Kennen Sie die Band Compressorhead? Die machte vor einem Jahr mit einem Internetvideo von sich reden. Souverän prügelte sie den Hardrock-Klassiker Ace of Spades von Motörhead runter. Vor allem der Schlagzeuger war beeindruckend – mit seinen vier Armen. Der Schlagzeuger ist ein Roboter, wie seine beiden Bandkollegen auch. Nun mag das Musizieren von Compressorhead noch etwas stumpf anmuten. Der ebenfalls vierarmige, Marimba spielende Roboter Shimon, erschaffen am Georgia Institute of Technology von dem Robotiker und Musiker Gil Weinberg, kann schon auf menschliche Musiker eingehen und improvisieren. So gut, dass Zuhörer in einem Test glaubten, sie hörten einem menschlichen Marimba-Spieler zu.

Shimon ist nur ein Beispiel für eine Entwicklung, die in den nächsten Jahren auf uns zukommt: Roboter übernehmen Tätigkeiten, die bisher als typisch menschlich galten, als zu anspruchsvoll für Maschinen. Musiker müssen die Konkurrenz vielleicht noch nicht fürchten, der Rest darf sich aber durchaus Sorgen machen.

"Die meisten Arbeitnehmer in Transport- und Logistikberufen, dazu ein Großteil der Büroangestellten sowie die Arbeit in Produktionsberufen stehen auf dem Spiel", schreiben Carl Benedikt Frey und Michael Osborne von der Oxford University in einer aktuellen Studie. In der haben sie untersucht, wie die Aussichten für gut 700 Berufe in der "zweiten Welle der Computerisierung" sind, die durch ausgeklügelte Software und neue Roboter geprägt sein wird. Die Aussichten sind durchwachsen, um es einmal vorsichtig zu formulieren.

Anwälte, Ärzte und Köche sollten Roboter fürchten

Chirurgen? Operationsroboter entfernen präzise die Bauchspeicheldrüse. Anwälte? Software analysiert mit Big-Data-Verfahren in Windeseile Tausende von Verträgen. Babysitter? Spielroboter begeistern die Kleinen. Wartungstechniker? Kletternde Roboter inspizieren Windräder. Controller? Software überprüft unbestechlich Haushaltsposten und Ausgaben. Pflegekräfte, Sportreporter, Versicherungsmakler, Köche: Zu fast jedem Job basteln Forscher an einer Roboter- oder Softwarelösung. Sogar über Roboter als Tanzlehrer wird bereits nachgedacht. Es kann einem schwindlig werden.

Die neuen Roboter sind ihren industriellen Kollegen aus den Fabriken haushoch überlegen: Sie können sich vielseitig bewegen, die Welt wahrnehmen, auf Menschen eingehen. Ein Vertreter dieser neuen Generation ist Baxter, die jüngste Schöpfung der Robotik-Koryphäe Rodney Brooks, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Gründer von Rethink Robotics. Der Name der Firma ist Programm: In den vergangenen 20 Jahren haben Forscher wie Brooks neue Ideen entwickelt, mit denen sie die Roboter ihren so gewandten Vorbildern aus der Science-Fiction annähern.

Performance - Die Roboterband - Eine Performance von Kolja Kuglers Maschinen

Eine dieser Ideen betrifft das Lernen. Baxter muss nicht mehr von Ingenieuren programmiert werden, um einen Gegenstand aus einer Kiste zu nehmen und woanders abzusetzen. Der Nutzer ergreift einfach einen der beiden Arme des Roboters und macht ihm die Bewegung vor. Die Software merkt sich diesen Ablauf und kann ihn später sogar variieren. Damit Baxter Vertrauen einflößt, sitzt auf seinem Torso statt eines Blechkopfs ein Display. Auf dem folgen zwei weit aufgerissene Kinderaugen im Stile einer Comicfigur seinen Bewegungen, der Nutzer sieht sofort, worauf der Roboter seine Aufmerksamkeit gerichtet hat – nicht anders als bei einem Menschen.

Kindchenschema und Knopfaugen für den Menschen

Es sind gerade auch solche psychologischen Kniffe, die Robotiker inzwischen gekonnt einzusetzen wissen. Kindchenschema und Tierknopfaugen – etwa bei der Robot-Robbe Paro – lösen einen anthropomorphen Reflex aus: Wir empfinden die Maschine als ein Geschöpf, obwohl wir wissen, dass sie nur eine Maschine ist. Zeigt sie dann noch Interesse an uns, "werden die Darwinschen Knöpfe gedrückt", wie es die MIT-Forscherin Sherry Turkle formuliert. Gedrückt werden diese Knöpfe gerne bei Kellnerrobotern in Restaurants und bei Robotern wie Paro, der Senioren die Zeit vertreiben soll.

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Anders als die festmontierten Industrieveteranen bewegen sich heutige Roboter auch durch die Umwelt. Hierfür brauchen sie eine besondere Fähigkeit: aus Sensordaten eine Landkarte zu konstruieren. Das funktioniert in strukturierten Umgebungen wie Wohnungen oder in Warenlagern schon sehr gut. Der Onlinehändler Amazon hat deshalb 2012 die Firma Kiva Systems gekauft, deren Roboter durch Lager flitzen und Waren transportieren – und Lagerarbeiter überflüssig machen.

Schon anspruchsvoller sind belebte Plätze oder Straßen, doch auch hier geht es voran, weil Sensoren und Prozessoren immer leistungsfähiger, immer billiger werden – und die Verarbeitung der Datenmassen auch auf Cloud-Rechner des Internets ausgelagert werden kann. Sowohl Google als auch die großen Autohersteller entwickeln autonome Fahrzeuge, die den Menschen als Fahrer nicht mehr benötigen. Roboter auf vier Rädern.