Ein Gedankenexperiment: Im März 1933, wenige Wochen nach der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten, werden alle jüdischen Deutschen aus ihren Wohnungen und Häusern gezerrt und aus den Fabriken, Kanzleien, Praxen, Universitäten, Schulen geholt, in Reihen geordnet und zum Bahnhof eskortiert, wo sie dann in Güterwaggons gepfercht und nach Osten zur Vernichtung abtransportiert werden. Ihr Hab und Gut wird versteigert, ihre Geschäfte übernehmen nichtjüdische Deutsche. Nach wenigen Wochen ist keiner mehr da.

Wäre das 1933 möglich gewesen? Nein. Denn zu diesem Zeitpunkt hätte sich jeder nichtjüdische Deutsche, egal ob Antisemit oder nicht, fraglos einem moralischen Universum zugeordnet, in dem humanistische Werte und Standards galten. Aber: Exakt das alles ereignete sich nur acht Jahre später in der Wirklichkeit des "Dritten Reichs", und alle Nichtbetroffenen hielten das inzwischen für erwartbar und normal, vereinbar mit ihren Moralvorstellungen und ihrem Weltbild.

Zwischen 1933 und 1941 hatte sich eine moderne Gesellschaft des christlich-abendländischen Kulturkreises innerhalb von nur acht Jahren in eine radikale Ausgrenzungsgesellschaft verwandelt – und zwar so, dass die nichtjüdischen Deutschen die tiefe Veränderung ihrer Welt und ihrer Moral selbst gar nicht bemerkten und die ganze Zeit über in der Lage waren, ihre gegenmenschlichen Haltungen mit dem Selbstbild in Einklang zu bringen, gute Menschen zu sein.

Dieselben Bürgerinnen und Bürger, die 1933 für undenkbar gehalten hätten, dass Deportationszüge vom Berliner Bahnhof Grunewald abfahren, konnten wenige Jahre später genau das bezeugen. Nicht wenige von ihnen hatten inzwischen "arisierte" Kücheneinrichtungen, Wohnzimmergarnituren oder Kunstwerke gekauft. Nicht wenige saßen auf den Arbeitsplätzen, Lehrstühlen, Beamtenstellen, von denen man ihre jüdischen Mitbürger entfernt hatte. Und sie fanden das völlig normal.

Wir sehen hier nicht das absolute Grauen des Holocausts, keine Gaskammern und keine Leichenberge, sondern das unspektakulärere, alltäglichere Bild einer Gesellschaft, die zunehmend verbrecherisch geworden ist. Oder genauer gesagt: die moralisch umdefiniert hat, was als erwünscht und verwerflich, gut und schlecht, ordnungsgemäß und kriminell gilt.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 3/17.

Alle Einzelschritte der radikalen Ausgrenzung der jüdischen Deutschen fanden in der Öffentlichkeit statt, bis hin zu ihrem Abtransport. Das Deportationsgleis 17, von dem mehr als 50.000 jüdische Deutsche deportiert worden sind, lag mitten im Berliner Stadtteil Grunewald, einem der bürgerlichsten und reichsten Wohnviertel der Reichshauptstadt.

Dies ist das negative Paradebeispiel einer shifting base line – jenes faszinierenden Phänomens, dass Menschen immer exakt jenen Zustand ihrer Umwelt für den "natürlichen" halten, der mit ihrer aktuellen Lebens- und Erfahrungszeit zusammenfällt. Veränderungen der sozialen und physischen Umwelt werden nicht absolut wahrgenommen, sondern immer nur relativ zum eigenen Beobachterstandpunkt. Und der Veränderungsprozess ist im Alltag auf so kleine Einzelschritte und Verschiebungen in Sprache und Umgangsweisen aufgeteilt, dass es dem Einzelnen gar nicht auffällt, wie er seine Wahrnehmungen und Einstellungen mit seiner sich verändernden Welt selbst verändert.

Plötzlich ist denkbar, was eben noch unmöglich galt

Die Kaskade der antijüdischen Gesetze und Maßnahmen wurde von den meisten nichtjüdischen Deutschen aus einem einfachen Grund kaum zur Kenntnis genommen: weil sie sie nicht betrafen, also ihre eigene Normalität nicht veränderten. Man lebt normal weiter in einer immer unnormaler werdenden Welt. Die Zeiten ändern sich eben. Radikal, in nur acht Jahren.

