Als ich mich vor eineinhalb Jahren neu verliebte, war mir nichts ferner als die Idee von Beziehung und Treue. Vieles schien mir in dieser Zeit klar zu sein: Dass Monogamie ein Machtkampf zwischen stereotypen Rollen ist. Dass Homosexualität mir gut tut. Dass ich es liebte ein Mann zu sein, der auch mal einen Rock anzieht. Nur: Was bedeutete das alles für meine neue Beziehung?

Magda und ich leben in verschiedenen Ländern, wir sind beide bisexuell. Unbewusst hatte ich schon lange nach ihr gesucht, denke ich heute: intelligent, superchic, sexuell offensiv und feministisch, eine unabhängige Frau mit einem Faible für Männer, die gleichzeitig ihr Macker und ihre beste Freundin sind.

Vom ersten Tag an merkten wir, dass wir es beide liebten, mit unseren Körpern und Identitäten zu spielen. Diese Lust am Experiment verband uns und das fanden wir geil. Ihre scheinbar grenzenlose Offenheit beeindruckte und verunsicherte mich gleichzeitig. Sie wollte beim Sex alles ausprobieren, mit Frauen und Männern, und trotzdem einen verständnisvollen Partner haben. Ich hingegen war schon seit zwei, drei Jahren auf einem hedonistischen Trip zwischen Party und Polygamie und hatte langsam genug davon.

Schon bald stapelten sich die Missverständnisse: Sie wollte auf lesbische Partys gehen oder spaßeshalber mit einer Freundin einen Typen abschleppen. Mich machte das nervös. Wir hatten uns auf eine offene Beziehung geeinigt und ich war selbst nicht immer treu gewesen. Aber ihre Aktionen wurden selbst mir zu viel. Ich konnte nicht mehr einschätzen, wo ihre Grenzen lagen und die Kommunikation über unsere Gefühle wurde immer diffuser.

Ich wollte nicht mehr mit jeder und jedem ins Bett dürfen. Ich war erschöpft von all dem Abschleppen, von zu vielen Nachtszenen, die sich um Sex und Narzissmus drehten. Ich vermisste nur Magda. Die Liebe zu ihr war für mich etwas, das ich um keinen Preis gefährden wollte. Ich fand auf einmal nichts Befreiendes mehr daran, dass sie auch mit anderen Männern und Frauen ins Bett ging – und gab es ihr zu spüren.