In der Straßenbahn saßen wie immer jede Menge Menschen mit MP3-Playern und mir gegenüber ein Mann, der das kleine Ding in seiner Hand umständlich an der Scheibe hochhielt und grinsend den Klängen in seinem Kopfhörer lauschte. Es dauerte einige Sekunden, bis ich begriff, dass er ein Radio hatte und um den besten Empfang bemüht war. Als wir in einen Tunnel fuhren, ließ er Hand und Mundwinkel sinken.

Ein Radio. In Zeiten von Podcasts. Ich war beeindruckt und fragte mich, welche Sendung oder Musik einem wohl so ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Und danach machte ich mir Gedanken darüber, dass Radiohören ein wenig so ist, wie Musikhören früher gewesen sein muß. Vor Tonträgern. Man kann es nicht festhalten. Alles ist nur einen Augenblick lang da.

Thommie Bayer sagte mal, dass MP3-Player Musik wieder zu dem gemacht haben, was sie mal war: ein sinnliches, nicht greifbares Erlebnis.

Natürlich kann man sich darüber unterhalten, dass mit dem Rückgang von Vinyl das Gesamtkunstwerk eines Albums geschmälert worden ist. Oder dass man gewisse CDs einfach im Regal stehen haben muß, dass ein MP3 Download nicht ausreicht.