"Wählen Sie Angebote aus, deren Wasserverbrauch der Landschaft angepasst ist", rät Christine Plüss, Geschäftsführerin des Schweizer arbeitskreises tourismus & entwicklung. "Also kein Hotel mit drei Pools und Golfplatz in der Wüste oder mit Infinity-Pool gleich am Meer."

Das Problem ist nicht der einzelne Tourist. Es sind die Massen. Im Jahr 2009 zahlten 13 Millionen Urlauber insgesamt 2,1 Milliarden Dollar, um Wale zu sehen, berichten kanadische Forscher. Das führt dann dazu, dass mancherorts mehr Touristenboote als Wale unterwegs sind. Und wer dafür zahlt, einen Wal im Meer zu sehen, will ihn auch vor die Kamera bekommen. Zeigt sich ein Wal, beginnt die Jagd. Denn die Tourguides wissen: Wer am nächsten rankommt, erhält das meiste Trinkgeld. Mit Ökotourismus und der Liebe zur Natur hat das wenig zu tun. Als Lösung bietet sich eine Regel an: Fahre nur dorthin, wo die Tiere nicht vor dir Reißaus nehmen.

Vor allem aber sollten die Menschen vor Ort sich auf und über Touristen freuen. Oft ernähren sie von deren Geld ihre Familien. Die Frage ist nur: Kommt das Geld wirklich bei ihnen an? Oder geht es an einen Hotelkonzern mit Hauptsitz in einer Steueroase? Der Kampf um das Geld der Urlauber wird oft rücksichtslos geführt. In Kambodscha, sagt Verena Haan von Amnesty International, "waren 2009 insgesamt 160 Familien von der Vertreibung bedroht, weil das Gebiet, auf dem sie wohnten, touristisch erschlossen werden sollte. Und in Honduras kämpfen die indigenen Garifuna gegen Pläne privater Investoren, auf ihrem Land ein Resort mit Golfplatz zu errichten." Soll man Honduras deswegen boykottieren? Oder sollen wir unsere Urlaubsziele mit dem Folterbericht von Amnesty International abgleichen? "Wir beziehen keine Stellung zu Reisen in Länder, in denen systematische Menschenrechtsverletzungen begangen werden", sagt Haan. "Aber wie in jedem anderen Kontext auch rufen wir dazu auf, als Tourist die Menschenrechte zu achten." Und wer in Länder reisen möchte, in denen Regimekritiker verhaftet werden, sollte vielleicht vor Reisebeginn über das Thema nachdenken.

Eine große Befürchtung der Deutschen ist offenbar, dass nachhaltiges Reisen zu teuer ist. Als die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen im vergangenen Jahr eine Umfrage dazu in Auftrag gab, antwortete jeder Zweite, er würde ja gerne nachhaltiger reisen, wenn damit keine zusätzlichen Kosten verbunden wären. Ebenso viele Menschen vermuten, dass sie sich ihre gewohnten Urlaubswünsche auf einer nachhaltigen Reise nicht so gut erfüllen können.

Ist es wirklich so schwer, verantwortungsbewusst zu reisen? Eigentlich gar nicht. Wechseln wir kurz die Perspektive: Welche unausgesprochenen Spielregeln gelten für Gäste, die zu uns nach Hause kommen? Meistens haben wir schon im Voraus einiges für sie getan – aufgeräumt zum Beispiel und Essen gekocht. Dafür erwarten wir Anerkennung. Ein Mitbringsel vielleicht oder ein Lob für den liebevoll dekorierten Tisch. Im Gespräch hören wir zu, was sie aus ihrem Leben erzählen, und erzählen von unserem. Wir stellen Fragen und erwarten, gefragt zu werden. Am Ende hatten alle einen schönen Abend.

Im Urlaub könnte es ähnlich sein. Warum nicht jeden Tag ein anderes einheimisches Gericht ausprobieren? Oder im Ausland jeden Tag mindestens fünf neue Wörter in der Landessprache lernen? Je mehr wir uns mit unseren Gastgebern austauschen, desto sozialer wird das Urlaubserlebnis.

Hannes Schleicher hat für den Reiseveranstalter Gebeco eine Lösung gefunden: Er macht die Reisen besser, ohne dass die Kunden es merken. "Wir bieten nicht nur die Produktlinie ›nachhaltiges Reisen‹ an", sagt er, "sondern gestalten auch alle anderen Studien- und Erlebnisreisen in unserem Programm nachhaltiger, ohne sie dafür mit dem Öko-Stempel zu kennzeichnen." Da wird hier mal ein Inlandsflug gegen eine Bahnfahrt getauscht, dort ein Hotel mit vorbildlichem Wassermanagementplan ausgewählt. Schleicher sagt: "Die Kunden merken die Unterschiede in der Regel nicht, aber die Reise wird dadurch wesentlich nachhaltiger." —

Angelika Franz hat diese Recherche auch deshalb interessiert, weil sie viel durch die Welt reist. Am Ende hatte sie ein paar Gründe mehr für ein schlechtes Gewissen – aber auch neue Ideen, um es in ein gutes zu verwandeln.