Glaubensforschung: Was wir von der Religion lernen können
Forscher und Philosophen entdecken die Vorteile religiösen Denkens – und wollen die besten Strategien in die Gesellschaft übertragen.
© Johannes Eisele/AFP/Getty images

Fans während des Viertelfinales der Fußballeuropameisterschaft 2012: Nirgendwo wird deutlicher, welche Bedeutung eine Ersatzreligion für Menschen haben kann.
Alain de Botton ist kein geborener Gläubiger, im Gegenteil. Der Sohn eines Schweizer Bankiers wuchs unter überzeugten Atheisten auf und hat früh gelernt, religiöse Gefühle »mit jener Art von Mitleid zu betrachten, die für gewöhnlich Menschen mit einer degenerativen Erkrankung vorbehalten ist«. Doch mit Mitte zwanzig ereilte ihn eine »Krise der Glaubenslosigkeit«, wie er gesteht. Ihm wurde klar, dass die großen Religionen nicht nur unglaubliche Behauptungen – etwa von der Existenz Gottes, der unbefleckten Empfängnis oder der Wiederauferstehung – hervorgebracht haben, sondern auch eine Vielzahl wertvoller Errungenschaften, die er nicht missen wollte – von religiös inspirierter Kunst über gemeinschaftsfördernde Rituale bis hin zu ethischen Wertmaßstäben.
Nun, im Alter von 42 Jahren, bekennt sich der in London lebende Philosoph und Schriftsteller offensiv zu seiner ambivalenten Haltung. »Religionen sind zu nützlich, wirksam und intelligent, als dass man sie den Religiösen allein überlassen sollte«, lautet das Credo seines Buches Religion for Atheists, das sich explizit an Ungläubige (wie ihn selbst) wendet. Denn weil diese in der Regel alles ablehnten, was auch nur entfernt an Religion erinnere, sei die moderne, säkulare Gesellschaft »unfairerweise verarmt«, diagnostiziert de Botton. Das beginne beim Verlust von Gemeinschaftserlebnissen, mache sich im Fehlen architektonischer Kraftzentren und Ruhezonen bemerkbar und reiche bis zum Mangel an effektiven Bewältigungsstrategien für seelische Nöte und unsere Angst vor dem Tod. In der modernen Warenwelt gebe es zwar »ein unübersehbares Angebot für das Bedürfnis nach einem Haarwaschmittel«, kritisiert der Philosoph, doch ausgerechnet »die Sorge um die wichtigsten Bedürfnisse« des Menschen liege heute oft in den Händen Einzelner.
Daher plädiert de Botton in seinem (bislang nur auf Englisch erschienenen) Buch dafür, die Religionen gleichsam zu »bestehlen« und die besten Strategien aus deren reichhaltigem Repertoire in die säkulare Gesellschaft zu übertragen. So schlägt er etwa »säkulare Tempel« vor, in denen man zur Ruhe kommen und die wesentlichen Fragen seines Lebens überdenken könne; oder er philosophiert über »Agape restaurants« (vom griechischen agape = Liebe), in denen nicht raffinierte Speisen, sondern die Begegnung und der Austausch mit Fremden im Zentrum stehen sollen. Denn gerade an solchen Begegnungen mangele es in unseren kalten Gesellschaften, und kaum etwas stärke das Zusammengehörigkeitsgefühl so sehr wie ein gemeinsames Essen (weshalb in der Frühzeit des Christentums das »Abend-Mahl« noch ein richtiges Essen war). Allerdings sollen dabei nicht die üblichen, oberflächlichen Unterhaltungen geführt werden (»Was arbeiten Sie?«, »Wo gehen Ihre Kinder zur Schule?«), sondern die wirklich relevanten Fragen des Menschseins zur Sprache kommen (»Was bedauern Sie?«, »Wovor haben Sie Angst?«, »Wem können Sie nicht vergeben?«).
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen
Natürlich rufen solche Vorschläge von allen Seiten Widerspruch hervor. Als de Botton erstmals »Tempel für Ungläubige« vorschlug, erhob sich prompt ein millionenfacher Proteststurm auf Facebook und Twitter. Hartgesottene Atheisten vermuteten dahinter eine perfide Strategie zur Rehabilitierung des Glaubens; überzeugte Christen wiederum argumentierten, ihre Religion sei doch bitte kein Selbstbedienungsladen, den man nach Belieben plündern dürfe.
