Neues Sonnensystem mit fünf Planeten entdeckt!" Vor noch gar nicht langer Zeit wäre diese Meldung, kürzlich verkündet auf dem 231. Treffen der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft, eine Sensation gewesen. Denn erst seit etwa 25 Jahren wissen wir, dass es Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gibt. Mehr als 3.500 Exoplaneten in über 2.500 Sonnensystemen wurden seitdem nachgewiesen, darunter Hunderte, die der Erde nicht unähnlich sind. Dass die Entdeckung des Sonnensystems K2-138 im Januar dennoch Schlagzeilen machte, liegt daran, dass es das erste ist, das vollständig von Hobby-Astronomen erkundet wurde.

Planet-Hunters, "Planetenjäger", nennen sich die Amateurwissenschaftler, von denen es weltweit inzwischen Hunderttausende gibt und die die US-Raumfahrtbehörde Nasa bei der Erforschung des Weltraums unterstützen. Um mitzumachen, braucht man weder ein Teleskop noch astronomisches Wissen. Es reicht, sich auf der Seite planethunters.org zu registrieren und sich das Einführungsvideo anzuschauen. Denn anders als zu Zeiten Galileis werden ferne Himmelskörper heute nicht mehr mit dem Blick durchs Fernrohr entdeckt, sondern indirekt durch die photometrische Analyse von Sternenlicht – die sogenannte Transitmethode, mit der 80 Prozent aller bisher bekannten Planeten entdeckt worden sind.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT WISSEN Magazin 2/18.

Wird ein Stern von einem Planeten umkreist, dunkelt dieser ihn in regelmäßigen Abständen kurz ab. Wer also ferne Planeten sucht, muss nach Sternen Ausschau halten, die immer wieder kurzzeitig etwas dunkler werden. Die Daten dafür liefert das Weltraumteleskop Kepler, das die Nasa vor zehn Jahren in den Himmel schoss und das mehrere Hunderttausend Sterne im Blick hat. Auf der Erde angekommen, werden die Kepler-Daten von Computern nach wiederkehrenden Mustern und Auffälligkeiten durchsucht. Dabei stören aber Messfehler die Berechnungen, sodass für eine genaue Analyse menschliche Augen notwendig sind, die der Planet-Hunters. Einer von ihnen ist Martin Mager.

Wie die meisten Amateur-Planetenjäger ist der 33-Jährige aus Biblis kein Astronom. Er ist Diplom-Geologe und Paläontologe und arbeitet als Prüfstellenleiter in einer Betonfabrik. Lange Zeit hat er die Sterne mit dem Teleskop betrachtet. Jetzt beobachtet er sie am Bildschirm. Die weißen Punkte auf den Diagrammen der Planet-Hunters-Webseite sehen wie Sterne am Nachthimmel aus. Jeder Punkt steht für einen Messwert, zusammen ergeben sie eine Kurve. Hat diese Kurve Stellen, die wie fallende Schneeflocken aussehen, ist das ein "Dip", der auf einen Planetenvorbeiflug hinweisen könnte. Aber nicht jeder Dip ist ein neuer Planet. Die Wissenschaftler, die die Diagramme bereitstellen, bauen ab und an simulierte Transite ein, "um uns bei Laune zu halten", sagt Martin Mager.

Vor drei Jahren wurde die Community fast berühmt. Mehreren Planetenjägern war der Stern KIC 8462852 aufgefallen. Sein Licht dunkelte sich nicht nur, wie bei Planetenumkreisungen üblich, minimal ab, sondern sehr stark. Außerdem ereigneten sich die Verdunklungen nicht gleichförmig, sondern unregelmäßig. "Die Computer hätten das niemals bemerkt", sagt die Astronomin Tabetha Boyajian, die den Stern genauer unter die Lupe nahm. Bei der Nasa glaubte man zunächst an einen Messfehler, doch der konnte bald ausgeschlossen werden. Ein Riesenplanet? Schwärme von Kometen? Unwahrscheinlich. Vielleicht eine außerirdische Zivilisation? Als Boyajian diese These ernsthaft in Erwägung zog, wurde weltweit über Tabby’s star berichtet. Weltraumteleskope wurden auf KIC 8462852 gerichtet und ergaben schließlich: Wahrscheinlich sind riesige Mengen Staub für die chaotische, sehr starke Verdunklung des Sternenlichts von KIC 8462852 verantwortlich.

Doch die Suche geht weiter, auf Tausenden Rechnern weltweit, jeden Tag. Auch wenn nach dem Ausfall zweier Motoren Kepler nur noch im Notbetrieb läuft und ihm bald der Treibstoff ausgehen wird. Tess soll ihn ersetzen – im Frühjahr wird der Transiting Exoplanet Survey Satellite vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus starten, um Sterne in relativer Nähe zu unserem Sonnensystem zu beobachten. Er wird vor allem nach Planeten suchen, die unserer Erde ähneln. Im Jahr darauf wird das James-Webb-Weltraumteleskop starten.