Glaube "Diese Erfahrung ist universell"

Auch Atheisten kennen die Erfahrung der Selbsttranszendenz. Sie deuten diese nur anders als religiöse Menschen.

ZEIT Wissen: Herr Joas, glauben Sie?

Hans Joas: Ja.

ZEIT Wissen: Woran?

Joas: Ich dachte, Sie reden vom christlichen Glauben. An eine Erdgöttin glaube ich jedenfalls nicht.

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ZEIT Wissen: Was ist das überhaupt, Glauben?

Joas: Ein sehr starkes Gefühl von Gewissheit und Vertrauen. Wir müssen unterscheiden zwischen der umgangssprachlichen Verwendung von »Glauben« im Sinne eines Nicht-ganz-sicher-Wissens und religiösem »Glauben« im Sinne einer solchen Haltung des Vertrauens und der Gewissheit vor aller Reflexion.

Hans Joas

ist einer der profiliertesten Soziologen in Deutschland. Nach Professuren in Erlangen, Berlin und Erfurt ist der 64-Jährige nun Permanent Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies und Professor an der University of Chicago. Im Sommersemester 2012 hatte Joas als erster Wissenschaftler die neu geschaffene Gastprofessur der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung an der Universität Regensburg inne. Sein jüngstes Buch Glaube als Option erschien im Juni im Herder Verlag.

ZEIT Wissen: Wenn ich jetzt sage: Ich glaube nicht – habe ich etwas falsch gemacht?

Joas: So würde ich nie reden. Auch der militanteste Atheist weiß ja, was ein tief sitzendes Vertrauensgefühl ist. Wir alle würden seelisch zusammenbrechen, hätten wir nicht Erfahrungen der Geborgenheit bei anderen Menschen. Solche Erfahrungen, die fundamentale Gewissheiten konstituieren, sind allen Menschen zugänglich. Von da aus ist der Zugang zum Glauben im anspruchsvolleren Sinn zu bahnen.

ZEIT Wissen: Es ist also kein Bezug auf Gott oder Jesus Christus oder sonst wen nötig, um zu glauben?

Joas: Zunächst einmal nicht, wenn wir alle Arten des Glaubens einbeziehen wollen. Die fundamentale Erfahrung, von der ich spreche, nenne ich Selbsttranszendenz. Das soll ein bloß beschreibender psychologischer Begriff sein, weit entfernt noch von Transzendenz im Sinne eines Über-Irdischen. Selbsttranszendenz heißt: Wir werden aus den Grenzen unseres Selbst herausgerissen, indem wir einer starken, uns anziehenden Kraft begegnen.

ZEIT Wissen: In Ihrem neuen Buch Glaube als Option vertreten Sie die These, dass der christliche Glaube heute nur noch eine »Glaubensmöglichkeit« neben vielen anderen ist. Heißt das, dass ich auch als Ungläubiger selbsttranszendente Erfahrungen machen kann?

Joas: Selbstverständlich. Diese Erfahrung ist universell. So wie auch Liebesgefühle zum anthropologischen Grundbestand gehören. Es gibt ja keinen Menschen, der nicht wüsste, was Gefühle der Liebe sind. Alle Menschen haben Zugang zu diesen Erfahrungen. Sie deuten sie innerhalb ihres kulturellen Raums freilich höchst unterschiedlich.

ZEIT Wissen 1/2013
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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ZEIT Wissen: Steht das Gefühl der Selbsttranszendenz in meiner Macht, oder widerfährt es mir?

Joas: Es ist wie mit der Kreativität: Ich kann sie nicht erzwingen. Inspiration ist auch nicht steuerbar, sondern die Erfahrung, dass ein Geist in mich fährt. Konkreter: Wenn ich ein Problem kreativ lösen will, brauche ich eine spezifische Form der Entspannung bei gleichzeitiger Konzentration auf die Situation. Ich muss mich zugleich distanzieren und öffnen können für eigene neue Impulse und neue Wahrnehmungen der Welt.

ZEIT Wissen: Kann man die Erfahrung der Selbsttranszendenz nicht auch im Fußballstadion machen oder bei einem Konzert? Wann kommt die Religion ins Spiel?

