Körper und PsycheKörper und Seele – nur gemeinsam stark

Neue Studien offenbaren verblüffende Verbindungen zwischen Körper und Psyche: Nicht nur kann seelisches Leid der Gesundheit schaden, auch der Körper steuert umgekehrt unsere Gefühle. von Jana Hauschild und Claudia Wüstenhagen

Bewegungen und Körperhaltungen können Gefühle beeinflussen. Wer etwa hochspringt, hebt seine Laune, ergab eine Studie.

Bewegungen und Körperhaltungen können Gefühle beeinflussen. Wer etwa hochspringt, hebt seine Laune, ergab eine Studie.  |  © chriskuddl | ZWEISAM / photocase.com

Heute weiß Walter Dell* nicht mal mehr, was ihn so geärgert hatte. Vermutlich Nichtigkeiten. Doch nach jenem Tag riss ihn die Panik aus dem Schlaf. Er hatte Schmerzen in der Brust. Wie schon öfter tagsüber, wenn er Groll hegte. In dieser Nacht schmerzte die Brust besonders stark. Sein erster Gedanke: Das Herz versagt – wieder. Einen Herzinfarkt hatte Dell bereits hinter sich. Nun überkam ihn erneut Todesangst. Seine Frau rief den Notarzt. Der vermeldete jedoch: falscher Alarm. Der 56-Jährige durchlebte noch zwei weitere solcher Schreckensnächte, noch zweimal brodelt der Ärger in seinem Herzen weiter, verwandelt sich in Schmerz.

Dass Herz und Seele eine Einheit bilden, gehört zum Allgemeinwissen. Wie stark sie tatsächlich aufeinander wirken – dass Gefühle körperliche Schmerzen und sogar Herzinfarktsymptome auslösen können – das wissen nur wenige. Selbst Mediziner hielten dies lange Zeit für unmöglich. Seit René Descartes im 17. Jahrhundert die Trennung von Körper und Geist postulierte, haben Ärzte und Wissenschaftler sie lange als zwei getrennte Sphären betrachtet – und behandelt. Doch in den vergangenen Jahren zeigten Studien immer deutlicher, wie eng Körper und Psyche miteinander verbunden sind.

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Ob Herzinfarkt, Rückenschmerz oder Virusinfektion – die Psyche hat einen immens großen Einfluss auf Erkrankungsrisiken und Heilungsverläufe. Ärzte müssen das berücksichtigen, wenn sie ihre Patienten gut behandeln und dem Gesundheitssystem Milliarden ersparen wollen. Noch ist das anders: Obwohl die Psychosomatik in immer mehr medizinische Disziplinen Einzug hält, irren noch immer viele Patienten durch das System, weil Ärzte nur nach körperlichen Ursachen ihrer Leiden suchen und die Seele nicht einbeziehen.

Umgekehrt, und das ist auch für viele Experten eine Überraschung, hat der Körper erstaunliche Macht über die Psyche. Die Forscher beginnen gerade erst, das ganze Ausmaß zu begreifen. Biochemische Vorgänge in den Organen können Menschen emotional so aus dem Gleichgewicht bringen, dass sie psychisch krank werden. Manch ein psychisches Leiden entsteht womöglich gar in den Tiefen des Darms, vermuten Vertreter einer neuen Forschungsrichtung, der Neurogastroenterologie. Auch die experimentelle Psychologie hat den Körper entdeckt und zeigt mit verblüffenden Studien, wie selbst unbewusste Bewegungen unsere Gefühle und Gedanken steuern. Womöglich ist der Körper sogar ein Schlüssel zu neuartigen Psychotherapien.

Schon Sigmund Freud ging davon aus, dass psychische Konflikte sich in körperliche Beschwerden umwandeln. Bis jedoch auch Mediziner das akzeptierten, vergingen Jahrzehnte. Heute weiß man, dass psychische Erkrankungen, ein hoher Druck am Arbeitsplatz oder Konflikte in der Partnerschaft sich von der Kopfhaut bis in den kleinen Zeh bemerkbar machen können.

