Einmal im Jahr findet hierzulande ein großes Psychologieexperiment statt. Es beginnt am 24. Dezember, dauert etwa drei Tage und besteht aus einer explosiven Mischung. Die wichtigsten Bestandteile: überzogene Erwartungen, teure Geschenke und tagelanges Zusammensein mit Menschen, mit denen man gewöhnlicherweise nicht so geballt Zeit verbringt. In der Regel endet es mit der Zerrüttung aller Beteiligten, dem Schwur, nie mehr daran teilzunehmen, und einer Gewichtszunahme von circa 2,3 Kilogramm. Es steht mir nicht zu, das Ganze zu kritisieren; den meisten von uns ist es derart vertraut (und damit lieb), dass wir es sowieso alljährlich unverändert wiederholen.

Für all jene, die den Ausgang des Experiments trotzdem ein wenig freundlicher gestalten wollen, hätte ich ein paar Übungen auf Lager. Der entscheidende Vorteil: Diese versuchen nicht, das aberwitzig vertrackte Geflecht von Gefühlen, Missverständnissen und Problemlösungsgesprächen mit ebenso aberwitzig vertrackten Psycho-Gegenstrategien anzugehen. Man kann die Übungen, die ich für Sie habe, mit Leib, aber ohne Seele verrichten. Und gerade dadurch sind sie so wirkungsvoll. Sie basieren auf der Embodiment-Theorie, die besagt, dass wir unserem Denken, Fühlen und Handeln durch einfache körperliche Interventionen einen positiven Schubs versetzen können.

1. Lächeln Sie die miesepetrigsten Menschen auf der Veranstaltung konsequent an

Wie angespannt eine Situation auch sein mag, willentliches Lächeln hilft immer. Sie können es auf verschiedene Weise in Ihr Gesicht zaubern: Singen Sie leise "eeee" vor sich hin; denken Sie an etwas Angenehmes; oder klemmen Sie einen Stift (oder eine Kuchengabel) zwischen die Zähne, und versuchen Sie, diesen Gegenstand nicht mit den Lippen zu berühren. In allen drei Fällen zwingen Sie sich zu einem Lächeln.

Und das wirkt? Ja, das wirkt. Es gibt dazu eine ganze Reihe seriöser Untersuchungen (die erste von Charles Darwin, 1872), und sie alle zeigen: Unsere Gefühle lösen nicht nur eine bestimmte Mimik aus (Wohlgefühl -> Lächeln), sondern die Sache wirkt auch umgekehrt. Eine bestimmte Mimik lässt ein bestimmtes Gefühl aus dem Nichts entstehen (Lächeln -> Wohlgefühl).

Der Grund für dieses Phänomen: Wir speichern unsere Erfahrungen vernetzt ab. Das heißt: Wer sich freut, der lächelt, nimmt eine bestimmte Körperhaltung ein und verbindet all das mit einem besonderen Bild, Geruch, Geschmack oder Geräusch. Das Wunderbare an solchen Erinnerungsnetzwerken: Sie lassen sich von jedem Knotenpunkt aus aktivieren. Was wiederum bedeutet: Wenn wir ein freundliches Gesicht machen, aktivieren wir das dazu passende positive Gefühl – und bezwingen damit die Kraft der Miesepeter.

Dieser Text stammt aus dem Magazin ZEIT WISSEN Nr. 1/16.

Wunderbarer Nebeneffekt und unschlagbare Geheimwaffe des Kunstlächelns: Sie animieren auch Ihr Gegenüber dazu, freundliche Miene zum weihnachtlichen Tohuwabohu zu machen. Denn wer in ein lächelndes Gesicht blickt, ahmt es unbewusst nach und hebt solcherart die eigene Laune. Es ist Ihrer Hartnäckigkeit überlassen, die anderen in der Familie so lange grundlos anzulächeln, bis die nicht anders können und dasselbe machen.

2. Wenn die Stimmung kippt, kochen Sie eine warme Suppe für alle Anwesenden

Wer etwas Warmes in der Hand hält, fühlt sich seinen Mitmenschen deutlich enger verbunden als normalerweise. Denn: Kaum auf die Welt gekommen, beginnen wir zu lernen. Vermittelt werden uns die ersten Erfahrungen meist von unseren Müttern und anderen Bezugspersonen. Da wir noch nicht sprechen können, kommunizieren wir über Berührung. Wir werden gehalten, gestreichelt, in den Schlaf gewiegt und berühren unsererseits die Menschen in unserer Nähe. Das ist alles meist angenehm (warme Haut) und verbunden mit wunderbaren Erfahrungen. Und dieses archaische Erfahrungsnetzwerk aus Wärme und Geborgenheit bestimmt uns lebenslang – es führt dazu, dass wir zwei Konzepte untrennbar miteinander koppeln: Temperatur und soziale Akzeptanz.

Es ist nachgewiesen, dass wir nur eine Tasse mit einem warmen Getränk oder eine Schale heißer Suppe in Händen halten müssen, und schon fühlen wir uns besser; nachzulesen in einer Studie zweier amerikanischer Psychologen aus dem Jahr 2011. Sie trägt den verheißungsvollen Titel "Hühnersuppe ist wirklich gut für die Seele". Wenn Sie nicht schnell genug mit der Suppe sind, könnte es übrigens frisch werden: Zwei Psychologen der Universität Toronto zeigten 2008 in einer Studie, dass Menschen, die sich ausgeschlossen vorkamen, die Raumtemperatur markant niedriger einschätzten als die, die sich angenommen fühlten.