Der vehemente Widerspruch beweist, dass de Botton einen Nerv trifft. Denn anders als viele bedient er nicht das übliche Schubladendenken, das in Sachen Religion entweder nur vehemente Ablehnung oder ebenso vehemente Zustimmung kennt. Im Gegensatz etwa zu dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins, der wortgewaltig gegen den »Gotteswahn« wettert und alles Religiöse als unwissenschaftlich verdammt, versucht de Botton, eine Brücke zwischen Gläubigen und Ungläubigen zu bauen und religiöse Rituale auch auf ihre positiven Seiten hin abzuklopfen.







...habe mir aber mal nur folgenden Satz als Vorlage genommen.
"Denn mit dem Verweis auf göttliche oder heilige Gebote ließen sich moralische Werte in einer Gemeinschaft sehr effektiv durchsetzen."
Wenn das "durchsetzen" von moralischen Werten liest sich ja wirklich klasse, ist aber nichts anderes als ein euphemismus für Intolleranz. Übersetzt heißt das nämlich nichts anderes als:
Wir grenzen aus, was wir als wiedernatürlich erachten!
Also Pech wenn du Schwul bist, oder es wagst dich von deinem Patner zu trennen, obwohl ihr doch vor Gott verheiratet seit.
Dabei werden die "moralischen Werte", die im grunde auf ein maximum an intolleranz aufbauen, gerne dann aufgegeben wenn es schwierig wird. Siehe z.B. Katholische Kirche im 2. Weltkrieg.
Auch gilt diese Moral selten für die obersten religiösen Führer, der Glaubensrichtung XY.
Dieser Artikel ist im übrigen voller euphemismen, die nur schwer zu ertragen sind. Dabei wird grundlegend durchaus eine Plausible These auf die Beine gestellt und argumentativ interesant unterfüttert.
Aber es fehlt eindeutig die Distanz zur Religion ansich.
Wenn ich schon lese das die Selbstheilungskräfte oftmals 50% des Heilungserfolges ausmachen (praktisch für die eigene Argumentation das man hier nicht großartig differenzieren muß) und die Wissenschaft die "leistungen" der Religionen anerkennt/anerkennen muß, lese ich nirgendwo was z.B. die Religion der Aufklräung und dem Humanismus zu verdanken hat.
MfG
>Das beginne beim Verlust von Gemeinschaftserlebnissen
Ich wünsche mir keine staatlich organisierten Gemeinschaftserlebnisse, denn diese werden vom Staat nur missbraucht. Auch heute noch, siehe Fussball-WMs usw.
Wer ein Gemeinschaftserlebnis will, muss es sich eben selbst organisieren, und das finde ich auch sehr gut so.
>mache sich im Fehlen architektonischer Kraftzentren
Was ist mit Museumsneubauten, Parks usw. Gibt es doch genug davon.
>Angst vor dem Tod
Als Atheist hat man keine Angst vor dem Totsein. Vielleicht vor dem schmerzhaften Prozess des Sterbens, aber da hat die Religion auch keine Hilfe anzubieten.
>»säkulare Tempel«
Christen gehen auch kaum mehr in die Kirche, anscheinend hält sich auch deren Bedürfnis in Grenzen. Warum sollten Atheisten dann diese Tempel brauchen?
>»Agape restaurants«
Kann man ja gerne machen, warum nicht. Warum gründet er nicht eins.
>Der vehemente Widerspruch beweist, dass de Botton einen Nerv trifft.
Sehr bequem. Vielleicht beweist er auch nur, dass viele seine Aussagen für Quatsch halten.
>dass uns der religiöse Glaube viel leichter fällt als das wissenschaftliche Denken.
Das "uns" stört mich. Mir und vielen anderen fällt Glaube so schwer, dass er uns unmöglich ist.
Als Atheist hat man keine Angst vor dem Totsein.
Echt? Und wie soll das daraus folgen, das man nicht an Gott glaubt?
Es gibt ganz unterschiedliche Atheisten (und ganz unterschiedliche Theisten), natürlich gibt es auch jede Menge Atheisten mit Angst vor dem Tod. Die Transhumanisten, die darauf hoffen irgendwann ihren Geist in eine Maschine hochladen zu können und damit faktisch unsterblich zu machen scheinen mir bspw. stark von einer Angst vor dem eigenen Tod getrieben.
Als Atheist hat man keine Angst vor dem Totsein.
Echt? Und wie soll das daraus folgen, das man nicht an Gott glaubt?
