Nun tritt er wieder ins Rampenlicht, der Retter unseres Planeten, das personifizierte Gewissen der Menschheit, die Heimsuchung westlicher Politiker. Bono trifft sich mit Angela Merkel und tritt mit Grönemeyer während des G8-Gipfels in Rostock auf. Schon seit Jahren tourt er durch die Regierungssitze der Welt und fordert Unterstützung für die ärmsten Staaten. Die Kameras surren, die Journalisten schreiben. Trotzdem steht der Vorwurf im Raum: Diese Aktionen sind schlichtweg billige PR.

Nein, denn mit Projekten wie LiveAid oder Global Call to Action Against Poverty sammeln die Stars reales Geld. Und erregen riesiges mediales Aufsehen. Darum dürfen Bono, Grönemeyer und Geldof ruhig weitermachen mit ihren Betroffenheitstouren.

Trotz allem wecken sie mit ihrem Einsatz immer wieder Aufmerksamkeit, die vor allem anderen zugute kommt. Leuten, die ansonsten keine Lobby haben. Die westliche Welt muss offensichtlich regelmäßig daran erinnert werden, dass es Armut, Elend und Krankheit gibt.

Ein Beispiel: 2005 beschlossen die G8, die Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 auf 25 Milliarden Dollar aufzustocken – Bis jetzt wurden davon gerade mal 2,8 Milliarden aufgebracht. Auftritt Bono und Grönemeyer. Sie kritisieren die Regierungen für die Nichteinlösung ihrer Versprechen, werfen ihnen Vertrauensbruch vor. Die Chancen, dass ihre Angriffe nicht folgenlos bleiben werden, stehen nicht schlecht. Es ist ein Unterschied, ob der U2-Sänger oder Misereor Stellung bezieht.

Schließlich wird jedes ihrer Interviews von tausenden Menschen gelesen – da bleibt früher oder später auch mal was hängen. Mediale Dauerpräsenz bringt diese Themen ins allgemeine Bewusstsein. Das ist wichtig.