Nachhaltige Kleidung : Die Stoffe der Zukunft
Seite 2/2:

Ein Stoff, so pur wie möglich

Auf die Suche nach dem neuen Stoff hatte sich die Mikrobiologin gemacht, als ihr Stiefvater an Leukämie erkrankte. Sein Körper war so geschwächt, dass er keine normale Kleidung mehr tragen konnte; die Haut reagierte zu gereizt auf die Chemikalien, die bei der Produktion eingesetzt werden. Für ihn wollte Anke Domaske einen Stoff entwickeln, der so pur wie möglich war. Sie fand heraus, dass schon in den dreißiger Jahren Kleidung aus dem Milchprotein Kasein hergestellt wurde. Damals brauchte man aber viele chemische Zusatzstoffe bei der Herstellung. Sie wollte es mit natürlichen Mitteln schaffen, so wie auch die neue Generation der Zellulosefasern mit weniger Chemie auskommt.

Zutaten aus der Molkerei

Domaske kaufte einen Mixer und ein Thermometer, das Hobbyköche zum Einkochen verwenden, und begann, in der Küche zu experimentieren. Wenn sie erzählt, wie sie zum ersten Mal einen Faden aus der Masse herauszog, der nicht riss, klingt sie immer noch begeistert und staunend.

Die Zutaten liefert die Molkerei. Sie lässt die Milch sauer werden und schöpft die Proteinmasse ab. Daraus entsteht das trockene Pulver, das Anke Domaske in einem Becher auf dem Tisch stehen hat. Im Faserinstitut Bremen kann sie eine Maschine nutzen, die aus Kasein, Wasser und ein paar Geheimzutaten eine Masse knetet und Fäden presst. Die Zusätze sorgen dafür, dass der Stoff haltbar wird – auch wenn man ihn wäscht, löst er sich nicht auf. Zum Beweis, dass sie wirklich nur natürliche Zutaten verwendet, reißt die Erfinderin ein Stück Faden ab, steckt es in den Mund, kaut – und schluckt.

Die Milch, die Anke Domaske für ihren Stoff verwendet, ist ungenießbar. Für Rohmilch gelten strenge Anforderungen, damit sie als Lebensmittel in den Handel kommen darf, oft erfüllt sie diese nicht. Jährlich entsorgten die Agrarbetriebe etwa 1,9 Millionen Tonnen davon, sagt Anke Domaske. »Wir kurbeln also nicht die Milchproduktion an, sondern verwerten einen Rohstoff, der unvermeidbar anfällt.«

Aus dem Faden lässt sich entweder Milchseide pur weben, wie bei dem kleinen Gelben, oder ein Mischgewebe mit Viskose wie bei den anderen Kleidern auf der Stange. Die fühlen sich eher wie Baumwolljersey an, ein schwerer, dehnbarer T-Shirt-Stoff. Wie viele Chemikalien für die Weiterverarbeitung verwendet wurden, kann Anke Domaske nicht sagen, sie verkauft nur die Faser, den Rest machen andere. Ihr Ziel sei aber, völlig natürliche Kleidung herzustellen, sie experimentiere schon mit Lebensmittelfarbe. Bei der nächsten Präsentation wird sie dann womöglich ein Kleid anknabbern.

Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Eukalyptusplantage 2

Man muß nur auf der Seite hier oben im Suchfeld den Begriff eingeben, dann wird man erschlagen von dem Unheil des Eukalyptus.

Was die Ökologie angeht, hilft nur weniger konsumieren.

Es gab schon Werbung, daß man mit einer Jeans 5 mal heiraten kann. Ist aber lange her.

Wenn man unter die Naturfaser Kunststoff-Fasern mischt halten die sehr viel länger.

Das ist viel umweltfreundlicher als alles Recycling und Co.