Ob so etwas langfristig hilft, psychische Erkrankungen zu überwinden, ist ungewiss. Sabine Koch und Johannes Michalak sind Pioniere auf diesem Gebiet, ihre Studien gehören weltweit zu den ersten dieser Art. Aber dass Tanzen grundsätzlich positiv auf die Psyche wirkt, ist erwiesen. An der Universitätsklinik Heidelberg werden Tanzgruppen schon länger eingesetzt, etwa für depressive Mütter und ihre Kinder. Und in der Nachsorge von Brustkrebspatienten und der Behandlung von Schmerz und Traumapatienten ist die Tanztherapie ebenso wirksam wie bei psychiatrischen und psychosomatischen Störungen, etwa Schizophrenie, Autismus oder Essstörungen, haben Koch und ihr Team in einer neuen Metaanalyse gezeigt. Sie steigert Lebensqualität und Befindlichkeit, lindert Stress und Symptome wie Angst und Depression.

Eine drastischere Methode haben Psychiater aus Hannover und Basel erprobt. Mit Botox legten sie die Zornesfalte in der Stirn von depressiven Patienten lahm. Ihre Vermutung: Wenn sich die Augenbrauen nicht mehr zu einem zornigen oder traurigen Ausdruck zusammenziehen können, imprägniert das den Geist gegenüber negativen Signalen. Zuvor hatten Experimente ergeben, dass Testpersonen mit einer durch Botox gelähmten Stirnfalte negative emotionale Botschaften langsamer oder schwächer verarbeiten. Und tatsächlich: Die depressiven Symptome der Patienten in der Botox-Gruppe gingen in den folgenden Monaten im Schnitt um etwa 50 Prozent zurück. "Das ist schon allerhand, gerade wenn man bedenkt, wie schwierig Depressionen oftmals zu behandeln sind", sagt der Psychiater Tillmann Krüger von der Medizinischen Hochschule Hannover, der die Studie gemeinsam mit Axel Wollmer von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel durchführte.

Dieser erste klinische Versuch wird derzeit von anderen Forscherteams wiederholt, und es zeichnen sich ähnliche Resultate ab. Als erwiesen gilt die Wirkung damit aber noch nicht. Dennoch nutzt Tillmann Krüger das Verfahren schon bei manchen Patienten mit besonders schweren oder chronischen Depressionen. Vor allem bei jenen mit stark ausgeprägter Zornesfalte oder körperlicher Unruhe und Anspannung helfe die Methode, sagt er. "Es ist eine große Bereicherung, dass ich meinen Patienten nun etwas Neues anbieten kann, wenn wir mit anderen Mitteln nicht weiterkommen."

Die Erkenntnisse über die enge Beziehung von Körper und Psyche bergen große Chancen für Patienten. Vielleicht nutzen sie sogar zur Prävention. Eine Studie von Psychologen der Universität Köln legt nahe, dass Menschen gesündere Entscheidungen treffen, etwa beim Essen, wenn sie zuvor in einem Text etwas über die enge Verbindung von Körper und Geist gelesen haben. Essen Sie also jetzt!

*Namen von der Redaktion geändert