An Sonntag hat Belgien gewählt Viele Fragen mußßn dabei berücksichtigt werden Die Frage der Momrchie stand vielleicht am stärksten im Vordergrund So möchte es wenigstens dem auswärtigen Betrachter auf Grund der Pressemeldungen ersehenen.

De- Sieg der katholischen Christlich Sozialen Partei, die von 202 Sitzen der Kammer 92 erobern konnte, wurde vom König im Exil mit Genugtuung begrüßt. Der Ministerpräsident van Acker, der ach im vergangenen Jahr gegen die Rückkehr des Königs ausgesprochen hatte, ist auf Grund der Wahlen zurückgetreten Die Christlich Sozialen werden allein nicht die Mehrheit in der Kammer haben, wohS aber im Senat Ob sie allein ausreichen, dem König die moralische Grundlage für die Fückkehr nach Belgien zu bieten, bleibt noch offen %Eigenartig ist das Abweichen des Wahlergebnisses von dem der Wahlen im benachbarten Frankreich. Zwar haben die Kommunisten auch in Belgien stark an Stimmen gewonnen, aber sie konnten mit 24 Sitzen nur wenig mehr als 10 v. H der Parlamentssitze überhaupt erringen. Die zweitstärkste Partei bleiben die Sozialisten mit 68 Sitzen. Sie haben jedoch empfindliche Einbußen erlitten, und ihre Hoffnung auf ein sozialistisches Belgien haben sich nicht erfüllt. Das Zünglein an der Waage werden die Liberalen trotz des Schrumpfens ihrer Sitze auf 18 bilden. Von den früheren Splitterparteien der flämischen Nationalisten und Rexisten ist nichts übriggeblieben. Der Sturm der Zeit und ihr Verhalten wahrend der deutschen Besetzung haben sie hinweggefegt. 322 000 Personen wurde das Sümmrecht auf Grund ihrer Tätigkeit während, des Krieges entzogen Frühere Mitläufer der verbotenen Parteien haben für die Christlich Sozialen gestimmt Das geht deutlich daraus hervor, daß die Gebiete, die bei den letzten Wahlen vor dem Kriege einen besonders hohen Prozentsatz der Wahlstimmen dieser Parteien aufwiesen, am Sonntag sich deutlich zugunsten der Katholiken aussprachen.

Die Erklärung für die Wahl in Belgien dürfen wir in der Stimmung der ländlichen Gebiete, besonders der flämischen Bezirke, suchen Während in den Monaten nach der Befreiung die Industriegebiete und insbesondere die Hauptstadt Brüssel die politische Entwicklung Belgiens vorwiegend bestimmten, ist bei den Wahlen das flache Land zu Wort gekommen. Es hatrsich erwiesen, daß der Rückhalt der Katholiken, die seit 65 Jahren ununterbrochen in der Regierung vertreten waren, durch die Ereignisse des Krieges und ihre Stellung zum König nicht erschüttert worden ist. Sie waren zurückgetreten, nachdem der Ministerpräsident van Acker mit seinem Rücktritt gedroht hatte, wenn König Leopold die Grenze überschreiten sollte. Damals hat der König eine Proklamation erlassen in der er sich bereit erklärte, sich der Souveränität des Volkes zu unterwerfen. Am Sonntag hat da Volk gesprochen.