Joas: Tatsächlich gehören solche kollektiven Formen der Selbsttranszendenz für viele zu den intensivsten Erfahrungen überhaupt. Religionen offerieren für Erfahrungen der Selbsttranszendenz ein bestimmtes Repertoire an Deutungen. Atheisten halten genau diese Deutungen für Illusionen. Was wir brauchen, ist eine Auseinandersetzung über die Deutung von Erfahrungen, die wir teilen. Vorbei ist es dann mit dem Eindruck, Gläubige hätten ein Geheimwissen, das Nichtgläubigen prinzipiell verschlossen sei.

ZEIT Wissen: Religionen stellen aber Rahmen bereit, um bestimmte Erfahrungen erst zu machen – etwa Räume der Stille oder Meditationen im Kloster.

Joas: Erfahrungen der Selbsttranszendenz können einen völlig unerwartet überkommen, wie etwa das Sich-Verlieben in der ersten Minute einer Begegnung oder das Überwältigtwerden vom Mitleid mit einem anonymen anderen. Später merkt man dann allerdings oft, dass eine gewisse Stimmung bereits vorhanden war, die es in einer anderen Lebenslage nicht gegeben hat. Es ist aber völlig richtig: Religionen schaffen einen Raum, der Erfahrungen der Selbsttranszendenz ermöglicht. Jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen heißt für den Katholiken ja nicht, dass er immer eine sein Selbst mitreißende Erfahrung macht, sondern dass er diese bestimmte Erfahrung garantiert nicht machen wird, wenn er nicht geht.

Leser-Kommentare
  1. 17. Geoheft

    „Ich würde auch nicht das Wort Glauben so aus der Definition reißen. Mir scheint es eher, dass Glauben mit Vertrauen hier verwechselt wird. Und Vertrauen erlangt man dadurch, wenn man auch Taten zeigt, die dem anderen dies als Wahrheit beweisen.“
    Ich kann nur jedem (Atheist, Agnostiker, Muslim etc) empfehlen einen Blick in das Heft GEOthema 03 zu werfen. Aus dem Kontext gerissen, aber dennoch eine Antwort auf „Glaube wird mit Vertrauen verwechselt“: Der Mensch glaubt, weil er vertraut.
    Vertrauen erlangt man nicht grundsätzlich dadurch, dass erst etwas „bewiesen“ werden muss – wie stellt man sich denn den Anfang einer Beziehung zweier Menschen vor? Man vertraut, nach 25 Jahren Ehe kann man „glauben“, dass der Partner immer treu war. Man hat ihm vertraut. Die Wahrheit aber bekommen manche Eheleute nie raus, und? Sie sind trotzdem glücklich, weil sie vertrauen.

    5 Leser-Empfehlungen
    • Hamsi
    • 04.12.2012 um 14:37 Uhr

    An der Stelle frage ich mich allerdings, wie Sie Wissen definieren. Meinen Sie mit Wissen das, was man über Jahre durch seine Umgebung und durch die eigenen Erlebnisse vermittelt bekommt und was sich letztendlich in den eigenen Vorstellungen von der Welt manifestiert? Oder verstehen Sie unter Wissen wissenschaftlich geprüfte Theorien? Im ersten Fall dürften Sie recht haben, im zweiten Fall nicht, denn eine Theorie gilt nur solange, bis sie widerlegt wird. Manche Dinge, die man zu wissen glaubt, erweisen sich nach einer gründlichen Untersuchung als falsch. Für die Wissenschaft ist das kein Problem, der Bereich wird dann eben weiter erforscht, für eine Kirche kann dies zum Problem werden, wenn wichtige Glaubensgrundsätze sich als falsch erweisen.

    Ich persönlich hatte seit meiner Kindheit den Glauben, dass es Gott nicht gibt. Ich fand es absurd, mit einem unsichtbaren Wesen Gespräche zu führen und fand die Versuche von Verwandten und Schule (*hüstel* katholische Mädchenrealschule *hüstel*), mich durch häufige und lange Kirchenbesuche umzuprogrammieren eher lästig. Und ich vertrau lieber auf die Natur und ihre Gesetze, als auf unsichtbare Wesen, deren Existenz sich aus dem Bibelmärchenbuch entnehmen lässt.

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    Ich würde den Begriff des Wissens nicht so trennen, denn letztlich kann man all das, was man als Erkenntnisse akzeptiert, als Wissen bezeichnen. Ob sich dieses Wissen irgendwann verändert, was eigentlich alles Wissen tut oder nicht, spielt dabei kaum eine Rolle. Es bleibt aber dennoch Wissen.
    Wissen, im Sinne von --- in Form gebtrachte Informationen ---, die so!!!! als existent akzeptiert weden.