Shifting baselines sind gerade in Zeiten großer politischer Dynamik ein Problem, weil die Nachrichten, Begriffe, Konzepte und Provokationen so beschleunigt und vielfältig einander abwechseln, dass man kaum bemerkt, wie das, was gestern noch als unsagbar galt, heute schon Bestandteil eines scheinbar normalen politischen Diskurses ist. Genau deshalb ist die kalkulierte Grenzüberschreitung auf der begrifflichen Ebene, wie sie die Neurechten seit Jörg Haider immer wieder mit Erfolg praktizieren, so erfolgreich: Da spricht man vom "Schießbefehl" an den Grenzen oder von der angeblich unerwünschten Nachbarschaft eines nichtweißen Deutschen, und die leicht erregbaren Medien fungieren in einer Weise als Resonanzverstärker, dass plötzlich für denkbar gehalten wird, was zuvor noch als ganz und gar unmöglich gegolten hätte.

"Obergrenze" wäre noch so ein Wort, "völkisch", "Flüchtlingskrise" und vieles mehr. Da Begriffe immer auch Weltwahrnehmungen sind, spielt ihre Einführung in den "normalen" Sprachgebrauch eine wichtige Rolle für die shifting baselines, insofern erfordern sie besondere Aufmerksamkeit. In der zur politischen Kampfzone auserkorenen Flüchtlingsthematik war zu sehen, wie sich der Sprachgebrauch hin zur Inhumanität verschob, ohne dass dies skandalisiert worden wäre. Da forderte ein FAZ-Kommentator eine "Verabschiedungskultur", da sah man das deutsche Volk an der "Belastungsgrenze", und da meinte der Generalsekretär der CSU sagen zu können: "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling –, den kriegen wir nie wieder los." Hätte der Generalsekretär einer Regierungspartei sich vor zwei Jahren derart rassistisch geäußert, hätte er sein Amt sofort niederlegen müssen. Heute darf er es sagen – shifting baseline.

Wie bemerkt man solche Verschiebungen, und wie stemmt man sich dagegen? Dafür gibt es kein Patentrezept, schließlich ist man als Mitglied einer Gesellschaft stets Teil einer sich verändernden sozialen Gemeinschaft. Aber vielleicht kann man sich darin üben, gelegentlich "Augenblick mal!" zu sagen, wenn einem etwas so vorkommt, als habe man es kurz zuvor nicht mal denken, geschweige denn sagen wollen. Und das nicht nur zu sich selbst, sondern auch gegenüber anderen, wenn der Arbeitskollege oder die Cousine oder der Wirt von "Lügenpresse", "Völksverrätern", "Kopftuchmädchen" spricht. Einfach mal den Rede- und Denkfluss unterbrechen, die baseline am Verschieben hindern. Den eigenen moralischen Kompass eichen. Oder es so machen wie eine studentische Initiative in Österreich, die vor der Präsidentenwahl alle Gleichaltrigen dazu aufrief, ihren Omas und Opas anzudrohen, dass sie nie wieder zu Besuch kämen, wenn diese den FPÖ-Kandidaten wählen würden. Das hat nicht nur deshalb geholfen, weil nicht wenigen Omas bei dieser Drohung das Blut in den Adern gefroren sein muss. Sondern weil genau dies Anlass bot, politisch zu diskutieren, das scheinbar normal Gewordene in den Bereich des Unnormalen zurückzuholen. Die bewusste, explizite Auseinandersetzung ist gewiss das beste Mittel gegen jenes Mitdenken, aus dem allzu schnell ein Mitlaufen wird.

Alphabet des rechten Denkens. Von Thomas Assheuer

  • Alternative

    Alternative
    • Wahrheit
    • Widerstand
    • Globalisierung
    • System

    Die Rechte ist keine Reformbewegung, sie ist eine revolutionäre Bewegung. Sie ist keine Alternative im, sondern eine Alternative zum System: zu Liberalismus, Kosmopolitismus und Globalisierung. Legitimiert ist die rechte Revolte durch das Volk. Während die "Parteien von Davos" in ihrer grenzenlosen Gier nur eigennützige Interessen verfolgen, spricht aus dem rechten Politiker die unverfälschte Stimme des Volkes. Das gilt auch für Donald Trump. Weil in ihm das reine Herz des Volkes schlägt, war er der legitime Präsident, noch bevor er vom Volk legal gewählt wurde. Das Herz des Volkes schlägt immer rechts. Aus diesem Grund hassen wehleidige Liberale den Willen des Volkes und ertragen ihn nur in demokratisch verdünnter Emulsion. Sie verwässern ihn durch Rechtsstaat und Gewaltenteilung.

