auch nichts Besonderes getan!
ZEIT Wissen: Sie sind ziemlich jung, Sie sind eine Frau – und Sie sind die erste, deren Erbgut entziffert wurde...
Kriek: Es war die erste komplette Entschlüsselung eines Genoms einer nicht anonymen Frau, um genau zu sein. Mein gesamtes Erbgut ist nun öffentlich.
ZEIT Wissen: Also sind die Menschen in Ihrer Heimatstadt Nijmegen stolz auf Sie?
Kriek: Vielleicht. Fragen Sie die Leute zu Hause einmal. Wissen Sie, warum ich ausgesucht wurde?
Die niederländische Ärztin Marjolein Kriek, geboren im November 1973, ist klinische Genetikerin am University Medical Center in Leiden. Die zweifache Mutter untersucht dort vor allem Kinder mit gestörter Entwicklung und geistiger Behinderung. An ihrer Arbeit schätzt sie besonders die Verbindung von Forschung und Arztberuf. 2008 wurde Krieks Erbgut vollständig entschlüsselt. Es war das erste persönliche Genom einer Frau, das veröffentlicht wurde.
ZEIT Wissen: Das wollte ich gerade fragen.
Kriek: Das war 2007. Ich forschte gerade in Leiden für meine Doktorarbeit. Damals bekamen wir einen neuen schnellen Gensequenzer – eine Maschine, mit der man Erbgut entziffern kann. Eine vergleichbare gab es nur noch ein einziges Mal in ganz Europa, im Max-Planck-Institut in Berlin. Meine beiden Chefs wollten sofort ein menschliches Genom damit entziffern. Zu dieser Zeit war bereits das Erbgut von Jim Watson entziffert worden, also sollte es nun eine Frau sein. Und mein Nachname – Kriek – klingt wie Crick, wenn man ihn englisch ausspricht. Damit waren Watson und Crick beisammen, die Entdecker der DNA-Doppelhelix. Das Ganze haben meine Chefs natürlich bei ein paar Drinks ersonnen – ich war nicht einmal dabei.
ZEIT Wissen: Und Sie haben einfach so mitgemacht?
Kriek: Nein. Ich habe erst mit meiner Familie gesprochen. Ich war zu dieser Zeit mit unserem ersten Kind schwanger. Deshalb war das sehr wichtig.
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ZEIT Wissen: Wenn Sie Ihr Erbgut veröffentlichen lassen, werden automatisch auch eine Menge genetischer Informationen über Ihre Mutter, Ihren Vater und Ihre Kinder publik. Haben Sie da nicht gezögert?
Kriek: Danach wurde ich später oft gefragt. Schließlich liegt jetzt auch die Hälfte des Genoms meiner Kinder im Schaufenster. Ich sage dann: Aber wir wissen nicht, welche Hälfte das ist. Es gibt schließlich auch einen Vater, der den zweiten Teil zu ihrem Erbgut beigesteuert hat.
ZEIT Wissen: Trotzdem hätten unangenehme Dinge herauskommen können!
Kriek: Natürlich. Ich habe mir die Gedanken gemacht, die sich jeder Mensch machen sollte, der sich auf so etwas einlässt. Es gibt viele monogene Krankheiten, die durch ein einziges defektes Gen ausgelöst werden. Zum Glück bin ich gesund geboren worden und bin jetzt, mit fast 40 Jahren, immer noch gesund. Ich musste mir also keine großen Sorgen machen – für mich sind höchstens genetische Veränderungen relevant, die erst später im Leben krank machen können. Mein Vater ist zum Beispiel mit 54 an Darmkrebs gestorben – also lag die Frage nahe: Habe ich von ihm vielleicht eine Mutation geerbt, die auch mich in Gefahr bringen könnte? Ich wollte das wissen, denn gegen ein genetisches Darmkrebsrisiko hätte ich etwas unternehmen können, etwa eine Darmspiegelung durchführen lassen.
