Die junge Frau und der Hund lächeln in die Kamera. Sie hat weiße Haare und blasse Haut. Er hat das schneeweiße Fell eines Malteserhundes. Seine Ohren liegen so flach am Hundekopf an wie die Bob-Frisur an ihrem Gesicht. Es ist ein Klischee, mit dem der Fotograf Christoph Schwabe in seinen Bildern spielt: Für den Fotoband Doppelpack hat er mehr als 100 Hunde-Herrchen-Paare abgelichtet, bei denen sich Mensch und Tier frappierend ähnlich sehen. Hatte das Aussehen des einen auf das des anderen abgefärbt? Und wenn ja, wer steckt sich da bei wem an?

Psychologen der University of California machten sich die Mühe, dem Phänomen nachzugehen. Sie konnten bestätigen, dass sich Hunde und Herrchen durchaus häufig ähnlich sehen, insbesondere wenn die Hunde reinrassig sind. Sie fanden aber auch heraus, dass es dabei keine Rolle spielt, wie lange das Paar schon zusammenlebt. Nicht Anpassung ist demnach die Erklärung der Forscher, sondern schlicht, dass sich die Menschen Hunde aussuchten, die ihnen selbst ähneln.

Anders sieht es bei der Ansteckungsgefahr von Äußerlichkeiten zwischen Menschen aus: Sie ist mehrfach nachgewiesen. Der Psychologe Robert Zajonc von der University of Michigan verglich in den achtziger Jahren Hochzeitsbilder mit Fotos, die 25 Jahre später von den Eheleuten angefertigt wurden. Tatsächlich hatten sich die Gesichtszüge der Paare angeglichen. Gemeinsam hatten sie sich gefreut und gesorgt und dabei ihre mimische Muskulatur offensichtlich ähnlich trainiert. Vergleichbare Lach- und Sorgenfalten waren entstanden – und zwar umso mehr, je glücklicher die Ehe war. Zajonc folgerte daraus, dass wir uns vor allem von den Menschen beeinflussen lassen, die wir besonders gern haben und mit denen wir uns identifizieren. Dass das bei Weitem nicht nur für Gesichtszüge gilt, zeigte vor einigen Jahren Nicholas Christakis. Der Medizinsoziologe erforscht an der Harvard Medical School, wie ein bestimmtes soziales Umfeld auf Stimmung, Verhalten – und Proportionen des Menschen wirkt. Er fand unter anderem heraus, dass diejenigen, die übergewichtige Freunde haben, selbst ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, dick zu werden. Seine Erklärung: In einem solchen Umfeld sei Übergewicht sozial akzeptierter. Es dränge einen niemand dazu, weniger zu essen oder die Joggingschuhe auszupacken.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 4/17.

Noch einflussreicher auf bezüglich des Aussehen und deutlich ansteckender als Lachfalten oder der Wohlstandsbauch ist Stil. Schlaghosen, Schnauzbärte oder Stoffbeutel – Modetrends prägen das Erscheinungsbild extrem und breiten sich aus wie Viren. Dass manch einer dabei zur Hochwasserhose und ein anderer zum Armani-Hemd greift, erklärt Marketingprofessor Jonah Berger von der Wharton University mit dem sogenannten social signaling: "Durch gewisse Kleidungsstücke teilen wir unserer Umwelt mit, wer wir sind." Trends kommen dabei oft aus Subkulturen, mit denen wir Positives wie Naturverbundenheit oder Individualität verbinden. Wie etwa mit Birkenstock-Sandalen. Sie waren lange ein Erkennungsmerkmal von Hippies und Sozialkundelehrern. Dann konnte man sie an den Füßen von Fashion-Week-Models in New York sehen und an denen der Hipster in Berlin. Inzwischen gibt es Birkenstock-Imitate sogar billig beim Schuhdiscounter.

Auch Tätowierungen haben einen Siegeszug hingelegt: Waren sie einst Markenzeichen von Häftlingen und Punkern, ist heute fast ein Viertel aller 14- bis 24-Jährigen in Deutschland tätowiert. Das muss ein Pandemie-Virus erst einmal nachmachen.

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