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Nimmt man die allgemein gestiegene Lebenserwartung und meine in der Hinsicht überaus vorteilhaften Gene zusammen, werde ich ungefähr 100 Jahre alt werden.

Ich stelle mir das in etwa so vor: Ich lebe mit meiner Frau im "Alten Land", angenehm nah an Hamburg, aber doch ländlich. Unser großes, liebevoll renoviertes Bauernhaus bietet jede Menge Platz für die Besuche unserer zahlreichen Enkelkinder, die toben dann im großen Garten. Ihre gestressten Eltern sind dafür sehr dankbar, die Einführung der 50-Stunden-Woche setzt sie doch sehr unter Druck. Ich hingegen veröffentliche nur noch ab und an einen Text in einer überregionalen Zeitung. Die Honorare gehen in die jährliche Reisekasse.

Da sind ja noch die Träume, die bisher unerfüllt blieben: der Outback von Australien, natürlich zu Fuß, oder die Sahara, am besten mit dem Motorrad. Mindestens einmal im Jahr fahren wir in die USA, Skifahren in Alaska – in den Alpen gibt es ja leider keinen Schnee mehr. Den Sommer verbringen wir mit den Enkeln in unserem Ferienhaus in den Schären vor Göteborg.

Reisen ist für mich die angenehmste Art, jung zu bleiben. Selbst ein mit vielen Reisen verbundener Job kann mich sicher nicht an alle Orte der Welt führen, die ich gerne sehen will. Als Rentnerin habe ich die Zeit, mich mit der Kultur eines Landes auseinanderzusetzen. Die Sprache zu lernen. Ein paar Wochen dort zu verbringen und die Leute kennenzulernen. Dann fahre ich wieder zurück in mein Häuschen ins Grüne, bringe meinen staunenden Enkelkindern exotische Dinge mit, wische die Bedenken meiner Kinder zur Seite und fange an, die nächste Reise zu planen. Solange ich Ziele habe und Menschen, denen ich davon erzählen kann, werde ich nie als gelangweilte Alte im Bermudadreieck Fernsehsessel-Küche-Bett verschwinden.