»Mein Vater ist an Darmkrebs gestorben – also lag die Frage nahe: Habe ich von ihm vielleicht eine gefährliche Mutation geerbt?«
ZEIT Wissen: Es ist faszinierend, sich die eigenen Gene anzuschauen. Waren Sie nicht auch neugierig?
Kriek: Natürlich, ich bin eine klinische Genetikerin, ich glaube an Wissen, nicht an Ignoranz. Und ich fühlte mich natürlich geehrt.
ZEIT Wissen: Die Analysetechnik für Genomuntersuchungen wird immer schneller und billiger. Sind wir schon bereit, alle Menschen zu sequenzieren?
Kriek: Umfassende Genomanalysen werden in den nächsten Jahren kommen. Ich bin überzeugt, dass sie bald Teil der alltäglichen ärztlichen Praxis sind. Aber es sollte seine Gene nur entschlüsseln lassen, wer eine konkrete medizinische Frage hat: Woran leidet ein Kranker wirklich, bekommt er die richtigen Medikamente? Einfach so die Gene von gesunden Menschen zu entziffern, würde ich nicht empfehlen. Es ist übrigens immer noch ziemlich teuer.






Ich empfehle den Film "Gattaca", der auf einige mit der DNA Revolution zusammenhängende Problematiken sehr eindrücklich und unterhaltsam eingeht.
"Wenn man dies vieleicht überhaupt als Nachteil bezeichnen darf, den wen jeder alles von einem weis brauch ich keine Angst zu haben das etwas herauskommt. z.B. Kukukskinder, Straftaten etc."
Ja, es ist ein Nachteil, denn es gibt das Recht auf Privatsphäre. Ich möchte nicht, dass alle alles über mich wissen. Auch nicht, wenn er meine Gene gar nicht interpretieren kann.
Dazu kommt noch die Frage der Motivation, keine Straftaten zu begehen, die mir in Ihrer Argumentation sehr fragwürdig erscheint. Soll ich keine Straftaten begehen, weil das sonst jeder wissen könnte oder soll ich keine Straftaten begehen, weil es falsch ist, Straftaten zu begehen? Wer sich dem Ersteren hingezogen fühlt, handelt nur aus Angst vor Sanktionen und zeigt, dass er keine Skrupel hätte, Straftaten zu begehen, wenn er wüsste, er würde nicht erwischt. Wer Letzteres bevorzugt handelt treu seiner moralischen Prinzipien und die der Gesellschaft. Letzteres steht auf einer höheren Moralitätsstufe als Ersteres und wir alle sollten danach streben, so hoch wie möglich auf dieser speziellen Leiter zu stehen.
Ich befürworte DNS Tests, vorausgesetzt der Datenschutz wird entsprechend ausgearbeitet.
@Redaktion Es heißt nicht DNA im Deutschen, sondern DNS. DNS ist die englische Variante (a steht für acid - Säure). Auf der Tastatur liegt das a neben dem s, also sehe ich keinen Grund, auch noch eine Abkürzung zu einem Angliszismus zu machen. Als Fachbegriff ist die deutsche Variante ebenso gültig wie die englische.
Auf Wunsch des Users entfernt. Die Redaktion/ls
"Natürlich hatte diese Methode auch Nachteile. Wenn man dies vieleicht überhaupt als Nachteil bezeichnen darf, den wen jeder alles von einem weis brauch ich keine Angst zu haben das etwas herauskommt. z.B. Kukukskinder, Straftaten etc."
Ich glaube, dass Ihnen die Tragweite Ihrer Äußerung wirklich nicht bewußt ist. Stellen Sie sich einfach vor, dass etwa festgestellt werden würde, dass gewisse Straftatmuster mit gewissen Auffälligkeiten bei den Straftätern korellieren. Da ist das andere Zauberwort. Denn es geht eher um Wahrscheinlichkeiten, denn um festgezurrte Eindeutigkeiten, wie es manche oft suggerieren. Und möchten Sie in "Sippenhaft" genommen werden, wenn Sie dieselben Merkmale aufweisen, denn niemand wird jeh wissen, ob derjenige, der solche genetischen Merkmale aufweist auch eine solche Straftat jeh begehen würde....
würdet Ihr bitte Post Nummer 11 entfernen, hier habe ich zu schnell den Button gedrückt. ;-)
Ich finde, dass Frau Kriek die Chancen und Risiken gut dargestellt hat. Man sollte nicht zu ängstlich sein, sollte aber über genügend Wissen verfügen, um ethische Fragen beantworten zu können.
