Montag: 17 Jahre Leipziger Montagsdemo

Letzte Woche langweilte sich die deutsche Spitzenpolitik in Kiel, um die jedes Jahr dröger werdenden Paraden zum Tag der Einheit abzunehmen. Aber wo wären wir heute, hätten die Leipziger nicht vor genau 17 Jahren in einer konzertierten Aktion die Montagsdemo erfunden? Würden wir jeden Morgen erwachen, den kalten Atem des inzwischen gesamtdeutschen sozialistischen Einheitsstaats im Nacken? Statt den 3.10. wie einen Nationalfeiertag zweiter Klasse zu begehen, sollten wir heute einmal an jene denken, ohne die die "Mauer noch 100 Jahre stehen würde" (E. Honecker). Die Bilder haben sich in unsere Gehirne gebrannt, die Sprechchöre schallen immer noch in unseren Köpfen: "Egon Krenz, wir sind die Konkurrenz" brüllten damals Zehntausende bei der allerersten Montagsdemo und schafften den Sozialismus ab. Danke, Leipzig!

Dienstag: Der Kapitalismus klopft an

Gebadet vom Schweiße der Geschichtsromantik werden wir heute schon um 4:30 geweckt. Der Kapitalismus, vertreten von Professor Klaus F. Zimmermann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, steht bereits vor unserer Tür. In seinen Händen ein riesiges Gerät mit hunderten von Zeigern, blinkenden Warn-LEDs und gefährlich klingenden Geräuschen. Mit nur halboffenen Augen starren wir Zimmermann und "Das Gerät" an. Wir wissen sofort Bescheid. Das neue Konjunkturbarometer ist da. Mal wieder sollen wir flexibler werden und uns wird vorgeworfen, die Binnenkonjunktur nicht anzukurbeln. Wir denken: Ganz schön anstregend, das mit dem Kapitalismus. Haben wir uns ’89 wirklich für das richtige System entschieden?

Mittwoch: Putin und Stoiber lächeln

Großes Hallo heute für Edmund "Edi" Stoiber. Aus dem fernen Moskau reist der Ein-Mann-Staat Wladimir Putin nach München. Ob Stoiber wieder verzweifelt versuchen wird, die Vorteile des Transrapids zu erklären? Wird Ex-KGB-Offizier Putin einen heißen Draht zwischen München und Moskau vorschlagen, für den Fall der plötzlichen Gasverknappung? Können wir leider nicht sagen. Aus gewöhnlich gut informierten Kreisen erfuhren wir aber, dass synchrones 10-sekündiges Kameralächeln vereinbart ist, wenn von Journalisten Pressefreiheit, Georgien und die Aushöhlung der Demokratie in Russland angesprochen werden sollte.