Im vergangenen Dreivierteljahr hat Ali Shoshak acht große X verloren. XXXXXXXX und ein L sind aus seinem Leben verschwunden, genauer: von seinen Kleideretiketten. Fast 180 Kilogramm hatte Shoshak gewogen, mehr als zehn Jahre lang. Er ist 36 Jahre alt, ein Mann mit dunklem Bart und warmem Blick. Heute würde man sagen, dass Shoshak ein attraktiver Mann ist. Zehn Jahre lang sagte man das wohl nicht.

Ali Shoshak aß schon mal vier Döner am Tag oder eine Familienpizza zwischendurch, täglich trank er sieben Liter Softdrinks. Es war nicht so, dass er nicht zuvor schon versucht hätte, abzunehmen: Low Carb, Slim Fast, Fit+Feelgood – durch Dutzende Diäten hatte er sich gequält. Aber nach wenigen Wochen war er immer wieder in sein altes Essmuster zurückgefallen. Bei seinem letzten Kampf nahm er schon in der ersten Woche 15,4 Kilo ab.

Mario Tama/Getty Images
Low Carb? Low Fat? Fasten?

Low Carb? Low Fat? Fasten?

Jeder fünfte in Deutschland ist adipös, hat also einen Body-Mass-Index über 30. Das Geschäft mit Diäten läuft gut. Aber was bringen sie?

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Hilft Übergewichtigen eine Diät überhaupt?

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Richtig. Wer zu viel wiegt, kann mit einer Diät schon abnehmen. Das Problem: Die wenigsten schaffen es, konsequent zu verzichten und anschließend auch noch ihr Gewicht zu halten. Deshalb macht längst nicht jede Maßnahme Sinn.

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Warum nehmen wir zu?

Der Körper ist auf Fett programmiert

Früher war die Fettreserve ein Vorteil in schlechten Zeiten. Heute verbrauchen wir die Polster nicht mehr, weil wir fast immer und überall Essen bekommen. Gerät das außer Kontrolle, nehmen wir zu. Ab einem Body-Mass-Index von 30 wird es kritisch.

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BMI = Körpergewicht (in Kilogramm) durch die Körpergröße (in Metern) zum Quadrat

Body-Mass-Index (BMI) – was ist das?

Ein BMI von 17,5 bis 25 gilt als normal. Werte ab 25 stehen für Übergewicht, ab 30 für Adipositas.

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Falsch. Ein hoher BMI steht nicht immer für Übergewicht. Große und muskulöse Personen macht der Index leicht übergewichtig, kleine untergewichtig. Viele Experten raten deshalb den Bauchumfang zu messen. Männern empfehlen sie maximal 94 Zentimeter, Frauen 80 Zentimeter. Dennoch: Ab einem BMI von 30 steigt das Krankheitsrisiko.

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Er führte diesen Kampf im Fernsehen, in der Sendung The Biggest Loser auf Sat.1, in der Kandidaten gegeneinander antreten, um möglichst viel Gewicht zu verlieren. Millionen Zuschauer sahen Shoshak dabei zu. Dass er sein Körpergewicht am Ende fast halbieren konnte und seitdem Kleidergröße M trägt, dass er es schaffte, insgesamt 85 Kilo abzunehmen und damit alle anderen Kandidaten schlug, dass Ali Shoshak the biggest loser wurde, lag nicht daran, dass er von vornherein der beste Sportler oder der gesündeste Esser von allen war. Im Gegenteil. Ali Shoshak verdankt diesen Erfolg der Motivation, die ihn im richtigen Moment angetrieben und dann nicht im Stich gelassen hat. Heute sagt er: "Man muss im Leben an den Punkt kommen, an dem man erkennt: Wenn du dir selbst nicht hilfst, kann dir keiner mehr helfen."

Motivation gibt unserem Verhalten eine Richtung und die Energie, dranzubleiben. Sie ist der entscheidende Funke, wenn es um die Frage geht, aufzustehen oder liegen zu bleiben, aufzugeben oder durchzuhalten. Motivation ist die Kraft, die uns einem Ziel näher bringt. Ist sie stark genug, kann sie aus Analphabeten Hochschulabsolventen machen oder aus Draufgängern treue Familienväter. Sie bringt Menschen wie Ali Shoshak dazu, ihr Gewicht zu halbieren, und andere, Bahasa-Indonesisch zu lernen.

Kein Wunder, dass sich um sie eine ganze Wissensindustrie rankt. Und ein Milliardenmarkt. Hinter dem Wunsch, die Motivation zu verstehen, verbirgt sich die Hoffnung, das eigene Verhalten und das der anderen besser kontrollieren zu können. Aber so einfach ist es nicht. Das wissen nicht nur Lehrer, Eltern, Politiker, Eheberater, Dompteure, Führungskräfte und Therapeuten. Das weiß auch jeder selbst.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 5/16.

Während der eine sich durch Wettbewerb angespornt fühlt und Höchstleistungen bringt, wirkt Druck beim anderen hemmend. Und während die eine bereit ist, ihr Leben für etwas zu geben, was ihr wichtig ist, scheint eine andere so apathisch, als interessiere sie gar nichts. Manchmal kommt die Motivation aus heiterem Himmel und verschwindet genau dann, wenn sie am nötigsten wäre. Dabei ist es egal, ob man 85 Kilogramm oder nur 5 abnehmen möchte, die Mechanismen sind dieselben.

Motivation ist schwer zu fassen. Sehen kann man sie nicht, nur das, was sie bewirkt – oder eben nicht: Änderungen im Verhalten. Die Frage danach, was den Menschen und andere Lebewesen funktionieren lässt, treibt Wissenschaftler seit Langem um. Viele von ihnen veröffentlichen nicht nur Fachaufsätze, sondern auch massentaugliche Anleitungen, ihre Wegweiser werden nicht selten zu Bestsellern. Es gibt unzählige Apps und Videos, Coaches und Personal Trainer. Und es gibt Wandkalender, in denen in Schnörkelschrift geschrieben steht, dass man auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, Schönes bauen kann: Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste um die Schwierigkeit, sich zu motivieren.

Um die Mechanismen der Motivation besser zu verstehen und um ihre Wirkung für uns und andere gezielter nutzen zu können, hilft ein Blick auf drei Bereiche des Alltags, in denen viele Menschen immer wieder ums Durchhalten ringen. Die typischen Themen für gute Vorsätze – und für häufiges Scheitern: Abnehmen, Sport treiben, eine Fremdsprache lernen.