Autonome Autos : "Im Stau drücke ich dann einen Knopf"

Autonome Autos geben uns Freiheit – wenn die Technik an unsere Bedürfnisse angepasst wird.

ZEIT WISSEN: Aus der Industrie hört man gerade viel über das autonome Auto. Wann kommt es denn?

Alexandra Neukum: Es wird noch lange dauern, bis uns das Auto tatsächlich richtig viel abnehmen kann. Denn wahrscheinlich wird hier etwas falsch verstanden: Laut Gesetz muss der Fahrer das Auto jederzeit selbst steuern, er darf nicht mit dem Handy telefonieren oder Zeitung lesen. In nächster Zeit kommen also vor allem Systeme, die uns lästige Aufgaben abnehmen. Etwa der Stauassistent.

ZEIT WISSEN: Gesetze kann man doch ändern. Fahren Roboter noch nicht so gut wie der Mensch?

Neukum: Schauen Sie sich die Kommunikation zwischen Fahrer und Fußgänger an: Da wird Blickkontakt hergestellt, da werden für uns ganz einfache Zeichen ausgetauscht. Aber die muss ein Computer erst einmal erfassen. Und jetzt stellen Sie sich vor, was morgens um kurz vor acht vor einer Schule passiert – das ist das Worst-Case-Szenario.

Alexandra Neukum

leitet das Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften und entwickelt Simulationen für den Verkehr der Zukunft.

ZEIT WISSEN: Was müsste das automatische Auto denn in so einer Situation können?

Neukum: Es muss den Fahrer viel früher darauf aufmerksam machen, dass etwas passieren könnte, als es die aktuellen Systeme können.

ZEIT WISSEN: Angenommen, autonome Autos beherrschen das alles einmal besser als der Mensch. Wird es dann unmoralisch sein, selbst zu fahren?

Neukum: Ich finde es unseriös, damit zu werben, dass der Mensch der unsichere Faktor ist, den es auszumerzen gilt. Das sind Argumente aus den sechziger Jahren, die einer nicht mehr zeitgemäßen Technikgläubigkeit entstammen. Es geht heute darum, wie die Technik den Fahrer sinnvoll entlasten kann.

ZEIT WISSEN: Autofahrer könnten sich schwer damit tun, von ihrem Auto bevormundet zu werden.

Neukum: Das Auto wird nach wie vor Freiheiten bieten: Ich kann so fahren, dass es mir Spaß macht, ich kann mir bei Ikea das Auto vollladen oder auf der Landstraße kurven. Aber wenn ich im Stau stehe, dann drücke ich einen Knopf, und das Auto nimmt mir das Stop-and-go-Fahren ab.

ZEIT WISSEN: Welche Unterstützung würde denn der Autofahrer begrüßen?

Neukum: Da gibt es ganz unterschiedliche Profile: Mütter oder Ältere haben andere Bedürfnisse als Lkw-Fahrer. Der Vielfahrer will vielleicht viele Assistenzsysteme. Aber auch bei einem hochautonomen Auto muss der Nutzer im Mittelpunkt stehen.

ZEIT WISSEN: Dann müsste sich das Auto auch an den Fahrer anpassen können?

Neukum: Unsere Untersuchung hat ergeben, dass viele das nicht wollen. "Wenn schon automatisch fahren, dann bitte immer gleich", sagten die Probanden. Dass das Fahrzeug aber eine andere Fahrweise hat als der Mensch, ist sicher. Es wird alle Verkehrszeichen beachten, frühzeitig bremsen, Sprit sparen. Wenn so ein Auto vor Ihnen in einen Ort hineinfährt, denken Sie vielleicht: "Was ist das denn für einer?!"

Kommentare

2 Kommentare Kommentieren

Stimme zu!

Da kann ich halbrecht nur beipflichten.
Problem beim autonomen Fahren: Haftungsfragen bei Systemausfall und daraus resultierendem Unfall mit Sach- und Personenschaden! (Der Hersteller wird hier immer versuchen einen Fahrerfehler als Unfallursache, und ganz bestimmt kein technisches Versagen, zu Grunde zu legen. Wird in der Fliegerei im Übrigen schon immer so gehandhabt.)
Technisch überhaupt kein Problem!!!
Meine Wenigkeit ist Pendler und ich würde mich über eine intelligent vernetzte, Autopilot gesteuerte E-Mobilflotte, riesig freuen.
Im Übrigen haben Emotionen wie Spaß und Gleichermaßen Ärger, Zorn und Angst in einem hochkomplexen System mit unübersichtlich vielen variablen Einflussgrößen, nicht die geringste Existenzberechtigung, da hieraus eine nicht abschätzbare Gefahr für Leib und Leben meiner Selbst und vor allem Anderer erwächst. Deshalb sollte der Mensch als höchst emotionales Wesen den Spaß am Fahren auf abgesperrten Rennstrecken suchen. Dort können sich Gleichgesinnte gern über den Haufen fahren. Da wissen aber Alle worauf sie sich einlassen. Aber nicht im öffentlichen Nah- und Fernverkehr.