  • Arkanum der Macht

    Arkanum der Macht
    • Macht
    • Wahrheit

    Nichts ist abwegiger als die liberale Auffassung, politische Macht könne ihre Rechtmäßigkeit in einem demokratischen Prozess aus sich selbst erzeugen. Tatsächlich gründet wahre Macht in einem mythischen Tiefengrund, in einer jahrtausendealten Kultur oder einem Königtum. So bekennt die von Viktor Orbán veränderte ungarische Verfassung ihren "Stolz darauf, dass der Heilige Stephan den ungarischen Staat vor tausend Jahren auf festen Fundamenten errichtete". Der Schutz der Krone rangiert über dem Schutz der Menschenrechte. Auch Wladimir Putin, der neue Zar, versöhnt das Sakrale mit dem Politischen, die zu trennen eine liberale Sünde war. Zum Gefallen des Volkes präsentiert er sich vor jenem dunkel schimmernden Gold, das die orthodoxe Kirchenkunst seit zwei Jahrtausenden als Hintergrund für ihre Heiligenbildnisse verwendet. Nicht anders Donald Trump. Auch er pfeift auf den uniformen Bauhausgeschmack der kosmopolitischen Snobs und liebt das Gold. Gold ist der irdische Gott, in dem der Geldkreislauf zur Ruhe kommt. Gold transsubstantiiert vergängliches Kapital in ewigen Wert. Die New York Times hat recht: Trump will Kaiser sein. Der heilige Glanz des Goldes bezeugt die Rechtmäßigkeit seiner politischen Macht.

  • Dekonstruktion

    Dekonstruktion
    • Macht
    • System

    Ist ein Fanalwort von Trumps Chefberater Stephen K. Bannon. Seine Forderung nach einer "Dekonstruktion des administrativen Staates" folgt dem Programm des autoritären Liberalismus der frühen 1930er Jahre: Nur ein starker, autoritärer Staat, der sich aus allen Regulierungen (auch aus der Sozialpolitik) zurückzieht, garantiert eine gesunde Wirtschaft. Die AfD hört das gern.

  • Den Sumpf austrocknen

    Den Sumpf austrocknen
    • Kampf
    • Widerstand
    • Globalisierung

    Seit dem US-Wahlkampf ist es die Lieblingsparole der rechten Revolution. Trumps Mastermind Stephen Bannon benutzt sie ebenso häufig wie der russische Vordenker Alexander Dugin. Der globalen Sekte des Liberalismus – der "letzten totalitären Ideologie der Moderne" – muss das Handwerk gelegt werden. Dazu zählen die "Befürworter der offenen Gesellschaft, LGBT-Maniacs und Posthumanisten". Draining the swamp ist der neue kategorische Imperativ aller aufrechten Völker. "Säuberer aller Länder, vereinigt euch!" (Dugin)

  • Ehre statt Würde

    Ehre statt Würde
    • Kampf
    • Wahrheit
    • Gleichheit

    Eine wahre Demokratie ist eine Gesellschaft der Ehre, nicht der Würde. Menschen sind nun einmal unterschiedlich. Gleichheit ist der Urschrei des Knechts, um den Herrn zu stürzen. Liberale Gesellschaften singen das Leierlied von der Solidarität und predigen die Würde des Einzelnen. In Wirklichkeit muss sich in ihnen jeder die soziale Wertschätzung mühsam erkämpfen. Liberalismus und Ungleichheit sind zwei Seiten derselben Münze: Jedes siebte Kind lebt in Armut, schon die Kleinen und Kleinsten werden gezwungen, aus dem liberalen Rattenrennen als Testsieger hervorgehen. In der Volksgemeinschaft dagegen ist jedem die Ehre garantiert. Wer bislang nichts war, der wird nun alles sein. Keiner muss sich ständig neu erfinden. Jeder darf so bleiben, wie er von Geburt an ist.

  • Entscheidung

    Entscheidung
    • Macht
    • Wille
    • Wahrheit
    • Widerstand

    Der Wille zur Macht bezeichnet das Wesen der Politik. Der Liberalismus verleugnet diesen Willen und drängt ihn ins Verborgene. Rechte Politik ändert das. In ihr verlässt die Macht das liberale Versteck und tritt erneut ins helle Licht der Öffentlichkeit; sie ist wieder überall präsent und tut, was sie tun muss: Sie entscheidet. Nicht später, sondern sofort; nicht erwartbar, sondern aus heiterem Himmel – wie Donald Trump mit seinem Sperrfeuer aus executive orders. Wichtig ist nicht, wie entschieden wird, sondern dass entschieden wird, denn nicht die Wahrheit, sondern die Macht schreibt die Gesetze. Wie kein US-Präsident vor ihm hat Trump verstanden, dass nicht rationale Argumente, sondern vorpolitische Affekte die Gesellschaft zusammenhalten. Wenn sein autoritärer Irrationalismus Hass und Widerstand freisetzt, dann ist das durchaus zu begrüßen. Gefühle vitalisieren das Volk, und es spürt sich wieder. "In der Ausnahme durchbricht die Kraft des wirklichen Lebens die Kruste einer in der Wiederholung erstarrten Mechanik" (Carl Schmitt). Heroisch erträgt der Machthaber alle Ärgernisse und wird dafür bewundert. Er opfert sich, um den Staat zu retten. "Alles Große steht im Sturm", schrieb Martin Heidegger. "Alle reden über meine Politik", freut sich Donald Trump.

