Stress : So übersteht man Weihnachten
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Geschenke und brennende Bäume

Wie vermeidet man, schlecht zu schenken?

Laut einer Umfrage im Auftrag von eBay erwarten die Deutschen dieses Jahr ungeliebte Geschenke im Wert von 617 Millionen Euro. Ein Jammer. Besser schenkt, wer sich auf die Persönlichkeit und die Interessen anderer einstellt und frühzeitig aufmerksam ist, sagt der Erlanger Soziologe Holger Schwaiger, der das Schenken erforscht . "Wichtiger als der Wert des Geschenkes ist, dass der Beschenkte sich wirklich darüber freut." Wer sich mit seinen Gaben selbst darstellen will, liegt eher daneben. Schlimmer als ein misslungenes Geschenk findet Schwaiger aber Geld oder Gutscheine. "Damit wird die Idee des Schenkens auf den Kopf gestellt. Ich signalisiere: Ich habe keine Lust, mir Gedanken zu machen, wie ich dir eine Freude machen könnte." Auch von Großeltern könne man erwarten, dass sie in Erfahrung bringen, was die Enkel mögen.

Muss man wirklich immer etwas verschenken?

Der Geschenkekauf ist für die Deutschen der größte Stressfaktor in der Vorweihnachtszeit. 41 Prozent empfinden ihn laut einer Allensbach-Umfrage als Belastung. Warum also nicht damit aufhören? Der US-Ökonom Joel Waldfogel fordert genau dies, er hält die ganze Schenkerei für pure Geldvernichtung. Schenken sei ineffizient, weil – so die ökonomische Annahme – jeder seine eigenen Wünsche am besten kenne. Geschenke von anderen verfehlten diese höchstwahrscheinlich. Gegen diese Sicht wehrt sich der Soziologe Holger Schwaiger: "Es geht ja nicht darum, dem anderen etwas zu schenken, damit er es sich nicht selbst kaufen muss." Schenken sei vielmehr eine Form der Kommunikation. "Wir senden Botschaften wie: Ich mag dich." Anders als Worte oder flüchtige Gesten seien Geschenke oft von Dauer. Schwaiger hält es daher für einen Fehler, nichts zu schenken. "Man bringt sich um eine zusätzliche Möglichkeit, seine Gefühle auszudrücken." Natürlich machen Schenkende auch der Wirtschaft eine Freude – sie profitiert vom Weihnachtsgeschäft, vor allem von Geschenken aus heimischer Produktion.

Wie viele Geschenke für die Kinder?

In vielen deutschen Familien bedarf es eigentlich keines besonderen Anlasses wie Weihnachten mehr, um den Kindern etwas zu schenken – finanziell leisten können sie sich das auch so. Deswegen sollte es an Weihnachten (oder auch bei Geburtstagen) um mehr gehen, als nur die diversen Spielzeugwünsche der Kinder zu erfüllen. Dieses "mehr" aber müssen die Kinder erst schätzen lernen – sie müssen für das richtige Schenken sozialisiert werden, wie es Soziologe Holger Schwaiger nennt. "Die Kinder sollten begreifen lernen, dass Geschenke zwar einen materiellen Wert haben, dass der aber eher nebensächlich ist." Was das Lego-Set, die sprechende Puppe oder das ferngesteuerte Auto gekostet hat, sollte ihnen nicht so wichtig sein wie das Wissen darum, dass die Oma, die Tante oder auch die Eltern zu diesem Anlass an sie gedacht haben. Wenn die Kinder das verinnerlicht haben, ist die Anzahl der Geschenke nicht mehr wichtig.

Was tun bei ungeliebten Geschenken?

Wer hat nicht schon mal eine geschmacklose Vase im Schrank versteckt, einen kratzenden Schal bei eBay verhökert? Wer ein Geschenk bekommt, das ihm nicht gefällt, sitzt in der Zwickmühle: Soll er die Gefühle des Schenkenden verletzen oder Freude vortäuschen und damit weitere Fehlgeschenke riskieren? Experten raten zu einem zweistufigen Krisenmanagement. "Zunächst bedankt man sich und nimmt das Geschenk symbolisch in Besitz, das heißt, man probiert den Pullover an oder legt die Kette um", sagt Holger Schwaiger. Die Botschaft: Schön, dass du dir Gedanken gemacht hast. Dann folgt der heikle Teil. Ist man unsicher, ob das Geschenk einem gefällt, kann man um Bedenkzeit bitten und vielleicht am nächsten Tag sagen: Das ist leider nichts für mich, rät Psychologe Herzberg. Nehme man es einfach an, könne das die Beziehung vergiften. "Man heuchelt, fühlt sich selbst unaufrichtig, und der andere merkt das vielleicht und fragt noch zehnmal nach. Eine unangenehme Spirale entsteht."

