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Ich bin 67 Jahre alt. Seit nunmehr 17 Jahren lebe ich auf der "Seite der Bösen", wie es meine Tochter nennt. An meinem 50. Geburtstag dachte ich mir: Das war’s! Lange genug im Schlamm gewühlt und versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die Wahrheit! Wofür, wenn sie doch niemand hören will?

Wie die ehemalige US-Präsidentin Chelsea Clinton habe ich deshalb alle Ideale in die Luft gejagt und meinen Job als Journalistin aufgegeben. Meine Rentenversicherung ging in der Ölkrise 2027 baden, aber darauf hatte ich mich sowieso nie verlassen. Gott sei Dank habe ich nie die Wohnung in Buenos Aires gekauft, die mir damals so günstig angeboten wurde! Stattdessen investierte ich in ein Stück Land in Kanada, in der Nähe von Calgary. Das macht sich heute natürlich bezahlt, auch wenn die Unterhaltskosten – vor allem das Sicherheitspersonal – horrend sind. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal in die Landwirtschaft gehen würde.

Mein Basislager habe ich jetzt in der Nähe von München: eine reformierte Villa mit großem Garten, in dem ich natürlich auch Obst und Gemüse anbaue, hauptsächlich zum eigenen Verzehr. Eigentlich wollte ich nie zurück nach München, aber heutzutage kann man eben nicht wählerisch sein.

Zu Hause bin ich ohnehin fast nie. Ausschließlich erster Klasse fahre ich um die Welt (oder was davon übrig ist), nach Moskau und Nanning, Östersund und Tokio. Wo immer ich auch hinreise, immer wohne ich in schönen Boutiquehotels mit Friseursalon in der Nähe. Ich muss mir ja schliesslich die Dauerwelle legen lassen.