    Ansonsten sehe ich Ihre Gedanken ähnlich, wobei ich mich nicht auf die Natur begrenzen möchte, sondern all das einbeziehe, was ist und nicht ist....

    Ich würde den Begriff des Wissens nicht so trennen, denn letztlich kann man all das, was man als Erkenntnisse akzeptiert, als Wissen bezeichnen. Ob sich dieses Wissen irgendwann verändert, was eigentlich alles Wissen tut oder nicht, spielt dabei kaum eine Rolle. Es bleibt aber dennoch Wissen.
    Wissen, im Sinne von --- in Form gebtrachte Informationen ---, die so!!!! als existent akzeptiert weden.

    Ansonsten sehe ich Ihre Gedanken ähnlich, wobei ich mich nicht auf die Natur begrenzen möchte, sondern all das einbeziehe, was ist und nicht ist....

  2. Das, was Religion für viele sinnstifftend werden lässt sind ja gerade die Rituale. Die evangelische Kirche ist dagegen total verkopft und damit aber erst recht überflüssig. Weil rational betrachtet die ganze Religion keinen Sinn ergibt.

    Die Unterscheidung zwischen nichtchristlich und christlich ist generell sehr rührend. Die Wüstenreligionen Judentum, Christentum und Islam (in der Reihenfolge ihrer Entstehung) haben natürlich Wurzeln in früherem Brauchtum und Religion. Religiöse wollen das natürlich nicht sehen, weil es die Grundlage ihres Weltbildes zerstören würde.

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    Antwort auf "Moderne Kirche"
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    " Die Wüstenreligionen Judentum, Christentum und Islam (in der Reihenfolge ihrer Entstehung) haben natürlich Wurzeln in früherem Brauchtum und Religion. Religiöse wollen das natürlich nicht sehen, weil es die Grundlage ihres Weltbildes zerstören würde."

    Ziemlich arrogant, diese Unterstellung. Und zudem nicht zutreffend. Natürlich haben die Wüstenreligionen Bräuche früherer Religionen integriert, nur Fundamentalisten würden dies bestreiten. Alle anderen stört dies überhaupt nicht. Das Fest der Geburt Jesu z. B. in die Zeit der Wintersonnenwende zu legen, macht doch Sinn, auch wenn niemand weiß, wann er geboren wurde. Hier geht es um Symbolik.

    Die evangelische Kirche mag in Ihren Augen zu verkopft und überflüssig sein, in meinen Augen ist sie es ganz und gar nicht. Die unbedingte Staatstreue gehört zum Glück der Vergangenheit an, Protestanten sind in ihrem Glaubensverständnis sehr viel moderner als die katholische Kirche.

    Weder Atheisten noch Religiöse haben die Weishaeit gepachtet, vielleicht können wir uns darauf verständigen.
    Gegenseitiges Niedermachen ist unproduktiv und macht schlechte Stimmung. :)

    "Die evangelische Kirche ist dagegen total verkopft und damit aber erst recht überflüssig. Weil rational betrachtet die ganze Religion keinen Sinn ergibt."

    Der reformierende Gedanke hinter Luther ist Ihnen aber bekannt, oder? Die evangelische Kirche versucht sich im Gegensatz zur katholischen Kirche durch den Glauben zu definieren und nicht - wie die katholische Kirche es eben tut - durch Reichtümer und Päpste. Die evangelische Kirche rückbesinnt sich auf den Ursprung, auf den Glauben an Jesus und nicht auf den Glauben an noch zwanzig andere "Heilige" etc.

    Sie sollten die Kirche im Dorf lassen, wenn Sie nur über Halbwissen vergügen.

    " Die Wüstenreligionen Judentum, Christentum und Islam (in der Reihenfolge ihrer Entstehung) haben natürlich Wurzeln in früherem Brauchtum und Religion. Religiöse wollen das natürlich nicht sehen, weil es die Grundlage ihres Weltbildes zerstören würde."

    Ziemlich arrogant, diese Unterstellung. Und zudem nicht zutreffend. Natürlich haben die Wüstenreligionen Bräuche früherer Religionen integriert, nur Fundamentalisten würden dies bestreiten. Alle anderen stört dies überhaupt nicht. Das Fest der Geburt Jesu z. B. in die Zeit der Wintersonnenwende zu legen, macht doch Sinn, auch wenn niemand weiß, wann er geboren wurde. Hier geht es um Symbolik.

