Mantel im Mantel: Theo Mantel ist dick eingehüllt, wenn er im Winter spazieren geht. Selbst bei Minusgraden ist sein Hund dabei. Denn der Veterinärmediziner und ehemalige Präsident der Bundestierärztekammer weiß: Zwar können vom Hund bis zum Elefanten fast alle Tiere Husten oder Schnupfen bekommen, aber eigentlich kann die Kälte ihnen nicht viel anhaben. Und das liegt nicht nur am Winterfell.

ZEIT Wissen: Professor Mantel, was schützt die Tiere so wirksam?

Theo Mantel: Wenn die Tiere im Herbst und im Winter regelmäßig draußen sind und sich bewegen können, stellt sich ihr Körper auf die beginnende Kälte ein. Ihre Fellstruktur ändert sich, es bildet sich eine dichte Unterwolle. Das ist der beste Schutz. Ein Problem gibt es nur, wenn Tiere sich kaum draußen aufhalten. Dann kann der Schutz gar nicht erst aufgebaut werden. Diese Gefahr gibt es natürlich besonders bei Haustieren, aber auch bei manchen Nutztieren. Dennoch brauchen gesunde Tiere im Normalfall keine Decken oder Mäntelchen. Eine Ausnahme sind etwa Windhunde, die keine Unterwolle haben und schnell frieren.

ZEIT Wissen: Aber nicht alle Tiere haben ja ein Fell. Wie ist das bei Vögeln? Stimmt es, dass Enten ein Sekret aussondern, das sie vor Kälte schützt?

Mantel: Das Sekret aus der Bürzeldrüse sorgt dafür, dass Enten nicht untergehen, es macht die Federn wasserabweisend. Vor dem Erfrieren schützen sich Enten durch ihr Gefieder: Sie können Luft zwischen den Federn speichern, das hält warm.

ZEIT Wissen: Abgesehen von Winterfell und Federkleid, wie können sich Tiere noch vor der Kälte schützen?

Mantel: Sie verändern ihr Verhalten. Einige Tiere wie Bären oder Murmeltiere fahren ihren Herzschlag, ihre Atemfrequenz, ihre Körpertemperatur und ihren Stoffwechsel herunter und halten Winterschlaf. Sie leben sozusagen auf Sparflamme. Andere bewegen sich und schützen sich so vor Kälte.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Saison 1/16.

ZEIT Wissen: Warum halten nicht alle Tiere Winterschlaf?

Mantel: Rehe etwa finden auch im Winter noch genügend Futter, vorausgesetzt sie werden nicht gestört. Werden sie nämlich von Wanderern im Wald erschreckt und fliehen, erhöht sich ihr Energiebedarf, und sie müssen mehr fressen. Bären und Murmeltiere hingegen haben im Winter mit einem reduzierten Nahrungsangebot zu kämpfen, darum fressen sie sich im Sommer Reserven an und schlafen den Winter durch, ohne zu viel Energie zu verbrauchen.

ZEIT Wissen: Dann hungern sie ja im Grunde bis zu mehrere Monate. Was, wenn die Reserven nicht ausreichen?

Mantel: Im Normalfall passiert das nicht, nur bei extremen Minustemperaturen kann es sein, dass ein Tier erfriert. Und was das Verhungern angeht, so ist es etwa bei der Europäischen Landschildkröte so, dass sie während des halbjährlichen Winterschlafes nicht mehr als zehn Prozent ihres Körpergewichtes verlieren sollte. Dann kann es nämlich gefährlich werden.

ZEIT Wissen: Abgesehen vom regelmäßigen Rausgehen – was können Tierbesitzer noch tun, damit ihr Tier den Winter gesund übersteht?

Mantel: Wichtig ist, Tiere ausgewogen und gut zu füttern und sie vor übermäßiger Nässe und Zugluft zu schützen. Kälte allein macht sie nicht krank. So sind etwa Rinder, die in trockenen und kalten Ställen stehen, meist gesund. Anders ist es in Ställen, aus denen einem Dampf entgegenkommt. Die Luftfeuchtigkeit sollte auch nicht zu niedrig sein, die Temperatur nicht zu hoch, sonst könnten die Schleimhäute gereizt werden.