Die Zukunft ist eine Obsession des Industriezeitalters. Denn sie zu erahnen könnte helfen, der Konkurrenz in Wirtschaft oder Weltpolitik um einen Schritt voraus zu sein. Waren Zukunftsprognosen Anfang des 20. Jahrhunderts gerade auch von Faszination geprägt, wandelten sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Feld mit wissenschaftlichem Anspruch. Bereits ab Ende der 1940er entwickelte die RAND Corporation, der große US-amerikanische Thinktank für Zukunftsforschung, alle wichtigen Methoden, die heute noch eingesetzt werden: Expertenbefragungen, Delphi-Studien, das Erstellen von Szenarien sowie das Verlängern von Trends.

Zeitgleich reifte das Genre der Science-Fiction zu voller Blüte. Während die Zukunftsforscher nüchtern mit Daten argumentierten, mussten Science-Fiction-Autoren nachvollziehbare zukünftige Lebenswelten erfinden, um ihr Publikum zu fesseln. Dabei entwickelte sich eine erstaunliche Rückkopplung zwischen Vision und Forschung. Futuristische Ideen inspirierten junge Ingenieure zu erkunden, ob sie nicht vielleicht doch realisierbar seien. Das aufklappbare Kommunikationsgerät der Star Trek-Crew etwa, der "Communicator", stand 30 Jahre später Pate, als Motorola ein verblüffend ähnlich gestaltetes Klapphandy auf den Markt brachte – und es auch noch "Startac" nannte.

Das Handy ist andererseits ein Gerät, das abgesehen von der Star Trek-Serie und von John Brunners Roman Der Schockwellenreiter von Science-Fiction-Autoren erstaunlich lange übersehen wurde. Auch die Zukunftsforscher lagen oft genug falsch mit ihren Prognosen, mitunter aber auch erstaunlich richtig. Man kann aus der Gegenwart durchaus kluge Schlüsse ziehen.

Im Zeitalter des einsetzenden Klimawandels und knapper werdender Ressourcen bekommt die Beschäftigung mit der Zukunft eine andere Brisanz. Aus einem "So könnte es kommen" wird immer häufiger ein "So sollte es kommen", wenn eine nachhaltige Zivilisation gelingen soll. ZEIT Wissen hat drei Experten zu ihrem Blick auf die Zukunft befragt: einen, der sie macht, einen, der sie erforscht, und einen, der sie designt.