Darf man den Kindern vorgaukeln, dass es den Weihnachtsmann gibt?

Irgendwann im Leben der Eltern schlägt die Stunde der Wahrheit. Mama, gibt es den Weihnachtsmann wirklich? Wer jetzt lügt, tut seinen Kindern womöglich keinen Gefallen – sagt zumindest die Kinder- und Jugendtherapeutin Marguerite Dunitz-Scheer vom Universitätsklinikum Graz: "Eltern können ihren Kindern alles plausibel machen, darunter auch die Geschichte vom Weihnachtsmann. Diese Machtposition auszunutzen kann problematisch sein." Der Weihnachtsmann sei zwar eine freundliche Figur und das Weihnachtsfest eine schöne kulturelle Tradition. Man brauche aber keinen Hokuspokus, um die Vorfreude zu schüren. "Wenn Kinder vor lauter Aufregung um den Weihnachtsmann nicht mehr schlafen können, wirkt die elterliche Absicht kontraproduktiv. Wenn ihnen andere erzählen, dass es ihn gar nicht gibt, leidet mitunter sogar das Vertrauen in die Eltern." Auch die katholische Kirche findet wenig Gefallen am Weihnachtsmann, wenn auch aus anderen Gründen: Er macht dem heiligen Nikolaus Konkurrenz, der einst lauter Wunder vollbrachte. Wirklich!

Wie lösche ich den brennenden Baum?

Am besten ist Vorbeugung: Ein Baum mit echten Kerzen sollte in sicherem Abstand zur Gardine stehen. Um die Brandgefahr zu verringern, hilft außerdem ein mit Wasser befüllbarer Ständer, dann trocknen die Nadeln nicht so schnell aus. Die Kerzen sollte man früh auswechseln, bevor sich flüssiges Wachs im Kerzenhalter entzünden kann. Neben den Baum stellt man einen Wassereimer mit Handtuch. Kleine Feuer lassen sich damit schnell ersticken. Wenn das nicht hilft, kann man das Wasser auf die brennenden Zweige schütten. Noch besser ist ein Feuerlöscher mit Wasser (Pulver versaut die Wohnung). Aber nur einen Löschversuch unternehmen! Wenn das Feuer um sich greift, muss man schnell das Zimmer verlassen und unbedingt die Türen schließen, die Nachbarn alarmieren und die Feuerwehr rufen. Die empfiehlt übrigens als Geschenk: Rauchmelder.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Weihnachtsmann

Nö, hier im Osten gibt es die nicht. Und soviel ich weiß, im Norden heißt es auch Weihnachtsmann.
Christkind hatte ich vor 1990 noch nicht mal von gehört, erst recht nicht von seinen Aufgaben. Das weiß ich als Atheist bis heute nicht. Und Nikolausi ist der, der die Stiefel am 6.12. füllt.
Denken sie mal dran, dass die meisten Menschen in D. keine Mitglieder christlicher Kirchen sind.
Und Weihnachten (also Sonnenwende) feiern ist auch älter, als der Kult um einen angeblichen Propheten.

Nun ja...

"...Und Weihnachten (also Sonnenwende) feiern ist auch älter, als der Kult um einen angeblichen Propheten."

Naja. Das Julfest unserer Vorfahren ist wissenschaftlich weder für alle germanischen Völker gesichert, noch überhaupt datiert. Es gibt mindestens eine Quelle, die dieses Fest auf denm 15. Januar verlegt, bzw erwähnt, daß das Fest von diesem Datum auf das der Sonnenwende verlegt wurde. Überhaupt scheinen Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen bei den Germanen keine große Rolle gespielt zu haben, wie auch Sonne und Mond selbst bei keinem europäischen Volk wichtige Gottheiten darstellten. Vieles sonst bei dem Thema ist dann auch eher Wunschdenken von Neoheiden - da wird dann gerne der Weihnachtsbaum zum urgermanischen, jahrtausendealten Brauchtum erklärt, obwohl sich gerade dieser Brauch sehr gut geschichtswissenschaftlich untersuchen läßt und garantiert nichts mit den Germanen zu tun hat.
Mal davon abgesehen, ist Weihnachten eben Weihnachten und kein heidnisches Fest.

Wer Wintersonnenwende feiern will, soll's halt machen - aber wo steht, daß er dazu Bräuche übernehmen muß, die nun mal von Christen für ihr Weihnachten erfunden wurden?