Es gibt ganz unterschiedliche Atheisten (und ganz unterschiedliche Theisten), natürlich gibt es auch jede Menge Atheisten mit Angst vor dem Tod. Die Transhumanisten, die darauf hoffen irgendwann ihren Geist in eine Maschine hochladen zu können und damit faktisch unsterblich zu machen scheinen mir bspw. stark von einer Angst vor dem eigenen Tod getrieben.
hunderte atheistischer Werte ein, die ich gerne auf religiöse Gesellschaften übertragen würde. Z.B., dass ein zweitausend Jahre altes Buch kein Grund ist, jemandem seine Grundrechte vorzuenthalten. Oder dass man aufpassen sollte, bevor man seine Kinder religiösen Autoritäten anvertraut ...
"Mir fallen gerade hunderte atheistischer Werte ein, die ich gerne auf religiöse Gesellschaften übertragen würde. Z.B., dass ein zweitausend Jahre altes Buch kein Grund ist, jemandem seine Grundrechte vorzuenthalten. Oder dass man aufpassen sollte, bevor man seine Kinder religiösen Autoritäten anvertraut ..."
Ich bin ja skeptisch, ob man diese Beispiele überhaupt als "Werte" bezeichnen kann. Schon deshalb, weil sie nicht positiv, sondern negativ formuliert sind. Sie formulieren keine erstrebenswerten Ziele, sondern Verhaltensregeln die Sie den (Ihnen offensichtlich mehr oder weniger verhassten) Anhängern religiösen Gesellschaften offenbar gerne aufzwängen würden. Zitat Wikipedia: "Werte sind ein zentraler Bestandteil vieler Verhaltensvorschriften, jedoch sind sie nicht selber Verhaltensvorschriften. Werte sind attraktiv, während Normen restriktiven Charakter haben."
Anyway: Die Tatsache, dass von den "hunderten atheistischen Werten", die Ihnen eben angeblich eingefallen sind, gerade diese (imho: eher drolligen) Beispiele offenbar für erwähnenswert halten, kann man auch als Indiz dafür nehmen, dass "Werte" vielleicht nicht gerade die typische atheistische Kernkompetenz sind.
"Mir fallen gerade hunderte atheistischer Werte ein, die ich gerne auf religiöse Gesellschaften übertragen würde. Z.B., dass ein zweitausend Jahre altes Buch kein Grund ist, jemandem seine Grundrechte vorzuenthalten. Oder dass man aufpassen sollte, bevor man seine Kinder religiösen Autoritäten anvertraut ..."
Ich bin ja skeptisch, ob man diese Beispiele überhaupt als "Werte" bezeichnen kann. Schon deshalb, weil sie nicht positiv, sondern negativ formuliert sind. Sie formulieren keine erstrebenswerten Ziele, sondern Verhaltensregeln die Sie den (Ihnen offensichtlich mehr oder weniger verhassten) Anhängern religiösen Gesellschaften offenbar gerne aufzwängen würden. Zitat Wikipedia: "Werte sind ein zentraler Bestandteil vieler Verhaltensvorschriften, jedoch sind sie nicht selber Verhaltensvorschriften. Werte sind attraktiv, während Normen restriktiven Charakter haben."
Anyway: Die Tatsache, dass von den "hunderten atheistischen Werten", die Ihnen eben angeblich eingefallen sind, gerade diese (imho: eher drolligen) Beispiele offenbar für erwähnenswert halten, kann man auch als Indiz dafür nehmen, dass "Werte" vielleicht nicht gerade die typische atheistische Kernkompetenz sind.
>große rote Pillen
Das ist nun aber etwas ganz und gar weltliches.
>Religion – entwicklungsgeschichtlich betrachtet – ein Erfolgsmodell ist.
Möglich, nur wollen wir diese Art von Erfolg heute überhaupt noch? Erfolg bedeutet heute, die Rechte des Einzelnen zu schützen und seine Bedürfnisse zu sichern. Nicht das Überleben einer Art zu sichern. Aus dem entwicklungsgeschichtlichen Erfolg der Religion folgt also ganz genau nichts.
>»Und solche Gruppen können größer werden und kooperativer zusammenarbeiten und damit erfolgreicher sein als andere im Wettbewerb um Ressourcen und Habitate«
Dito. Natürlich schweißt Religion (oder Ideologie) Gruppen zusammen, aber um den Preis der Unterdrückung des Einzelnen. Siehe Gottesstaaten usw.
>im Büro jene Art von Gemeinschaftserlebnis suchen
Möglich, aber die Antwort darauf muss nicht die Wiedereinführung der Religion sein. Die betreffenden Personen könnten auch einfach in irgendeinen Verein eintreten. Workaholic-Problem gelöst.
>schon gar nicht mit jenen verbunden, für die unsere Steuern
>»saubere Wäsche, Suppe, ein Dach über dem Kopf oder die
>tägliche Dosis Insulin«
Ich bin mir sehr wohl bewusst, wofür das Geld benutzt wird, das die KV jeden Monat vom Konto einzieht. Und nur deshalb kann ich das als Junger und Gesunder auch akzeptieren.
