Die Großreinemacher

Der größte der derzeit aktiven Rufmanager im Netz ist ReputationDefender . Die kalifornische Firma wurde im Herbst 2006 vom Juristen Michael Fertik gegründet und hat mittlerweile 45 Mitarbeiter. ReputationDefender räumt vor allem hinter seinen Klienten auf: Für umgerechnet etwa sieben Euro liefert die Firma monatliche Berichte über das eigene Netz-Image. Einen unliebsamen Blogeintrag oder ein peinliches Foto verschwinden zu lassen, kostet danach einmalig etwa 25 Euro.

Der juristische Weg ist für ReputationDefender dabei das allerletzte Mittel – weniger als ein Prozent der Fälle wird laut Fertik vor Gericht ausgetragen. Meist sei es viel effektiver, den Betreiber oder Administrator einer Seite freundlich darum zu bitten, einen Text oder ein Bild zu entfernen. Stellen sie sich trotzdem quer, wird verhandelt: Wenn schon nicht der gesamte Text verschwindet, so soll doch wenigstens der Nachname des Klienten nicht mehr auftauchen oder ein Text durch eine Bilddatei ersetzt werden – dadurch wird er für die Roboter der Suchmaschinen unsichtbar.

ReputationDefender hat allerdings ein Problem, denn viele Daten im Netz lassen sich nicht einfach so entfernen. So räumt die Firma selbst ein, dass sie Zeitungsartikel oder öffentliche Gerichtsprotokolle nicht verschwinden lassen kann. Und selbst wenn sie die Betreiber dazu bekäme, diese Inhalte offline zu nehmen – was einmal im Internet veröffentlicht wurde, verschwindet bekanntlich nie wirklich daraus . Suchmaschinen speichern zum Beispiel Kopien von Webseiten in einem Langzeitspeicher, dem so genannten Cache, damit beliebte Seiten schneller geladen werden können. Selbst Webseiten, die längst offline sind, kann man dort noch wieder finden. Google löscht gecachte Seiten erst nach mehreren Monaten oder ausdrücklicher Aufforderung . Danach gibt es immer noch die Wayback-Machine , ein Archiv fast aller jemals online gewesenen Internetseiten seit 1996. Zwar tauchen Daten aus der Wayback-Machine bei der normalen Internetsuche nicht auf, theoretisch sind sie jedoch weiterhin im Netz zu finden.

Firmen wie ReputationDefender versuchen deswegen vor allem, die Suchmaschinen zu überlisten. Nach dem Prinzip: Wenn ein Schandfleck schon nicht verschwindet, kann er zumindest unwichtiger werden. Was bei der Google-Suche nicht auftaucht, ist im Netz so gut wie unsichtbar – und was man nicht sieht, macht auch keine Probleme. Das Ziel ist also, Google und andere Suchmaschinen dazu zu bekommen, positive Informationen über eine Person unter den Suchergebnissen weit oben anzuzeigen, unliebsamen Inhalte dagegen erst auf Seite zwei oder drei. Das zu erreichen ist allerdings zeitaufwendig und entsprechend teuer: Bei ReputationDefender zahlt ein Kunde für so einen Premium-Service umgerechnet mindestens 7.000 Euro.

Einen ähnlichen Luxusdienst bietet International Reputation Management aus Washington. Zu den Klienten der PR-Firma zählen in den USA Anwälte, Politiker und Universitätsdozenten. Sie zahlen drei- bis vierstellige Beträge im Monat, um im Netz hinter sich aufräumen zu lassen und sich von ihrer besten Seite zu zeigen.

Um die negativen Suchergebnisse auf die hinteren Seiten zu drängen, erstellen Gründer Nino Kader und seine Mitarbeiter für ihre Klienten eigene MySpace -Seiten, posten positive Fernsehberichte über sie auf YouTube oder lassen sie Blogs über ihr berufliches Fachgebiet führen.