    Die evangelische Kirche mag in Ihren Augen zu verkopft und überflüssig sein, in meinen Augen ist sie es ganz und gar nicht. Die unbedingte Staatstreue gehört zum Glück der Vergangenheit an, Protestanten sind in ihrem Glaubensverständnis sehr viel moderner als die katholische Kirche.

    Weder Atheisten noch Religiöse haben die Weishaeit gepachtet, vielleicht können wir uns darauf verständigen.
    Gegenseitiges Niedermachen ist unproduktiv und macht schlechte Stimmung. :)

    "Die evangelische Kirche ist dagegen total verkopft und damit aber erst recht überflüssig. Weil rational betrachtet die ganze Religion keinen Sinn ergibt."

    Der reformierende Gedanke hinter Luther ist Ihnen aber bekannt, oder? Die evangelische Kirche versucht sich im Gegensatz zur katholischen Kirche durch den Glauben zu definieren und nicht - wie die katholische Kirche es eben tut - durch Reichtümer und Päpste. Die evangelische Kirche rückbesinnt sich auf den Ursprung, auf den Glauben an Jesus und nicht auf den Glauben an noch zwanzig andere "Heilige" etc.

    Sie sollten die Kirche im Dorf lassen, wenn Sie nur über Halbwissen vergügen.

  3. " Die Wüstenreligionen Judentum, Christentum und Islam (in der Reihenfolge ihrer Entstehung) haben natürlich Wurzeln in früherem Brauchtum und Religion. Religiöse wollen das natürlich nicht sehen, weil es die Grundlage ihres Weltbildes zerstören würde."

    Ziemlich arrogant, diese Unterstellung. Und zudem nicht zutreffend. Natürlich haben die Wüstenreligionen Bräuche früherer Religionen integriert, nur Fundamentalisten würden dies bestreiten. Alle anderen stört dies überhaupt nicht. Das Fest der Geburt Jesu z. B. in die Zeit der Wintersonnenwende zu legen, macht doch Sinn, auch wenn niemand weiß, wann er geboren wurde. Hier geht es um Symbolik.

    Die evangelische Kirche mag in Ihren Augen zu verkopft und überflüssig sein, in meinen Augen ist sie es ganz und gar nicht. Die unbedingte Staatstreue gehört zum Glück der Vergangenheit an, Protestanten sind in ihrem Glaubensverständnis sehr viel moderner als die katholische Kirche.

    Weder Atheisten noch Religiöse haben die Weishaeit gepachtet, vielleicht können wir uns darauf verständigen.
    Gegenseitiges Niedermachen ist unproduktiv und macht schlechte Stimmung. :)

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    Antwort auf "modern oder eher arm?"
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    Aber ich habe einfach ein Problem damit, dass Religiöse ihre eigene Religion meist für etwas gaaanz anderes halten, als den finsteren Aberglauben, den andere für richtig ansehen.

    Und der Mensch schuf Gott - so sehe ich es. Religionen sind Kulturerzeugnisse, die in jeweils spezifischen historischen und gesellschaftlichen Kontexten entstanden sind. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Womit ich nicht sagen will, dass nicht der Einzelne Trost und Halt in Religion finden kann. Diese Tatsache ist aber kein Beleg für den Realitätsgehalt von Religion.

    "Ziemlich arrogant, diese Unterstellung. Und zudem nicht zutreffend. Natürlich haben die Wüstenreligionen Bräuche früherer Religionen integriert, nur Fundamentalisten würden dies bestreiten. Alle anderen stört dies überhaupt nicht. Das Fest der Geburt Jesu z. B. in die Zeit der Wintersonnenwende zu legen, macht doch Sinn, auch wenn niemand weiß, wann er geboren wurde. Hier geht es um Symbolik."

    ... und das bereits die alten Ägypter einen Gott hatten, der 12 Jünger hatte, Blinde heilte und übers Wasser ging, dass es im Zweitstromland schon LANGE Geschichten gab die von einer großen Flut erzählten und von einem der je zwei auf ein Schiff, und und und ... naja, alles Nebensächlichkeiten, wenn man das alte Märchenbuch so auseinandernehmen kann, ändert das nichts am Glauben und seiner "Glaubwürdigkeit"? Nur blöd, dass der Glauben und seine Religionen (imo die wahre Wurzel allen Übels) genau auf diesen Geschichten aufbauen.

