Zurückhaltung mit Katastrophenszenarien
Lange Zeit dachte man, eine Exkursion dauerte Tausende von Jahren. Nun scheint es, als könnten die Pole innerhalb von wenigen Menschengenerationen rund um den Globus wandern. Die gute Nachricht: Auch vor 41.000 Jahren gab es schon Menschen auf der Erde. Sie haben überlebt. Unser zweiter Schutzschirm, die Atmosphäre, hat den Sonnenwind offensichtlich gut abgehalten. Dabei reduzierte der Partikelbeschuss zwar die Ozonschicht, sodass mehr erbgutschädigende UV-Strahlung die Erde erreichte. Aber diese Phase dauerte nicht lange genug, um ein Massenaussterben zu verursachen. Allerdings verfügten unsere Vorfahren damals weder über Kompass noch über Elektronik. Vermutlich haben sie von der Polwanderung gar nichts gemerkt. Das wäre heute anders.
Leitet die südatlantische Anomalie den nächsten Ausflug ein? Norbert Nowaczyk ist ein Mann von sparsamen Gesten, der seinen Mund beim Sprechen nicht weit öffnet, er hat die Aura paläowissenschaftlicher Gelassenheit. Er sagt: »Das ist schwer vorherzusagen, es geht ständig rauf und runter.« Dann schiebt er mit dem Bleistift seine Unterlippe nach oben.
Auch Theoretiker sind zurückhaltend mit Katastrophenszenarien. Gary Glatzmeier von der University of California schließt eine kurz bevorstehende Umpolung oder Exkursion zwar nicht aus. Seine Forschungsgruppe war die erste, die eine plötzliche Magnetfeldumkehr auf einem Supercomputer simulieren konnte. Glatzmaier sagt aber auch: »Wir dürfen nicht vergessen, dass die Magnetfeldstärke über die vergangenen paar Tausend Jahren höher war als im Langzeitmittel. Erst jetzt erreichen wir wieder das Durchschnittsniveau.« Ulrich Christensen vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau sagt: »Umpolungen kann man nicht seriös vorhersagen.« Das Dilemma: Damit die Computer nicht ewig rechnen, werden die Modelle vereinfacht. Das Eisen des Erdkerns ist dann in der Simulation zäher als Honig, obwohl es in Wirklichkeit fast die Konsistenz von Wasser hat.
Und doch bleibt dies der große Traum der Geowissenschaftler: die Entwicklung des Erdmagnetfeldes zumindest für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre vorherzusagen. Dafür schickt die Europäische Weltraumorganisation (Esa) im Juni drei neue Satelliten ins Weltall, die im Formationsflug die Erde umrunden werden. »Swarm« heißt die Mission. Sie soll das Magnetfeld mit nie erreichter Genauigkeit kartieren. »Swarm ist wie ein Mikroskop, mit dem wir in die Erde hineingucken«, schwärmt Projektleiter Hermann Lühr vom GFZ Potsdam. Die hochauflösenden Sensoren sollen Strömungsmuster im äußeren Erdkern erkennen. Das ist die Vision.
Eine weitere Abnahme des Magnetfelds hält Lühr für »ziemlich sicher«. Er hat eine Kontaktstelle eingerichtet, um auch die Industrie mit den neuesten Magnetfelddaten zu versorgen. Die Ingenieure wissen dann vielleicht, wie sie Computer an Bord der Satelliten künftig besser abschirmen können. Vor 41.000 Jahren brauchte sich darum niemand zu kümmern. Lühr sagt: »Wenn wir noch in Höhlen hausen würden, hätten wir kein Problem.«









Zitat: "Der magnetische Nordpol wanderte seitdem von Nordkanada in Richtung Sibirien, zuletzt mit einer rekordverdächtigen Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Jahr. Ähnlich deplatziert ist der magnetische Südpol: Er liegt derzeit nicht etwa am 90. Grad südlicher Breite, wo er hingehört, sondern außerhalb des antarktischen Festlandsockels am 66. Breitengrad."
Der magnetische Südpol liegt momentan im Norden! Deswegen zeigt der Nordpol eines Magneten auch nach Norden!
Solche Fehler sollte es in solch einem Artikel eigentlich nicht geben.
@Chandler81
Das hat unser Physiklehrer auch immer gesagt. Es gibt aber unterschiedliche Konventionen (siehe Wikipedia), und im englischen scheint man diese Verwirrung gar nicht zu kennen, dort ist von magnetic north in der Regel im Zusammenhang mit der nördlichen Hemisphäre die Rede. Ich habe mich für diese Konvention entschieden, weil alles andere verwirrt hätte. Vielleicht hätten wir eine Fußnote machen sollen.
