Bikinis machen dumm. Zumindest während der Tragedauer. Zu diesem Schluss kamen Forscher der University of Michigan in den neunziger Jahren. Bei der Studie schnitten Frauen, die einen Bikini trugen, in Matheaufgaben schlechter ab als die, die mehr anhatten. Auf den ersten Blick lässt sich daraus kein alltagstauglicher Ratschlag herleiten – die wenigsten planen, sich im knappen Zweiteiler in die nächste Prüfung zu setzen. Aber hinter dem amüsanten Versuch steckt eine größere Botschaft: Kleider verändern nicht nur unsere Wirkung auf andere, sie beeinflussen auch die eigene Leistung.

Aktuellere Studien bestätigen diesen Effekt: Der Psychologe Abraham Rutchick und seine Kollegen von der California State University wollten wissen, welchen Einfluss Kleidung auf unser Denken hat. Sie luden 90 Studenten zu verschiedenen Assoziationstests ein, wobei die eine Hälfte während der Tests Alltagskleidung trug und der Rest wie bei einem Bewerbungsgespräch angezogen war. "Die formell gekleideten Probanden waren in der Lage, abstrakter und ganzheitlicher zu denken", sagt Rutchick. Nach Fortbewegungsmitteln befragt, gaben sie zum Beispiel neben Begriffen wie "Auto" oder "Fahrrad", auch "Kamel" an.

Aber nicht nur auf unsere Gedanken wirkt das, was wir tragen, sondern auch ganz direkt auf den Körper: So zeigten Forscher der University of Durham, dass bei den Olympischen Spielen 2004 Sportler mit einem roten Trikot häufiger siegten als solche mit einem blauen. Schon vor den Wettkämpfen hatten die Roten messbar mehr Kraft und einen schnelleren Herzschlag als die Blauen. Den Einfluss auf den Hormonhaushalt untersuchten Wissenschaftler der Yale University. Sie ließen Männer entweder in Anzug, Jogginghose oder Alltagskleidung ein fiktives Geschäftsabkommen verhandeln. Das Ergebnis: Die Anzugträger waren nicht nur dominanter und erfolgreicher als die anderen, sie hatten auch einen konstant hohen Testosteronspiegel. Dieser Spiegel sinkt beim Verlieren von Wettbewerben – bei den Kandidaten in Jogginghose geschah dies schon vor dem Ende der Verhandlung.

Und auch Arztkittel wirken: Probanden in Weiß machten bei einer Studie der Northwestern University nur halb so viele Konzentrationsfehler wie die ohne Kittel. Unter einer Voraussetzung: Sie durften nicht glauben, der weiße Kittel sei von einem Maler.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 1/17.

Dieser letzte Versuch zeigt, dass die Magie nicht allein in Naht, Schnitt oder Stoff der Kleidung liegt, sondern in dem, was wir damit verbinden. "Social Priming" nennen Psychologen diesen Mechanismus. Unser Gehirn reagiert nicht immer gleich auf Reize. Hat uns vorab ein Geruch, eine Farbe, ein Wort oder Bild an etwas denken lassen, also bestimmte Gedächtnisinhalte wachgerufen, dann beeinflusst uns das unbewusst. Zwei Beispiele: Studienteilnehmer verhielten sich, nachdem sie über Geld geredet hatten, egoistischer als solche, die nicht darüber gesprochen hatten. Blonde Studentinnen, die vor einem Intelligenztest Blondinenwitze lasen, schnitten danach schlechter ab als diejenigen, die andere Witze lasen. Auch Kleider wecken in uns bestimmte Assoziationen. Wir verbinden mit ihnen Macht, Geschlecht, Status oder Alter und damit wiederum bestimmte Eigenschaften.

Ab jetzt also im roten Anzug oder im Arztkittel zum Bewerbungsgespräch? Wohl kaum. "Gerade weil Kleidung einen so großen Symbolcharakter hat, sollte sie zum Anlass passen", sagt der Psychologe Rutchick. Vielleicht war das auch das Problem der Bikini tragenden Rechnerinnen.