Auf jeden Fall ist's ne Super-Geschichte

In der dunkelsten Stunde der Winternacht wird den Menschen das Versprechen gegeben, dass es wieder hell werden wird. Habt keine Angst, der Frühling kommt ganz sicher! Und Ostern können wir feiern, dass dieses Versprechen aus der tiefsten Winternacht eingelöst worden ist.
In welchem Gewandt diese Geschichte erzählt wird, ist da beinahe nicht so wichtig. Und dass der Frühling nur deshalb kommt, weil die Erde und ihre Achse im bestimmten Winkel zur Sonne stehen, ist für da zweitrangig. Menschen mögen Geschichten und Menschen brauchen Geschichten. Grade wenn's draußen kalt und dunkel ist.

oh bitte

das hatt doch mitt neoheidnisch und germanen gar nichts zu tun
die planetenachse steht halt so
daher der verlauf der jahreszeiten
und isrgendwann ist man an einem punkt wo alle ernten eingebrracht sind und sogar das brennholz fertig sein sollte weil neues schlagen wg dauerregen der dann in schnee übergeht(wasserhaushaltsjahr startet in den nördlichen gemäßigten breiten nicht ohne grund im november)einfach nichts in diesem winneter ncoh verwertbares bringt.
dafür muss man die frischvorräte in dauerformen verarbeiten und die herden verkleinern um vorräte zu sparen(und zu ergänzen)
also hatt man jede menge futter etc das weg muss, und man kann sich einen winterspeck anfressen.
dazu kommt das energetische jahresminimum, die schwachen sterben auch zu dieser zeit häufiger(wie in den frühen morgenstunden), aber sie stellt auch einen geburtenschwerpunkt dar.
danach wird einerseits alles besser, weil die sonne wieder steigt, aber andererseits muss man noch bis zum frühjahr durchhalten um wieder die vorräte aufstocken zu können
da brauchts keine relevante religion,keine relevanten götter für,um diese naturgesetze zu erkennen
heute,mit zentralheizung, künstlichem licht und genug drogen um den depressionen wg lichtmangel entgegenzuwirken(rein physiologisches problem) kann man diesen zusammenhang leicht übersehen.
der geburtstag aller sonnengötter, egal ob wichtig wie sol-invictus(der gott constantins) oder unwichtig wie balder, war immer direkt nach dem sonnentiefststand, ihrem todestag

nebenbei

ist weihnachten immer ein fest der kultur die gerade existiert, da die natur sich zurückgezogen hatt, resp. unbequem daher kommt.
daher kommt es hierzulande auch derzeit größtenteils ohne christentum aus, abgesehen von zitaten, es ist ein rauschhaftes, betäubendes fest zu dem der konsumrausch schon so lange gehört wie es seßhafte bäuerliche kultur die den jahreszeiten unterworfen ist giebt.
heute gehört dazu der kaufrausch
wie früher die hingabe zu irgendwelchen religiösen paradiesvorstellungen (die weihnachtoratorien sind meist die dionysischsten stücke die ihre komponisten jeh wagten zu papier zu bringen)
und ich finde das nicht verwerflich
die menschen versichern sich das alles gut ist, genug für alle da ist, und man keine probleme haben wird über den winter zu kommen
ein kurzes verschnaufen von den sorgen
mehr nicht
das ist schon sehr viel für die meisten
weshalb es zu dramen kommt wenn sich jemand nicht entspannen kann obwohl er will und darunter fast zusammen bricht, wenn irgendetwas die perfektion stört etc.
das christentum war für weihnachten nur eine episode, die detrzeit ihren kinder geschichtenerzähltrohn auf dem weihnachtsmanschoß in den kaufhäusern und onkel scruge und dem grinch teilen muss.- die sind weniger grauselig und kommen ohne kindermordhorror aus

Weihnachten fällt aus

Ich glaube ich gehe am 23. abends schlafen und stehe erst am 27. wieder auf ;-).

Mal im Ernst, mich nervt die Vorweihnachtszeit mit dieser Hektik und Panik der Leute unglaublich.
Aber wenn man dann am Heiligabend mit der Familie zusammensitzt, sich beschenkt, was isst und danach vllt noch ein wenig feiern geht ist es doch ganz nett.
Zum Glück gibt es daheim nicht Kartoffelsalat mit Würstchen ;-)).

olololol

wie weit ist es gekommen, dass man psychologische Beratung braucht um Weihnachten zu "überstehen"?

ich verstehe garnicht warum alle an Weihnachten so fixiert auf Materialismus sind, könnt ihr nichts mehr selbst basteln oder einfallen lassen?! oder einfach nur beisammenhocken? Das der Grad der Nächstenliebe heutzutage am Gesamtpreis der Geschenke gemessen wird finde ich total absurd. Ebenso diese künstliche Panik über das schlechte "Konsumklima" das Deutschland flächendeckend niederwaltzt und uns alle in den tiefen schrecklichen Abgrund des ... äh... was auch immer reißt.