Im Moment ist die Genetik bei Wissenschaftlern in guter Hand, denn sie sind nicht persönlich daran interessiert. Sie wollen einfach nur lernen, wie der Mensch funktioniert. Wie das bei Privatpersonen und Ärzten aussieht, sei dahingestellt. Da müssten die späteren Anwender wohl noch geschult werden.
Das Thema Datenschutz ist natürlich zentral, auch das Thema Verantwortung. Kann ein Arzt oder Patient wirklich verantwortlich mit einer Information umgehen?
Ich glaube das Thema Retorten-Baby ist weniger relevant. Menschen, die jedes Kind annehmen würden, würden das auch mit Gen-Analyse tun. Die anderen kann und sollte man nicht zwingen.
Das Wort hat mittlerweile einen leicht gleichgültigen Unterton wie Pharmazeut, Lebensmitteltechniker, Botaniker, Handwerker oder Postbote.
Nur noch der Anspruch der Ausbildung scheint die Differenzierung darzustellen.
Keine linguistisch ehrwürdige, respektvolle Assoziation mehr zu Begriffen wie Schöpfer, Leben, Geist, Mensch, Würde ...
Eine Ansammlung les- und speicherbarer Informationen, beliebig variier- und manipulierbar.
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Ca. 85 Jahre nach der eintönigen und kostenintensiven Behandlung von DNA-Defekten:
"Guten Tag, schön Sie begrüßen zu dürfen.
Meine Assistentin berichtete mir, dass Sie Ihren Ro-botaniker wegen seiner Geräuschentwicklung, und dem ständigen Aufladen der Akkumulatoren lästig finden.
Sie wünschen sich nunmehr einen intellektuellen Gärtner, mit dem Sie über Platon philosophieren können, während Ihre Rosenbeete gepflegt werden?
Soll er zwei oder drei Arme haben?
Wir könnten für einen geringen Aufpreis eine kostengünstige Variante empfehlen, die mit erreichen des 30ten Lebensjahres mittels lizensiertem Infarkt die Betriebsrente erspart."
(*Satire off)
kleiner Scherz, sorry.
brueste abnehmen und ausräumen, weil die genetik veranlagungen fuer brustkrebs ausmacht. hier macht sich die genetik auch fuer verbrechen schuldig, da sie sich fuer wichtiger nimmt als sie ist, und scheinbare erbkrankeiten hauptsächlich der genanlagen zuschreibt.
wenn frau kriek das beispiel, beidseitige veranlagung der eltern fuer Mukoviszidose als grund nimmt z.b keine kinder zu zeugen, dann hat sie etwas grundlegendes ueber krankheiten nicht verstanden oder im interview verschwiegen
Am Ende haben das aber immer noch die Betroffenen zu entscheiden, was sie mit der Info machen. Die Genetik macht keinen Vorschlag für den Umgang oder die Behandlung. Die Genetik kann sich hier gar nicht schuldig machen, denn sie vertritt keine Moral. Es ist eine Wissenschaft, die einfach nur Dinge untersucht.
Die Moral kommt erst viel später ins Spiel und damit auch die Konsequenzen.
Am Ende haben das aber immer noch die Betroffenen zu entscheiden, was sie mit der Info machen. Die Genetik macht keinen Vorschlag für den Umgang oder die Behandlung. Die Genetik kann sich hier gar nicht schuldig machen, denn sie vertritt keine Moral. Es ist eine Wissenschaft, die einfach nur Dinge untersucht.
Die Moral kommt erst viel später ins Spiel und damit auch die Konsequenzen.
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