  • Establishment

    Establishment
    • Macht
    • Elite
    • Widerstand
    • System

    Dazu zählen sämtliche Angehörigen des Systems. In Deutschland sind es Politiker der Konsensparteien CDUSPDGrüne, abgehobene Funktionsträger, unverständliche Wissenschaftler, liberale Protestanten, liberale Katholiken und Mediokraten. Das Establishment, auch Elite genannt, hat sich 1968 an die Macht geputscht und durch kulturfremde Reeducation den Deutschen das Deutsche ausgetrieben, vor allem den Mut zur nationalen Selbstbehauptung im Herzen Europas. Eine Opposition gibt es nicht. Wenn sogar ein grüner Ministerpräsident jeden Tag für die Systempolitikerin Angela Merkel betet, dann kann der Aufstand gegen die herrschende Klasse nur aus einer Richtung kommen: von rechts. Danach werden die falschen Eliten durch richtige Eliten ersetzt. Diese wurzeln wieder organisch im Volk und gehen durch natürliche Auslese aus ihm hervor. An der Spitze steht der Regent. Er ist der leibgewordene Wille des Volkes. Wer ihn angreift, der greift das Volk an.

  • Evolution

    Evolution
    • Elite
    • Gleichheit

    Das Wort meint eigentlich Sozialdarwinismus und stammt aus dem Gilded Age des amerikanischen Hochkapitalismus am Ende des 19. Jahrhunderts. Der englische Soziologe Herbert Spencer machte es hoffähig, und Tycoons wie John D. Rockefeller und Andrew Carnegie führten es prominent im Munde. Evolution kennt keine Moral, sie kennt nur Sieger und Verlierer. Millionäre sind das Produkt natürlicher Auslese. Die Wirklichkeit ist rechts.

  • Gesellschaft

    Gesellschaft
    • Wille
    • Widerstand
    • Gleichheit

    Wie schon Margaret Thatcher erkannte, ist das Wort Gesellschaft eine linke Erfindung. There is no such thing as society. Ein geselliges Vereinsleben kann allerdings nicht schaden, zum Beispiel naturtrübe Pfadfinder, fleißige Bienenzüchter und lustige Dorfmusikanten. Anders als liberale Träumer wissen rechte Politiker, dass Menschenmassen verführbar sind und sich jederzeit in eine Brutstätte des Widerstands verwandeln können. Urplötzlich schleicht der Teufel des Bürgerkriegs durch die Menge und verspricht ihr ein glückliches Leben in Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit. Damit das gefährdete Volk seinen wahren Willen nie vergisst, muss es von der Regierung kontrolliert, geformt und zum Bewusstsein seiner selbst gebracht werden.

  • Klüngelkapitalismus

    Klüngelkapitalismus
    • Kampf
    • System

    Das Schlagwort machte in Trumps Wahlkampf Karriere und erobert jetzt auch Europa. Gemeint ist damit, dass der Staat von hedonistischen Babyboomern unterwandert wurde und nun mit den Konzernen "im Bett liegt". Crony capitalism verhindert echten Wettbewerb, er politisiert die Wirtschaft und ökonomisiert die Politik. Das system of fat cats (Bannon) hat ohne strafrechtliche Folgen 2007 die Finanzkrise entfesselt und sich dann mit den Steuergeldern der Mittelklasse retten lassen. Leute wie Bannon legen Wert auf die Feststellung, dass es ihnen nicht um die Zähmung des Kapitalismus geht, sondern um seine Entfesselung. "Je härter, desto besser." Vetternwirtschaft gibt es auch in Deutschland. Während eine Kassiererin wegen der Unterschlagung von ein paar Cent gefeuert wird, durften Banken durch Cum-Ex-Geschäfte den Steuerzahler um zwölf Milliarden Euro betrügen. Der zuständige Minister wusste angeblich von nichts. It’s a disaster.

