Am Anfang drei Fragen:

Welche Landschaften wecken unser Vertrauen?

Einen aktuellen Überblick über den Stand der Forschung gibt ein brasilianisches Forscherteam in seinem Aufsatz "Landscape preferences in the human species: insights for ethnobiology from evolutionary psychology" (Juli 2017).

John Falk und John Balling, die 1982 die erste Studie zu dieser Frage vornahmen, haben dasselbe Studiendesign 2010 mit Versuchspersonen aus Nigeria wiederholt und in "Evolutionary Influence on Human Landscape Preference" beschrieben.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat Unterschiede in der Landschaftswahrnehmung zwischen Probanden aus Deutschland, Schweden und Oregon einerseits und Probanden aus China, Russland und Indien festgestellt. Die Ergebnisse haben sie 2008 in "Variations in cross-cultural perception of riverscapes in relation to in-channel wood" publiziert.

Mit der Frage, wie der Goldene Schnitt die Wahrnehmung von Fotografien verändert, beschäftigen sich Forscher der Universität Prag in "Does the composition of landscape photographs affect visual preferences? The rule of the Golden Section and the position of the horizon" (2014).

Kann man absichtlich vergessen?

Das Buch "Memory" der Autoren Alan Baddeley, Michael W. Eysenck und Michael Anderson liefert einen Überblick über die komplexen Funktionsweisen des Gedächtnisses. Die wissenschaftlichen Grundlagen und Experimente der Vergessens-Forschung werden in mehreren Kapiteln verständlich wiedergegeben (auf Englisch).

In dem Artikel Neural mechanisms of motivated forgetting beschreiben Michael Anderson von der University of Cambridge und Simon Hanslmayr von der University of Birmingham die neuronalen Abläufe beim absichtlichen Vergessen.

In seiner Studie A neural signature of contextually mediated intentional forgetting belegt Jeremy R. Manning vom Dartmouth College Hanover (New Hampshire), dass Menschen erlebte Ereignisse vergessen können, indem sie den mentalen Kontext, der mit dem Ereignis assoziiert wird, verändern.

Wann hilft es, die Fassung zu verlieren?

Expertinnen für die Recherche: Verena Kast, ehemalige Psychologie-Professorin an der Universität Zürich, heute Präsidentin des C. G. Jung Instituts in Zürich und Autorin des Buches "Vom Sinn des Ärgers"; Barbara Krahé, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Potsdam und Expertin für Psychologie von Aggression und Gewalt.

In ihrer Studie "Experiencing Emotion: A Cross-Cultural Study" weisen die Psycholog_innen Klaus Scherer, Harald Wallbott und Angela Summerfield nach, dass unsere Wut meistens Menschen trifft, die uns nahe stehen.

In ihrem Buch "Vom Sinn des Ärgers" beschreibt die Psychologin Verena Kast, wie man Ärger konstruktiv einsetzen kann, um nach neuen Lösungsansätzen zu suchen.

Heidi Kastner, Psychiaterin und Gerichtsgutachterin des Straftäters Joseph Fritzl, erklärt in ihrem Buch "Wut: Plädoyer für ein verpöntes Gefühl", wie Wut eskalieren kann, wenn wir sie über lange Zeit zurückhalten.

Titel: Am liebsten würde ich damit aufhören

In diesem klassischen Paper von 1999 beschrieb Peter Gollwitzer, Psychologe an der New York University, die Wirkung von einfachen Wenn-dann-Plänen gegen schlechte Gewohnheiten, die seither in unzähligen Studien belegt wurde.

In dem Buch "Die Macht der Gewohnheit" (Berlin-Verlag, 2012) schreibt der amerikanische Wissenschaftsautor Charles Duhigg von der Wissenschaft und der Praxis des Kampfes gegen schlechte Gewohnheiten.

Ein aktuelles Review-Paper der maßgeblichen amerikanischen Gewohnheitsforscherin Wendy Wood ist hier als PDF zu finden.

Die Wissenschaft vom Fahrstuhl

Das Experiment von Solomon Asch, in dem Schauspieler sich mit dem Gesicht zur Fahrstuhlwand stellen, wird hier beschrieben. Ein weiterer Artikel in SimplyPsychology fasst das Experiment hier zusammen.

Rebeka Rousi schreibt hier über ihre Fahrstuhlforschung.

Stefan Hirschauers Betrachtungen des Fahrstuhlfahrens sind kostenlos als PDF zu haben.

Der Wert des Lebens

In seinem Buch "What is Life Worth? The Unprecedented Effort to Compensate the Victims of 9/11" beschreibt Kenneth Feinberg ausführlich, wie er seine Methode entwickelte, Leben zu bewerten, und anschließend das Geld an die Opfer und Angehörigen der Terroranschläge des 11. Septembers 2001 verteilte. 

Die Formel des Personalmanagement-Professors Christian Scholz zur Berechnung des Humankapitals und weitere Informationen dazu gibt es hier.

In einem Faktencheck überprüft die Spiegel-Dokumentation, ob Raucher dem deutschen Staat wirklich finanzielle Vorteile bringen, weil diese früher sterben.