Bereits im Mutterleib formt das seelische Wohl der Schwangeren das Immunsystem ihres Kindes. Durchlebt sie eine Trennung oder andere Stresssituationen, schüttet der Körper Cortisol aus, das über die Plazenta auch in den Körper des Fötus gelangt und dort das Immunsystem verändert. Die betroffenen Kinder leiden dann als Erwachsene eher unter Allergien oder Asthma.

Später kommt der eigene stressige Alltag hinzu, der das Immunsystem schwächt und den Körper anfälliger macht für Viren und Bakterien. So sind etwa psychisch stark beanspruchte Pfleger von Alzheimerpatienten nicht nur deutlich häufiger krank als Menschen in anderen Berufszweigen, wie eine Studie in den USA ergab. In ihrem Körper vermehren sich schützende Immunzellen auch weniger stark als üblich. Die Pfleger in der Studie bildeten nach einer Grippeimpfung zudem oftmals weniger Antikörper als nötig, um geschützt zu sein. Manchmal lässt sich die Wirkung der Psyche sogar direkt beobachten, etwa an Wunden: In belastenden Zeiten heilen sie langsamer. Verschwindet der Schorf sonst nach einer Woche, dauert es unter Prüfungsstress fast drei Tage länger. Bei ständig streitenden Ehepartnern kommen etwa vier Tage hinzu.

Leserkommentare
  1. Körper und Seele bedingen sich gegenseitig und es gibt viele Leiden, die sich durch eine gesunde und positive(!!!!) Lebenseinstellung vermeiden lassen.

    Es gibt jedoch wirklich ganz einfach Tipps, die das Leben gemütlicher gestalten:

    1) Tägliches lachen - und wenns dazu keinen Grund gibt, dann stellt man sich vor den Spiegel und lacht sich selbst an
    2) Freundlich sein - positive Reaktionen bringen in der Regel auch freundliche Gegenreaktionen und beispielsweise macht es auch einfach Spaß zu sehen, wenn eine Kassiererin mal hoch schaut und auch freundlich grüßt, weil man sie freundlich gegrüßt hat - Gleiches gilt für das Autofahren und auf der Strasse
    3) Keine Panik - es ist durchaus von Vorteil, wenn man sich mal bewusst wird, dass die ganzen kranken Horrorszenarien bei Versagen nicht eintreten.
    4) Positive Seiten von Dingen hervorheben. Das gilt in Deutschland zwar als naiv, aber ist meiner Ansicht nach trotzdem eine starkes Mittel um produktiv durch das Leben zu schreiten, denn nur nörgeln bringt keine Ansatzpunkte für Verbesserung und keine Perspektive.

    Es ist doch schon arg peinlich, dass in Kolumbien mit die glücklichsten Menschen der Welt leben, bei all der Probleme des Landes, und im reichen Deutschland der Glücksindex viel schlechter aussieht.

    2 Leserempfehlungen
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    Ihre Rechnung geht eventuell so:

    Wohlstand+jeden Tag was zu essen+iphone+mindestens 1 Auto+selten pleite+Heizung im Winter + Amazon/Zalando + Werbefernsehen + Zwangsgebühr + Merkel = Unglück (sollte aber nicht so sein)

    entsprechend

    wennmandasallesnichthat = Glück (sollte aber nicht so sein)

    Um zu testen woran der Fehler liegt, müsste man einzelne Teile aus obiger Liste probeweise entfernen um zu sehen, ob sich dann Glück für alle einstellt. Ich plädiere für Merkel und Zwangsgebühr.

  2. Der Hokuspokus ist leider eben auch bei Ärzten und Psychologen verbreitet. Dabei wäre es so einfach, würde man wissenschaftlich vorgehen und dabei auch die Erkenntnisse früherer Forscher miteinbeziehen.

    Schon Viktor von Weizsäcker versuchte die Trennung von Körper und Psyche zu überwinden, er ist nämlich einer der Väter der medizinisch begründeten Psychosomatik.

