Seit Heike in der Stadt ist und unterrichtet, hat sich mein Leben verändert. Viermal die Woche stehe ich um sieben auf, einmal um sechs, um bei ihr Yoga praktzieren zu können.

Ashtanga, was ich übe, ist eine Yogarichtung, die körperlich sehr fordernd ist. Die Stellungen haben eine feste Abfolge, die jeweils eine bestimmte Anzahl von Atemzügen gehalten werden. Sobald man die Reihenfolge der Übungen kann, geht man dazu über selbstständig im eigenen Tempo zu üben, der Lehrer geht herum und gibt individuell Hilfestellungen, die Klasse wird nicht angesagt. Mysore Style, nennt sich das dann und das ist genau das, was wir jeden Wochentag in Gleitzeit praktzieren. Von sieben bis zehn Uhr ist Heike da und du kannst kommen, wann du möchtest, solltest aber eben um zehn fertig sein. Ich brauche mittlerweile ungefähr zwei Stunden für meine Übungen.

Ich bin nie spät aufgestanden, dass ich in den letzten Jahren als Freiberufler mal länger als bis neun geschlafen habe, war äußerst selten. Aber nun klingelt auf einmal jeden Morgen der Wecker und das soll keine Beschwerde sein, ich stehe freiwillig auf und gehe gerne üben, aber ich habe nicht gedacht, dass sich mein Leben mal in diese Richtung ändern würde.

Und ich mache mir oft Gedanken darüber, ob ich das auch im Winter durchhalten werde, wenn es kalt und dunkel draußen ist.

Doch wenn ich morgens auf dem Fahrrad sitze und zur Schule fahre, freue ich mich jedes mal. Ich kann den Schweiß in der Luft schon riechen, ich kann den Atem hören, die Energie im Raum spüren. Wenn ich dann durch die Tür komme, sehe ich als erstes auf die Schuhe, um zu wissen, wer schon da ist. Und noch während ich meine Matte ausrolle, am besten neben jemandem, neben dem ich gerne übe, strömt meistens schon ein Wohlgefühl durch meinen Körper, das man mit Glück verwechseln könnte.