Chemie

Der klassische Chlorgeruch im Schwimmbad ist in Wirklichkeit gar kein Chlorgeruch. Freies Chlor ist geruchsneutral. 0,3 bis 0,6 Milligramm Chlor pro Liter sind dem Beckenwasser deutscher Bäder beigemengt, an besonders heißen Sommertagen kann die Dosis auf bis zu 1,2 Milligramm pro Liter erhöht werden. Das Chlor tötet Bakterien und Viren ab, die durch Haarschuppen, Hautpartikel, Schweiß, Speichel, Sonnencremes und Kosmetika ins Wasser gelangen. Zusätzlich sorgt ein steter Zufluss an Frischwasser dafür, dass sich Schmutzstoffe nicht ansiedeln können. Pro Badegast ersetzen Bäder durchschnittlich 30 Liter Wasser am Tag. Ein Schwimmbecken von 50 mal 20 Metern und 2 Metern Tiefe fasst zwei Millionen Liter Wasser. Wenn an einem warmen Sommertag tausend Badegäste darin schwimmen, muss der Betreiber also 30.000 Liter Wasser neu zufließen lassen – das ist eine vergleichsweise kleine Menge: 1,5 Prozent des Beckenwassers.

Selbst wenn die Badegäste nicht in das Becken urinieren – Harnstoff bringt jeder mit in das Wasser. Das passiert durch das Ausspülen aus der Hornhaut sowie über Kosmetik, Schweiß und ja, auch über Urin. Pro Liter befinden sich in der Regel zwischen 0,7 und 1,6 Milligramm Harnstoff im Beckenwasser. Reagiert das Chlor mit Harnstoff, entsteht Trichloramin, sogenanntes gebundenes Chlor. Das ist es, was wir im Schwimmbad als vermeintlichen Chlorgeruch wahrnehmen.

Hydrostatik

Beim Schwimmen entscheidet die Dichte, also die Masse eines Körpers geteilt durch sein Volumen. Hat ein Gegenstand eine geringere Dichte als Wasser, schwimmt er an der Wasseroberfläche. Ist die Dichte höher, sinkt er nach unten. Darum verhalten sich Materialien bei gleichem Gewicht unterschiedlich: Ein trockenes Stück Holz von einem Kilogramm schwimmt an der Wasseroberfläche, ein Kilogramm Blei sinkt dagegen rasch. Holz hat eine geringere Dichte. Weil das Gewebe des menschlichen Körpers hauptsächlich aus H₂O-Molekülen besteht, entspricht seine Dichte in etwa der des Wassers. Welchen Auftrieb wir haben, hängt aber auch von der Luft in unserer Lunge ab: Je tiefer man eingeatmet hat, desto leichter schwimmt man oben. Und auch der Anteil des fetthaltigen Gewebes hat einen Einfluss: Fett ist leichter als Muskeln oder Knochen. Darum fällt es dicken Menschen leichter als muskulösen, auf dem Wasser zu treiben. Und muskulösen fällt es leichter als dürren und knochigen Menschen.

Sportmedizin

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/15, das am Kiosk erhältlich ist.

Schwimmen ist ein verletzungsarmer Sport, bei dem Überlastungsschäden häufiger auftreten als akute Verletzungen. Bei mehr als vier Trainingseinheiten pro Woche steigt das Risiko für Knie- und Rückenbeschwerden deutlich an. Ab 2.200 Trainingsstunden pro Jahr häufen sich Schulter-, Hüft- und Kniebeschwerden. Die Rückenschwimmlage führt zu den wenigsten Schäden. Brustschwimmen ist von der Körperhaltung her nicht gesund, weil ein übermäßiges Hohlkreuz (Hyperlordose in der Lendenwirbelsäule) und bei jedem Zug ein "Zusammenziehen" im Brustwirbelbereich entstehen, was zu muskulären Disbalancen zugunsten der Brustmuskulatur führen kann (Tendenz zur Hyperkyphose). Brustschwimmer neigen deswegen zu einer Haltung mit nach vorn gezogenen Schultern. Außerdem werden beim Brustschwimmen die Knie durch die extreme Außenrotation der Unterschenkel belastet.

Psychologie

Vertreter der Psychoanalyse gehen davon aus, dass sich in sportlichen Vorlieben Sehnsüchte ausdrücken, denen ein Mensch im Leben sonst nicht genügend Raum gibt. Einige Psychoanalytiker sind der Meinung, im Wasser könne man sich sprichwörtlich von einer Last freischwimmen, abtauchen und Stille finden oder aber üben, sich im Leben gleichsam über Wasser zu halten.

Dieses und das Titelbild des Textes sind Aufnahmen von Fotograf Stephan Zirwes. Für mehr seiner Fotos klicken Sie bitte auf das Bild.

Fest steht: Sport im Wasser hat eine therapeutische Wirkung und kann zum Beispiel bei der Behandlung von depressiven Störungen helfen. Sich im Wasser zu bewegen fühlt sich leicht und schwerelos an – und kann eine optimistischere Einstellung fördern, das ergab eine Befragung von depressiven Patienten. In vielen psychosomatischen Kliniken hierzulande gibt es deshalb auch Schwimmbäder. Ein regelmäßiges, sanftes Ausdauertraining im Wasser kann bei leichten bis mittelschweren Depressionen die Stimmung heben. Aquagymnastik verstärkt den Glauben an sich selbst. Durch das tiefere Atmen gegen den Druck des Wassers lernten die Patienten zudem, sich wieder mehr Raum zu nehmen, sagen Psychologen. Besonders sinnvoll ist eine Aquatherapie im warmen Wasser, wenn depressive Menschen auch unter körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Adipositas oder Bluthochdruck leiden, was sehr häufig der Fall ist.