Übersicht | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |

Ich mache mir nichts vor. Wenn ich erstmal alt bin, ist Schluss mit lustig. Traute Zweisamkeit mit dem Partner in einem kleinen Häuschen auf dem Lande oder eine schmucke Eigentumswohnung in Harvestehude? Schöne Reisen, dicker Benz, jeden Freitag zum Frisör? Das werden ich mir abschminken müssen. Weil mir dafür das Geld fehlen wird.

Im der Renteninformation, die mir vor einem halben Jahr vom Deutschen Rentenversicherungsbund zugeschickt wurde, steht unter dem Punkt "künftige Regelaltersrente", der Betrag 178,94 Euro. Danke auch. Davon kann ich mir dann grad noch Gebissreiniger und jeden Tag ein weiches Brötchen kaufen. Ohne Belag versteht sich. Mir wird also wohl nichts anderes übrig bleiben, als in eine WG zu ziehen.

Die Wohngemeinschaft umwehte einst der Duft von Freiheit und Abenteuer. Stundentenpartys, zechen bis der Arzt kommt, ausschweifender Sex… In meiner Rentner-WG sieht der Alltag etwas anders aus. Zum Partyfeiern werden wir zu müde sein. Für den Sex auch. Und die einzigen Düfte, die hier wehen, werden aus unserem Darmtrakt stammen. Wer den Müll raus bringt und das Klo putzt, wird auch bei uns mittels Putzplan geregelt. Aber will man sich mit 67 wirklich noch sagen lassen: Hey, du bist jetzt auch mal wieder dran mit Abspülen?

Fest steht: Wir Alten werden uns in unseren WGs gehörig auf die Nerven gehen. Zwar werden wir insgesamt hipper drauf sein, weltoffener, faltenfreier, trendbewusster angezogen. Aber vor körperlichen Gebrechen und Zipperlein aller Art werden auch wir nicht gefeit sein. Mit diesen werden wir dann unsere Mitbewohner nerven. Arthrose? Blut im Urin? Die Gesprächsthemen werden wohl etwas einseitig sein.