  • Korrektheitsterror

    Korrektheitsterror
    • Wille
    • Kampf
    • Elite
    • Widerstand

    Ganze Brigaden aus linksmoralischen Gutmenschen verbieten normal fühlenden Menschen, so zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Politisch Korrekte glauben, die Gesellschaft durch "respektvolles Sprechen" verändern zu können – die Welt werde gut, wenn man keine bösen Wörter mehr benutzt. Wozu hat es geführt? Ausgerechnet linke Identitätshasser erzeugen eine Gesellschaft, die nur aus Gruppen-Identitäten besteht. Wenn diese sich nicht gerade bekämpfen, segeln sie aneinander vorbei wie Schiffe in der Nacht. Linke Sprachtabus sind wie die Legalitätsstrukturen der repräsentativen Demokratie: Sie lähmen die "thymotischen Energien" (Peter Sloterdijk) des Volkes, sie lähmen Zorn, Leidenschaft und den Willen zur nationalen Arterhaltung. Schon seit der Regierung Schröder/Fischer/Maschmeyer hat sich im Volk eine große Wut aufgestaut. Der Rückbau des Sozialstaates und die Privatisierung der Volksrente demütigen den Einzelnen. Menschen sind Menschen und keine Ich-AGs. Während die vegane Elite ihre Schäfchen ins Trockene bringt, muss sich das normale Volk von verbildeten Bildungspolitikern sagen lassen, wie kosmopolitisch es seine Kinder erziehen soll, damit alle in Oxford Professor werden.

  • Leben

    Leben
    • Macht
    • System

    Westliche Gesellschaften haben zwar ein Bewusstsein vom Überleben, aber nicht mehr vom Leben. Ihre Sozialstaatsbürokratie nimmt den Bürgern das Schicksal aus der Hand und betrügt sie um die Intensität des Daseins. Erst eine existenzielle Politik wird ihnen das Gefühl für Tragik und Tiefe zurückgeben. Anstatt sich in der sozialen Hängematte wund zu liegen, wird der Bürger die Mächte des Schicksals wieder am eigenen Leib verspüren und sie mit heroischem Realismus zu ertragen lernen. Alles, was geschieht, ist eine Manifestation des schicksalhaften Lebens, auch ein Börsencrash. Putins Stabschef Anton Waino sagt es so: "Das Leben ist immer eine Einheit. Das Wesen des Lebens und das Wesen des Marktes sind miteinander verknüpft."

  • Liberalismus

    Liberalismus
    • Macht
    • Wille
    • System

    Ist der Sündenfall der Moderne. Er verleugnet das mythische Wesen der Politik, nämlich den Willen zur Macht. Liberalismus ist Negation des Politischen. Er verachtet all das, was das Leben lebendig macht – Kampf und Härte, Blut und Opfer. "Kein Staat ohne Opfer." Liberale Politik verleiht der menschlichen Selbstsucht die höheren rechtlichen Weihen. Sie herrscht durch Entpolitisierung, kehrt Konflikte unter den Teppich oder entschärft sie zum bloßen Meinungsstreit. Anstatt über national-existenzielle Fragen zu streiten, streiten liberale Einheitsparteien über Mülltrennung und Genderklo. Dadurch feminisieren sie die Gesellschaft und treiben ihr den Kampfeswillen aus. Postheroisch entmännlichte Gesellschaften kennen ihre Feinde nicht und sind gegenüber dem Islam nur bedingt abwehrbereit. "Es ist höchste Zeit, dass das deutsche Volk zu seiner verlorenen Männlichkeit zurückfindet" (AfD). Auch linke Philosophen wie Slavoj Žižek oder Alain Badiou wissen: Liberalismus ist die Metaphysik des Kapitalismus. Er übergießt Klassenkämpfe mit einer rot-grünen Soße aus Multikulti-Toleranz oder verwandelt sie in scheinprogressive Identitätspolitik ("mehr Frauen in Dax-Vorstände"). Sehr früh hat Karl Marx das egoistische Wesen des Liberalismus durchschaut: "Es ist schon rätselhaft, wenn ein Volk bei der Gründung eines Gemeinwesens die Berechtigung des egoistischen, vom Mitmenschen und vom Gemeinwesen abgesonderten Menschen feierlich proklamiert."