Das Buch, in dem der Statistiker Ernst Engel den "Kostenwerth des Menschen" erstaunlich trocken berechnet heißt "Der Werth des Lebens", ist von 1883 und steht online frei zur Verfügung.

Die Macht des Gewissens

Vielleicht zur Abwechslung mal wieder in der Bibel blättern? Die Zehn Gebote stehen ziemlich weit vorne. Weiter hinten im Neuen Testament wird es dann etwas entspannter, sogar mit Happy End. 

Die Weltliteratur ist voll mit dem Thema Schuld und schlechtes Gewissen. Der Klassiker: Schuld und Sühne von Fjodor Dostojewski, die Geschichte eines Mordes und was er mit dem Täter macht.

Wie sehr das schlechte Gewissen uns im Leben begleitet, zeigt die Fülle der Ratgeber zum Thema, wie man es los wird. Ins Dadaistische treibt die Ratgeberei ein Autor mit dem Pseudonym Tommy Jaud unter dem Titel "Einen Scheiß muss ich – das Manifest gegen das schlechte Gewissen" (Fischer Verlag). Ein guter Job, gesundes Essen, die Familiengründung, alles belastender Mist, findet Jaud.

Wer es tiefgründiger mag, dem seien zum Beispiel die wissenschaftlichen Arbeiten von June Tangney empfohlen oder alles, was mit der Messmethode TOSCA für Schuld und Scham zu tun hat.

Noch tiefgründiger nähert sich Judith Butler dem Thema: Die "Kritik der ethischen Gewalt" handelt vom Ethischen, das sich gerade in unethischem Verhalten zeigt.

Zur Frage, woher überhaupt unsere moralischen Gefühle kommen, sind zwei spannende Bücher zu empfehlen: "Das soziale Tier" von David Brooks und und "Eine Naturgeschichte der menschlichen Moral" von Michael Tomasello.

Zukünftige Lebenswelten

"Die Welt in 100 Jahren" wurde 1910 von Arthur Brehmer herausgegeben und wurde 2010 als Nachdruck vom Georg Olms Verlag neu veröffentlicht.

Den Bericht des Club of Rome von 1972, "Die Grenzen des Wachstums", gibt es in der englischen Originalversion als PDF.

Die Illustrationen aus dem Diafilm "Im Jahr 2017" von V. Strukova und V. Shevchenko (Diafilm Studios 1960) kann man u.a. hier anschauen.

Die Zumutung: Wie funktioniert ein Quantencomputer

Der Ausschnitt der Pressekonferenz, auf der der kanadische Premierminister Justin Trudeau den Quantencomputer erklärt, ist hier auf Youtube zu sehen.

Um ein Bit auf 1 zu schalten, wird auf der Insel eine elektrische Ladung deponiert, inzwischen nur noch rund zehn Elektronen.

Um eine 232-stellige Zahl zu faktorisieren, braucht ein herkömmlicher Computer 1500 Jahre.

Als Edward Snowden die NSA-Dokumente an Journalisten übergab, wurden Details bekannt: Die Erforschung eines "kryptografietauglichen Quantencomputers" war demnach Teil des 80 Millionen Dollar teuren NSA-Programms Penetrating Hard Targets.

Als erstes Bauteil eines Quantencomputers dienten zwei geladene Atome (Ionen) in einer Ionenfalle am National Institute of Standards and Technology in Boulder.

Der IBM 701 war groß wie ein Kleiderschrank und hatte eine Speicherkapazität von 10 Kilobyte. IBM-Chef Thomas Watson rechnete mit fünf Bestellungen. (Daraus wurde die Legende, Watson habe einen Weltmarkt von fünf Computern prophezeit). 18 Maschinen verkaufte IBM schließlich: an Rüstungsfirmen, Universitäten und an die NSA.

2011 verkauft D-Wave eine Maschine mit angeblich 128 Qubits an die Rüstungsfirma Lockheed Martin – auf dem Pressefoto posiert der Firmengründer vor einem kinderzimmergroßen schwarzen Kubus –, 2013 bestellen Google und die Nasa zusammen ein Gerät.

D-Wave kooperiert mit Volkswagen. Man wolle mit dem Rechner die Verkehrsströme von Peking simulieren, verkündeten beide Unternehmen auf der diesjährigen Cebit.

Auch das "Problem des Handlungsreisenden" – finde den kürzesten Weg für den Besuch vieler Adressen! – scheint ein Quantencomputer deutlich schneller lösen zu können.

Die NSA appellierte im vergangenen Jahr ungewohnt offen an Behörden und Industrie, ihre Daten besser zu verschlüsseln.

In diesem Video sieht man, was passiert, wenn man ein Programm an den IBM-Quantencomputer schickt.

Hier sind Zweifel formuliert, dass ein Quantencomputer die RSA-Verschlüsselung brechen kann.

Was ist ein Qubit? Informationen aus dem Lexikon der Physik. In einem weiteren Artikel wird der Quantencomputer erklärt.