    Aber ich habe einfach ein Problem damit, dass Religiöse ihre eigene Religion meist für etwas gaaanz anderes halten, als den finsteren Aberglauben, den andere für richtig ansehen.

    Und der Mensch schuf Gott - so sehe ich es. Religionen sind Kulturerzeugnisse, die in jeweils spezifischen historischen und gesellschaftlichen Kontexten entstanden sind. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Womit ich nicht sagen will, dass nicht der Einzelne Trost und Halt in Religion finden kann. Diese Tatsache ist aber kein Beleg für den Realitätsgehalt von Religion.

    "Ziemlich arrogant, diese Unterstellung. Und zudem nicht zutreffend. Natürlich haben die Wüstenreligionen Bräuche früherer Religionen integriert, nur Fundamentalisten würden dies bestreiten. Alle anderen stört dies überhaupt nicht. Das Fest der Geburt Jesu z. B. in die Zeit der Wintersonnenwende zu legen, macht doch Sinn, auch wenn niemand weiß, wann er geboren wurde. Hier geht es um Symbolik."

    ... und das bereits die alten Ägypter einen Gott hatten, der 12 Jünger hatte, Blinde heilte und übers Wasser ging, dass es im Zweitstromland schon LANGE Geschichten gab die von einer großen Flut erzählten und von einem der je zwei auf ein Schiff, und und und ... naja, alles Nebensächlichkeiten, wenn man das alte Märchenbuch so auseinandernehmen kann, ändert das nichts am Glauben und seiner "Glaubwürdigkeit"? Nur blöd, dass der Glauben und seine Religionen (imo die wahre Wurzel allen Übels) genau auf diesen Geschichten aufbauen.

  4. "Ich würde in einem vom Säkularismus geprägten Zeitalter jeder Religionsgemeinschaft raten, die Existenz anderer Religionen grundsätzlich zu begrüßen. Gerade die Kirchen sollten für Religionsfreiheit und Pluralismus eintreten – und zwar aus religiösen Gründen."

    Ich erlaube mir an dieser Stelle lautes Gelächter.

    Wer die Existenz anderer Religionen grundsätzlich begrüßt, hat keine Einrichtungen wie z.B. die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, die sich mittlerweile zur geheimen Gesinnungspolizei entwickelt hat (die katholische Kirche hat eine analoge Einrichtung, die nicht wesentlich besser ist).

    Der Bundesgerichtshof mußte bereits einschreiten und die Amtskirchen bremsen (http://www.welt.de/print-...).

    Nichtsdestotrotz pflegt die EZW ihre kleinen Register, in denen von A wie Atheismus bis Z wie Zeugen Jehovas beinahe jede abweichende religiöse Gesinnung zur Gefahr für das christliche Seelenheil erklärt wird.

    Mit derartigen Institutionen KANN es niemals echten Pluralismus geben. Es ist höchste Zeit, daß die Kirchenmitglieder selbst Einrichtungen wie diese kritisieren.

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  5. Aber ich habe einfach ein Problem damit, dass Religiöse ihre eigene Religion meist für etwas gaaanz anderes halten, als den finsteren Aberglauben, den andere für richtig ansehen.

    Und der Mensch schuf Gott - so sehe ich es. Religionen sind Kulturerzeugnisse, die in jeweils spezifischen historischen und gesellschaftlichen Kontexten entstanden sind. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Womit ich nicht sagen will, dass nicht der Einzelne Trost und Halt in Religion finden kann. Diese Tatsache ist aber kein Beleg für den Realitätsgehalt von Religion.

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    "Aber ich habe einfach ein Problem damit, dass Religiöse ihre eigene Religion meist für etwas gaaanz anderes halten, als den finsteren Aberglauben, den andere für richtig ansehen."

    Also man könnte mich durchaus als religiös bezeichnen, dennoch teile ich Ihre Abneigung gegen Aberglauben.

    Man hängt als Gläubiger aber nicht zwangsläufig auch einem Aberglauben an. Religion und Wissenschaft sind nicht unvereinbar.

    Ich sehe es sogar als Gewinn an, daß ich mich dank Wissenschaft mit antiquierten Anschauungen gar nicht erst beschäftigen muß, oder daß ich außergewöhnlichere Erfahrungen nicht romantisch-religiös in unendliche Höhen verbräme, sondern sie von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus objektiv analysieren kann.