Max Rauner
@Chandler81
Das hat unser Physiklehrer auch immer gesagt. Es gibt aber unterschiedliche Konventionen (siehe Wikipedia), und im englischen scheint man diese Verwirrung gar nicht zu kennen, dort ist von magnetic north in der Regel im Zusammenhang mit der nördlichen Hemisphäre die Rede. Ich habe mich für diese Konvention entschieden, weil alles andere verwirrt hätte. Vielleicht hätten wir eine Fußnote machen sollen.
Max Rauner
@Chandler81
Das hat unser Physiklehrer auch immer gesagt. Es gibt aber unterschiedliche Konventionen (siehe Wikipedia), und im englischen scheint man diese Verwirrung gar nicht zu kennen, dort ist von magnetic north in der Regel im Zusammenhang mit der nördlichen Hemisphäre die Rede. Ich habe mich für diese Konvention entschieden, weil alles andere verwirrt hätte. Vielleicht hätten wir eine Fußnote machen sollen.
Max Rauner
muss ich Kommentar 1 hier eher Recht geben, wenn man im deutschen Sprachgebrauch von "magnetischem Nordpol/Südpol" spricht, dann befindet sich dieser nunmal ungefähr invers zum geografischen Pendant und ist physikalisch klar definiert. Ein Hinweis zu diesen für Laien vielleicht wirklich etwas verwirrenden Zusammenhang hätte im Artikel noch gut Platz finden können. Soviel Spitzfindigkeit darf dann schon bei einem geophysikalisch orientierten Artikel Platz finden ;)
muss ich Kommentar 1 hier eher Recht geben, wenn man im deutschen Sprachgebrauch von "magnetischem Nordpol/Südpol" spricht, dann befindet sich dieser nunmal ungefähr invers zum geografischen Pendant und ist physikalisch klar definiert. Ein Hinweis zu diesen für Laien vielleicht wirklich etwas verwirrenden Zusammenhang hätte im Artikel noch gut Platz finden können. Soviel Spitzfindigkeit darf dann schon bei einem geophysikalisch orientierten Artikel Platz finden ;)
... für diesen spannenden Artikel.
.. sehr spannend und wir dürfen gespannt sein ob unsere Generation das wohl noch erlebt oder erst unsere Kinder oder Kindeskinder. Wer weiß....
Überleben werden wir es jedenfalls und die Zeit muss in der Zeit vielleicht wieder vom Papier gelesen werden ;-)
.. sehr spannend und wir dürfen gespannt sein ob unsere Generation das wohl noch erlebt oder erst unsere Kinder oder Kindeskinder. Wer weiß....
Überleben werden wir es jedenfalls und die Zeit muss in der Zeit vielleicht wieder vom Papier gelesen werden ;-)
Guter Artikel!
Meine Einfälle zu den Gefahren ..
Krebserkrankungen: ich glaube, die heutigen Mittelchen in unseren industriell gefertigten Mahlzeiten sind da ein größeres Risiko.
Satellitenschäden: Der Wetterbericht wird wahrscheinlich unzuverlässiger. Glaubt am Wetterbericht überhaupt jemand? ;)
Ich hätte hier eher die GPS Satelliten und Navigation erwähnt. Könnte zum Problem werden, allerdings haben wir auch ohne GPS in den Urlaub gefunden.
Blackouts: großflächige Stromausfälle. Hier wird es interessant. Man denke na NY nach dem Sturm im Winter.
Klimawandel: Die kosmische Strahlung ionisiert Luftmoleküle. Ob sich dadurch mehr Wolken bilden und die Erde abkühlt, ist noch unsicher." Damit wird den Klimaskeptikern ein neues Argument gegen Umweltschutz und Abgasnormen zugespielt :S
Die Telekommunikation wird dadurch vermutlich ebenso großflächig ausfallen. Kein Internet und kein Telefon.
Vermutlich auch kein Fernsehen...
Also zurück in die Unvernetzte Zeit. Unsere "armen" Kinder werden nichts mehr mit sich anzufangen wissen...
Kein GPS mehr? Das arme Militär ..
Naja, solange uns die Sonnenwinde die Atmosphäre nicht wegpusten :D Aber die Stromausfälle könnten wirklich unangenehm sein. Denken wir mal daran, was wohl passiert, wenn alle Ampeln ausfallen. Und das ist nur ein kleineres Übel. Ich vermute, dass wir ohne Strom hilflos sind. Super Aussichten
Wir dürfen allerdings sicher sein das die ÖR-Zwangsabgabe in D weiter eingefordert wird, da Verträge bereits geschlossen sind und die Kosten weiterlaufen! Was kümmert in dem Zusammenhang schon der TV-Konsument und ob er etwas sieht!
"Krebserkrankungen: ich glaube, die heutigen Mittelchen in unseren industriell gefertigten Mahlzeiten sind da ein größeres Risiko."
