Das Spiel um Franco nimmt die dramatische Form der Schlußrunde an. Giral, der von den flüchtigen Abgeordneten der Cortes in Mexiko zum Ministerpräsidenten der republikanischen Regierung gewählt wurde, ist in Paris eingetroffen. Er droht mit dem Aufstand in Madrid und den nordspanischen Industriegegenden. Aber wird die unterirdische Bewegung stark genug sein, die Kräfte um Franco – die Falange mit fast hunderttausend bezahlten Beamten das Heer, die Polizei – zu überwinden? Es wird sogar unter den Republikanern bezweifelt. Negrin neben Giral die aktivste Persönlichkeit in diesem Lager, tritt dafür ein, zunächst die breite neutrale Masse gegen Franco aufzubringen. Das Rezept lautet: Wirtschaftlicher Boykott von außen. Negrin selbst reist viel umher, um für diesen Boykott zu werben. Die französische Regierung setzt sich besonders für ihn ein.

Nun ist eine neue Figur in den Vordergrund getreten: Don Juan. Er ist der dritte Sohn König Alfons XIII. Sein ältester Bruder litt an der Blutkrankheit, sein Zweitältester ist taubstumm. Diese beiden Brüder heirateten nicht nach den königlichen Hausgesetzen und schieden auch dadurch für die Thronfolge aus Als Alfons XIII. im August 1931 das Land verlassen mußte, übertrug er die königlichen Rechte auf Don Juan Im Februar 1941, kurz vor seinem Tode, richtete er ein Manifest an das Spanische Volk, in dem er endgültig zugunsten Don Juans abdankte. Nach strenger monarchistischer Auffassung ist Don Juan rechtmäßiger König von Spanien. Seine Anhänger nannten ihn erst kürzlich in einer Adresse "Seine Majestät König Juan III."

Don Juan verließ Spanien mit seinem Vater. Bald darauf trat er in die englische Marine ein, besuchte die Kriegsmarineschule in Dartmouth, wurde im Januar 1933 zum Flaggleutnant ernannt und dem Offizierkorps des englischen Kreuzers "Enterprise" zugeteilt Kurz vor seiner Heirat im Herbst 1933 schied er aus der englischen Marine aus. Seine Hochzeit mit Maria Mercedes aus dem Hause Bourbon-Sizilien wurde eine große monarchistische Kundgebung. Sie fand in der Kirche Santa Maria degli Angeli in Rom statt. Tausende von Spaniern aus allen Volksschichten waren dazu nach Italien gekommen, die Ärmeren auf Kosten der Reicheren, die Sonderzüge und Sonderüberfahrten organisiert hatten. Den Brautzug bildeten Landleute aus allen Teilen Spaniens mit Krügen spanischer Erde. Als sich das Brautpaar dem Altar näherte, brachen die in der Kirche sich drängenden Massen in Hochrufe auf das spanische Königshaus aus.

Dann wurde es wieder still um Don Juan. Er ging auf Reisen und zog sich schließlich in ein Landhaus am Genfer See zurück. Nach dem Ende dieses Weltkriegs, das auch die Stellung Francos nicht unberührt ließ, gingen Vermittler zwischen Madrid und der Schweiz hin und her. Aber es war keine Einigung zu erzielen. Don Juan glaubt trotzdem, daß die Situation für ihn reif genug geworden ist. Anfang dieses Monats verlegte er sein Hauptquartier – nach monarchistischer Auffassung seinen Hof – nach Lissabon. Franco wäre wohl bereit, sich von Don Juan den Rückzug hinter eine Monarchie decken zu lassen, aber Don Juan will nicht von Franco auf den Thron gesetzt werden; er will sich überhaupt so wenig wie möglich mit ihm belasten. Bezeichnend ist daß er Francos Bruder, der Botschafter in Portugal ist und zum Empfang auf dem Flugplatz erschienen war, kühl behandelte und einen Platz in dessen Wagen ablehnte. In Spanien werden Unterschriften für Don Juan gesammelt. Überraschend viele führende Männer, die zu Franco standen, weil sie einer Revolution von unten widerstrebten, schwanken zu ihm über, seitdem er eine demokritische und soziale Monarchie in Aussicht stellt.

Franco erklärt, nicht Weichen zu wollen, was ihn jedoch nicht hindert, weiter mit Don Juan Fühlung zu halten. Es gibt, vom monarchistischen Lager aus gesehen, zwei Möglichkeiten Franco zu überspielen. Die eine ist ein Aufstand von oben, in erster Linie eine Entscheidung der Generale für die Monarchie mit darauffolgender Volksabstimmung; die andere ist, alle diejenigen von ihm abzuziehen, die ihm nur noch mit halbem Herzen folgen; und ihn so immer stärker zu isolieren. E. G.