U-Bahnhof Gesundbrunnen, Berlin-Wedding, mittags kurz vor zwölf. Ein paar junge Männer hängen am Zeitungskiosk auf dem Bahnsteig der Linie 8 herum. Ob einer von ihnen Lee ist, mit dem ich hier verabredet bin? Ich weiß nur, dass er Ende zwanzig ist und Mitglied des Roten Oktober . Diese Organisation hat sich zur Nachfolgerin der KPD ernannt, die 1956 vom Bundesverfassungsgericht verboten wurde. Ihr Ziel: Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung durch eine sozialistische Revolution nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution.

Warum hängen junge Leute einem Weltbild an, in dem Mitmenschen entweder "Kapitalistenschweine" oder "ArbeiterInnen" genannt werden? Das soll Lee mir erklären. Er ist ein großer, schlaksiger Typ, hat dunkelblondes Haar und trägt einen schwarzen Anorak, Palästinensertuch um den Hals. In der linken Hand bringt er eine Ausgabe von Roter Oktober mit, so heißt die Zeitschrift der Organisation.

Hallo Lee. Ist das dein richtiger Name?

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Weshalb benutzt ihr Tarnnamen?