Klingt genau so falsch wie „Raubkopie“ oder „ReligionsFreiheit“.
Aber gut, man kann es ja mal lesen.
Das kommt mir auch so vor.
Ich stoße mich auch an Sätzen wie
"Im Gegensatz etwa zu dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins, der wortgewaltig gegen den »Gotteswahn« wettert und alles Religiöse als unwissenschaftlich verdammt,[...]".
Tatsächlich differenziert Dawkins gleich am Anfang seiner Buches zwischen "Religiosität" und "Spiritualität". Mit letzterem beschreibt er (ganz ohne es abzulehnen) im Wesentlichen das, dessen Vorzüge auch de Botton beschreibt.
Natürlich kann man die Begriffe auch anders benutzen. Eine klare Differenzierung zwischen Tatsachenbehauptungen (für die wissenschaftlichen Standards angemessen sind) und Brauchtum (im weitesten Sinne), das eher eine Frage von Stil, Geschmack und auch unserer psychologischen Disposition ist, scheint mir bei dem Thema aber schon angebracht.
Kahnemann scheint mir auch verkürzt wiedergegeben. Er betont in seinem Buch nämlich ausdrücklich, dass natürlich das "schnelle" und das "langsame" Denken ihre Berechtigung haben und möchte dafür sensibilisieren, wann das Eine und wann das Andere angebracht ist (insbesondere, in welchen Fällen uns das "schnelle Denken" in die Irre führt, weil unsere Intuition halt nicht für jede Situation gewappnet ist).
Das kommt mir auch so vor.
Ich stoße mich auch an Sätzen wie
"Im Gegensatz etwa zu dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins, der wortgewaltig gegen den »Gotteswahn« wettert und alles Religiöse als unwissenschaftlich verdammt,[...]".
Tatsächlich differenziert Dawkins gleich am Anfang seiner Buches zwischen "Religiosität" und "Spiritualität". Mit letzterem beschreibt er (ganz ohne es abzulehnen) im Wesentlichen das, dessen Vorzüge auch de Botton beschreibt.
Natürlich kann man die Begriffe auch anders benutzen. Eine klare Differenzierung zwischen Tatsachenbehauptungen (für die wissenschaftlichen Standards angemessen sind) und Brauchtum (im weitesten Sinne), das eher eine Frage von Stil, Geschmack und auch unserer psychologischen Disposition ist, scheint mir bei dem Thema aber schon angebracht.
Kahnemann scheint mir auch verkürzt wiedergegeben. Er betont in seinem Buch nämlich ausdrücklich, dass natürlich das "schnelle" und das "langsame" Denken ihre Berechtigung haben und möchte dafür sensibilisieren, wann das Eine und wann das Andere angebracht ist (insbesondere, in welchen Fällen uns das "schnelle Denken" in die Irre führt, weil unsere Intuition halt nicht für jede Situation gewappnet ist).
Für mich ist das nicht neu. Ich bin zwar Atheist, aber -nennen wir es mal - logisch religiös aufgewachsen.
Dass Religion vielen Menschen hilft, sich zu orientieren ist kein Geheimnis. Wenn man nicht mehr weiter weiß, kann man sich an Gott wenden. Viele Menschen vergessen darüber hinaus jedoch, dass Religion nicht unfehlbar und eigenes Nachdenken gefordert ist. So können z.B. menschl. Probleme nicht durch Doktrinen gelöst werden.
Religiöse Überzeugungen sind etwas sehr emotionales und Emotionen sind ja gut, sie sollten nur nicht die Logik ausblenden. Bei den zwischenmenschl. Themen treffen sie meist ganz gut: "Liebe deinen nächsten, wie dich selbst." oder "wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". Bei Gesetzen möchte ich mich aber doch lieber an kalt-logische Methodik halten und nicht an: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
„Dennoch müssen selbst hartgesottene Evolutionsbiologen konstatieren, dass die Religion – entwicklungsgeschichtlich betrachtet – ein Erfolgsmodell ist.“
Wie bitte?
Erinnern wir uns mal kurz an die Epoche in unserem Kulturkreis, als Religion den größten gesellschaftlichen Einfluss hatte – das Mittelalter (oder auch „the dark ages“). Als die Menschen auf dem Scheiterhaufen, im Kreuzzug oder an der Pest starben. Als wir uns, von Despoten und Kirchenfürsten unterjocht, auf Gottes Hilfe allein verließen. Klingt eher nach einem Flop.
