Der Schaden im Rückenmark bleibt
Mirko Aach beobachtet ihn auf dem Laufband. »Merkst du, wie dein Herz anfängt zu pumpen?«, fragt er. »Es ist so ein Jogging-Gefühl«, sagt von Gliszynski, »da stellt sich ein Flow ein.« Später sagt er: »Dass ich mit meiner Freundin Strandspaziergänge machen kann, ist unrealistisch. Aber meine Hoffnung ist, dass ich zu Hause ab und zu auf den Rollstuhl verzichten kann.« Die aufrechte Haltung ist gut für die Verdauung und das Herz-Kreislauf-System.
Ein anderer Teilnehmer der Vorstudie, Dietmar Maring, 1997 mit dem Motorrad verunglückt, spürt seit einiger Zeit wieder Teile seines Oberschenkels. Kann sein, dass das am Training liegt. Aber: »Wir sehen keine Wiederherstellung der Nerven«, sagt Thomas Schildhauer, »das wäre Fantasie.« Auch Mirko Aach spricht nicht von Heilung: »Am Schaden im Rückenmark ändert sich nichts.«
Aach schätzt, dass man nach sechs Monaten weitgehend austrainiert ist und dann vielleicht zweimal die Woche aufs Laufband muss, um die erreichte Gehfähigkeit zu halten. In den kommenden drei Jahren sollen 60 Patienten an der klinischen Studie teilnehmen, erst dann gibt es statistisch aussagekräftige Ergebnisse.
Vielleicht werden Rollstuhlfahrer eines Tages tatsächlich ihre Rollstühle gegen Exoskelette eintauschen können – nicht nur in der Klinik, auch im Alltag. »Bis dahin muss ich glücklich weiterleben«, sagt Mirko Aach. Er wartet nicht auf den Fortschritt, es gibt Wichtigeres. Er hat jetzt einen einjährigen Sohn und arbeitet einen Tag weniger in der Woche.
Um elf Uhr öffnet Mirko Aach die Tür zu einem engen Durchgangsraum. Er streift sich OP-Kleidung über und wechselt den Rollstuhl, desinfiziert sich die Hände. Der Anästhesist schiebt ihn in den Operationssaal und klappt den Rollstuhl in die Senkrechte, sodass Aach aufrecht steht, stabilisiert durch eine Schiene vor den Knien. Der Oberarzt steht auf der anderen Seite des OP-Tisches, zwei Schwestern reichen OP-Besteck an. Auf dem OP-Tisch liegt eine Patientin, die sich im Rollstuhl wund gesessen hat. Die beiden Chirurgen entfernen abgestorbenes Gewebe und vernähen gesunde Haut über der Wunde, ein Routineeingriff. Drei bis vier Operationen machen sie jeden Vormittag, Aach wird eingeteilt wie die anderen auch. Chirurg und querschnittgelähmt, als gäbe es nichts Normaleres auf der Welt.
Nach der OP sitzt Aach in der Kaffeeküche und studiert die Sportseiten. Am Wochenende hat Borussia Dortmund das Revierderby gegen Schalke verloren, das schmerzt ihn derzeit mehr als alles andere.
Im neuen OP-Saal der Klinik wird es einen behindertengerechten Umkleideraum fürs Personal geben. Wenn sie hier in der Abteilung nicht vorleben, wie Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben teilhaben können, wo dann? Im ganzen Land gibt es nun Kampagnen, um die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. »Die Akzeptanz für behinderte Menschen wird größer«, sagt Aach. »Man wird nicht mehr nur durch sein Schicksal beschrieben, sondern durch seine Leistungsfähigkeit.«
Manche Patienten fänden es gut, wenn ihnen ein querschnittgelähmter Arzt begegne. Andere haben die Haltung: »Was will der Klugscheißer mir über die Welt erzählen?« Und dann gibt es noch diejenigen, die glauben, der Arzt habe sich aus Spaß in einen Rollstuhl gesetzt. In ihrem Weltbild hat ein querschnittgelähmter Chirurg keinen Platz. Die Nichtbehinderten haben noch einen langen Weg vor sich.









Dass Deutschland als Land des Maschinenbaus da so wenig zu bieten hat,ist eine Schande.
...oder A-Klassen, die wie Tapire aussehen.
...oder A-Klassen, die wie Tapire aussehen.
...oder A-Klassen, die wie Tapire aussehen.
Eine sehr unpassende Überschrift, wie ich finde. Es vermittelt, dass Rollstuhlfahrer eigentlich tot sind und erst durch dieses technische Monstrum wieder zum Menschen werden. Ich würde dieses Teil niemals im Alltag nutzen. Zu Therapiezwecken, wenn es irgendwann Standard ist, ok... aber darüberhinaus sicher nicht. Ich bin mit dem Rollstuhl sowieso schon schneller als jeder Fußgänger. Und mit diesem Monsterdings würde ich weit hinter allen zurückbleiben. Nein danke, ich bleibe sitzen!
Tatsächlich ein guter Titel, wenn man ihn sehr wörtlich betrachtet und nicht im religiösen Kontext.
Tatsächlich ein guter Titel, wenn man ihn sehr wörtlich betrachtet und nicht im religiösen Kontext.
Tatsächlich ein guter Titel, wenn man ihn sehr wörtlich betrachtet und nicht im religiösen Kontext.
.... finde ich es einen guten Titel, weil dieses Teil in keinster Weise eine Alternative zum Rollstuhl ist. Und aufstehen konnte ich bisher auch. Mit Gurten, in Holmen etc. Ähnlich alltagstauglich also.
Finde es ja an sich nicht verkehrt, aber es mich nervt total, dass dieses Ding schon wieder so übertrieben gefeiert wird...
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