"Ich betrat einen der mittelgroßen Hörsäle, zwanzig ganz junge Frauen und Männer warteten schon, immer neue kamen (...). Endlich kletterte ein Seniorstudent in die Mitte meiner Reihe. Ich grinste ihn an: "Toll, da bin ich ja nicht der einzige Seniorstudent". Er lachte herzlich: "Sie werden nie der Einzige sein!""Bericht eines Rentnerstudenten

Als ich die Menschen mit den beigefarbenen Jacken und grauen Mephisto-Lederschuhen zum ersten Mal sah, dachte ich noch: Aha, die Volkshochschule macht einen Ausflug. Aber es wurden immer mehr und ein paar Wochen später war mir klar: Das ist ein strukturelles Problem. Alte Menschen werden ermutigt, die Universität zu besuchen. Schuld daran war der Rektor meiner Uni. Seine Begeisterung über die Studiengebühren nehme ich ihm nicht so übel wie solche Sätze: "Das Gasthörer- und Seniorenstudium wird im Leitbild zwar nicht ausdrücklich erwähnt. Es ist aber ein elementarer Baustein für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit."

Ich will es an dieser Stelle einmal offen aussprechen: Alte müssen aus den Universitäten verschwinden. Ich höre schon den Einwand: Jeder hat ein Recht auf Bildung. Gut gebrüllt, aber was ist, wenn die ergrauten Kommilitonen mein Recht auf Bildung einschränken? Es ist doch so: Ich studiere an einer Universität, in der Hörsäle und Seminare ohnehin schon überfüllt sind und Sitzplätze kaum noch zu bekommen. Und wer hat trotzdem immer einen? Richtig, meine älteren Mitstudierenden. Weil sie bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung eintreffen und drei Viertel der Plätze mit ihren Aktentaschen und Opa-Hüten belegen. Jene Menschen also, die nur zum Vergnügen studieren, sitzen, während die, die hier an ihrer Zukunft arbeiten, stehen.

Lasst uns vernünftig sein. Was bringt es, wenn ein 70-Jähriger sich noch die Grundzüge der französischen Revolution aneignet? Mehr als Konversation im Altersheim wird er damit ohnehin nicht mehr machen können. Ganz abgesehen davon, dass die meisten das Gehörte sowieso nicht werden behalten können. Das Gedächtnis wird im Alter bekanntlich sehr schlecht.

Das Platzproblem hat mittlerweile auch mein Uni-Rektor erkannt und sagt, dass die Sache "ohne Beeinträchtigung der jüngeren Studierenden" ablaufen müsse. Nur wo beginnt die Beeinträchtigung? Wenn selbst auf der Fensterbank kein Platz mehr für mich ist? Wenn ich den Dozenten nicht mehr hören kann, weil ich auf dem Flur stehen muss?