    Erkennt man die Psyche als die Eigenschaft des hoch komplexen Lebens an, geht man auch anders vor. Denn dann muss man keinen von außerhalb kommenden immateriellen Geist zur Erklärung heranziehen und erkennt die Einheit und die Wechselwirkung von Körper und Psyche. So, wie sie beispielsweise von A. N. Leontjew beschrieben wurde. http://de.wikipedia.org/w...

    Eine Leserempfehlung
  3. Machen Sie doch einmal ein einfaches Experiment:

    Stellen Sie sich vor den Spiegel.
    Streichen Sie zärtlich mit Ihren Fingern über Ihre Wange.
    Beobachten Sie, wie Ihre Mundwinkel sich unwillkürlich zu einem Lächeln heben.
    Spüren Sie, was für ein Gefühl in Ihrem Inneren entsteht.

    Das sagt doch alles, oder?

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  4. Ihre Rechnung geht eventuell so:

    Wohlstand+jeden Tag was zu essen+iphone+mindestens 1 Auto+selten pleite+Heizung im Winter + Amazon/Zalando + Werbefernsehen + Zwangsgebühr + Merkel = Unglück (sollte aber nicht so sein)

    entsprechend

    wennmandasallesnichthat = Glück (sollte aber nicht so sein)

    Um zu testen woran der Fehler liegt, müsste man einzelne Teile aus obiger Liste probeweise entfernen um zu sehen, ob sich dann Glück für alle einstellt. Ich plädiere für Merkel und Zwangsgebühr.

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    • Oyamat
    • 08. Juni 2013 1:16 Uhr

    Daß eine rein "technische" Behandlung nicht allzu hilfreich ist, hat sich seltsamerweise längst herumgesprochen - nur die ganzen Wissenschaftsgläubigen mögen das immer noch nicht so recht hören und verstehen. Aber wenn der Arzt einem eh nicht zuhört und nur Pillen verschreibt, deren Nebenwirkungen beachtlicher sind als die Wirkungen... dann geht man eben zu Großmutter und läßt sich ein Hausmittel empfehlen, oder, wenn die familiäre Tradition abgebrochen ist, mit gleichem Ziel zum Esoteriker. Da kann man wenigstens auch über Ursachen und Zusammenhänge reden, was am Ende vermutlich einen ordentlichen Teil des gesamten Heilungsprozesses darstellt.

    Aber es läßt wenigstens hoffen, daß allmählich auch "anerkannte" Studien sich ausbreiten, vermittels derer die "Schulmediziner" wieder zu den Menschen zurückfinden. Angesichts der unbestreitbar gigantischen, faszinierenden und anerkennenswerten Leistungen der "Apparate-Medizin" könnte das ein echter Glücksfall für die Menschheit werden!

    MGv Oyamat

    Eine Leserempfehlung
  5. In der Wahnam-Qigong-Schule z.B. beginnt jede Übungssitzung mit
    "Smile from your heart" - Lächle aus deinem Herzen heraus.
    Die Übungsformen münden in intuitive Bewegung, die dem Qi-Fluss im Körper folgt und Blockaden jeder Art, seelischer und körperlicher (der Körper folgt dem Geist), löst.
    Und das stille Stehen, das Loslassen aller Gedanken, das Spüren des inneren Qi-Stroms und Sich-Eins-Fühlen mit allem, was ist, ist der Abschluss.
    Das alles ist nicht etwa neu erfunden, sondern Jahrtausende alt. Qi-Gong war und ist eine Methode der ganzheitlichen Heilung, basierend auf der Einheit von Seele und Körper.

    Wir aber tun heute so, als wäre die Einheit von Seele und Körper eine bahnbrechende Entdeckung der westlichen Medizin. Sie ist es nicht. Wir könnten medizinisch viel, viel weiter sein und wirkliche Heilung erleben, wenn wir die chinesische Medizin mit all ihren Facetten erforschen und für unsere heutigen Gegebenheiten anpassen würden. Qi-Gong würde dann als Mittel der Gesundwerdung und -erhaltung ganz weit oben stehen.

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