Naja, nichts gegen Ihren Glauben, aber eine gewisse Sicherheit, bezogen auf diese Magnetfeldgeschichte, wäre bei diesem Thema wünschenswert.
"allerdings haben wir auch ohne GPS in den Urlaub gefunden."
Das ist schön.
Andererseits gibt es tatsächlich noch andere Anwendungsmöglichkeiten für GPS, bei denen ein längerer Ausfall des Systems gravierende Folgen haben könnte.
http://de.wikipedia.org/w...
Die Telekommunikation wird dadurch vermutlich ebenso großflächig ausfallen. Kein Internet und kein Telefon.
Vermutlich auch kein Fernsehen...
Also zurück in die Unvernetzte Zeit. Unsere "armen" Kinder werden nichts mehr mit sich anzufangen wissen...
Kein GPS mehr? Das arme Militär ..
Naja, solange uns die Sonnenwinde die Atmosphäre nicht wegpusten :D Aber die Stromausfälle könnten wirklich unangenehm sein. Denken wir mal daran, was wohl passiert, wenn alle Ampeln ausfallen. Und das ist nur ein kleineres Übel. Ich vermute, dass wir ohne Strom hilflos sind. Super Aussichten
Wir dürfen allerdings sicher sein das die ÖR-Zwangsabgabe in D weiter eingefordert wird, da Verträge bereits geschlossen sind und die Kosten weiterlaufen! Was kümmert in dem Zusammenhang schon der TV-Konsument und ob er etwas sieht!
"Krebserkrankungen: ich glaube, die heutigen Mittelchen in unseren industriell gefertigten Mahlzeiten sind da ein größeres Risiko."
Naja, nichts gegen Ihren Glauben, aber eine gewisse Sicherheit, bezogen auf diese Magnetfeldgeschichte, wäre bei diesem Thema wünschenswert.
"allerdings haben wir auch ohne GPS in den Urlaub gefunden."
Das ist schön.
Andererseits gibt es tatsächlich noch andere Anwendungsmöglichkeiten für GPS, bei denen ein längerer Ausfall des Systems gravierende Folgen haben könnte.
http://de.wikipedia.org/w...
.. sehr spannend und wir dürfen gespannt sein ob unsere Generation das wohl noch erlebt oder erst unsere Kinder oder Kindeskinder. Wer weiß....
Überleben werden wir es jedenfalls und die Zeit muss in der Zeit vielleicht wieder vom Papier gelesen werden ;-)
ein sehr guter und ausführlicher Artikel zu einem wenig bekannten Forschungsgebiet, das nichtsdestoweniger große Relevanz hat.
Allein die Tatsache, dass der Alltagsverstand große Schwierigkeiten hat, sich relativ kurzfristige Veränderungen physikalischer Verhältnisse auf globaler Ebene vorzustellen, macht die Sache bemerkenswert.
Wichtige Lektüre auch für Menschen, die rein gefühlsmäßig annehmen, es gäbe eben "immer" Öl, das Klima würde sich "nie" grundlegend verändern etc.
für diesen tollen Artikel. Ich wünschte mir mehr davon, auch zu anderen Wissenschaftsgebieten. Es ist noch immer so, dass wir überall Experten haben, aber eigwentlich stehen wir immer noch bei Sokrates: Wir wissen, dass wir nichts wissen. Oder zumindest nicht sehr viel. War sehr interessant, den Artikel zu lesen. Danke an die Zeit, danke an Herrn Rauner.
Die Telekommunikation wird dadurch vermutlich ebenso großflächig ausfallen. Kein Internet und kein Telefon.
Vermutlich auch kein Fernsehen...
Also zurück in die Unvernetzte Zeit. Unsere "armen" Kinder werden nichts mehr mit sich anzufangen wissen...
werden schon was finden damit sie sich nicht langweilen.
Vielleicht finden sie dann heraus, dass Bücher sehr spannend sein können ;-)
Glasfaser transportiert den größten Teil der (Internet)-Daten. Das ist ein robustes Medium, immun gegen Magnetfelder. Alles Andere kann durch geeignete Abschirmungen weitgehend geschützt werden. Sollte es hier zu massiven Ausfällen kommen - dann haben wir andere, größere Probleme.
werden schon was finden damit sie sich nicht langweilen.
Vielleicht finden sie dann heraus, dass Bücher sehr spannend sein können ;-)
Glasfaser transportiert den größten Teil der (Internet)-Daten. Das ist ein robustes Medium, immun gegen Magnetfelder. Alles Andere kann durch geeignete Abschirmungen weitgehend geschützt werden. Sollte es hier zu massiven Ausfällen kommen - dann haben wir andere, größere Probleme.
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