Alain de Botton, Robert McCauley, und insbesondere der Autor dieses Artikels sollten vorsichtig mit ihren Rufen nach den vermeintlichen Vorzügen der Religion sein. Sie hatte ein Millenium, sich zu beweisen, und ich bin froh nicht darin gelebt zu haben.
"Mir fallen gerade hunderte atheistischer Werte ein, die ich gerne auf religiöse Gesellschaften übertragen würde. Z.B., dass ein zweitausend Jahre altes Buch kein Grund ist, jemandem seine Grundrechte vorzuenthalten. Oder dass man aufpassen sollte, bevor man seine Kinder religiösen Autoritäten anvertraut ..."
Ich bin ja skeptisch, ob man diese Beispiele überhaupt als "Werte" bezeichnen kann. Schon deshalb, weil sie nicht positiv, sondern negativ formuliert sind. Sie formulieren keine erstrebenswerten Ziele, sondern Verhaltensregeln die Sie den (Ihnen offensichtlich mehr oder weniger verhassten) Anhängern religiösen Gesellschaften offenbar gerne aufzwängen würden. Zitat Wikipedia: "Werte sind ein zentraler Bestandteil vieler Verhaltensvorschriften, jedoch sind sie nicht selber Verhaltensvorschriften. Werte sind attraktiv, während Normen restriktiven Charakter haben."
Anyway: Die Tatsache, dass von den "hunderten atheistischen Werten", die Ihnen eben angeblich eingefallen sind, gerade diese (imho: eher drolligen) Beispiele offenbar für erwähnenswert halten, kann man auch als Indiz dafür nehmen, dass "Werte" vielleicht nicht gerade die typische atheistische Kernkompetenz sind.
Ich gebe Ihnen hinsichtlich ihrer Differenzierung zwischen Normen und Werten nicht einmal unrecht. Daraus aber abzuleiten, dass der Gläubige vor allem Werte kennt - positive Verhaltensweisen, die aus einer gewissen Weltsicht heraus erstrebenswert sind, deren Nichtbefolgen aber nicht sanktioniert wird - und der Atheist Normen, die er Anderen unter Sanktionsdrohung aufzwingen möchte, ist grundlegend falsch.
Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten religiösen Werte haben in ihren transzendent-religiösen Kontext - bzw. im moralischen Selbstverständnis eines Gläubigen - einen normativen Charakter. Die Gläubigen handeln nicht aus einer immanenten, von jeglicher Funktion und von jeglichem persönlichen Nutzen befreiten moralischen Position heraus - sondern weil sie einer transzendierten Sanktionsdrohung ausgesetzt sind. Dieses immerwährende Gefühl der Überwachung ist der Grund warum religiöse und vor allem monotheistische Gesellschaften homogener, disziplinierter und normenorientierter (gewissermaßen autoritärer) waren als andere Gesellschaften und somit lange Zeit einen Evolutionsvorteil hatten. Ebenso ist es nicht verwunderlich, dass totalitäre Systeme dazu neigten, dem Staat und/oder dem Führer einen quasireligiösen Anstrich zu verleihen - die Vorteile hinsichtlich Bevölkerungskontrolle sind evident.
Ich gebe Ihnen hinsichtlich ihrer Differenzierung zwischen Normen und Werten nicht einmal unrecht. Daraus aber abzuleiten, dass der Gläubige vor allem Werte kennt - positive Verhaltensweisen, die aus einer gewissen Weltsicht heraus erstrebenswert sind, deren Nichtbefolgen aber nicht sanktioniert wird - und der Atheist Normen, die er Anderen unter Sanktionsdrohung aufzwingen möchte, ist grundlegend falsch.
Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten religiösen Werte haben in ihren transzendent-religiösen Kontext - bzw. im moralischen Selbstverständnis eines Gläubigen - einen normativen Charakter. Die Gläubigen handeln nicht aus einer immanenten, von jeglicher Funktion und von jeglichem persönlichen Nutzen befreiten moralischen Position heraus - sondern weil sie einer transzendierten Sanktionsdrohung ausgesetzt sind. Dieses immerwährende Gefühl der Überwachung ist der Grund warum religiöse und vor allem monotheistische Gesellschaften homogener, disziplinierter und normenorientierter (gewissermaßen autoritärer) waren als andere Gesellschaften und somit lange Zeit einen Evolutionsvorteil hatten. Ebenso ist es nicht verwunderlich, dass totalitäre Systeme dazu neigten, dem Staat und/oder dem Führer einen quasireligiösen Anstrich zu verleihen - die Vorteile hinsichtlich Bevölkerungskontrolle sind evident.
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