    Vor allem aber erachte ich es als Bereicherung, daß Wissenschaft religiöse Dogmen als unrichtig entlarvt und der eigenen Reflexion völlig neue Pfade eröffnet.

    zu früh Enter gedrückt.
    Das is eine gewagte, wenn auch logische These.
    Ich meine wer weiß denn, ob die Menschen sich etwas ausgedacht haben was sie brauchten oder ob sie sich etwas ausdachten weil sie es brauchten.
    Kleiner verwirrender Denkansatz, soll bedeuten, dass entweder der Glaube, ausgedacht, notwendig war als Stütze, oder aber der Glaube vorhanden war und der Mensch sich nur ausdachte wie er ihn am besten beschreibt.
    (letzters ist meine eigene These)
    irgendwo hab ich mal diese Worte aufgegriffen "Der Mensch kann nur aus dem schöpfen was er schon kennt."
    in diesem Sinne noch nen angenehmen Tag ^^

    "Aber ich habe einfach ein Problem damit, dass Religiöse ihre eigene Religion meist für etwas gaaanz anderes halten, als den finsteren Aberglauben, den andere für richtig ansehen."

    Also man könnte mich durchaus als religiös bezeichnen, dennoch teile ich Ihre Abneigung gegen Aberglauben.

    Man hängt als Gläubiger aber nicht zwangsläufig auch einem Aberglauben an. Religion und Wissenschaft sind nicht unvereinbar.

    Ich sehe es sogar als Gewinn an, daß ich mich dank Wissenschaft mit antiquierten Anschauungen gar nicht erst beschäftigen muß, oder daß ich außergewöhnlichere Erfahrungen nicht romantisch-religiös in unendliche Höhen verbräme, sondern sie von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus objektiv analysieren kann.

    Vor allem aber erachte ich es als Bereicherung, daß Wissenschaft religiöse Dogmen als unrichtig entlarvt und der eigenen Reflexion völlig neue Pfade eröffnet.

    zu früh Enter gedrückt.
    Das is eine gewagte, wenn auch logische These.
    Ich meine wer weiß denn, ob die Menschen sich etwas ausgedacht haben was sie brauchten oder ob sie sich etwas ausdachten weil sie es brauchten.
    Kleiner verwirrender Denkansatz, soll bedeuten, dass entweder der Glaube, ausgedacht, notwendig war als Stütze, oder aber der Glaube vorhanden war und der Mensch sich nur ausdachte wie er ihn am besten beschreibt.
    (letzters ist meine eigene These)
    irgendwo hab ich mal diese Worte aufgegriffen "Der Mensch kann nur aus dem schöpfen was er schon kennt."
    in diesem Sinne noch nen angenehmen Tag ^^

  6. "Ziemlich arrogant, diese Unterstellung. Und zudem nicht zutreffend. Natürlich haben die Wüstenreligionen Bräuche früherer Religionen integriert, nur Fundamentalisten würden dies bestreiten. Alle anderen stört dies überhaupt nicht. Das Fest der Geburt Jesu z. B. in die Zeit der Wintersonnenwende zu legen, macht doch Sinn, auch wenn niemand weiß, wann er geboren wurde. Hier geht es um Symbolik."

    ... und das bereits die alten Ägypter einen Gott hatten, der 12 Jünger hatte, Blinde heilte und übers Wasser ging, dass es im Zweitstromland schon LANGE Geschichten gab die von einer großen Flut erzählten und von einem der je zwei auf ein Schiff, und und und ... naja, alles Nebensächlichkeiten, wenn man das alte Märchenbuch so auseinandernehmen kann, ändert das nichts am Glauben und seiner "Glaubwürdigkeit"? Nur blöd, dass der Glauben und seine Religionen (imo die wahre Wurzel allen Übels) genau auf diesen Geschichten aufbauen.

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    Meine Güte, sie vermischen ja auch wirklich ALLES!
    Natürlich gab es vor Jesus bereits Religionen, Sinnbilder und dergleichen!

    Glauben bedeutet nicht wissen. Jeder, der zugibt, dass er "gläubig" ist, wird erst immer erzählt, wie "dumm" das sei. Immerhin ist der Gläubige noch dazu fähig zu glauben/vertrauen ohne Statistiken, Belege etc. Das ist eine Art Loslassen, sich Gleitenlassen mit dem Wissen, dass es ungewiss ist, ob stimmt was man glaubt, aber der Mensch WILL glauben. Sogesehen ist ein Gläubiger Ihnen um etwas voraus.