  • Lügenpresse

    Lügenpresse
    • Kampf
    • Elite
    • Widerstand
    • System

    Medien, behaupten Systempolitiker, üben eine Kontrollfunktion aus und schauen der Regierung auf die Finger. Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen artikulieren Zustimmung oder Widerspruch und geben denen eine Stimme, die keine haben. Und weil sie selbst Agenten im Meinungskampf sind, kritisieren Medien sich wechselseitig. Diese Schulbuchweisheit ist eine Lüge. Noch nie waren Medien das Sprachrohr der Gesellschaft; sie waren stets der publizistische Arm kapitalistischer Eliten oder linker Realitätsverweigerer, die sich mit dem irdischen Jammertal nicht abfinden wollen. Schon die Idee einer "kritischen Öffentlichkeit" ist ein Hirngespinst. Martin Heidegger wusste, dass "Abständigkeit, Durchschnittlichkeit, Einebnung als Seinsweisen des Man das konstituieren, was wir als 'die Öffentlichkeit' kennen. Sie verdunkelt alles und gibt das so Verdeckte als das Bekannte und jedem Zugängliche aus." Orbán, Putin, Kaczyński, Erdoğan und Donald Trump haben recht: Mainstream-Medien sollen keine Kritik betreiben; sie sollen Resonanz organisieren und dem Volk das Regierungshandeln verständlich machen. Es trifft sich gut, dass Massenmedien durch die rasend schnelle Taktung ihrer Nachrichten eine permanente Erwartungsspannung aufbauen. Fuck the facts, enjoy the ride! Ist die Spannung groß genug, wird die lang erwartete Maßnahme der Regierung wie eine Erlösung empfunden. Wenn Medien überhaupt eine kritische Funktion ausüben sollten, dann wie in China als Störungsmelder. Noch bevor der Unmut über schlechte Luft aus dem Ruder läuft, schlagen sie Alarm und verhindern den drohenden Aufstand. Sobald Medien – wie in der Türkei oder den USA – Oppositionspartei spielen und der Regierung den Krieg erklären, sind sie Feinde des Volkes und müssen durch Strohmänner aufgekauft oder anderweitig zur Raison gebracht werden. In Ungarn funktioniert das gut.

  • Mythos

    Mythos
    • Kampf
    • Wahrheit

    Der Liberalismus verdrängt die Konstanten der Weltgeschichte und vergisst, dass darin nicht Rosenwasser versprüht, sondern Blut vergossen wird. Anders als die großen Religionen behaupten, sind Kampf und Krieg mythische Wahrheiten in der Tagesordnung des Ewigen. Auch der Kapitalismus ist tragischer Kampf, er ist hart, irrational und opferreich. The winner takes it all. Wie sagte Donald Trump vor dem Kongress? "Wir gewinnen nie. Und wir kämpfen nie, um zu gewinnen. Wir müssen wieder Kriege gewinnen."

  • Neue Ordnung

    Neue Ordnung
    • Wille
    • System

    Weil im Liberalismus die Trennung von Politik, Wirtschaft und Recht immer Ideologie war, ist es ehrlicher, sie gleich ganz abzuschaffen. Trotzdem gibt es in der neuen Ordnung – zum Beispiel in Ungarn – noch viel Demokratie: Das Volk regiert durch Meinungsumfragen und Referenden mit; die Regierung kennt seine Wünsche besser als es selbst. Auch Wahlen finden statt, bringen aber zum Glück keine großen Überraschungen. Es gibt Richter und Gerichte, doch sie folgen dem konkreten Willen des Volkes und nicht den Wünschbarkeiten des abstrakten Rechts. Kein Recht steht über dem Volk. Die Medien sind frei; sie lehren das Volk Dankbarkeit und sichern die Legitimität der Regierung zwischen den Wahlen. Auch das Internet wird nicht zensiert. Geheimdienste schützen den Bürger vor falschen Gedanken.

  • Nihilismus

    Nihilismus
    • Gleichheit
    • System

    Liberale Gesellschaften haben den wertesetzenden Staat zur Strecke gebracht. Ohne staatliche Daseinsanleitung herrschen Hyperindividualität und leere Freiheit. Jeder ist der andere und keiner er selbst. Das Leben in einer Demokratie ist ein Leben ohne Idee; die sinnlos Emanzipierten wissen nicht einmal mehr, wovon sie sich emanzipiert haben. Kapitalismus und Medienindustrie arbeiten dabei einträchtig Hand in Hand, denn sie wissen: Nur tote Seelen sind bereit, sich im eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ihren wechselseitigen Vorteil abzujagen. "Es ist der Mars auf Erden, so kalt, so leblos, vieldurchfurcht und ohne Atmosphäre" (Botho Strauß).

  • Polarisierung

    Polarisierung
    • Macht
    • Wahrheit
    • System

    Weil der herrschende Liberalismus sich unter einer Maske aus Sprachverboten versteckt, müssen diese zerstört werden. Dabei geht es nicht um Inhalte, sondern um Provokation. Es geht nicht darum, wie gutartige Luhmannianer mutmaßen, den Raum des Sagbaren zu erweitern, es geht darum, ihn zu zerstören. Das Ziel heißt gesellschaftliche Spaltung und effektive Polarisierung. In Deutschland versucht es die AfD, in Amerika sind die Tea Party und Breitbart News damit erfolgreich. Maybe it’s time to make America hate again. Wenn Milo Yiannopoulos, der ehemalige Coverboy von Breitbart, fragt: "Wovon würden Sie Ihr Kind lieber befallen sehen, Feminismus oder Krebs?", dann will er, dass die Welt genauso beliebig erscheint wie in der postmodernen Theorie. Anything goes, alles bedeutet alles. Obamacare gleich Sozialismus. Medien gleich Meinungsdiktatur. Flüchtlinge gleich Terroristen. Sobald es keine Wahrheit mehr gibt, nutzt der volksnahe Politiker das Vakuum und schafft endlich Fakten. Macht ist Wahrheit, und Wahrheit ist Macht. Noch besser, die diskursgläubigen Schwätzer werden handgreiflich und bringen – wie kürzlich die Studenten in Berkeley – die wirkliche Wirklichkeit hinter ihren humanistischen Phrasen zum Vorschein: die zeitlose Realität von Macht und Gewalt. Je mehr Chaos, desto besser, dann fällt den Rechten die Macht wie eine reife Frucht in den Schoß. Wer Angst vor dem Bürgerkrieg hat, der wählt rechts. Er wählt den starken Mann.

