Am 31. Januar wurde General Enrico Gaspar Dutra. der neue Staatspräsident Brasiliens, feierlich in sein hohes Amt eingeführt Sondermissionen der meisten Staaten und die beflaggten fremden Kriegsschiffe im Hafen gaben der Stadt Rio de Janeiro ein festliches Gepräge, als das neue Staatsoberhaupt der größten und mächtigsten Republik Südamerikas im Tiradentes-Palast vereidigt wurde.

Eine neue Periode der brasilianischen Geschichte hat begonnen. Fünfzehn Jahre lang kannten die Brasilianer keinen freigewählten Staatspräsidenten. Fünfzehn fahre lang, von 1930 bis 1945. regierte der Führer einer bewaffneten Erhebung. Getulio Vargas, ohne daß er auch nur einmal den Wählermassen die Möglichkeit geboten hätte, der Regierung ihr Vertrauen auszusprechen – oder zu versagen. Die Feinde von Getulio Vargas haben daraus die Folgerung gezogen, daß hinter dem "Diktator" keine Volksmeinung stünde, ebenso wie hinter ihm keine Partei stand.

Selbst die "Integralisten". eine kleine Gruppe von Menschen, die von den verschiedensten sozialen und wirtschaftlichen Reformideen durchdrungen war. splitterte sich von Vargas ab. nachdem sie versucht hatte, ihn auf dem Wege der Umgestaltung Brasiliens vorwärts zu drängen und von ihm mit Waffengewalt niedergeschlagen worden war. Wer stand hinter Vargas? Die Wahlen vom 2. Dezember 1945 haben die Antwort gegeben. Die überwältigende Mehrheit der Brasilianer hat sich für die Partei ausgesprochen, die auch zu Vargas stand und die General Gaspar Dutra zu ihrem Bannerträger erkoren hatte.

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Wenn auch keine Massen hinter Vargas standen, so umgaben ihn doch verschiedene Persönlichkeiten, die jede für sich ein Programm darstellten, und in Brasilien gelten die Männer mehr als die Theorien. Fünf Gestalten bestimmten die brasilianische Politik der letzten fünfzehn Jahre.

Da stand einmal die Armee, vertreten durch den damaligen Kriegsminister. Gaspar Dutra. und den Generalstabschef Goes Monteiro Ihre Feinde haben diesen Männern vorgeworfen, starr auf eine Militärdiktatur hinzusteuern und in der Außenpolitik durch große Waffenbestellungen in Deutschland vor dem Krieg die Haltung Brasiliens beeinflußt zu haben. Als Vargas im Februar 1942 die diplomatischen Beziehungen mit Deutschland abbrach, da erschienen in nordamerikanischen Zeitungen Gerüchte, daß beide Soldaten ihren Rücktritt angeboten hätten und nur mühsam durch Vargas durch seinen Appell an die persönliche Freundschaft zum Bleiben bewogen worden wären. Während des Krieges selbst hat nichts diese Pressenachrichten bestätigt.

Ihnen gegenüber stand der Außenminister Oswaldo Aranha, der eigentliche Kopf der Revolution von 1939, die Vargas an die Macht brachte. Beide, Aranha wie Vargas, stammen aus dem Viehzüchterstaat Rio Grande do Sul, wo Vargas 1930 die entscheidende Stellung des Staatspräsidenten innehatte, die die Befehlsgewalt über die einzelstaatlichen Truppen einschließt. Aranha war stets ein Vertreter der demokratischen Ideale, und er wurde es noch stärker nach einem Besuch in den Vereinigten Staaten 1938. Er war die treibende Kraft, daß Brasilien 1942 die Führung der südamerikanischen Republiken übernahm und den Abbrud der diplomatischen Beziehungen zu den Achsenmächten herbeiführte.