Die beiden haben ein geradezu ungeheuerlich optimistisches Buch geschrieben: Frido Mann, 76 Jahre alt, und Christine Mann, geborene Heisenberg, 72 Jahre alt. Er entstammt der Familie des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann. Thomas Mann war sein Großvater, Klaus und Golo Mann waren seine Onkel. Sein Vater war Michael, der jüngste der Mann-Söhne. Sie entstammt der Familie des Physiknobelpreisträgers Werner Heisenberg, sie war seine zweitjüngste Tochter. Viel mehr Bedeutung im deutschen Stammbaum geht nicht. Das Buch heißt "Es werde Licht", und es will die Quantenphysik, mitbegründet von Vater Heisenberg, ins Zentrum einer neuen Gesellschaftsphilosophie rücken.

ZEIT Wissen: Wie haben Sie sich kennengelernt?

Frido Mann: Beim Studium in München, wir haben Theologie studiert. Und da wir beide an der Schule kein Griechisch hatten, mussten wir das nachholen. Morgens um acht, total verschlafen, zweimal die Woche, im Griechischkurs. Als ich den Namen Heisenberg hörte, dachte ich: Interessant.

ZEIT Wissen: Und Sie, Frau Mann?

Christine Mann: Ich dachte: Aha, ein Schriftsteller als Großvater. Das war so gar nicht meins. Ich kam ja aus der Naturwissenschaft. Nein, der Name Mann klang für mich erst mal eher negativ. (beide lachen)

ZEIT Wissen: Man weiß es ja, wenn zwei Menschen ein Liebespaar werden, heiraten sie auf eine gewisse Weise immer die Familie des anderen mit. Puh, denkt man da bei Ihnen ...

Christine Mann: Es gab wegen dieser extremen Familien von Anfang an Spannungen, ganz klar. Zum einen: politisch. Die Manns waren im Exil, galten daher nach 1945 als politisch unbelastet. Mein Vater war nicht im Exil, war in Positionen, in denen er sich mit den nationalsozialistischen Machthabern einlassen musste. Er wollte trotzdem nichts mit den Nazis zu tun haben, aber er hat sicher Kompromisse gemacht.

ZEIT Wissen: Werner Heisenberg war zwischen 1942 und 1945 federführend am Uranprojekt der Nazis beteiligt. 1946 wurde er von den Engländern zum Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik in Göttingen ernannt. Das alles ist nicht unser Thema.

Frido Mann: Eine andere Spannung war von Anfang an: Die einen sind Künstler, die anderen sind Wissenschaftler, Christine hat schon davon gesprochen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 3/17.

Christine Mann: Da gibt es schon Unterschiede. Schauen Sie, mein Vater sagte immer: Die Wahrheit setzt sich schließlich von alleine durch. Und das stimmt irgendwie ja auch in der Wissenschaft. Und in der Literatur? Da gibt es das ja nicht: Wahrheit. Da müssen alle kämpfen, damit sie wahrgenommen werden. Eigenwerbung ist gefragt.

Frido Mann:Einstein hat gesagt, alle Religionen, Künste und Wissenschaften sind Zweige desselben Baumes. Dein Vater trug sich mit dem Gedanken, Musiker zu werden, er spielte sehr gut Klavier, bevor er dann doch Physiker wurde.

ZEIT Wissen: Herr Mann, wissen Sie noch, wann Sie Werner Heisenberg zum ersten Mal begegnet sind?

Frido Mann: Ja, das weiß ich noch sehr genau. Im Jahr 1965, es war im März, ich war zum ersten Mal im Hause Heisenberg. Er kam aus Berlin, aus der geteilten Stadt, er hatte da zu tun. Mein erster Eindruck: ein Mann, der in seinem Wesen sehr leicht wirkte, ausgeglichen, ein freundlicher Mann. Ich kann es nicht anders sagen: so leicht und rund, wie ein Ball. Unser Sohn hat von dieser Leichtigkeit ein bisschen was abbekommen, der wirkt auch so.