    ...Jesus hatte mehr als 12 Jünger, wenn Sie alle genannten zusammenzählen. Ergo: die 12-Zahl ist symbolisch und natürlich aus anderen kulturellen und religiösen Zusammenhängen entlehnt, so what? Wir sprechen doch auch deutsch und nicht lateinisch, wenn wir Fenster sagen...

    Herlzichst,

    Bandhagen

    Meine Güte, sie vermischen ja auch wirklich ALLES!
    Natürlich gab es vor Jesus bereits Religionen, Sinnbilder und dergleichen!

    Glauben bedeutet nicht wissen. Jeder, der zugibt, dass er "gläubig" ist, wird erst immer erzählt, wie "dumm" das sei. Immerhin ist der Gläubige noch dazu fähig zu glauben/vertrauen ohne Statistiken, Belege etc. Das ist eine Art Loslassen, sich Gleitenlassen mit dem Wissen, dass es ungewiss ist, ob stimmt was man glaubt, aber der Mensch WILL glauben. Sogesehen ist ein Gläubiger Ihnen um etwas voraus.

    ...Jesus hatte mehr als 12 Jünger, wenn Sie alle genannten zusammenzählen. Ergo: die 12-Zahl ist symbolisch und natürlich aus anderen kulturellen und religiösen Zusammenhängen entlehnt, so what? Wir sprechen doch auch deutsch und nicht lateinisch, wenn wir Fenster sagen...

    Herlzichst,

    Bandhagen

  7. "Die evangelische Kirche ist dagegen total verkopft und damit aber erst recht überflüssig. Weil rational betrachtet die ganze Religion keinen Sinn ergibt."

    Der reformierende Gedanke hinter Luther ist Ihnen aber bekannt, oder? Die evangelische Kirche versucht sich im Gegensatz zur katholischen Kirche durch den Glauben zu definieren und nicht - wie die katholische Kirche es eben tut - durch Reichtümer und Päpste. Die evangelische Kirche rückbesinnt sich auf den Ursprung, auf den Glauben an Jesus und nicht auf den Glauben an noch zwanzig andere "Heilige" etc.

    Sie sollten die Kirche im Dorf lassen, wenn Sie nur über Halbwissen vergügen.

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    Das schreibt einer, der behauptet, die katholische Kirche definiere sich über Reichtümer und Päpste?

    OK, ich gebe gerne zu, dass Sie in Sachen katholischer Kirche nicht einmal über Halbwissen verfügen ...

    Was den Reformationsgedanken angeht, ja, der ist mir durchaus bekannt, dass die Evangelischen dies als Rückbesinnung bezeichnen ebenfalls - ob diese Selbstbeschreibung treffend ist, kann man diskutieren, es gibt sogar Bücher über solche Themen.

    Das Entfernen bildlicher Darstellungen aus den Kirchen, Abschaffung von Heiligen- und Marienverehrung, die Reduktion auf die Schrift und nur die Schrift, all das nimmt Menschen spirituelle Heimat, also für viele genau das, was sie an Religion schätzen.

    Das ändert aber alles nichts daran, das alles dafür spricht, dass Religion keine faktische Grundlage hat und nur eine Trostphantasie bzw. Ausdruck von kulturellen und historischen Gegebenheiten ist.

    Das schreibt einer, der behauptet, die katholische Kirche definiere sich über Reichtümer und Päpste?

    OK, ich gebe gerne zu, dass Sie in Sachen katholischer Kirche nicht einmal über Halbwissen verfügen ...

    Was den Reformationsgedanken angeht, ja, der ist mir durchaus bekannt, dass die Evangelischen dies als Rückbesinnung bezeichnen ebenfalls - ob diese Selbstbeschreibung treffend ist, kann man diskutieren, es gibt sogar Bücher über solche Themen.

    Das Entfernen bildlicher Darstellungen aus den Kirchen, Abschaffung von Heiligen- und Marienverehrung, die Reduktion auf die Schrift und nur die Schrift, all das nimmt Menschen spirituelle Heimat, also für viele genau das, was sie an Religion schätzen.

    Das ändert aber alles nichts daran, das alles dafür spricht, dass Religion keine faktische Grundlage hat und nur eine Trostphantasie bzw. Ausdruck von kulturellen und historischen Gegebenheiten ist.

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