"Der Deal ist größer, als Ihr denkt", schreibt Ian Rogers, Musik-Produktmanager bei Yahoo, in seinem Blog . Mit blumigen Worten empfiehlt er den Kunden von Yahoo USA, für einen zuckersüßen Tralala-Song des Popsternchens Jessica Simpson stolze zwei Dollar zu investieren. "Auch, wenn Ihr nicht auf Jessica Simpson steht und nicht begeistert seid, so viel Geld für ein Lied auszugeben."

Der Grund für die Aufregung: Der Familienname der Datei, in der das Lied runtergeladen werden kann, lautet ".mp3". Bei solchen Dateien funktioniert DRM nicht, also Digital Rights Management . Das ist das System, mit dem Musicload und Co. verhindern wollen, dass legal heruntergeladene Musik illegal weiter kopiert wird. Yahoo wirbt damit, bewusst auf DRM zu verzichten, weil davon am Ende sowohl Kunden als auch Verkäufer profitierten. Die Suchmaschinisten sind nicht die ersten, die einen solchen Vorstoß wagen. Aber die ersten, die genug Gewicht haben, um vielleicht etwas zu ändern.

Dass DRM überhaupt eingeführt wurde, war in erster Linie ein Wunsch der großen Plattenlabels. Weil die ihre Musik nicht einfach in Dateiform packen und unbegrenzt kopierbar anbieten wollten, entwickelten sie Technologien, die verhindern sollten, dass Dateien beliebig vervielfältigt werden können. Die bekanntesten sind das von Microsoft entwickelte "Windows Media DRM" und "FairPlay" von Apple. Ersteres benutzt der größte deutsche Anbieter Musicload , letzteres setzt Apple in seiner iTunes -Software ein.

Beide Systeme funktionieren ähnlich: Zusammen mit der Musikdatei erhält der Nutzer eine so genannte "Lizenz", die an die Datei gekoppelt ist, aber nicht mitkopiert werden kann. Nur mit Programmen, die diese Lizenz lesen können, lässt sich der Song abspielen. Abgeschwächt wird das Ganze durch einige Freiheiten, die sich in die DRM-Lizenzen einbauen lassen. So erlauben sowohl Musicload als auch iTunes den Kunden, die Lieder ein paar Mal auf CD zu brennen oder auf mp3-Player zu kopieren. Die Lizenz "verbraucht" sich dabei und blockiert irgendwann weitere Kopiervorgänge.

Das Hauptproblem ist die Inkompatibilität. Denn wer – legal – ein Album bei Musicload herunterlädt, kann es noch lange nicht überall einsetzen. Wer zum Beispiel bei Marktführer Apple für teures Geld einen iPod erworben hat, schaut in die Röhre: Die kleine Maschine mag super aussehen, aber das Windows Media-Format kann sie nicht lesen. Umgekehrt gibt es mp3-Player, die das "FairPlay"-Format nicht unterstützen. Und mit zu alten Geräten funktioniert ohnehin keiner der Standards. Auch wer sich als DJ seine Musik digital bestellen möchte, muss höllisch aufpassen, nicht auf den falschen Standard zu setzen. Wenn die DJ-Software das entsprechende DRM nicht unterstützt, bleibt es in der Disco still.