  • Postwestlich

    Postwestlich
    • Elite
    • Globalisierung
    • System

    Ordnung existiert nur im nationalen Raum. Außerhalb der multipolaren Welt souveräner Nationalstaaten gibt es keine Ordnung, erst recht keine westliche. Was es gibt, das sind tragische Kollisionen oder taktische Allianzen. Nur Spinner glauben an eine friedliche Weltgesellschaft oder die Vereinten Nationen. Die postwestliche Welt macht Schluss mit dem Imperialismus der Menschenrechte, denn wer Menschenrechte sagt, der will betrügen. Ohnehin sind Menschenrechte eine rein westliche Erfindung. Gemeingefährliche Intellektuelle wie Sokrates, Moses und Jesus haben sie in die Welt gesetzt, damit souveräne Machthaber ihre Untertanen nicht länger so behandeln, wie es ihr natürliches Recht ist. Die Epoche des Universalismus ist nun Geschichte. George Bush sen. tarnte seine Absichten noch hinter dem Satz, er wolle das Feuer der Freiheit in den hintersten Winkeln der Welt zum Leuchten bringen. Nun verbrennt Donald Trump eigenhändig die Fahne des westlichen Universalismus und beendet Amerikas Expansion in den globalen Raum. Der Ultranationalist Alexander Dugin nennt Trumps Wahl deshalb eine Sensation. "Washington gehört uns."

  • Raum

    Raum
    • Globalisierung
    • Gleichheit

    Rechtes Denken ist Raumdenken. Im Interesse ihrer Selbsterhaltung muss jede Kultur in einem umgrenzten Raum verwurzelt sein und darf sich niemals mit fremden Elementen vermischen. Ob ein orthodoxes Eurasien, ein islamisches Sultanat oder ein christliches Abendland: Entscheidend ist die geschlossene Einheit von Kultur und Raum. Von Anfang an war die vom Westen erfundene Globalisierung ein Angriff auf den nationalen Raum; die angelsächsischen Seemächte schwächten die Selbstbestimmung der landgebundenen Völker und unterwarfen sie den imperialistischen Ideen von Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit. Die Auflösung fester Grenzen pulverisierte die alten Reiche und alten Staaten. Nach der Deterritorialisierung der Räume war die Macht nun überall und nirgends: bei der EU, der WTO, dem IWF – nur nicht beim Volk. Globalisierung ist Niemandsherrschaft, the rule of nobody. Künftig sind die Nationen wieder das, was sie von Anfang an waren: souverän.

  • Souveränität

    Souveränität
    • Macht
    • Globalisierung

    Im Verlangen nach Totalkontrolle über den nationalen Raum schlägt das Herz der rechten Revolution. Im Austritt Großbritanniens aus der EU und in der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten feiert sie ihren bislang größten Triumph. Künftig werden die Staaten wieder frei sein, sie werden die goldenen Ketten des internationalen Rechts abstreifen und sich aus der babylonischen Gefangenschaft von Freihandelsabkommen lösen. Nicht länger werden unschuldige Nationen von gierigen fremden Mächten ausgebeutet. "Deutsche Zahler – ausländische Nehmer." Von Anfang an grub die Globalisierung den Völkern das Wasser ab und nützte nur einer heimatlosen global class. Das gefährlichste Monster ist die Europäische Union. Sie schleift die schützenden Mauern der Vaterländer und erklärt klassische Kulturnationen wie Griechenland zum Protektorat.

  • Umvolkung

    Umvolkung
    • Widerstand

    Merkels Flüchtlingspolitik zerstört die Substanz des deutschen Volkes, ohne das Volk vorher danach gefragt zu haben. Dieser Meinung hat sich inzwischen auch die Zeitschrift Tumult angeschlossen, in den achtziger Jahren die Berliner Einsatzleitstelle für Vernunftkritik und postmodernes Denken. Ob daraus ein aktives Widerstandsrecht abzuleiten ist, muss der national fühlende Bürger selbst entscheiden.

