Vor der Beendigung ihrer ersten Tagung haben die Vereinten Nationen noch den Beschluß gefaßt, allen Völkern, den reichen wie den armen, den besitzenden wie den besitzlosen, den vom Kriege verwüsteten wie den von seinen Schrecken verschonten, äußerste Sparsamkeit im Verbrauch von Lebensmitteln anzuempfehlen. Welch großer Gedanke. daß die gesamte Menschheit die unendliche Not, die der letzte Krieg gebracht hat. gemeinsam tragen, gemeinsam lindern will:

Von allen Seiten kommen, teilweise überraschend, Hiobsbotschaften: Gewaltige Überschwemmungen in Indien und China, Trockenheit in Australien. Fröste auf Kuba und in Argentinien, Es ist, als ob die Natur selbst sich verschworen hätte, den Menschen die ganze Schwere ihrer Schuld im letzten Kriege zum Bewußtsein zu bringen. Nur wenn alle sich der Gefahr bewußt sind und sich bereit finden, mindestens einen Teil der kommenden Leiden zu übernehmen, kann das Schlimmste, die Ausbreitung von entsetzlichen Krankheiten, verhindert werden.

Die Wissenschaftler versuchen. Erklärungen für die ungewöhnlichen Verhältnisse auf Erden zu bringen. Die Sonnenflecken haben diesen Winter ungeheure Ausmaße angenommen. Magnetische Orkane im Weltäther stören die Elektrobahnen des drahtlosen Funkverkehrs und greifen selbst in die Kabelnetze hinein und lassen Telephonglocken erklingen Alle elf Jahre sollen diese Erscheinungen in regelmäßiger Folge sich wiederholen, nur daß sie dieses Jahr ungewöhnliche Stärke erreicht haben. So steht der philosophischen Erklärung der Wetterkatastrophen die kühlere der Naturwissenschaften gegenüber. Es bleibt die Not.

Aus ihr ist ein Gemeinschaftsbewußtsein hervorgebrochen. wie wir es noch nie in der Geschichte erlebt haben Ein reiches Volk wie die Argentinier in Südamerika findet sich bereit, einen fleischlosen Tag einzulegen, nur um dem hungernden Europa eine größere Menge Fleisch senden zu können. England schränkt sich stärker ein als selbst während des Krieges Australien setzt alle Kräfte ein, um jeden nur verfügbaren Weizen rechtzeitig nach Indien schaffen zu lassen, denn auch dort gilt es, eine entsetzliche drohende Hungersnot abzuwenden.

Wird aus dieser einzigartigen Zusammenarbeit der Völker dieser Erde die große Überzeugung erwachsen. daß nur gemeinsames Zusammenstehen, ohne Rücksicht auf Hautfarbe, Staatsgrenzen, Sprache oder Überzeugungen, der Welt den wahren Frieden bringen kann? Immer noch liegen weite Flächen nutzbaren Ackerbodens brach, immer noch fault die Ernte an manchen Orten, weil nicht genügend Arbeitskräfte, sie zu bergen, bereitstehen; immer noch häufen sich gewaltige Vorräte, weil der Absatz aus politischen Gründen auf Handels- und Zollschranken stößt.

Die bestehenden Hindernisse lassen sich aus idealer Begeisterung allein nicht wegräumen. Aber wenn einmal die seelische Grundhaltung sich zu der Erkenntnis durchgerungen hat. daß menschliche Not, ganz gleich wo und bei wem, gemeinsame Not ist, dann werden wir alle ein wesentliches Stück vorwärtsgekommen sein.