  • Volksgemeinschaft

    Volksgemeinschaft
    • Gleichheit

    Aus der Ordnung des Raumes entsteht die Ordnung der Volksgemeinschaft. Darin ist jeder an seinen Platz gestellt und sollte am besten auch dort verbleiben. Die Volksgemeinschaft ist eine Ständegesellschaft, die von oben nach unten gegliedert ist. Die gesellschaftliche Hierarchie ergibt sich aus der natürlichen Ungleichheit der Menschen sowie ihrer blutsmäßigen Herkunft. Jeder Stand besitzt seine eigenen Rechte und seine eigene Vertretung; kein Volksgenosse muss mehr Flaschen sammeln oder gar hungern. Eine anonyme Umverteilung durch einen kleptokratischen Sozialstaat findet nicht statt, denn nach einer Revolution der gebenden Hand treten die Leistungsträger in völkischer Solidarität den Armen freiwillig etwas ab. In Frankreich hat der Front National im Fall eines Wahlsiegs in Aussicht gestellt, dass ethnische Franzosen gegenüber Bürgern mit Migrationshintergrund prinzipiell bevorzugt werden, auch wenn diese französische Staatsbürger sind. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry fordert, das Wort "völkisch" zu rehabilitieren.

  • Volkskultur

    Volkskultur
    • Kampf
    • Elite
    • Globalisierung

    Kulturell gesehen klaffen zwischen den neuen Autoritären Welten. Kaczyński hasst Wladimir Putin, und für Putin ist Donald Trump ein Musterexemplar des vulgären Kapitalismus. Doch eines verbindet sie alle: der Kampf gegen die Hollywood-Elite, gegen Lady-Gaga-Kunst und vaterlandslose Intellektuelle ("Spaltpilze"). Diese repräsentieren nicht die Kultur des Volkes, sondern die substanzlose Mischkultur der globalists. Mit einem Wort: Die herrschende Hyperkultur ist die Kultur der Herrschenden. Aus diesem Grund muss die Kultur wieder nationalisiert und unter Aufsicht des Staates gestellt werden. Traditionen, zu denen die Tradition der Aufklärung allerdings nicht gehört, bilden das Lebenselixier des Volksgeistes, weshalb der Staat dafür Sorge tragen muss, dass Volksverräter keine giftigen Substanzen hineinrühren. Kultur ist nämlich nicht Entertainment, sie ist geistiger Staatsschutz. Sie feiert nicht das Fremde, sondern stiftet die Identität des Eigenen. In Polen werden Theaterinszenierungen vorsorglich auf Traditionsverträglichkeit geprüft. Auch die "Alternative für Deutschland" verlangt mehr Nationales.

  • Volkswirtschaft

    Volkswirtschaft
    • Elite
    • Globalisierung

    Nach dem Mauerfall hatten liberale Eliten versprochen, die Globalisierung so zu steuern, dass große Konzerne kleine Staaten nicht durch Steuerdumping gegeneinander ausspielen. Das war ein kosmopolitischer Schwindel. In Wahrheit hieß die Devise Deregulierung und Privatisierung. Sie spülte US-Konzernen echtes Geld in ihre künstlichen Steueroasen und zwang die überschuldeten Völker dazu, die Axt an den Sozialstaat zu legen. Während hart arbeitende Normalmenschen vor einer unsicheren Zukunft zittern, baden Superreiche in laktosefreiem Champagner und betrügen das Volk um seinen gerechten Anteil; in ihren Steueroasen schlummert der vorenthaltene Wohlstand der Nationen. Volksnahe Politiker werden das ändern. Sie werden den Freihandel beenden und die Wirtschaft nationalisieren. Die Weltwirtschaft ist eine Schicksalsmacht. Auf dem Schlachtfeld der Ökonomie muss sich jede Nation heroisch bewähren oder tragisch untergehen. Für alle reicht es nicht.

  • Wahre Demokratie

    Wahre Demokratie
    • Macht
    • System

    Früher als alle anderen haben rechte Politiker begriffen, welch fantastische Möglichkeiten ihnen die sozialen Medien eröffnen. Vor allem Twitter ist wie geschaffen für die wahre Demokratie. Im Gegensatz zur repräsentativen Demokratie erlaubt es diese tolle Erfindung, dass der Führer ungefiltert mit dem Volk ins Gespräch kommt. So wird am Ende der Geschichte ein uralter Traum der konservativen Staatstheorie doch noch wahr. Für sie war es unannehmbar, dass der Liberalismus freiwillig darauf verzichtet, über die Innenwelt der Bürger zu regieren. Twitter ändert das gerade, oder um ein Wort von Thomas Hobbes abzuwandeln: Es verbindet die "Lippen des Herrschers" ohne Umwege mit der "Seele der Bürger". Follow me.